47/2005
Aus Verantwortung zur Nachhaltigkeit
 

„Nachhaltig leben – das lohnt sich!“ war das Thema einer gemeinsamen Informationsveranstaltung der Landfrauenverbände und der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz in Göllheim. Dr. Elisabeth Seemer, Leiterin des Referates Betriebswirtschaft und Markt bei der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, äußerte sich dort über die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft, Nachhaltigkeit und Wettbewerb.

Den noch vor wenigen Jahren weitgehend unbekannte Begriff Nachhaltigkeit betrachtete sie dabei keineswegs als ein Produkt des Zeitgeistes und damit eine Erscheinung mit kurzer Lebensdauer. Nachhaltigkeit sei vielmehr im gleichen Maße in das Bewusstsein von Verbrauchern und Produzenten gedrungen wie die Erkenntnis, dass ein gedankenloser oder fahrlässiger Umgang mit der Umwelt zu einer ernsten Bedrohung der natürlichen Lebensgrundlagen führt. Heute wisse jeder, dass er die Verantwortung für die Qualität der Lebensbedingungen von Kindern und Enkeln mittrage. Nachhaltigkeit sei nichts anderes als die Umsetzung dieser Erkenntnis in ein verantwortungsvolles Verhalten. In der Landwirtschaft bedeute das eine vorausschauende Bewirtschaftung vor dem Hintergrund eines schonenden Umgangs mit den natürlichen Ressourcen des Betriebes.

Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit stehen dabei nicht im Widerspruch. Im Gegenteil, sie gehören zusammen und bedingen einander. Eine nachhaltige Landwirtschaft, so Dr. Seemer, funktioniert nur mit wettbewerbsfähigen Betrieben, und die Betriebe werden ihre Wettbewerbsfähigkeit nur erhalten können, wenn sie durch nachhaltige Bewirtschaftung ihre Existenzgrundlage langfristig sichern.

Die Landwirtschaftskammer fördert nachhaltige Bewirtschaftung und hat ihre aktive Unterstützung auf zwei Ziele ausgerichtet. Da ist zum einen der Verbraucher, den es über die Bedeutung von Nachhaltigkeit zu informieren und von der Qualität und Bekömmlichkeit nachhaltig erzeugter Produkte zu überzeugen gilt. Da sind zum anderen die landwirtschaftlichen Betriebe, denen die Kammer mit Beratung und konkreter Marketingunterstützung hilft, ihre Marktposition zu festigen und auszubauen. Der erste Schritt heißt Information. Informationsquellen stehen dem Verbraucher in vielfältiger Form kostenlos und benutzerfreundlich zur Verfügung. Sie müssen nur genutzt werden, am besten und einfachsten durch die unmittelbare Kommunikation mit dem Erzeuger. Ein Gütesiegel wird nur dann verstanden, wenn die damit verbundenen Inhalte und Kriterien bekannt sind. Der zweite Schritt ist, die aus der Information gewonnenen Erkenntnisse im Bewusstsein zu verankern und im Konsumverhalten konsequent umzusetzen. Wer Nachhaltigkeit fördern will, indem er vorwiegend auf regionale Produkte zurückgreift, nimmt in Kauf, dass es beim heimischen Bauern keine Bananen oder Zitronen gibt, Erdbeeren erst ab Juni Saison haben und dass die Lende eines Schweins irgendwann ausverkauft sein kann, weil es nur zwei hat. Schließlich sollten die Zusammenhänge zwischen Nachhaltigkeit, Ökologie und Ressourcenschonung in die allgemeine Wertediskussion eingebracht werden, damit den heimischen Agrarprodukten und ihren Erzeugern wieder die Wertschätzung zuteil wird, die ihnen zukommt.

Frieder Zimmermann
Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz

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