LZU-Logo 34/35/2002
Nachhaltige Entwicklung praktisch
 

Projektförderungen

Ein Verständnis von und ein Bewusstsein für "nachhaltige Entwicklung" kann sich am besten über Projekte und Initiativen bei den Menschen verbreiten. Neben Beratungs- und Fortbildungsangeboten unterstützt die LZU deshalb rheinland-pfälzische Kommunen bei ihrer Agenda-Arbeit auch direkt mit Projektförderungen.
Dabei geht es vor allem darum, den Agenda-Alltag in der Gemeinde zu unterstützen. Für Maßnahmen zur Information, Kommunikation und Vernetzung im Rahmen eines lokalen Agenda-21-Prozesses sind finanzielle Zuschüsse möglich. Zuwendungsfähige Projekte sind beispielsweise:

Seminare und Veranstaltungen zur Lokalen Agenda 21 (Referentenhonorare, Raummieten, Fahrtkosten), Moderationshonorare, Ausstellungen, Publikationen, Dokumentationen, Berichte, Anzeigen, Poster, Moderationssets, Audio/Video-Medienproduktionen, Internet- Präsentationen, Faltblätter, sonstige Informationsträger.

Antragsberechtigt sind Landkreise, kreisfreie Städte, verbandsfreie Gemeinden, Verbandsgemeinden, Ortsgemeinden und freie Träger in Rheinland-Pfalz. Die Zuwendung wird gewährt, wenn die förderfähigen Kosten des beantragten Projektes über 1.500 Euro liegen. Sie beträgt dann grundsätzlich 60 Prozent der förderfähigen Kosten und ist auf einen Höchstbetrag von in der Regel 3.000 Euro begrenzt (Regelförderung). Bei modellhaften oder landesweit bedeutsamen Projekten kann davon abgewichen werden. Die Landeszentrale für Umweltaufklärung behält sich hierbei vor, das Projekt entsprechend einzustufen.

Bisher (Stand Juli 2002) hat die LZU auf diese Weise 103 Agenda-Projekte in rheinland-pfälzischen Kommunen unterstützt. Einige dieser Förderprojekte werden auf den folgenden Seiten vorgestellt.

 

Das Titellogo des Ludwigshafener Kinderstadtplans

Kinderstadtplan Ludwigshafen

An eine ganz besondere Zielgruppe richtete sich das Ludwigshafener Agenda-Projekt "Kinderstadtplan". Unter Federführung des Kinderbüros der Stadt entstand ein Stadtplan von und für Kinder. Kinder als Experten ihrer Wohn- und Spielumfelder sollten selbst Hauptakteure des Projekts sein und einen Stadtplan produzieren, der schwerpunktmäßig das darstellt, was ihnen in ihrem Alltag wichtig ist. Vierhundert Kinder zwischen sechs und 12 Jahren arbeiteten als "StadtteilforscherInnen" an dem neuen Stadtplan. Sie wurden in ihrer Arbeit von verschiedenen Kinder- und Jugendeinrichtungen aus Ludwigshafen und dem Stadtvermessungsamt unterstützt.

Im Rahmen einer Ferienaktion arbeiteten die Kinder zunächst den Stadtplan in generalisierte Pläne für die einzelnen Grundschulbezirke um. Dann wurde die Stadt nach Spiel- und Aufenthaltsorten aus Kindersicht erforscht. Um diese in den Karten festhalten zu können, entwickelten die Kinder Logos für die einzelnen Angebote und stellten sie zu einer Legende zusammen. Leicht verständliche Symbole verweisen auf Kindergärten und Schulen, Eisdielen und Spielzeugläden, Kioske und Bäcker, Spielplätze, Schwimmbäder, Rollschuh- und Inlinerbahnen oder machen auf gefährliche Kreuzungen und Zebrastreifen aufmerksam. Besondere "Geheimtipps" sollen auch andere Kinder neugierig darauf machen, ihren Stadtteil zu erkunden.

Zur detaillierten Ausgestaltung in den jeweiligen Bezirken wurde das Projekt an die dritten und vierten Klassen der örtlichen Grundschulen übergeben. Die SchülerInnen nutzten ihre Ortskenntnis, um die Logos für die verschiedenen Angebote an den richtigen Stellen im Stadtteilplan zu verorten. MitarbeiterInnen der Stadtverwaltung halfen bei der endgültigen Festlegung.
Der Stadtplan mit besonderen Informationen für Kinder soll diesen helfen, sich in der eigenen Stadt zu orientieren: Wo sind tolle Spielorte oder interessante Plätze, welche Straßenkreuzungen sind besonders gefährlich und wie kann man sie umgehen, wo gibt es sichere (Fahrrad-)Wege, wo komme ich auf dem Heimweg von der Schule an einem Kiosk vorbei und wo kann ich mich nachmittags mit FreundInnen treffen?

