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3.1. Kontinuierliche Immissionsmessungen

3.1.1. Das Zentrale Immissionsmeßnetz (ZIMEN)

In Rheinland-Pfalz wird die Luftqualität im Auftrag des Ministeriums für Umwelt und Forsten seit dem Jahr 1978 fortlaufend durch das Zentrale Immissionsmeßnetz (ZIMEN) des Landesamtes für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht überwacht.

Abbildung 9: Emissionsentwicklung in den Untersuchungsgebieten von Rheinland-Pfalz

Rechtliche Grundlage der Immissionsmessungen ist zunächst § 44 (1) des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, der in den durch Rechtsverordnung festgesetzen Untersuchungsgebieten (Belastungsgebieten) die kontinuierliche Messung der relevanten Luftverunreinigungen vorschreibt. Seit dem Jahr 1984 wurde das ZIMEN im Zuge neuer Aufgaben ständig erweitert und auch auf Meßstandorte in Städten außerhalb der Untersuchungsgebiete (Verdichtungsgebiete) sowie auf Waldgebiete ausgedehnt, so daß inzwischen ein landesweites Immissions-Meßnetz mit insgesamt 32 Meßstationen, davon 28 Mehrkomponenten- und 4 Einkomponentenstationen, zur Überwachung der Luftqualität zur Verfügung steht. In Abbildung 10 sind die Standorte aller Meßstationen graphisch dargestellt. Ferner kann aus Tabelle 24 die exakte topographische Lage anhand von Gauß-Krüger-Koordinaten, Standortcharakteristik sowie die Meßaufgaben der einzelnen Stationen entnommen werden. Je nach Aufgabenstellung werden folgende Meßkomponenten gemessen:

Zur Zeit nimmt das Meßnetz folgende Aufgaben wahr:

Das Zentrale Immissionsmeßnetz besitzt die Struktur eines telemetrischen Meßnetzes. Die in den unbemannten Meßstationen von Analysatoren gemessenen Konzentrationen werden zunächst als Meßwerte von Stationsrechnern zwischengespeichert und anschließend in regelmäßigen Abständen in Form von Halb- bzw. Einstundenmittelwerten automatisch von einem in der Meßnetzzentrale in Mainz stationierten Zentralrechner durch Datenfernübertragung abgerufen. In der Zentrale werden die Meßergebnisse zur allgemeinen Beurteilung der Luftqualität ausgewertet und der Öffentlichkeit über T-Online (* 67677 #), über den Videotext des Südwestfunks (Tafel 175) und im Sommer über das Ozon-Telefon (06131/19725) bekanntgegeben. Damit ist zu jedem Zeitpunkt eine umfassende Information der Bevölkerung gewährleistet.


Meßkomponenten: SO2=Schwefeldioxid, NOx=Stickstoffoxide, CO=Kohlenmonoxid, ST=Staub,
CH=Kohlenwasserstoffe, O3=Ozon, C6H6=Benzol,
PH=pH-Wert, Met=Meteorologie
Standortcharakteristik: UG=Untersuchungsgebiet, VG=Verdichtungsgebiet,
VS=Verkehrsnahe Station, WG=Waldgebiet,
MK=Mehrkomponentenstation, EK=Einkomponentenstation

1) Station ersetzt seit Juli 1991 den Standort Ludwigshafen - Ludwigsplatz

2) Station ersetzt seit Juni 1993 den Standort Speyer - Feuerwache

Tabelle 24: Meßstandorte des Zentralen Immissionsmeßnetzes (ZIMEN)

Abbildung 10: Meßstandorte des Zentralen Immissionsmeßnetzes (ZIMEN)
3.1.2. Ergebnisse

Das im Jahre 1978 gegründete Zentrale Immissionsmeßnetz des Landes Rheinland-Pfalz ist im Lauf seines Bestandes ständig erweitert worden. Waren zunächst die Messungen lokal auf die beiden Untersuchungsgebiete Ludwigshafen-Frankenthal und Mainz-Budenheim begrenzt, erfolgte seit Mitte der 80er eine sukzessive Erweiterung und Ausdehnung des Meßnetzes auf Standorte in anderen Ballungsräumen, in verkehrsrelevanten Innenstadtbereichen sowie in emissionsferneren Waldgebieten. Es entstand ein landesweites, räumlich differenziertes Immissionsinformationssystem, das je nach Meßstandorttyp unterschiedliche Meßergebnisse liefert.

