LZU-Logo 34/35/2002
Erfahrungen zusammenführen
 

Konferenzen und Tagungen zur Lokalen Agenda 21

Beim Einsatz des neuen Management-Instruments "Lokale Agenda 21" ist die LZU mit Beratungs- und Fortbildungsangeboten behilflich. Die praktischen Erfahrungen vor Ort müssen die Verwaltungen, PolitikerInnen und in Arbeitskreisen Engagierte jedoch selbst sammeln.

Dabei ist es von Vorteil, wenn man sich mit anderen über seine Erfahrungen austauschen kann: Was wird anderswo gemacht, welche Erfolgsstories gibt es, wie geht man dort mit Problemen um. Einen solchen Austausch zwischen Kommunen befördert die LZU mit mehreren landesweiten und regionalen Veranstaltungsreihen. Als landesweite Koordinationsstelle fungiert sie als Vermittlerin und bietet Raum für

  • den Austausch von Erfahrungen und Informationen,
  • die Vernetzung von Kommunen,
  • die Entwicklung von Partnerschaften mit Interessenvertretungen,
  • den Input von Fachleuten zur Weiterentwicklung der Lokalen Agenda 21,
  • eine Rückkopplung von den Kommunen zur Landesregierung.

Die LZU lädt alle Kommunen im Land zu einem jährlichen Erfahrungsaustausch über die Lokale Agenda 21 ein, veranstaltet gemeinsam mit Verbänden und Wissenschaft in loser Folge Fachtagungen und unterstützt den Aufbau eines Moderatorennetzwerks. Weitere Veranstaltungsreihen verknüpfen lokale Entwicklungsstrategien mit regionaler Nachhaltigkeitspolitik.

Wer macht was in Rheinland-Pfalz? Erfahrungsaustausch Lokale Agenda 21

Seit 1997 treffen sich Agenda-Beauftragte und Interessierte, VertreterInnen der Kommunen und der Landesregierung regelmäßig zum "Erfahrungsaustausch Lokale Agenda 21 Rheinland-Pfalz". Die Zusammenkunft, die jedes Jahr in einem anderen Ort stattfindet, hat sich zur festen Größe etabliert. Inzwischen kommen mehr als 200 TeilnehmerInnen zusammen, um sich über gute und schlechte Erfahrungen mit der Lokalen Agenda 21 auszutauschen, über Initiativen der LZU zu informieren oder die Gelegenheit zur Vernetzung mit anderen Agenda-Aktiven zu nutzen.

Die Gestaltung des Austauschs als Mischung aus Vorträgen und Workshops hat sich bewährt. Die Landesregierung und die LZU ziehen Bilanz über den Stand der Lokalen Agenda 21 im Land und stellen ihre Unterstützungsangebote vor. Vorträge von Experten informieren über neue Entwicklungen - so informiert zum Beispiel ICLEI regelmäßig über europa- und weltweite Trends der Lokalen Agenda 21 - oder richten den Fokus auf gelungene Agenda-Projekte. Die gastgebende Stadt stellt ihre Agenda-Arbeit vor. Anschließend trifft man sich im kleineren Kreis, um bestimmte Anliegen in Workshops zu vertiefen, oder tauscht sich im Gespräch auf dem Agenda-Marktplatz aus.

Von Kaiserslautern nach Koblenz ...

Das erste Treffen 1998 in Kaiserslautern diente vor allem dazu, dass die "Agenda-Pioniere" in Rheinland-Pfalz sich untereinander kennen lernten und die LZU mit ihrem Angebot an die Kommunen herantreten konnte.

 

 
Bettina Dech-Pschorn, Agenda-Beauftragte der Stadt Kaiserslautern:
"Für die Stadt Kaiserslautern hatte die Ausrichtung des ersten landesweiten Agenda-Austauschs Anschubwirkung für unsere eigene in den Anfängen steckende Lokale Agenda 21. Das war ein Signal an die Arbeitskreise, dass die Stadt ihr Engagement ernst meint, und gleichzeitig eine Gelegenheit, Erfahrungen aus anderen Kommunen aufzunehmen. Wir freuen uns, dass die jährliche Veranstaltung inzwischen einen solchen Aufschwung genommen hat."
 