Ein wichtiger Begleiteffekt dieser "Forschungsarbeit" war, dass die Kinder unterschiedliche Lebensorte Wohnung und Schule, Sport- und Spielplatz und Lebenssituationen Freizeitmöglichkeiten, Verkehrswege, Freiräume kennen lernten. Sie mussten sich intensiv mit konkreten Lebensbedingungen und Fragestellungen der Stadtplanung auseinandersetzen.
Gleichzeitig ermöglichte das Projekt die Beteiligung von Kindern an der Stadtentwicklung und entspricht damit auch Forderungen aus Kapitel 25 der Agenda 21 nach aktiver Einbeziehung von Kindern in eine kindgerechte Gestaltung ihres Lebensumfelds. Eine Politik, die sich das Ludwigshafener Kinderbüro das auch am Arbeitskreis "Lokale Agenda 21" in der Verwaltung teilnimmt zur festen Größe in seinen Projekten gemacht hat.

 

Titelblatt der Trierer Broschüre zur Lokalen Agenda 21

Trierer Broschüre zur Lokalen Agenda 21

Wie auch in anderen rheinland-pfälzischen Kommunen förderte die LZU in Trier die Erstellung einer Broschüre zur Lokalen Agenda 21. Der unabhängige Verein "Lokale Agenda 21 Trier e.V.", der - größtenteils von der Stadt finanziert - seit seiner Gründung 1999 den Prozess koordiniert, hatte als eines seiner ersten Projekte eine "Imagebroschüre" konzipiert. Damit sollten mögliche Sponsoren von den Anliegen und der Seriosität des Unternehmens "Lokale Agenda 21" überzeugt werden. Außerdem wollte man die Trierer Bevölkerung darüber informieren, was Lokale Agenda 21 ist und wie sie konkret in Trier aussieht. Viele Menschen, die bereits die Trierer Agenda unterstützten, sollten in der Broschüre selbst zu Wort kommen. Daraus ergab sich eine lebendige Gestaltung und so konnte eine breite gesellschaftliche Beteiligung an der Lokalen Agenda 21 dokumentiert werden.

Unter Koordination der Geschäftsstelle des Vereins wurden Statements von Akteuren zusammengetragen, die ihre persönliche Motivation, bei der Agenda mitzumachen, erläutern. So kommt nun auf jeder Seite neben Erklärungen zum Hintergrund der Agenda oder zur Prozessorganisation in Trier ein Mensch zu Wort.

Zitate berühmter Persönlichkeiten im Sinne der Nachhaltigkeit und Beteiligung lockern den Text zusätzlich auf. Von der Ausländerbeauftragten finanzierte Übersetzungen ins Englische, Französische und Spanische runden die Broschüre ab. Die beigefügte Postkarte ist ein einfacher Weg, sich zusätzliche Informationen zu besorgen oder sogar Mitglied im Lokale-Agenda-Verein zu werden.

Der Input von vielen Beteiligten bedeutete natürlich einen hohen Koordinationsaufwand und eine relativ lange Herstellungsdauer. Dass sich der Einsatz gelohnt hat, zeigt die gute Resonanz.

Die Fördermittel der LZU wurden vor allem für Druck und Layout verwandt. Die Kooperation mit der örtlichen Fachhochschule für Kommunikationsdesign bedeutete einen Standortvorteil: StudentInnen entwarfen und realisierten mit viel Aufwand und Engagement die Gestaltung der Broschüre zum Vorzugspreis. Von ihnen kam auch die Idee, Fotos und Zitate als Collage wie in einem Notizbuch zu gestalten. Das Design und wesentliche Inhalte der Broschüre wurden im Übrigen für die Internet-Präsentation der Trierer Lokalen Agenda 21 übernommen
www.la21-trier.de. Für die online-Version gab es wiederum finanzielle Unterstützung durch die LZU.

Energetische Untersuchung Verbandsgemeinde Schönenberg-Kübelberg

Eine Sondierung möglicher Aktivitäten im Rahmen einer Lokalen Agenda 21 war Thema eines sechsmonatigen Projekts in der Verbandsgemeinde Schönenberg-Kübelberg. Sechzig Prozent der Kosten wurden von der LZU übernommen. Klar war dabei, dass die Gemeinde die Lokale Agenda 21 projektbezogen - und zwar konkret im Handlungsfeld Energie - angehen wollte.