Faßt man die Meßergebnisse der Immissionsmessungen zusammen, so läßt die Entwicklung der Immissionsbelastung über einen Zeitraum von 17 Jahren in den Untersuchungsgebieten und bis zu 11 Jahre in den anderen Ballungsräumen sowie Waldgebieten des Landes verfolgen. Über die einzelnen Jahre hinweg veränderten sich die Konzentrationswerte der verschiedenen Immissionskenngrößen mehr oder weniger ausgeprägt. Für diese Änderungen waren sowohl die wechselnden meteorologischen Bedingungen als auch das sich verändernde Emissionsverhalten verantwortlich. Während die Kurzzeit- und Spitzenbelastungen sehr stark von den meteorologischen Einflüssen und deren Zusammentreffen mit Emissionsepisoden abhingen, schlugen sich in den Jahresmittelwerten neben den von den allgemeinen Klimaschwankungen gesteuerten Konzentrationsänderungen in stärkerem Maße die langfristigen emissionsrelevanten Veränderungen nieder, die z.B. durch den Wandel der Technik oder auch durch administrative Maßnahmen hervorgerufen wurden.

In den Tabellen 25 - 29 sind für den Zeitraum von 1980 bis 1995 die jahresbezogenen Immissionskenngrößen aller gemessenen Schadstoffkomponenten für alle Meßstationen des ZIMEN gegliedert nach Untersuchungs-, Verdichtungs- und Waldgebieten sowie verkehrsnahen Standorten dargestellt. Die arithmetischen Jahresmittelwerte werden als Maß für die Dauerbelastung und die 98 % -Werte als Maß für die Kurzzeitbelastung herangezogen. Der 98 % - Wert kennzeichnet diejenige Immissionskonzentration des Jahres, die bei voller Meßzeiterfassung nur an 175 Stunden (2 %) im Jahr überschritten wird. Die Werte der beiden aufgeführten Immissionskenngrößen sind mit den für die einzelnen Luftschadstoffe gültigen Immissionsgrenzwerten und Immissionsleitwerten zu vergleichen (vgl. Tab. 14 - 18).

Der langfristige Trend der Immissionsbelastung läßt sich am anschaulichsten durch den Verlauf der gleitenden Jahresmittelwerte darstellen, eine Zeitreihe von 12-Monats-Werten, deren Berechnungszeitraum jeweils um einen Monat verschoben ist. Bei gleitenden Jahresmittelwerten sind die saisonalen Schwankungen der Imissionskonzentrationen eliminiert, weshalb sie sich besonders zur Beurteilung der langfristigen Schadstoffentwicklung eignen. Der Verlauf für die einzelnen Schadstoffkomponenten wird in den Abbildungen 12 - 13 dargestellt, zur Veranschaulichung der meteorologischen Verhältnisse im Meßzeitraum zeigt Abbildung 11 die Entwicklung der Lufttemperaturen an ausgewählten Standorten.

Die Rauchgaskomponente Schwefeldioxid besaß wegen seiner Verbreitung als Massenschadstoff und aufgrund seiner Toxizität für Menschen und Pflanzen bereits frühzeitig eine herausragende Bedeutung als Leitschadstoff der Luftreinhaltung. Emissionen von Schwefelverbindungen entstehen produktbezogen bei der Verbrennung von schwefelhaltigen fossilen Brennstoffen, insbesondere bei Holz-, Kohle- und Ölfeuerungen, aber auch im Verkehrsbereich beim Einsatz von Dieselkraftstoff. Bereits in den 80er Jahren wurden bei diesem Schadstoff emissionsmindernde Maßnahmen eingeleitet, die sich positiv auf die Luftqualität auswirken sollten.