 

Ein Jahr später konnte der Koblenzer Oberbürgermeister mehr als 180 BürgermeisterInnen und MitarbeiterInnen von Kreis-, Stadt- und Gemeindeverwaltungen begrüßen: ein Beweis für den wachsenden Informationsbedarf, aber auch die zunehmenden Aktivitäten in Sachen Lokale Agenda 21. Im Mittelpunkt standen die Bedürfnisse und Handlungsmöglichkeiten der verschiedenen Gebietskörperschaftstypen in Rheinland-Pfalz. Stellvertretend präsentierten der Rhein-Hunsrück-Kreis, die Stadt Mainz und die Verbandsgemeinde Saarburg ihre Agenda-Aktivitäten. Arbeitsgruppen erörterten im Anschluss die jeweiligen Ausgestaltungsmöglichkeiten der Agenda in Landkreisen, Kreisfreien Städten und Gemeinden.
Zur Diskussion kamen dabei unter anderem Fragen nach der Initiierung und Organisation des Agenda-Prozesses, nach Projekten und Aktionen und nach der Einbindung von Interessengruppen aus Wirtschaft und sozialen Bereichen. Dabei wurde klar, dass kommunale Agenda-Arbeit in allen Fällen auf bereits bestehenden Leistungen der Kommune und dem Engagement von BürgerInnen aufbauen kann.

Wichtig war auch die Bekanntmachung der im Vorjahr verabschiedeten "Gemeinsamen Erklärung der Umweltministerkonferenz und der kommunalen Spitzenverbände", die den Kommunen als Motoren der Lokalen Agenda 21 die weitere Unterstützung durch Landes- und Bundesebene zusicherte.

... und von Landau nach Mainz

In Landau fand im Jahr 2000 der Erfahrungsaustausch mit bereits 250 TeilnehmerInnen statt. Immer noch wichtig und Zeichen der wachsenden Agenda-Bewegung in Rheinland-Pfalz waren die Workshops zu Agenda-Start und Moderation, die stark nachgefragt wurden. Neben Fragen der allgemeinen Prozessorganisation ging es aber auch um ganz konkrete Anliegen. Zum einen standen Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt wie kann diese Zielgruppe, zum Beispiel über die Schule, besser an Agenda-Prozessen beteiligt werden? Ein weiteres Forum beschäftigte sich mit der Rolle des Sports in der Lokalen Agenda.
Dass die Lokale Agenda 21 nicht einfach ein zusätzliches Planungsinstrument ist, sondern eines, das bereits vorhandene Instrumente - von der Bauleitplanung über die Dorferneuerung bis hin zur Haushaltsplanung - aufeinander abstimmen und auf das Leitbild der Zukunftsbeständigkeit ausrichten soll, wurde anhand der Diskussion über die Integration der Dorferneuerungsprogramme und der Vorstellung der kommunalen Naturhaushaltswirtschaft deutlich. Eine neue Idee - der "Marktplatz Lokale Agenda 21"- bot ein Forum, auf dem Kommunen ihre Initiativen und Projekte in Fotodokumentationen, Poster und Pressespiegeln präsentieren und sich im informellen Gespräch austauschen konnten. Aktionsfelder für die Agenda standen 2001 im Mittelpunkt des Landeskongresse Lokale Agenda 21 in Ludwigshafen: welche Themen werden in Zukunft wichtig sein und wie kann man sie anpacken? In moderierten Diskussionsforen setzten sich die 250 TeilnehmerInnen mit effizienter Energienutzung, Nord-Süd Agenda-Partnerschaften, und den gegenseitigen Einflussmöglichkeiten von Landschaftsplanung bzw. Forstwirtschaft und Lokaler Agenda 21 auseinander. Neben Fachvorträgen zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen und über Agenda-Partnerschaften mit Wirtschaftsunternehmen avancierte vor allem der Marktplatz zum Herzstück des Kongresses und konnte mit vielen Beiträgen einen Einblick in die Agenda-Arbeit in Rheinland-Pfälzer Kommunen vermitteln.
Knapp zwei Monate vor der Weltkonferenz für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg kamen in Mainz Agenda-Beauftragte und -Bewegte aus Rheinland-Pfalz zusammen, um vor diesem Hintergrund Bilanz zur Situation der Lokalen Agenda 21 in Rheinland-Pfalz zu ziehen und diese Bilanz in den Kontext der Lokalen Agenda 21 weltweit zu stellen. Es wurden Strategien vorgestellt und mit Fachleuten diskutiert, wie jetzt, 10 Jahre nach Rio, Agenda-Prozesse in Kommunen dauerhaft zu etablieren sind. Gute Beispiele aus Rheinland-Pfalz haben hier gezeigt, was möglich ist, wenn die Rahmenbedingungen durch Beratung, Qualifikation und Förderung stimmen.

