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Zukunft im Hunsrück und anderswo
Einladung zur Regionaltagung. Zu sehen ist eine ältere Dame vor ihrem Haus im Grünen, Untertitel: Dorf im Dialog, 28. und 29. März 2003

Am Anfang waren die "Gaytaler Gespräche", eine Regionaltagungs-Reihe zur nachhaltigen Entwicklung. Mittlerweile finden solche Tagungen einmal jährlich an vier Orten in Rheinland-Pfalz statt. Genau genommen, sind es sogar fünf Orte, denn die "Gaytaler Gespräche" beanspruchen zwei Tagungsstätten: das Umwelt-Erlebnis-Zentrum GaytalPark in der Eifel-Gemeinde Körperich und die Larei im luxemburgischen Vianden. Hinzugekommen sind die Regionaltagungen im Hunsrückhaus Erbeskopf, Deuselbach, im Biosphärenhaus Pfälzerwald/Nordvogesen, Fischbach, und in der Abtei Marienstatt bei Hachenburg.

In diesem Jahr hatte das Hunsrückhaus Erbeskopf wieder die Nase vorn. Am 28. und 29. März wurde dort unter dem Titel "Dorf im Dialog" darüber debattiert, wie der Hunsrück zukunftsfähig zu gestalten sei. Das Thema interessierte aber keineswegs nur Hunsrückbewohner. Aus Trier, Frankfurt, Dortmund, Mainz, der Eifel, dem Saarland und der Pfalz waren BesucherInnen angereist. Zusammen mit BürgerInnen mit und ohne (kommunal-)politischem Amt aus der näheren Umgebung haben mehr als 80 Personen teilgenommen.

Es war bereits die dritte Tagung der Reihe "Zukunftsfähiger Hunsrück". Die Veranstalter, die Landeszentrale für Umweltaufklärung, das Hunsrückhaus und der Entwicklungsschwerpunkt Hochwald, hatten diesmal die Kommunikations- und Informationskultur in den Dörfern zur Diskussion gestellt. Damit standen die Bedingungen und Chancen erfolgreicher Bürgerbeteiligung für eine nachhaltige Entwicklung im Focus. In der Einladung war es denn auch zur Schlüsselfrage erklärt worden, "Bürgerinnen und Bürger zu motivieren, sich wieder stärker an der Entwicklung ihres Gemeinwesens zu beteiligen".

Die Frage, wie die Generationen miteinander verzahnt werden können, zog sich wie ein roter Faden durch die Tagung. Eine Antwort hatte Moderator Helmut Ulmen, Agenda-21-Beauftragter der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich, parat: Das Gespräch beim Bäcker gehöre ebenso wie die Ratssitzung zum für das Dorf notwendigen Dialog. Auch Feste hätten in dieser Hinsicht eine wichtige Funktion. Die Appenheimer Stadtplanerin Christine Halfmann konnte von einem Projekt berichten, in dem Kinder und Jugendliche Interviews mit Senioren geführt und so die Verbindung zwischen Jung und Alt hergestellt hatten. Eigene Aktivitäten für die Dorfentwicklung stellten SchülerInnen der Morbacher Realschule mit ihrem Projekt "Gutentahl startet durch" vor (s. umweltjournal Nr. 36).

Ebenso wie zwischen den Generationen, sollte die Kommunikation auch zwischen den Geschlechtern auf gleicher Augenhöhe stattfinden. Denn: "Alle Talente zählen - ohne Chancengleichheit von Männern und Frauen ist nachhaltige Entwicklung nicht möglich". Dies ist der Titel eines Referats, das auf dem Programm der diesjährigen Gaytaler Gespräche stand. Maddy Mulheims vom luxemburgischen Frauenministerium hielt den Vortrag - und damit ist auch gleich der grenzüberschreitende Charakter der siebten Gaytaler Gesprächen am 15. und 16. Mai dokumentiert. Es handelte sich wieder um eine deutsch-luxemburgisch-belgische Veranstaltung. In einem zweiten luxemburgischen Beitrag stellten Bürgermeister Camille Gira und Monique Schweicher-Reis von der Kommission für Chancengleichheit die Chancengleichheitspolitik ihrer Gemeinde Beckerich vor. Die anderen ReferentInnen kamen aus Lüneburg, München, Berlin, Wiesbaden und der Westpfalz. Ihre Themen kreisten um Gleichberechtigung, Chancengleichheit und soziale Integration. Der Forderung von Dr. Parto Teherani-Krönner (Humboldt-Universität Berlin), Gender Budgeting in die Politik einzuführen, schloss die Versammlung sich in einer Resolution an. "Gender Budgeting heißt", so wird in der Resolution erläutert, "alle Haushalte nach Kriterien der Gleichstellung und Nachhaltigkeit zu analysieren und zu gewichten." Der Titel der siebten Gaytaler Gespräche hieß "Die Rolle der Frauen" - bezogen auf die nachhaltige Regionalentwicklung.

Die beiden Regionaltagungen zur nachhaltigen Entwicklung in Fischbach und Marienstatt werden in der zweiten Jahreshälfte folgen.

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