| Prof. Dr. Ralf Simon,
Leiter der Transferstelle Bingen
Herr Professor Simon, die Transferstelle Bingen erprobt seit
langer Zeit kleine Maschinen zur Kraft-Wärme-Kopplung. Was motiviert
Sie dazu?
Die Kraft-Wärme-Kopplung, das heißt die
gleichzeitige Erzeugung von Wärme und elektrischer Energie, ist
eine Technik, die sehr hohe
Wirkungsgrade garantiert. In den Industriebetrieben hat sich
Kraft-Wärme-Kopplung im größeren Stil bereits bewährt.
Für Gebäude mit
kleinerem Wärme- und Strombedarf fehlte in der Vergangenheit einfach
die
Technik. Aber es existieren seit einigen Jahren Motoren, die hier jetzt
immer mehr in die Verbreitung kommen. Mikrogasturbinen, Stirlingmotoren
und Brennstoffzellen stehen vor der Markteinführung beziehungsweise
sind in
der Entwicklung.
An der Transferstelle Bingen sind wir dabei, im Auftrag des Ministeriums
für Umwelt und Forsten des Landes Rheinland–Pfalz die Technik
des
virtuellen Kraftwerks zu entwickeln, um diesen kleinen Kraft–Wärme–Kopplungsmaschinen
einen zusätzlichen
Nutzen zu eröffnen.
Damit wird sich diese Technik schneller durchsetzen.
Was ist ein virtuelles Kraftwerk
Ein virtuelles Kraftwerk
ist der Verbund möglichst vieler
Kraft-Wärme-Kopplungs-Geräte über Internet oder Telefonleitung.
Das
heißt, diese Geräte werden bei Bedarf zusammengeschaltet und
arbeiten
somit zu bestimmten Zeiten wie ein Kraftwerk. Somit ist es möglich
unter
Beachtung der Kraft-Wärme-Kopplung einen Verbund zu gewissen Zeiten
des
Tages zur Erzeugung von Regelenergie zusammenzuschalten. Die Stromspitze
des Mittags kann so abgefahren werden.
Das Schöne daran ist, dass diese so genannte Minutenreserve einen
höheren Ertrag bringt.
Wie weit sind Sie bei dieser sehr interessanten Entwicklung fortgeschritten?
Wir haben in einem ersten Projektschritt die Kommunikationstechnik
in Bingen entwickelt und testen diese mit unseren
Kraft-Wärme-Kopplungs-Geräten an der Fachhochschule Bingen.
Gleichzeitig
haben wir die Software entwickelt, um die Geräte anzusteuern. Diese
Phase ist jetzt abgeschlossen. Im Augenblick sind wir gerade dabei,
externe Geräte einzubinden. Hierbei helfen uns die Projektpartner
Pfalzwerke AG und Stadtwerke GmbH Bad Kreuznach. Dort werden zusätzliche
Geräte zur Verfügung gestellt. Im Lauf des nächsten Jahres
wird dann in
einem Feldtest quer über Rheinland–Pfalz das „Virtuelle
Kraftwerk
Rheinland-Pfalz“ gestestet.

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