 

 
Axel Wittmann, Vorsitzender der Projektgruppe Lokale Agenda 21 in der Stadtverwaltung Wörth:
"Für mich steht der Marktplatz im Mittelpunkt der Landeskongresse. Hier kann ich mich über die verschiedenen Wege zu einer Lokalen Agenda 21 informieren, das Gespräch mit anderen Agenda-Beauftragten suchen und Informationsmaterial austauschen. Diese Möglichkeit zum Informationsaustausch sollte auf jeden Fall noch ausgebaut werden. Da wir in Wörth einen Sonderweg gehen und als ersten Schritt zur Agenda ein verwaltungsinternes Leitbild aufgestellt haben, bietet uns der Erfahrungsaustausch auch die Möglichkeit, aus den Erfolgen und - vielleicht noch wichtiger den Fehlern anderer Agenda-Prozesse bei der Bürgerbeteiligung zu lernen und zu sehen, wie es auch nach Krisen weitergehen kann."
 

 

"Nachhaltigkeit vor Ort und konkret": Zu Besuch bei engagierten Kommunen

Tradition haben auch die Veranstaltungen unter dem Motto "Nachhaltigkeit vor Ort und konkret". Im Zentrum dieser Reihe steht das gute Beispiel aus der Praxis. Die VertreterInnen rheinland-pfälzischer Kommunen werden eingeladen, gemeinsam mit der Umweltministerin eine Gemeinde zu besuchen, die sich durch besonderes Engagement auf einem bestimmten Gebiet nachhaltiger Entwicklung auszeichnet. Jeweils zwischen 30 und 60 TeilnehmerInnen nutzen die von der LZU gemeinsam mit dem Umweltministerium und den kommunalen Spitzenverbänden im Land organisierten Exkursionen. Das Ziel: BürgermeisterInnen und anderen kommunalen VertreterInnen ganz konkret den Erfolg kommunaler Nachhaltigkeitspolitik erlebbar zu machen und sie anzuregen, gute Beispiele auf die eigenen Kommune zu übertragen.

Gestartet wurden die jährlichen Exkursionen 1997 in der Verbandsgemeinde Hachenburg, einer Vorreiterin in Sachen nachhaltiger kommunaler Energiepolitik. Blockheizkraftwerk und Fotovoltaik, Solarbrauchwassererwärmung und eine Windkraftanlage sind hier zu finden. Neuinvestitionen mit dem Ziel der Energieeinsparung haben sich fast alle innerhalb weniger Jahre amortisiert. Die BesucherInnen konnten sich bei Betriebsbesichtigungen und im Gespräch von der Wirtschaftlichkeit energieeffizienter Maßnahmen überzeugen.

Unter anderem konnte in Hachenburg der Stromverbrauch der Kläranlage durch effizientere Steuerungstechnik um 42 Prozent gesenkt werden. Parallel reduzierte man die Kosten für die Klärschlammbeseitigung durch die Anlage von Schilfbeeten, sodass eine teure Schlammpressung überflüssig wurde. Eine gezielte Beauftragung von einheimischen Handwerksbetrieben hatte zudem einen positiven Effekt auf die Beschäftigungssituation.

1998 ging die Reise nach Zweibrücken, wo die TeilnehmerInnen ein Modellprojekt der Stadtwerke besichtigten. Das "Zweibrücker Ökopaket" zeigt, welche Chancen Neubaugebiete für einen sparsamen Umgang mit Energie und Wasser bieten. Gas-Brennwerttechnik, Solarkollektoren und Regenwassernutzung sind hier großflächig eingesetzt. Durch vorausschauende Planung nach den Prinzipien der Vorsorge und Effizienz, kombiniert mit gezielten finanziellen Anreizen, konnten viele Bauherren für den Einbau umweltschonender Techniken gewonnen werden. Im Ergebnis ein doppelter Nutzen: Die Umwelt wird entlastet, die Lebensqualität im neuen Stadtteil erhöht.

