47/2005
3 Fragen zur Sache
Prof. Dr. Peter Heck, IfaS

Prof. Dr. Peter Heck, IfaS

Regionales Stoffstrommanagement – Was ist das?
Die Optimierung von Stoffströmen wurde schon vor etlichen Jahren in der Abfallwirtschaft und der chemischen In- dustrie angewendet um die Kosten zu senken, Abfälle zu reduzieren und die Wertschöpfung zu erhöhen. Auch innerhalb von Kommunen und Landkreisen wird täglich eine Vielzahl von Stoffen produziert, genutzt und entsorgt (Abfälle, landwirtschaftliche Produkte, Holz, Wasser, Abwasser usw.). Die in der Region vorhandenen Stoff- und Energieströme sowie die Nutzung bisher un- genutzter Ressourcen unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Faktoren zu optimieren, trägt zum Klimaschutz bei und erhöht gleichzeitig die Wertschöpfung in einer Region. Ein Beispiel hierfür ist die Nutzung regionaler, erneuerbarer Energieträger wie Holz oder Biomasse aus der Landwirtschaft. Durch deren Nutzung fließen finanzielle Mittel für Energie nicht mehr aus der Region heraus, sondern bleiben im regionalen Wirtschaftskreislauf erhalten.

Was sind die Ziele und die Philosophie des IfaS?
Das IfaS hat sich zum Ziel gesetzt, die nachhaltige Optimierung von regionalen und betrieblichen Stoffströmen in konkreten, praxisnahen Projekten zu fördern und im Bereich der internationalen nichtakademischen und akademischen Fort- und Weiterbildungen die Lehre des Stoffstrommanagements zu vermitteln.

Die Philosophie des IfaS sieht in dem intelligenten und ressourceneffizienten Umgang mit Stoffen weniger ein technisches Problem, sondern vielmehr ein Managementproblem. Das IfaS verfolgt daher einen systemischen, businesorientierten Ansatz zur Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie.

Worin liegt der Erfolg des IfaS?
Ziel des IfaS ist eine möglichst schnelle Umsetzung konkreter Projekte. Oftmals geht es hierbei nicht um die Entwicklung neuer Technologien, sondern um die innovative Kombination erprobter Techniken verbunden mit effizientem Management. Beispielhaft ist das mit dem Deutschen Solarpreis 2005 aus-gezeichnete und durch die Landeszentrale für Umweltaufklärung geförderte Projekt "Zero-Emission-Village Weiler- bach". Die vom März 2001 bis Juni 2003 durch das IfaS durchgeführte Projektstudie zeigte, dass eine CO2-neu-trale, 100 Prozent regenerative Versorgung der 14.700 Einwohner (6.850 Haushalte) der Verbandsgemeinde durch die regenerativen Energiepotenziale der Region und durch die ermittelten Potenziale zur Energieeinsparung möglich ist. Im Rahmen der parallel zur Studie initiierten praktischen Umsetzung wurden seither circa 20 Millionen Euro durch private Investoren und die Verbandsgemeinde in Projekte wie Nahwärmenetze, Photovoltaikanlagen, Wärmedämmung und Windkraft inves-tiert. Neben einer deutlichen Verringerung der CO2-Emissionen werden durch diese Maßnahmen auch verstärkt regionale Ressourcen genutzt und die regionale Wirtschaft gestärkt. Die Erfolge hierbei sind so groß, dass durch das Projekt die Ansiedlung von Gewerbe und Existenzgründungen im Bereich erneuerbarer Energien in der Verbandsgemeinde initiiert wurde. Aufbauend auf diesen Erfahrungen werden derzeit 25 (Verbands-)Gemeinden und vier Landkreise in Fragen des Stoffstrommanagements unterstützt und beraten.

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