Der Verlauf der gleitenden Jahresmittelwerte für Schwefeldioxid (s. Abb. 12) weist an den Stationen in den Untersuchungsgebieten bis zum Jahr 1987 im Jahresmittel eine zwischen 33 und 67 µg/m3 schwankende Immissionsbelastung auf recht hohem Niveau aus. Abbildung 11 zeigt, daß bis zum Jahre 1987 die Durchschnittstemperaturen deutlich niedriger lagen als in den darauffolgenden Jahren. Besonders in den Wintermonaten wurden infolge gesteigerter Heizaktivitäten stark erhöhte SO2-Immissionskonzentationen gemessen, insbesondere während längerandauernder Frostperioden in den Winterhalbjahren 1984 bis 87. In diesen Jahren traten zudem häufiger austauscharme Hochdruckwetterlagen mit Inversionsschichtungen auf, die die Anreicherung von anthropogenen Schadstoffen in der bodennahen Atmosphäre begünstigten (Smogwetterlagen). Bei mäßigen bis starken Winden aus östlichen Richtungen wurden in diesen Perioden trocken-kalte und mit anthropogenen Schadstoffen kontaminierte Luftmassen aus dem Herkunftsgebiet der ehemaligen DDR sowie der Techoslowakei heranführt, die landesweit für hohe Schwefeldioxid-Konzentrationen sorgten.

Seit dem Winter 1987/88 ist an allen Meßstandorten ein deutlichen Rückgang der Immissionskonzentrationen festzustellen. Die Gründe für diesen deutlichen Rückgang sind vielschichtig. Durch das Wirksamwerden der Großfeuerungsanlagenverordnung (vgl. IV 2.3.) und die Altanlagensanierung gemäß TALuft (vgl. IV 2.2.) wurden die industriellen Schwefeldioxid-Emissionen erheblich zurückgefahren. Die insgesamt milderen Witterungsverhältnisse während der folgenden Winterhalbjahre brachten eine durch schwächere Heizaktivitäten der Emittentengruppe Hausbrand verursachte weitere Absenkung der SO2-Emissionen mit sich. Durch das Ausbleiben längeranhaltender kalter winterlicher Hochdruckwetterlagen entfielen zudem die Ferntransporte SO2-kontaminierter Luftmassen aus der ehemaligen DDR und Tschechoslowakei. Zu berücksichtigen ist auch, daß die Drosselung und eingeleitete Sanierungen von Altanlagen in den neuen Bundesländern seit 1989/90 zu einem weiteren Rückgang der Belastungsfracht in aus östlichen Richtungen advehierten Luftmassen führte. So bewirkte der letztmalig im Februar 1991 registrierte, zeitlich begrenzte Ferntransport bei weitem nicht mehr einen so kräftigen Anstieg der Immissionsbelastung, wie er in den Wintern Mitte der 80er Jahre beobachtet wurde.

Seit 1989 verblieb im Jahresmittel die Immissionsbelastung auf gleichbleibend geringem Niveau. 1995 wurden mit Jahresmittelwerten in der Größenordnung von 10 - 14 µg/m3 in den Untersuchungs- und Verdichtungsgebieten maximal lediglich 12 % des IW 1 der TA Luft von 140 µg/m3 erreicht. In den Waldgebieten wurden 4 - 8 µg/m3 ( 7 % des IW 1) gemessen. Sollten diese vergleichsweise niedrigen Immissionskonzentrationen Bestand haben, ist Schwefeldioxid für den Menschen und für Waldökosysteme nicht mehr als bedeutsamer Luftschadstoff anzusehen.

Die Quellen der Immissionsbelastung durch Schwebstaub sind heterogen. Schwebstäube werden einerseits von den Emittentengruppen Industrie und Hausbrand bei der Kohlefeuerung (Winterstaub) und vom Verkehr bei der Verbrennung von Dieselkraftstoff emittiert. Zum anderen werden Staubemissionen auch durch Aufwirbelung von Partikeln von der Erdoberfläche z.B. durch landwirtschaftliche Aktivitäten hervorgerufen. Dabei spielt der Faktor der Trockenheit eine bedeutende Rolle, weshalb Emissionen aus letztgenannter Quelle bevorzugt in den Sommermonaten auftreten (Sommerstaub). Schwebstaub gilt vor allem wegen seiner Inhaltsstoffe mit z.T. kanzerogener Wirkung als ein relevanter Schadstoff.