In Bad Dürkheim informierten sich VertreterInnen des Ministeriums und der Kommunen 1999 über die Anforderungen und Nutzen eines kommunalen Öko-Audits. Die Stadt am Pfälzer Wald war die erste Kommune in Rheinland-Pfalz, die alle städtischen Liegenschaften der Stadtverwaltung und der Stadtwerke einer "Umweltbetriebsprüfung" unterzog. Vertreter der Stadt und Umweltprüfer erläuterten den Prozess der Öko-Auditierung und ihre Vorteile: Eine Stärken-Schwächen-Analyse kann zur Systematisierung der Umweltbemühungen führen, die externe Fachberatung zeigt bislang unerkannte Einsparpotentiale auf und hilft beim Aufbau eines Umweltmanagementsystems.

"Naturschutz in der Bauleitplanung Hemmschuh oder Chance?" war der Titel einer zweiten Veranstaltung im Jahre 1999 in der Verbandsgemeinde Göllheim. Beispielhaft hat die Kommune ein nachhaltiges Flächenmanagement verwirklicht. Im Rahmen der Ökokonto-Regelung demonstrierte sie, wie die Ausweisung von FFH-Gebieten nicht zu einem Hindernis für die Gemeindeentwicklung werden muss, sondern durch die Aufsparung von Ausgleichsflächen zu einem intelligenten Flächenmanagement führen kann. In Göllheim zielen die Bemühungen durch die Integration von Maßnahmen aus dem Gewässerschutzprogramm "Aktion Blau" und die Einbindung von Akteuren wie Vereinen und Privatfirmen auf die großflächige Vernetzung von Biotopen.

Nach zweijähriger Pause führte "Nachhaltigkeit vor Ort und konkret" im April 2002 schließlich in die Verbandsgemeinde Rockenhausen. Die effiziente Nutzung von Sonnenenergie und die Finanzierung der dafür notwendigen Investitionen standen hier auf dem Programm. Zu diesem Zweck wurden Exkursionen zu öffentlichen Gebäuden mit Photovoltaik-Anlagen angeboten.

Tagung "Nachhaltige Entwicklung in Landkreisen"

Während sich die Lokale Agenda 21 auf der Ebene von Städten und Gemeinden sehr weit und schnell verbreitet hat, sind auf der Ebene der Landkreise unterschiedliche Strategien der nachhaltigen Entwicklung zu finden. Stichworte sind hier "Agenda 21 auf Kreisebene", nachhaltige Regionalentwicklung, Kreisentwicklungskonzepte, Regionalmanagement. In Koblenz wurden diese unterschiedlichen Ansätze und Strategien anhand von konkreten Beispielen und Erfahrungen am 13. Juni 2002 vorgestellt und mit Agenda- Beauftragten, Kreisplanern und anderen verantwortlichen Vertretern der Kreise diskutiert, um daraus Schlussfolgerungen für die künftige Arbeit zu ziehen. Dabei wurde deutlich, dass Landkreise mit ihren Kompetenzen Motoren zur Verbreitung von Nachhaltigkeitsstrategien werden können und als Koordinatoren der Lokalen Agenda 21 die vorhandenen Initiativen dauerhaft in der Fläche verankern und miteinander verzahnen können.

Frauen planen nachhaltig -
Beteiligung von Frauen an der Lokalen Agenda 21

Obwohl Frauen in vielen Handlungsfeldern der Agenda 21 zentrale Funktionen einnehmen als Erzieherinnen und Verbraucherinnen, als Akteurinnen in der Wirtschaft und Verwalterinnen von Ressourcen - werden ihre Bedürfnisse immer noch mangelhaft in Planungen berücksichtigt und sie selbst immer noch zu wenig in Entscheidungen eingebunden. Um die Chance der Lokalen Agenda 21 für eine verstärkte Beteiligung von Frauen an kommunalen Entscheidungsprozessen zu nutzen, hat die LZU mit verschiedenen frauenpolitischen Institutionen Partnerschaften geknüpft und spezielle Angebote für Frauen entwickelt. So bemüht sich zum Beispiel der Landfrauenverband, Wege für die Einmischung von Frauen in die kommunale Politik zu finden und kooperiert mit der LZU im Bereich Weiterbildung.

