46/2005
3 Fragen zur Sache
Prof. Dr. Ralf Simon

Prof. Dr. Ralf Simon,
Leiter der Transferstelle Bingen

Herr Professor Simon, die Transferstelle Bingen erprobt seit langer Zeit kleine Maschinen zur Kraft-Wärme-Kopplung. Was motiviert Sie dazu?
Die Kraft-Wärme-Kopplung, das heißt die gleichzeitige Erzeugung von Wärme und elektrischer Energie, ist eine Technik, die sehr hohe Wirkungsgrade garantiert. In den Industriebetrieben hat sich Kraft-Wärme-Kopplung im größeren Stil bereits bewährt. Für Gebäude mit kleinerem Wärme- und Strombedarf fehlte in der Vergangenheit einfach die Technik. Aber es existieren seit einigen Jahren Motoren, die hier jetzt immer mehr in die Verbreitung kommen. Mikrogasturbinen, Stirlingmotoren und Brennstoffzellen stehen vor der Markteinführung beziehungsweise sind in der Entwicklung.

An der Transferstelle Bingen sind wir dabei, im Auftrag des Ministeriums für Umwelt und Forsten des Landes Rheinland–Pfalz die Technik des virtuellen Kraftwerks zu entwickeln, um diesen kleinen Kraft–Wärme–Kopplungsmaschinen einen zusätzlichen Nutzen zu eröffnen. Damit wird sich diese Technik schneller durchsetzen.

Was ist ein virtuelles Kraftwerk
Ein virtuelles Kraftwerk ist der Verbund möglichst vieler
Kraft-Wärme-Kopplungs-Geräte über Internet oder Telefonleitung. Das heißt, diese Geräte werden bei Bedarf zusammengeschaltet und arbeiten somit zu bestimmten Zeiten wie ein Kraftwerk. Somit ist es möglich unter Beachtung der Kraft-Wärme-Kopplung einen Verbund zu gewissen Zeiten des Tages zur Erzeugung von Regelenergie zusammenzuschalten. Die Stromspitze des Mittags kann so abgefahren werden.

Das Schöne daran ist, dass diese so genannte Minutenreserve einen höheren Ertrag bringt.

Wie weit sind Sie bei dieser sehr interessanten Entwicklung fortgeschritten?
Wir haben in einem ersten Projektschritt die Kommunikationstechnik in Bingen entwickelt und testen diese mit unseren Kraft-Wärme-Kopplungs-Geräten an der Fachhochschule Bingen. Gleichzeitig haben wir die Software entwickelt, um die Geräte anzusteuern. Diese Phase ist jetzt abgeschlossen. Im Augenblick sind wir gerade dabei,
externe Geräte einzubinden. Hierbei helfen uns die Projektpartner Pfalzwerke AG und Stadtwerke GmbH Bad Kreuznach. Dort werden zusätzliche Geräte zur Verfügung gestellt. Im Lauf des nächsten Jahres wird dann in
einem Feldtest quer über Rheinland–Pfalz das „Virtuelle Kraftwerk Rheinland-Pfalz“ gestestet.

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