Die Gemeinde beauftragte Wissenschaftler des Umwelt-Campus Birkenfeld, eine energetische Untersuchung für ausgewählte verbandsgemeindeeigene Liegenschaften durchzuführen, um Optimierungs- und Einsparpotentiale auszuloten. Für das so genannte Energiemanagement wurden acht Objekte ausgewählt: drei Schulen mit Turnhallen, das Rathaus und zwei Feuerwehrgebäude. Für alle Gebäude wurden Analysen der energetischen Ist-Situation (Verbrauch, Technik, Verträge, etc.) und Vorschläge für konkrete Projekte erarbeitet. Unterstützt wurden die Wissenschaftler durch die Gemeindeverwaltung, die energetische Daten für die einzelnen Gebäude lieferte. Interviews mit den für die Gebäude verantwortlichen Hausmeistern ergänzten die Daten. Im Ergebnis zeigte sich, dass keines der Gebäude in gutem energetischen Zustand war. Die Ursachen reichten von unzureichend geschulten Hausmeistern über veraltete Beleuchtungskörper und Heizungssysteme bis zu maroden Gebäudesubstanzen.

Der Verbandsgemeinde bieten sich also vielfältige Ansatzpunkte für eine Verbesserung des Energiemanagements in den eigenen Gebäuden. Die Wissenschaftler erarbeiteten eine Reihe von Maßnahmenvorschlägen, die im Rahmen der Lokalen Agenda 21 umgesetzt werden könnten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Hausmeisterschulungen durch örtliche Heizungsbauer;
  • Einführung von Energiepässen für private Hausbesitzer;
  • Schülerprojektgruppe zur Ausbildung von Energiedetektiven: Schüler, Lehrer und Hausmeister lernen zusammen, wie man Energieverbräuche optimieren kann (Austausch von alte Glühlampen, Optimierung von Heizanlagen, bewusster Umgang mit Energie, etc.);
  • Projektgruppe Erneuerbare Energien: Verwaltung, Privatpersonen und Heizungsbauer loten Möglichkeiten zur Energieoptimierung von Gebäuden aus;
  • Energieberater-Projektgruppe: Festlegung von Handlungsschritten zur energetischen Verbesserung, Dokumentation und Evaluation der Ergebnisse.

Somit bildet das Energiemanagement eine Ausgangsbasis für die Entwicklung von gemeinschaftlichen Projekten. Erfolgsfaktor dürfte dabei sein, dass in den Projektgruppen viele Personen aus unterschiedlichen Bereichen - Bevölkerung, Stadtverwaltung und Wirtschaftsunternehmen - zusammen kommen, um sich auf einer breiten Basis austauschen zu können. Welche der angedachten Projekte verwirklicht werden, wird zur Zeit im Verbandsgemeinderat beraten.

100 Personen, 2,5 Tage, eine Reise ins Jahr 2020 - Zukunftskonferenz als Methode der Lokalen Agenda 21

Im Rahmen der Lokalen Agenda 21 stellt sich immer wieder die Frage nach geeigneten Beteiligungsmethoden für eine größere Anzahl von Menschen. Arbeitskreise, wie sie in den meisten Prozessen entstehen, sind zwar wichtig für die kontinuierliche Arbeit, aber mit zu vielen Teilnehmenden nicht mehr arbeitsfähig. Gleichzeitig sollen jedoch möglichst viele Personen die Chance bekommen, an der gemeinsamen Vision zu arbeiten - und handlungsorientiert sollen die Ergebnisse auch sein.

Zukunft planen mit möglichst vielen Beteiligten, dabei Spaß haben und trotzdem nach Plan arbeiten das unterstützt die LZU seit dem Jahr 2001 mit der finanziellen Förderung von Zukunftskonferenzen in rheinland-pfälzischen Kommunen. In Deutschland noch relativ unbekannt, jedoch mit immer mehr Interesse beachtet, ermöglicht eine Zukunftskonferenz einer großen Gruppe von BürgerInnen, gemeinsam Vorhaben für die Entwicklung der Kommune zu erarbeiten. Insbesondere als Auftakt zur Lokalen Agenda scheint die Zukunftskonferenz geeignet, möglichst viele BürgerInnen zu integrieren. Und gerade für die rheinland-pfälzische Spezialität "Verbandsgemeinde" mit häufig konkurrierenden Ortsgemeinden scheint die Methode geeignet, über den Tellerrand von Einzelinteressen hinaus zu schauen und gemeinsame Schnittstellen für zukunftsverträgliches Handeln zu finden.

