46/2006
3 Fragen zur Sache
Michael Leschnig

An Michael Leschnig, Leiter des Hauses der Nachhaltigkeit

Die Förster gelten als 'Erfinder' der Nachhaltigkeit.
Ist das Haus der Nachhaltigkeit also ein Forsthaus?
In gewisser Weise – Ja. Forstleute hatten die Idee zu diesem Projekt und sind nun auch dafür verantwortlich. Außerdem ist unsere Einrichtung ein gutes Symbol für das neue Selbstverständnis der Landesforsten Rheinland-Pfalz. Wir Förster sehen uns als ein zukunftsorientierter Akteur im Bereich der Daseinsvorsorge für die Gesellschaft. Unsere traditionelle Aufgabe der Waldbewirtschaftung wurde um den Auftrag der Lösung wichtiger Zukunftsfragen erweitert. Unser Ziel ist es, den Menschen unter Beachtung der Maxime ‚Nachhaltigkeit’ eine Orientierung zu geben. Für uns spielen deshalb die Themen Energie, Ernährung, Mobilität, Freizeit und Kultur eine wichtige Rolle. Wir begreifen uns als eine Art Verbraucherzentrale für das Biosphärenreservat. Unser Rückgrat bilden die Forstämter im Pfälzerwald mit ihren jeweiligen Fachleuten und guten Kontakten. Sie stoßen mit uns zusammen vor Ort neue Entwicklungen an und fördern vorhandene Ansätze.

Wie wird die Einrichtung bisher angenommen?
Im letzten Jahr haben uns über alle Veranstaltungen und Angebote hinweg rund 25.000 Gäste besucht. Diese Zahl hat unsere Erwartung weit übertroffen. Aus Gesprächen, Mailkontakten und Eintragungen im Gästebuch wissen wir, dass unser Gebäude aus Lehm, Buntsandstein und viel Pfälzer Holz den Besuchern Behaglichkeit und Geborgenheit vermittelt. Darüber hinaus profitieren wir von dem reizvollen Waldambiente an einem traditionellen Ausflugsziel und von der Lage an einer wichtigen Wegekreuzung im Pfälzerwald. Bei den günstigen Grundvoraussetzungen lässt sich unser Informations- und Bildungsauftrag mit dem Wohlfühlaspekt in idealer Weise verbinden. Gute Kritiken erhalten wir für unseren kostenlosen digitalen Newsletter mit Beiträgen aus dem Biosphärenreservat, der mittlerweile von rund 1.500 Abonnenten bezogen wird (Bestellung unter: www.hdn-pfalz.de/neues). Erfreulich auch die Entwicklung bei unserem Bemühen, Partner aus dem sozialen Bereich und aus der Wirtschaft in das Netzwerk der Nachhaltigkeit zu integrieren. Wir können auf Kontakte zur Handwerkskammer der Pfalz, zu Touristikern, zur TU Kaiserslautern und zu den Verkehrsverbünden bauen. Wichtigster Partner ist und bleibt aber der Verein Naturpark Pfälzerwald als Träger des Biosphärenreservats.

Gibt es eine Konkurrenz zum Biosphärenhaus?
Aus meiner Sicht - Nein! Mit dem Biosphärenhaus in Fischbach, dem Naturkundemuseum in Bad Dürkheim und dem Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz verfügt der Pfälzerwald über eine gute Ausstattung an Informationszentren. Die drei Einrichtungen verteilen sich auf die wichtigen Teilräume des Gebietes mit den jeweils unterschiedlichen Einzugsgebieten: Haardt und Weinstraße im Osten, Wasgau an der Grenze zu Frankreich im Süden und zentraler und nördlicher Pfälzerwald. Sie ergänzen sich aber nicht nur geographisch sondern auch thematisch. Die einen forschen und präsentieren eine wichtige naturkundliche Sammlung, die anderen setzen auf moderne Umweltbildungsangebote und wir verstehen uns als eine Clearingstelle mit Informationen und Veranstaltungen zur Nachhaltigkeit im Alltag der Menschen. Vor diesem Hintergrund war die Eröffnung des Hauses der Nachhaltigkeit ein wichtiger Lückenschluss auf dem Kommunikationsmarkt des Biosphärenreservats. Im Übrigen kooperieren wir mit den Fischbachern direkt und veranstalten auch dieses Jahr wieder gemeinsam die Biosphärentage.

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