Die langfristige Entwicklung der Schwebstaub-Immissionsbelastung zeigt ganz allgemein einen deutlichen Rückgang der Belastungsfracht von Werten >70 µg/m3 im Jahr 1982 bis auf Konzentrationen zwischen 19 und 44 µg/m3 im Jahr 1995 (s. Abb. 12). Erhöhte Schwebstaub-Immissionen traten wie beim Schwefeldioxid in den Wintermonaten auf und stammen vor allem aus Feuerungsanlagen ohne Staubrückhaltung. Der verhältnismäßig starke Rückgang der gleitenden Jahresmittel im Jahr 1988 ist ähnlich wie beim Schwefeldioxid auf die insgesamt milde Witterung während der Winterhalbjahre mit geringeren Heizaktivitäten und auf das Ausbleiben der während der Frostperioden stattfindenden Ferntransporte zurückzuführen. Auch beim Schwebstaub wirkten sich in zunehmenden Maße die emissionsmindernden Maßnahmen bei der Emittentengruppe Industrie aus.

In den Jahren 1989 bis 1991 stiegen die Schwebstaubwerte in den Untersuchungs- und Verdichtungsgebieten wieder leicht an, ein Effekt der auf die warme und trockene Witterung in diesen Jahren mit dem vermehrten Auftreten von Sommerstaub zurückzuführen ist (vgl. Abb.11). In den Waldgebieten, in denen die Immissionsbelastung ungefähr auf halbem Niveau liegt, blieb dieser Anstieg aus. Als Folge des niederschlagsreicheren Wetters sanken die Konzentrationen in den Jahren 1992 und 1993 landesweit wieder ab und lagen Ende 1995 lediglich bei 13 - 29 % des IW 1 der TA Luft. Über den gesamten Meßzeitraum ist insgesamt eine deutlicher Rückgang der Schwebstaub-Immissionsbelastung um über 50 % festzustellen.

Stickstoffoxide entstehen vor allem als thermische Nebenprodukte bei Verbrennungsprozessen in Motoren und Feuerungsanlagen. Der Emissionsgrad ist vorrangig von der Verbrennungstemperatur abhängig. Das primär emittierte Stickstoffmonoxid wird in kurzer Zeit zu Stickstoffdioxid in der Atmosphäre oxidiert. Hohe NO-Immissionskonzentrationen treten daher nur in der Nähe von Emissionsquellen auf.

Wie die Emissionserhebungen in den Untersuchungsgebieten gezeigt haben, werden die Luftverunreinigungen durch NOX je nach Gebietsstruktur zu 23 - 81 % von der Emittentengruppe Verkehr verursacht. Sind in den Untersuchungsgebieten Ludwigshafen-Frankenthal und Mainz-Budenheim Stickoxid-Emissionen noch überwiegend der Emittentengruppe Industrie zuzuordnen, bestimmt in weniger stark besiedelten Räumen mit geringerer Industriedichte der Kfz-Verkehr das Emissionsniveau (Untersuchungsgebiet Trier-Konz 81 %). Dementsprechend werden das Verkehrsaufkommen sowie die fahrzeugtechnischen und planerischen Maßnahmen zur Emissionsminderung entscheidend die langfristige Entwicklung der Stickoxid-Immissionsbelastung beeinflussen (vgl. IV 2.5.).