Im September 2000 organisierte die LZU in Kaiserslautern eine gemeinsame Veranstaltung des Umweltministeriums, des Frauenministeriums und der Arbeitsgemeinschaft der Landfrauenverbände. Nach einer kleineren Tagung zum Thema "Frauen und Lokale Agenda 21" im Jahr 1999 sollten unter dem Motto "Frauen planen nachhaltig - Lokale Agenda 21- Chancen zur praktischen Umsetzung" die besonderen Kompetenzen von Frauen für die Planung einer nachhaltigen Entwicklung thematisiert werden. Der Kongress sollte auch Möglichkeiten zur Förderung des Engagements von Frauen aufzeigen und nicht zuletzt den Frauen selbst ein Signal geben, sich mehr als bisher einzubringen.

Die beiden Ministerinnen Martini (Umwelt) und Götte (Frauen) konnten gut 200 TeilnehmerInnen begrüßen und ihnen politische Unterstützung für ihr Engagement in der Agenda-Arbeit zusichern. Erfolgreiche Wege für die Beteiligung von Frauen an der Stadtplanung stellte die Heidelberger Oberbürgermeisterin Beate Weber vor - zum Beispiel speziell an den Bedürfnissen von Frauen orientierte Zukunftswerkstätten im Rahmen der Stadtentwicklungsplanung und das Heidelberger Gründerinnenzentrum.

Am Nachmittag gab es in fünf Zukunftsforen Gelegenheit für intensive Diskussionen im kleinen Kreis. Bedürfnisse und Ideen von Frauen in den Bereichen Haushalt, Regionalvermarktung sowie Technik- und Energiemanagement wurden artikuliert, die Möglichkeiten für Frauen, in der Agenda aktiv zu werden, ausgelotet und Perspektiven von Frauen für eine nachhaltige Stadt- und Raumplanung erarbeitet.
Am Ende des Kongresses waren eine Reihe von konkreten Möglichkeiten und Handlungsfelder einer Lokalen Agenda 21 aufgezeigt worden, in denen Frauen bereits erfolgreich handeln, handeln können oder wollen. Die Bündelung von Fraueninteressen und die Weiterbildung von Frauen wurden als zentrale Mittel benannt, die Frauen-Positionen stärken und zum Beispiel im Sinne einer Vergrößerung der VerbraucherInnen-Macht positiv auf eine nachhaltige Entwicklung wirken können.

 

 
"Die vorhandenen Kompetenzen und das hohe Engagement der Frauen müssen viel stärker als bisher Eingang in die Planungspraxis finden."
Die damaligen Ministerinnen Martini und Götte und die Landfrauenvorsitzende Steinhauer in ihrer Abschlusserklärung zum Kongress "Frauen planen nachhaltig".
 

 

Kompetenzvermittlung: Bildungseinrichtungen und die Lokale Agenda 21

Volkshochschulen sind als öffentliche Bildungseinrichtungen gut positioniert, um neue Themen in die Bevölkerung hineinzutragen so auch die Lokale Agenda 21. Durch Weiterbildungsangebote können der Bevölkerung Kompetenzen für ein effektives Engagement an die Hand gegeben werden. Den Beitrag von Bildungseinrichtungen für eine Lokale Agenda 21 loteten die LZU und der Landesverband der Volkshochschulen (VHS) auf bereits zwei Veranstaltungen aus.

1998 fand ein erster Workshop zur Rolle der außerschulischen Bildungseinrichtungen in der Lokalen Agenda 21 statt, der vor allem in der Forderung nach einem verstärkten Engagement der Volkshochschulen mündete, weil sie die Chance hätten, die "Marktlücke" im Bereich "Bildung für Nachhaltigkeit" auszufüllen.

Knapp zwei Jahre später vertiefte eine Tagung das Thema. Im September 2000 trafen sich etwa 30 VertreterInnen von Kommunen und Bildungseinrichtungen auf Einladung der LZU, des Landesverbands der VHS und des Landesverbands Natur- und Umweltbildung (ANU) in Bingen. Das Motto der Veranstaltung - "Einmischen Transparent machen Begleiten Moderieren. Volkshochschulen und ANU im Prozess der Lokalen Agenda 21 vor Ort" deutete bereits die Bandbreite der Möglichkeiten an, wie in der Umweltbildung tätige Institutionen Agenda-Prozesse unterstützen können.

