46/2006
Nachhaltigkeit ist Friedenssicherung
Diskussionsrunde

„Der Frieden in der Welt hängt auch davon ab, ob Auseinandersetzungen um knappe Ressourcen entstehen. Die Friedenspolitik der Zukunft muss sich daher bemühen, eine ökologisch, ökonomisch und sozial gerechte Entwicklung zu fördern. Hier setzt die Zusammenarbeit des Umweltministeriums mit der Bundeswehr ein. Gemeinsam geht es uns darum, ein Bewusstsein für Zusammenhänge zu schaffen, denn Krisenprävention beginnt zu Hause.“ Das erklärte Umweltministerin Margit Conrad zur Eröffnung der Tagung „Nachhaltigkeit ist Friedenssicherung – Wie verhindern wir ein Jahrhundert der Verteilungskonflikte?“ in der Mainzer Staatskanzlei, die das Umweltministerium gemeinsam mit der Bundeswehr veranstaltete.

Vorausgegangen war eine von der LZU initiierte Vereinbarung über eine Zusammenarbeit zur „Friedens­sicherung und Nachhaltigkeit“, die Ministerin Conrad und der Befehlshaber im Wehrbereich II, Generalmajor Bernd Diepenhorst vor mehr als einem Jahr unterzeichnet haben. Diese Kooperationsvereinbarung wurde im Rahmen der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ als ein Dekade-Projekt ausgezeichnet.

Die Tagung unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Kurt Beck lockte mehr als 200 Teilnehmer an, die Antworten auf die Frage suchten, wie ein nachhaltiges Verhalten hier bei uns künftige Krisen verhindern kann.

Referenten waren neben der Umweltministerin, der indische Energiefor­scher und Vorsitzende des „Inter­govern­mental Panel on Climate Change“ des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Prof. Dr. Rajendra K. Pachauri, sowie Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Generalmajor Bernd Diepenhorst und Ernst Schwanhold (BASF AG). Friedensnobelpreisträgerin, Professor Wangari Muta Maathai, hatte vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation in Kenia Ihre Teilnahme kurzfristig absagen müssen.

Umweltministerin Margit Conrad betonte, es sei notwendig zu vermitteln, dass das eigene Konsumverhalten letztlich damit zu tun hat, ob etwa auf der anderen Seite der Erde der Meeresspiegel steigt und Lebensraum bedroht, was zu Auseinandersetzungen führen kann. Diese Zusammenhänge sollten gemeinsam in die Gesellschaft getragen werden, auch mit dem Ziel, unsere Lebensstile und Konsummuster kritisch zu hinterfragen. Weil Frie­dens­sicherung heute sehr viel mit unserem Bewusstsein für Zusammenhänge zu tun habe, sei zum Beispiel eine erfolgreiche Klimaschutzpolitik zu­gleich Friedenspolitik. Politik, zumal auf Landesebene, stelle sich neue Aufgaben, wenn sie Akzeptanz für notwendige Veränderungen schafft.

Conrad bezeichnete die Bundeswehr als kompetenten und glaubwürdigen Partner, um die Herausforderungen Nachhaltiger Entwicklung zu kommunizieren und anzupacken. In der Bundeswehr arbeiteten die Menschen unseres Landes, die in Sachen Krisenprävention die größte Erfahrung hätten und ihre Aufgabe darin sähen, Konflikte bereits im Vorfeld vermeiden zu helfen.

„Wir stimmen darin überein, dass die Auseinandersetzungen um knappe Ressourcen einer der größten friedensbedrohenden Faktoren unserer Zeit sein kann“, stellte die Ministerin fest. Die vorbeugende Vermeidung von Krisen müsse langfristig angelegt und glaubwürdig sein und auf Vermeidung von Gewalt zielen. Die tragenden Säulen der Kooperation seien daher: Gemeinsame Kommunikation dieser Zusammenhänge in die Gesellschaft sowie der Wissens-, Erfahrungs- und Know-how-Transfer zwischen den Kooperationspartnern. Die Zusammenarbeit für eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit sei einzigartig und setze in der Aus- und Weiterbildung an sowie in gemeinsamen Projekten.

Gemeinsame konkrete Felder für die Kooperation seien bereits gefunden: die Kommunikation der Zusammenhänge von Nachhaltigkeit und Friedenssicherung in den Schulen, eine Kooperation mit der Landesforstverwaltung, damit in der Aus- und Fortbildung innerhalb der Bundeswehr der Begriff der Nachhaltigkeit konkret wird, sowie die Kooperation mit Hochschulen im Land.

zum Heftindex