LZU-Logo 42-43/2004
Sonnentrocken
Broschüre "Nachhaltig Leben"

"Von der Umweltbildung zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung" hieß ein Vortrag, der im Festkolloquium zum 50-jährigen Bestehen der Landeslehrstätte für Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern gehalten wurde. Zur Demonstration, wie man Gedanken zur Nachhaltigkeit vermitteln könne, ließ der Referent ein Mäppchen verteilen, in dem sich sechs Wäscheklammern befinden. Auf jeder Klammer ist das Wort "sonnentrocken" aufgedruckt. Die Mäppchen stammen von der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wolle die LZU zum Boykott von Wäschetrocknern aufrufen. Tatsächlich werden Trockner und Klammern nur als Beispiele dafür gegenübergestellt, dass es oft mehrere Möglichkeiten gibt, zum gleichen Ziel zu gelangen. Bei der Abwägung ihrer Vor- und Nachteile sollte die Nachhaltigkeit ein wichtiges Kriterium sein. Das Mäppchen soll zur Meinungsbildung beitragen, aber nicht gegen den Wäschetrockner, sondern für einen nachhaltigen Lebensstil.

"Jedes Produkt hat seinen ökologischen Rucksack", heißt es im eingedruckten Text. Manchmal sei dieser Rucksack so schwer, dass er uns in den Abgrund zu ziehen drohe. Was also tun? "Wie wir leben, ist entscheidend. Es gibt immer mehr Produkte, die verantwortungsbewusst und weitsichtig hergestellt werden und mit gutem Gewissen konsumiert werden können. Sie zeichnen sich durch hohe Effizienz, minimale Belastungen der Umwelt, kurze Wege und fairen Handel aus."

Wer noch nie etwas von Nachhaltiger Entwicklung gehört hat, wird aus dem Mäppchen nicht im Detail erfahren, wohin dieses Leitbild zielt. In groben Zügen wird ihm eine Vorstellung davon nahe gebracht: "Nachhaltig leben heißt, so zu verbrauchen, dass auch für andere etwas übrig bleibt. Nachhaltigkeit heißt, nicht auf Kosten der Kinder und Enkel zu leben. Nachhaltigkeit bedeutet nicht mehr zu verbrauchen als nachwächst. Nachhaltigkeit heißt, die Ökosysteme so zu nutzen, dass sie auch in Zukunft noch funktionieren. Nachhaltigkeit heißt, das, was zur Verfügung steht, auch gerecht zu verteilen."

Was Nachhaltige Entwicklung bedeuten kann, darüber wurden schon viele Bücher veröffentlicht, viele Seminare durchgeführt, viele Diskussionen geführt und Beschlüsse gefasst. Das alles kann ein kleines Mäppchen mit kurzem Text und sechs Wäscheklammern natürlich nicht ersetzen - soll es auch nicht. Es kann aber als Stolperstein dienen, als Anlass, sich mit dem umfassenden Thema zu beschäftigen. Und dazu ist es gedacht, dazu wurde es entwickelt.

Die LZU plant eine Reihe von Veranstaltungen mit verschiedenen Partnern, um möglichst viele Menschen anzuregen, sich mit dem Leitbild der Nachhaltigkeit zu befassen und an seiner Weiterentwicklung mitzuarbeiten. Beispielsweise ist eine Seminar-Reihe mit der Katholischen Akademie in Trier fest vereinbart. Weitere Veranstaltungen etwa mit Volkshochschulen, mit Landfrauengruppen oder mit Agenda-21-Initiativen sind angedacht. Dabei soll jedes Mal das Klammer-Mäppchen zum Einsatz kommen. Diesen Verwendungszweck des Mäppchens hat Dr. Jan Dieminger, Referent des eingangs erwähnten Vortrags, richtig erkannt - und die Erkenntnis beispielhaft umgesetzt.

Infos zum Thema "nachhaltig leben" gibt es bei der Landeszentrale für Umweltaufklärung, Postfach 3160, 55021 Mainz und unter www.umdenken.de/lebensstil.

zum Heftindex