Die LZU stellte einführend das Leitbild der Nachhaltigkeit in der Landespolitik vor und strich heraus, dass sie auf Partnerschaften setzt, um eine möglichst breite Verankerung zu erreichen. Nationale und europäische Tendenzen stellte ICLEI-Referent Dirk Kron vor: Eine dialogorientierte Stadtentwicklung braucht neue Qualifikationen bei den Verantwortlichen; dies kann ein neuer Bildungsauftrag für Volkshochschulen sein.

Was "Bildung für Nachhaltigkeit" heißen kann, erläuterte ein Vertreter des ANU: Das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung wird als Rahmen für eine neue Lernkultur gesehen, die Menschen Kompetenzen für die Bewältigung der Zukunft vermittelt. Der Alltagsbezug der Bildungsangebote ist dabei von besonderer Bedeutung.

Am Nachmittag verwandelte sich die Tagung in einen Workshop: In drei Arbeitsgruppen

  • entstanden Ideen, wie Bildungseinrichtungen Agenda-Themen für die Bevölkerung erlebbar machen können;
  • wurde diskutiert, welche Ausrichtung begleitende Bildungsprogramme zu Agenda-Prozessen haben können;
  • wurde zusammengetragen, welche Chancen sich durch die Lokale Agenda 21 für die Volkshochschulen eröffnen;
  • wurden mögliche Beiträge der Volkshochschulen zur Begleitung des Agenda-Prozesses aufgezeigt.

Aus den Ergebnissen der Gruppenarbeit und einem Brainstorming unter den TeilnehmerInnen wurden schließlich Wünsche an die Bildungseinrichtungen artikuliert: Kurse für spezifische Handlungsfelder der Nachhaltigkeit zum Beispiel Energiesparen oder Regionalvermarktung sollten in die Bildungsangebote aufgenommen werden. Ein sinnvoller Schwerpunkt von Fortbildungen ist die Vermittlung von kommunikativen Kompetenzen wie Moderation, Rhetorik und Mediation, die für ein erfolgreiches Prozessmanagement nötig sind. Schließlich sollten Volkshochschulen und Umweltbildungseinrichtungen die Bedürfnisse örtlicher Agenda-Gruppen abfragen, ihre bestehenden Vernetzungen nutzen und ihre etablierten Öffentlichkeitsarbeitstrukturen zur Verfügung stellen.

Vereinbart wurde auch eine verstärkte Kooperation zwischen Volkshochschulen und Umweltbildungseinrichtungen sowie mit Kommunen und Landespolitik.

Partizipation und Landschaftsplanung im Kontext der Lokalen Agenda

In der Tradition der Fachtagungen stand auch ein Kongress, den die LZU gemeinsam mit dem Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht sowie der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer veranstaltete: "Wie kann die Lokale Agenda 21 in die Landschaftsplanung hineinwirken?"

Landschaftsplanung ergänzt die kommunalen Bauleitpläne um die Anliegen des Naturschutzes und setzt damit wesentliche Leitplanken für die (nachhaltige) Entwicklung von Kommunen. Während die vorgeschriebenen formellen Verfahren häufig an den Betroffenen vorbeilaufen, haben Pilotprojekte bewiesen, dass die Verknüpfung von Landschaftsplanung und Lokaler Agenda 21 Sinn macht. Neue Beteiligungsmodelle können eine erfolgreiche Integration von Fachplanungen leisten und wertvolle, nach ökologischen und sozialen Kriterien abgestimmte Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung stellen. Diese Chancen einem breiteren Publikum vor Augen zu führen, stand im Zentrum der Veranstaltung.

Vertreter aus Kommunalpolitik, von Umweltbehörden, Planungsbüros, Beratungsunternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen aus der ganzen Bundesrepublik erörterten die kreativen Spielräume, die der kommunalen Landschaftsplanung zur Verfügung stehen. Zentrale Botschaft der Referenten: Die verschiedenen Bundes- und Landesnaturschutzgesetze lassen den Kommunen Freiheiten für eine individuell angepasste Ausgestaltung. Ist der politische Wille zur Bürger-Beteiligung gegeben, erhöht eine frühzeitige Einbindung die Akzeptanz, kann Interessensausgleich schaffen und die Planung um wertvolle Alternativvorschläge bereichern. Wie in jedem Agenda-Prozess gehört zu den Erfolgsbedingungen einer beteiligungsorientierten Landschaftsplanung auch, Erwartungshaltungen zu klären. Die BürgerInnen müssen wissen, dass sie beraten, aber nicht entscheiden; und für die Verwaltung darf Partizipation nicht zum Feigenblatt mit unerheblichen Ergebnissen werden.