 

 
Zukunftskonferenz demokratische Zukunftsplanung mit Spaß
Eine Zukunftskonferenz ist Einladung an die BürgerInnen, sich für eine lebendige Gemeinde und ihre nachhaltige Entwicklung einzusetzen. Ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung entwickelt eine gemeinsame Vision, vereinbart Ziele und skizziert konkrete Umsetzungsmöglichkeiten. Das gesellschaftliche "System" einer Kommune - der Hausmann von nebenan und die Leiterin des Umweltamts, der Diplomingenieur und die Umweltbeauftragte des örtlichen Großbetriebs, der Schüler und die Vereinsvertreterin - kommt für ein paar Tage in einem Raum zusammen und schafft eine gemeinsame Vertrauens-, Energie- und Handlungsbasis, die den Agenda-Prozess mit (neuer) Dynamik ausstatten kann. Bis zu 100 Menschen mit und ohne offizielle Funktion in der Stadt, VertreterInnen von Organisationen und Verbänden, "einfache" BürgerInnen mit unterschiedlichem Lebensalltag werfen einen Blick auf die Identität einer Stadt, auf die Geschichte und die Gegenwart, auf aktuelle Entwicklungstendenzen. Ein gemeinsames Szenario für die zukünftige Entwicklung und Schritte zur Umsetzung des Leitbildes stellen das Ergebnis der Konferenz dar. Im Zentrum stehen dabei die Chancen und Perspektiven von morgen, nicht Konfliktpunkte von gestern und heute. Im Laufe der Konferenz entstehen aus zunächst thematisch organisierten gemischte Gruppen. Es entstehen neue, oft sehr kreative Initiativen, die Kräfte bündeln, pragmatische Lösungen entwickeln und einen nachhaltigen Motivationsschub bewirken.
 

 

Zukunft statt Zufall -
Die erste Zukunftskonferenz in der Verbandsgemeinde Deidesheim

Die Auftaktveranstaltung zur Lokalen Agenda in der Verbandsgemeinde Deidesheim war gleichzeitig eine rheinland-pfälzische Premiere: Es war die erste Zukunftskonferenz im Land. "Wohin soll die Reise in Zukunft gehen?", fragte Bürgermeisterin Magin ihre MitbürgerInnen im Mai 2001. Zweieinhalb Tage lang entwarfen 72 TeilnehmerInnen aus allen fünf Ortsgemeinden unter Anleitung eines 3köpfigen Moderationsteams der Firma domdey&partner eine Vision für die Entwicklung der Verbandsgemeinde in den nächsten zwanzig Jahren frei nach dem Motto "Zukunft statt Zufall". Der 13jährige Schüler und die 83jährige Rentnerin, Alteingesessene und frisch Hinzugezogene, Verwaltungsangestellte und Ingenieure - kurz: VertreterInnen aller gesellschaftlichen Bereiche - diskutierten darüber, wie sie in Zukunft leben wollen.

Eine Zukunftskonferenz verlangt gründliche Vorbereitung, denn sie lebt von den TeilnehmerInnen, und die müssen erst einmal motiviert werden. So hatte die Vorbereitungsgruppe aus Verwaltung und Moderationsteam ein halbes Jahr lang gründliche Arbeit geleistet:
Eine offene Informationsveranstaltung fand statt, Pressemeldungen wurden kontinuierlich platziert, einzelne Personen - besonders VertreterInnen von Vereinen und Verbänden sowie aus der Wirtschaft - gezielt angesprochen. Fünfzig Prozent der Plätze wurden frei vergeben, während die andere Hälfte dazu genutzt wurde, wichtige Handlungs- und Informationsträger einzubinden oder die Vertretung der Interessen der einzelnen Ortsgemeinden und verschiedener Alters- und Berufsklassen sicherzustellen.

Zur Vorbereitung gehörte auch die Festlegung von neun Themenbereichen, die wichtige Handlungsfelder in der Verbandsgemeinde abdeckten: Schule und Bildung; Soziales Miteinander; Jugend und Freizeit; Sport und Kultur, Wirtschaft/Tourismus; Flächennutzung und Infrastruktur; Umwelt, Klima, Energie; Verwaltung; Politik. Gemäß dem Prinzip der Zukunftskonferenz arbeiteten die TeilnehmerInnen zunächst an Thementischen, die sich im Verlauf der Konferenz in gemischte Tische verwandelten so wurde sichergestellt, dass Gruppeninteressen artikuliert werden konnten, aber auch mit anderen abgeglichen werden mussten.

