47/2005
Nachhaltigkeit im Kindergarten lernen
Nachhaltigkeit im Kindergarten lernen

„Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Bildung an; um die Verwirklichung dieser auf der Grundlage der Chancengleichheit fortschreitend zu erreichen.“ So ist es in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben. Wie alt ein Kind sein muss, um diesen Rechtsanspruch zu haben, darüber haben die Vereinten Nationen nichts vereinbart. Nicht erst seit im Rahmen der PISA-Studien über Bildung diskutiert wird, setzt sich die Erkenntnis durch, dass Bildungsinhalte so früh wie möglich vermittelt werden sollten. In den ersten sechs Lebensjahren – darüber gibt es in der Wissenschaft keinen Zweifel – macht der Mensch Entwicklungsschritte, die für sein ganzes Leben entscheidend sind. Kinder sind in diesen Jahren denn auch besonders wissbegierig und aufnahmefähig.

Die meisten Kinder besuchen im Alter von drei bis sechs Jahren eine Kindertagesstätte. Dort verbringen sie im Durchschnitt 4.000 wache Stunden. Die Kindergärten tragen daher eine besondere Verantwortung für die Bildung der ihnen anvertrauten Sprösslinge. Aber was können und sollten sie vermitteln? Sicher nicht die Lehrsätze von Pythagoras, Newton oder Einstein. Dennoch ist es möglich, auf kindgerechte Weise beispielsweise auf ein „verantwortungsbewusstes Leben in einer freien Gesellschaft“ vorzubereiten oder den Kindern „Achtung vor der natürlichen Umwelt zu vermitteln“ – wie es als Bildungsziele in der UN-Kinderrechtskonvention formuliert ist.

Verantwortungsbewusst zu leben lässt sich als nachhaltig leben übersetzen, denn die Herausforderungen der Zukunft – egal, ob sie mit „Klimawandel“, „Bevölkerungsentwicklung“, „Globalisierung“ oder „Endlichkeit der Rohstoffe“ gekennzeichnet werden – lassen sich verantwortungsvoll nur nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit bewältigen. Die Aufgabe heißt also, im Kindergarten Nachhaltigkeit zu vermitteln. Nur, wie macht man das?

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern betreibt sei 1996 einen eigenen Kindergarten und ist zu der Erkenntnis gelangt, dass sich durchaus Kompetenzen im Sinne der Nachhaltigkeit im Kindergarten anbahnen lassen. Er hat auf der Grundlage eigener Erfahrungen eine Materialsammlung zusammengestellt, die viele praktischer Methoden und Ideen zur Nachhaltigkeits-Bildung im Kindergarten beschreibt. Dazu gehört auch ein Theorieteil mit Hintergrundwissen und Meinungen von Experten zu dem Thema.

Die Landeszentrale für Umweltaufklärung schätzt die Materialsammlung als wertvolle Hilfe für die ErzieherInnen ein und hat bei den rheinland-pfälzischen Kindertagesstätten nachgefragt, ob Interesse daran besteht. Aufgrund der großen Resonanz hat die LZU im Rahmen eines Pilotprojekts 200 Kitas einen Ordner mit der Materialsammlung aus Bayern kostenlos zur Verfügung gestellt. Als nächste Stufe des Projekts wurden VertreterInnen von 50 Kitas zu einem Fortbildungstag eingeladen, der zusätzliche Anregungen für die Nachhaltigkeits-Bildung bot. Wie weit die Tipps tatsächlich in der Praxis als hilfreich angesehen werden, wird aus den von den ErzieherInnen erbetenen Berichten abzulesen sein. Die Berichte und eine für 2006 geplante Veranstaltung sollen die Grundlagen für die Entscheidung sein, ob allen Kitas in Rheinland-Pfalz ein Exemplar der Materialsammlung angeboten wird.

zum Heftindex