Vorgestellt wurden auch einige gelungene Beispiele aus Rheinland-Pfalz für verschiedene Beteiligungsformen in der Landschaftsplanung darunter die integrierte ökologische Entwicklung des Tourismus im Dahner Felsenland, der Landschaftsplanungsprozess in Morbach-Gonzerath und die Entwicklung des Gewerbegebiets "Auestraße" in Speyer.

Ein Netzwerk formiert sich: Landestreffen der Lokale-Agenda-21-ModeratorInnen

Die Fortbildungsangebote der LZU haben mittlerweile landesweit Früchte getragen. Die TeilnehmerInnen haben nicht nur Fachkenntnisse erworben, sondern auch wertvolle Kontakte zu Kollegen aus anderen Kommunen geknüpft. Daher entschlossen sich AbsolventInnen der Grund- und Aufbaukurse des Moderationstrainings in der Evangelischen Landjugendakademie Altenkirchen im Jahr 2001, ein landeweites Netzwerk von ModeratorInnen entstehen zu lassen.
Mit finanzieller Unterstützung durch die LZU trafen sich AbsolventInnen und Trainer bisher zweimal. Ihr Ziel ist ein Forum zu schaffen für

  • einen fruchtbaren Erfahrungsaustausch zur Praxis der Moderation;
  • eine kontinuierliche Fortbildung im Bereich Moderationstechniken;
  • die Entwicklung neuer Perspektiven;
  • die Analyse von Agenda-Prozessen;
  • die Reflexion von persönlichen Erfahrungen mit der Rolle der Moderation in der Lokalen Agenda 21.

Die im Austausch mit der Gruppe gewonnenen Erkenntnisse können in die Arbeit vor Ort weitergetragen werden. Weiteres Anliegen der TeilnehmerInnen ist es, als ausgebildete ModeratorInnen gemeinsam an die Öffentlichkeit zu treten. Eine Präsentation und Kontaktbörse mit den Profilen der Netzwerkmitglieder im Internet beziehungsweise auf Papier könnten mögliche Instrumente dafür sein. Angedacht ist eine Anbindung an die Internetseite der LZU. Nach Etablierung geeigneter Strukturen soll das Netzwerk auch weiteren InteressentInnen offen stehen.

Weitere Informationen über den Aufbau des Netzwerks gibt es beim stellvertretenden Direktor der Evangelischen Landjugendakademie Altenkirchen, Hans-Heiner Heuser, Telefon 02681 - 95160

Die nachhaltige Kommune in der nachhaltigen Region:

 

Titelseite "Zukunftsfähiger Hunsrück"

Zukunftsfähiger Hunsrück ...

In zwei Veranstaltungsreihen weitet die LZU den Blickwinkel von der lokalen auf die regionale Ebene. Eine Lokale Agenda 21 muss sich letztlich innerhalb einer regionalen Ebene verorten; Nachhaltige Entwicklung macht nicht an den Gemeindegrenzen halt.

"Zukunftsfähiger Hunsrück" ist eine Tagungsreihe überschrieben, die im Jahr 2001 eine Diskussion über die Entwicklung der Region Hunsrück startete. Exkursionen und Fachvorträge erörtern Möglichkeiten, das Leben im ländlichen Raum des Hunsrücks attraktiv und nachhaltig zu gestalten.

 

Titelseite "Gaytaler Gespräche"

... und Gaytaler Gespräche

Mit den Gaytaler Gesprächen bietet die LZU seit 1997 ein Forum für den grenzüberschreitenden Austausch über Regionalentwicklung. Zunächst als Zyklus von drei Konferenzen zu möglichen Wegen einer nachhaltigen Entwicklung in der Region konzipiert, fanden die Tagungen so gute Resonanz, dass die Reihe in Zusammenarbeit mit dem TAURUS-Institut der Universität Trier und dem Umweltbildungszentrum Gaytal Park weitergeführt wurde.