Die gleitenden Jahresmittelwerte für Stickstoffdioxid (s. Abb. 13) stiegen seit Beginn der Messungen kontinuierlich an und schwankten im Jahr 1985 mit Werten zwischen 70 und 85 µg/m3 um den für Stickstoffdioxid gültigen IW 1 der TA Luft (80 µg/m3). Der Anstieg der Stickstoffdioxidkonzentrationen, der im wesentlichen auf die Zunahme des Verkehrsaufkommens und der Fahrleistungen sowie auf den Einsatz von mit hohen Verbrennungstemperaturen betriebenen hochverdichteten Motoren zurückzuführen ist, konnte zunächst mit den seit 1985 eingeführten Maßnahmen zur Emissionsminderung in der Industrie und durch den Einsatz von Abgaskatalysatoren bei Personenkraftwagen nur geringfügig kompensiert werden. Nach einem Rückgang der Immissionen in 1986 stiegen in den Jahren 1989 bis 1991 die NO2-Werte nochmals leicht an, ohne jedoch den IW 1 zu überschreiten. Erst seit 1992 ist ein deutliches Absinken der NO2-Konzentrationen festzustellen, zum großen Teil eine Folge des zunehmenden Anteils von Katalysatorfahrzeugen an der Fahrzeugflotte. In diesem Zusammenhang ist jedoch zu berücksichtigen, daß der Rückgang der Immissionsbelastung zum Teil auch durch die niederschlagsreiche Witterung in den Jahren 1992 und 1993 verstärkt wurde. Nach einem weiteren Rückgang lagen die Immissionskonzentrationen 1995 im Jahresmittel an den Mehrkomponentenmeßstationen der Untersuchungsgebiete bei 27 - 52 µg/m3. Sie schöpften damit den IW 1 der TA Luft zu etwa 34 - 65 % aus.

In den Waldgebieten des Landes wurden im langfristigen Verlauf weniger als ein Drittel der in Ballungsräumen festgestellten NO2-Immissionskonzentrationen gemessen (s. Abb. 13). Wegen seiner hohen Reaktivität in der Atmosphäre wird Stickstoffdioxid verhältnismäßig schnell abgebaut und als Salpetersäure naß bzw. trocken deponiert. Vom Land Rheinland-Pfalz durchgeführte Wirkungsuntersuchungen an Materialien und Depositionsmessungen in Waldökosystemen weisen darauf hin, daß die von Stickoxidemissionen induzierte Nitratbelastung ein erhebliches Schädigungspotential besitzt (vgl. III 3.5. und IV 3.1.).

Ein besonderes Augenmerk ist auf die Immissionssituation in stark vom Verkehr frequentierten Innenstadtbereichen zu richten. Gerade im Randbereich dicht befahrener Durchgangsstraßen können Fußgänger und Radfahrer weiterhin mit hohen Stickoxid-Konzentrationen konfrontiert werden, wie Immissionsmessungen in Mainz gezeigt haben (vgl. Kap. III 3.3.).

Auch bei der verkehrsnahen Komponente Stickstoffmonoxid ist inzwischen ein kontinuierlicher Rückgang der Immissionsbelastung eingetreten. Die Jahresmittelwerte, die bis 1985 in etwa proportional zur NO2-Belastung anstiegen, gingen in der Folgezeit bis auf Werte zwischen 17 und 58 µg/m3 an Mehrkomponentenmeßstandorten in den Untersuchungsgebieten zurück (vgl. Tab. 25 - 29). Da Stickstoffmonoxid in der Atmosphäre schnell abgebaut wird, treten an den verkehrsnahen Meßstandorten wie z.B. am Friedrich-Ebert-Ring in Koblenz oder an der Parcusstraße in Mainz weiterhin relevante Immissionskonzentrationen auf, während in Waldgebieten de facto kein NO gemessen wird. Die hohe Reaktivität des Schadstoffs bewirkt auch eine starke Saisonalität und Tagesperiodizität der Immissionsbelastung. Maxima von NO treten im Winterhalbjahr und im Tagesverlauf in den Nacht- und Morgenstunden auf, wenn das Oxidationspotential der Atmosphäre vergleichsweise gering ist.

Als weitere überwiegend verkehrsrelevante Luftschadstoffe gelten Kohlenmonoxid und die Summe der methanfreien Kohlenwasserstoffe. Diese Komponenten entstehen vorwiegend als Folge von unvollständigen Verbrennungsprozessen, z.B. im Kfz-Motor. Für die Beurteilung der Kohlenwasserstoffe gibt es keine Richtwerte. Wegen der Kanzerogenität einiger organischer Komponenten kommt der Messung dieser Schadstoffgruppe jedoch eine zunehmende Bedeutung zu. Vor allem die aus Kraftstoffen stammenden aromatischen Kohlenwasserstoffverbindungen wie z.B. Benzol, Toluol und Xylol werden an verkehrsreichen Standorten emittiert.

