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Null Emissionen
 

Was hat die Erdbeschleunigung mit dem Bemühen der Verbandsgemeinde Weilerbach zu tun, die Kohlendioxid-Emissionen auf Null zu reduzieren? - Die Erdbeschleunigung ist Bestandteil einer Formel, mit der sich das Potenzial von Wasserkraftanlagen berechnen lässt. Und Wasserkraft ist eine von mehreren Möglichkeiten, emissionsneutral Strom zu erzeugen.

Dass es solche Möglichkeiten gibt, ist keine neue Erkenntnis. Neu sind aber die wissenschaftlichen Ergebnisse des Pilotprojekts "Zero-Emission-Village Weilerbach" (ZEV). In einem 290 Seiten umfassenden Abschlussbericht hat Professor Dr. Peter Heck die Ergebnisse dokumentiert, die er zusammen mit seinem Team am Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) der Fachhochschule Trier/Umwelt-Campus Birkenfeld durch die Projektstudie zutage befördert hat. Wie weit die Wissenschaftler dabei ins Detail gegangen sind, mag das Beispiel mit der Erdbeschleunigung verdeutlichen.

Mit dem von der Landeszentrale für Umweltaufklärung geförderten Pilotprojekt wollten die Verbandsgemeinde Weilerbach und das IfaS innerhalb von zwei Jahren herausfinden, ob eine Kommune ihren Energiebedarf (der Energiebedarf des Pkw-Verkehrs ist ausgeklammert) allein decken kann, und zwar so, dass dabei die Atmosphäre nicht mit Kohlendioxid angereichert wird. Das Ergebnis heißt: Ja, das ist möglich, sofern zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Einsparpotenziale müssen ausgeschöpft werden und der Prozess muss von der Kommune, Privatinvestoren sowie der Bevölkerung mitgetragen werden.

Theorie und Praxis waren gleichermaßen wichtig für die Ermittlung dieses Ergebnisses. Zuerst wurden Informationsgespräche mit allen Beteiligten, mit der Bürgerschaft, dem Handwerk, der Wirtschaft sowie der Land- und Forstwirtschaft geführt. Es folgten detaillierte Erhebungen von Daten zu verbandsgemeindeeigenen Gebäuden und deren Energieverbräuchen, die Erfassung von Einsparspotenzialen sowie umfangreiche Erhebungen möglicher Energiepotenziale in den Bereichen Solarenergie, Windenergie, Wasserkraft und Biomasse.

Parallel zur Datenerhebung wurden konkrete Projekte bereits umgesetzt und ihre Akzeptanz durch Öffentlichkeitsarbeit gefördert. Es begann im Jahr 2001 mit der Installation von fünf Photovoltaikanlagen auf Schuldächern. Zunächst konnten maximal 28,3 Kilowatt Strom aus der Sonnenstrahlung gewonnen werden; inzwischen wurde die Höchstleistung auf 100 Kilowatt ausgeweitet. Die Anlagen sollten vor allem als Anreiz dienen, damit auch auf Privatgebäuden per Photovoltaik die Sonnenenergie genutzt wird. Die Broschüre "Privater Strom aus der Sonne" zielte in die gleiche Richtung.

Fünf Windkraftanlagen mit einer Leistung von jeweils zwei Megawatt wurden errichtet und mit dem Bau eines Nahwärmenetzes auf Holzbasis wurde begonnen. Die Verwertung von Biomasse aus der Landwirtschaft wurde ausführlich untersucht und der Bau von Biogasanlagen geprüft. Ebenso wurden die Potenziale zur Nutzung von Restholz aus dem Wald und die Verwertung von Grünschnitt ermittelt. Gegen Ende der vorgesehenen zwei Jahre konnte ein konkreter Durchbruch für die Nutzung von Biomasse erreicht werden: In zwei Neubaugebieten wird künftig die Nahwärmeversorgung durch Biomasse sichergestellt.

Umweltministerin Margit Conrad bezeichnete die geleistete Pionierarbeit als richtungsweisend für eine am Grundsatz der Nachhaltigkeit orientierte Regionalentwicklung und als Meilenstein für den Klimaschutz. "Mit lokalen Ressourcen, lokalen Akteuren sowie neuen Technik- und Planungsansätzen werden die Potentiale vor Ort optimiert eingesetzt. Dies bedeutet Wertschöpfung und Innovation in und aus der Region."

Die Verbandsgemeinde Weilerbach plant, die Potentiale an Dachflächen für weitere Solar- und Photovoltaikanlagen exakt zu ermitteln. Außerdem soll ein Bio-Energie- und Rohstoffzentrum (BERZ) entstehen. Dort sollen regional verfügbare Biomassen wie Klärschlamm, Gülle, nachwachsende Rohstoffe, Altfett, Gräser, Grünschnitt und Waldhölzer im Sinne einer energetischen/stofflichen Verwertung nachhaltig genutzt werden.

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