Die Gaytaler Gespräche verorten sich im Spannungsfeld zwischen Regionalisierung und Globalisierung - "Es gilt, Lokales und Globales, Region und Europa miteinander in Verbindung zu bringen", steht in den Einladungsschreiben. Ganz bewusst wurde das Gaytal als Region jenseits von Ballungsräumen, aber doch im Herzen Europas im Grenzgebiet zwischen Rheinland-Pfalz, Luxemburg und Wallonien gewählt. So wird deutlich gemacht, dass eine nachhaltige Entwicklung nicht an Verwaltungs- oder Staatsgrenzen halt machen kann. Die mehrtägigen Veranstaltungen finden im Umweltbildungszentrum Gaytal Park und im luxemburgischen Vianden statt.

In Expertenvorträgen und Workshops werden ausgerichtet an jährlich wechselnden Schwerpunktthemen - Positionen bezogen, Modelle präsentiert und Vorschläge gemacht. Das Besondere an den Gaytaler Gesprächen ist die Kombination aus philosophischen Betrachtungen und Beispielen aus der Praxis, die durch die Präsenz von bekannten Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Praxis garantiert wird. Projektbörse und Exkursionen und der abendliche Gaytal-Salon bieten Gelegenheit zum informellen Austausch und stehen für den etwas anderen Charakter der Veranstaltungsreihe.

Gleich im ersten Jahr, 1997, starteten die Gaytaler Gespräche mit einem unkonventionellen Thema, das obwohl stets präsent selten offen angesprochen wird. Die Rolle des Geldes für eine nachhaltige Entwicklung in der Region wurde diskutiert. Es ging um die Fragen, wo sich Geld für Nachhaltigkeitsprojekte auftreiben lässt, wie es sinnvoll genutzt werden sollte, und wie mit den Finanzproblemen der öffentlichen Haushalte umgegangen werden kann.

1998 tauschten sich die TeilnehmerInnen über Konzepte von Arbeit aus: Welche Rolle spielt unser Verständnis von Wirtschaften für eine nachhaltige Entwicklung? Welche anderen Formen der Existenzsicherung, die vielleicht Wege aus der ökologischen, ökonomischen und sozialen Krise aufzeigen, sind vorstellbar? Wie sind lokal Potentiale eines nachhaltigen Wirtschaftens auszuschöpfen sowie heutige und zukünftige Arbeitswelten zu sichern?

Wegen seiner vielfältigen Funktionen stand das Medium "Boden" - stellvertretend für den gesamten Naturhaushalt - 1999 im Mittelpunkt. Botschaft der Tagung war unter anderem die Dringlichkeit eines geschärften Bewusstseins um Bodenschutz und Flächenverbrauch und die Notwendigkeit, Entscheidungsträger für ein regionales Flächenmanagement zu sensibilisieren.

Im Jahr 2000 widmeten sich die Gaytaler Gespräche pünktlich zum Jahrtausendwechsel dem Thema "Zeit". Aus unternehmerischer und ökologischer Perspektive wurde diskutiert, wie man in der heutigen, sich rasant verändernden Gesellschaft die Zeit für eine langfristige Zukunftsplanung - wie sie das Konzept der nachhaltigen Entwicklung fordert - nutzen kann.

Bei den fünften Gaytaler Gesprächen 2001 wurde in Vorbereitung auf den Gipfel von Johannesburg Bilanz gezogen über Erreichtes und Unerreichtes in der nachhaltigen Regionalentwicklung. Dabei kehrte man wieder zurück zur Diskussion um die Definitionsmöglichkeiten von Nachhaltigkeit. Fachleute aus Deutschland und Luxemburg stellten erfolgreiche Projekte in den Bereichen "Beschäftigung durch Telematik", "Energieberatung", "Optimierung von Stoffströmen in der Landwirtschaft" vor. Mit dem LEADER-Programm der Europäischen Union und dem deutschen Wettbewerb "Regionen der Zukunft" wurden schließlich breit angelegte Initiativen für eine Regionalentwicklung präsentiert.

Im Jahr 2002 fanden die Gaytaler Gespräche zum sechsten Mal statt Thema diesmal: die Rolle der Bauern für eine nachhaltige Regionalentwicklung.

 

 

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