Als Primärschadstoffe mit verhältnismäßig geringer Lebensdauer sind die gemessenen Konzentrationen von Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoffen unter normalen meteorologischen Bedingungen wesentlich vom Abstand des jeweiligen Meßstandortes von der Emissionsquelle und von den meteorologischen Verhältnissen abhängig. Erhöhte Konzentrationen treten nur bei austauscharmen Wetterlagen auf, wie sie vor allem im Winterhalbjahr zu erwarten sind. Beide Komponenten unterliegen wie beim Stickstoffmonoxid starken saisonbedingten und tageszeitlichen Schwankungen mit Maxima im Winter und in den Nachtstunden und Minima im Sommer und während des Tages, weil CO und insbesondere die Kohlenwasserstoffe schnell durch physikochemische Prozesse abgebaut werden.

Die Jahresmittelwerte von Kohlenmonoxid lagen 1995 selbst an den verkehrsnahen Meßstationen mit Werten unterhalb von 2,2 mg/m3 deutlich unter dem IW 1 der TA Luft von 10mg/m3 (vgl. Tab. 29). Ebenso wie bei den anderen Meßkomponenten ist hier über den gesamten Meßzeitraum ein Rückgang der Konzentrationen eingetreten. Bei den Kohlenwasserstoffen hingegen ist kein einheitlicher Trend der Immissionsentwicklung auszumachen. Bei der Mehrzahl der mit Kohlenwasserstoffanalysatoren ausgerüsteten Stationen in den Untersuchungsgebieten ist seit 1989 ein leichter Anstieg der Immissionsbelastung festgestellt worden. Im Jahr 1995 lagen die Konzentrationen im Jahresmittel zwischen 50 und 146 µg/m3 und zeigten damit je nach Standort eine recht unterschiedliche Immissionsbelastung an (vgl. Tab. 25 - 29).

Seit der Aufnahme der kontinuierlichen Immissionsmessungen wird an den Meßstationen des ZIMEN auch Ozon erfaßt (s. Abb. 13). Dieser sekundäre Luftschadstoff entsteht in der bodennahen Troposphäre als Endprodukt eines komplexen photochemischen Reaktionssystems, bei dem die Stickstoffoxide und die Kohlenwasserstoffe als Vorläufersubstanzen eine wesentliche Rolle spielen (vgl. IV 3.2.). Da troposphärisches Ozon durch die photolytische Dissoziation von Stickstoffdioxid gebildet wird, ist neben den Konzentrationen der Vorläuferstoffe die Strahlungsintensität und die Sonnenscheindauer bestimmender Faktor für die Ozon-Synthese. Dementsprechend weist der Konzentrationsverlauf ein ausgeprägtes saisonales Verhalten mit Maxima in den Sommermonaten und Minima in den Wintermonaten auf und ist dabei streng korreliert mit dem Jahresgang der Globalstrahlung und der Lufttemperatur. Ähnliches gilt für den Tagesgang der Immissionskonzentration. Ozon wird am Tage in Abhängigkeit von der Intensität der Sonnenstrahlung produziert und in der Nacht durch anthropogene NO-Emissionen wieder abgebaut.

Der Verlauf der gleitenden Jahresmittelwerte weist für die 80er Jahre insgesamt einen Anstieg der Ozon-Immissionsbelastung um 10 µg/m3 auf 40 µg/m3 in den Untersuchungsgebieten des Landes aus. Die Ursachen für die Zunahme von Ozon in dieser Dekade ist z.T. auf die vermehrte Freisetzung von Vorläuferstoffemissionen durch die Emittentengruppe Verkehr zurückzuführen. Zu berücksichtigen ist weiterhin, daß die Entstehung von Perioden erhöhter Ozon-Immissionsbelastung wesentlich von den klimatischen Verhältnissen abhängig ist. So begünstigten vor allem die Witterungsbedingungen der Jahre 1989 bis 1991, in denen trockene und warme Sommermonate mit längerandauernden Schönwetterperioden mit hoher Sonnenscheindauer zu verzeichnen waren, erheblich die Entwicklung von Oxidantien. Nachdem in den Jahren 1992 und 1993 bei einer insgesamt niederschlagsreicheren und kühleren Witterung eine Entspannung der Immissionssituation eintrat, stieg die Ozon-Immissionsbelastung im Jahr 1994 landesweit als Folge des warmtrockenen Sommers wieder leicht an. Im Jahr 1995 hat sich dagegen die abnehmende Tendenz der Ozonbelastung der letzten Jahre fortgesetzt.

1995 lagen die Ozon-Konzentrationen im Jahresmittel in den Untersuchungs- und Verdichtungsgebieten bei 26 bis 39 µg/m3, in Waldgebieten werden fast doppelt so hohe Immissionskonzentrationen registriert (vgl. Abb. 13). Verantwortlich für diese Immissionsbelastung ist weniger das Auftreten von Spitzenwerten bei Belastungsperioden, sondern die lange Lebensdauer des Ozons in emissionsfernen Regionen. Ozon wird bei der Ausbreitung anthropogen kontaminierter Luftmassen in die Waldgebiete produziert, jedoch dort unzureichend durch das emissionsrelevante Stickstoffmonoxid wieder abgebaut, das wie in den städtischen, emissionsnahen Räumen für den nächtlichen Rückgang des Ozon-Pegels verantwortlich ist.

Faßt man die Ergebnisse der langjährigen Meßaktivitäten des ZIMEN zusammen, so ist festzustellen, daß insbesondere beim Schwefeldioxid und bei den Stäuben ein deutlicher Rückgang der Immissionsbelastung eingetreten ist, Konsequenz der wirksamen Maßnahmen zur Emissionsminderungen bei der Emittentengruppe Industrie. Auch bei den verkehrsrelevanten Schadstoffen Kohlenmonoxid, Stickoxiden und Kohlenwasserstoffen ist inzwischen infolge der langsam greifenden Minderungsmaßnahmen ein Trend zu niedrigeren Immissionen erkennbar, der letztlich auch die Ozon-Immissionsbelastung beeinflussen wird.

Der Trend der Immissionsbelastung an den Luftmeßstationen des ZIMEN hat sich im Jahr 1996 fortgesetzt.

Abbildung 11: Gleitende Jahresmittelwerte der Lufttemperatur an ausgewählten Immissionsmeßstationen in Rheinland-Pfalz von 1981 - 1995

Abbildung 12: Gleitende Jahresmittelwerte von Schwefeldioxid und Staub an ausgewählten Immissionsmeßstationen in Rheinland-Pfalz von 1981 - 1995

Abbildung 13: Gleitende Jahresmittelwerte von Stickstoffdioxid und Ozon an ausgewählten Immissionsmeßstationen in Rheinland-Pfalz von 1981 - 1995

Tabelle 25: Jahresmittelwerte der Immissionsbelastung an den Mehrkomponentenstationen im Untersuchungsgebiet Ludwigshafen-Frankenthal von 1980 - 1995

Tabelle 26: Jahresmittelwerte der Immissionsbelastung an den Mehrkomponentenstationen im Untersuchungsgebiet Mainz-Budenheim von 1980 - 1995

1) Meßzeitraum 1.6.92 - 31.12.92, 2) Verlegung des Meßstandortes im Jahr 1995 in die Ostallee
3) Verlegung des Meßstandortes im Jahr 1994 in die Bosenheimer Straße, 4) Verlegung des Meßstandortes im
Juni 1993 zum St.-Guido-Stifts-Platz

Tabelle 27: Jahresmittelwerte der Immissionsbelastung in den Verdichtungsgebieten des Landes Rheinland-Pfalz

1) Meßzeitraum 1.6.90 - 31.12.90

Tabelle 27: Jahresmittelwerte der Immissionsbelastung in den Verdichtungsgebieten des Landes Rheinland-Pfalz - Fortsetzung -

1) Im Jahr 1985 Kenngröße für die Kurzzeitbelastung als 95 % - Perzentil angegeben

Tabelle 28: Jahresmittelwerte der Immissionsbelastung in den Waldgebieten des Landes Rheinland-Pfalz

Tabelle 28: Jahresmittelwerte der Immissionsbelastung in den Waldgebieten des Landes Rheinland-Pfalz - Fortsetzung -

*) nicht angegeben

Tabelle 29: Jahresmittelwerte der Immissionsbelastung an den verkehrsnahen Meßstationen in den Untersuchungsgebieten


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