Wesentlich war die hierarchiefreie Diskussionskultur, die durch das Moderationsteam überwacht und in verbindliche Regeln gefasst wurde. So konnten eine vertrauensvolle Atmosphäre und Verständnis für unterschiedliche Positionen geschaffen werden. Zugleich garantierten die ModeratorInnen den professionellen Umgang mit Visualisierungstechniken und kreativen Methoden, die Austausch und Selbstkritik unterstützten oder halfen, Bilanz zu ziehen und Visionen für die Zukunft zu entwerfen.

Zunächst entstanden eine facettenreiche Wandzeitung zur Vergangenheit, eine grafische Übersicht aktueller Herausforderungen und Tendenzen in der Verbandsgemeinde sowie eine persönliche Zwischenbilanz über den heutigen Zustand. Dann drehte sich alles um die Zukunft. Zukunftsweisende Visionen wurden inszeniert, Leitmotive ermittelt und Ideen für ihre konkrete Umsetzung festgehalten. Am Ende der zweieinhalb Tage mischten sich die TeilnehmerInnen neu, um Projekte zu entwickeln, die sie besonders interessieren. Direkt im Anschluss an die Konferenz konnten sie beginnen, mit den so genannten "Startprojekten" konkrete Schritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Zukunft zu gehen. Die unterschiedlichen Sichtweisen sollten auch in diesen Gruppen weiter kreativ zusammenwirken.

Die Deidesheimer Startprojekte:

  • Jugendcafé
  • Wöchentlicher Biomarkt
  • Nutzung von Solarenergie in öffentlichen Gebäuden
  • Kontaktbörse
  • Bürgerbüro
  • Radwegenetz
  • Boule-Treff als Begegnung zwischen Generationen und Kulturen

Auch nach der Zukunftskonferenz steht das Moderationsteam dem Deidesheimer Agenda-Prozess weiter beratend zur Seite, um die langfristige Verwirklichung der Vorhaben zu unterstützen. Insgesamt 50 Personen arbeiten in sieben Arbeitsgruppen weiter. Ein Agenda-Beirat aus Vertretern der Arbeitsgruppen und der Politik filtert aus den Anträgen der Gruppen machbare Projekte heraus und bereitet Ratssitzungen vor. Acht Monate nach der Zukunftskonferenz wurden anlässlich des Neujahrsempfangs 2002 erste Arbeitsergebnisse aus den Projektgruppen präsentiert, die kurz vor der Realisierung stehen - so zum Beispiel ein Kontakt- und Tauschring für nachbarschaftliche und generationsübergreifende Dienstleistungen oder das Konzept für ein Bürgerbüro.

 

Marion Magin
Marion Magin, Verbandsgemeindebürgermeisterin:
"Die Methode Zukunftskonferenz sollte der Lokalen Agenda von Anfang an inhaltliche Substanz und eine vertrauensvolle, kreative Dialogkultur geben. Sie bringt Menschen aus verschiedenen Lebensbereichen dazu, miteinander zu reden. Durch das Prinzip der Mischung von Interessengruppen entstehen Arbeitskreise, in denen unterschiedliche Standpunkte vertreten sind. VertreterInnen aus Wirtschaft, aus Umweltschutz, aus Vereinen müssen ihre Anliegen abstimmen - so wie es das Konzept der nachhaltigen Entwicklung vorsieht.
Zudem gibt es hier in der VG Deidesheim bereits einige Agenda-Prozesse auf Ortsgemeindeebene da wollten wir den BürgerInnen mit einer besonderen Beteiligungsform Lust darauf machen, sich auch in der Verbandsgemeinde zu engagieren. Im Ergebnis hat mich an unserer Zukunftskonferenz vor allem beeindruckt, dass es durch alle Altersstufen und Interessen ein gutes Miteinander gab. Es wurde in einer angenehmen Form diskutiert und vor allem die Meinung des anderen auch zugelassen. Für mich zeigte die Zukunftskonferenz, dass es möglich ist, mit vielen Interessengruppen am Schluss doch auf gemeinsame für alle akzeptierbare Vorschläge zu kommen."
 

 

Modellprojekte

Die LZU unterstützt Projekte mit Pilotcharakter: Solche Modellprojekte können innovative Ansätze und ehrgeizige Ziele in der Praxis testen, Methoden ausprobieren und verbessern sowie zu Fortschritten in der Gestaltung der lokalen Nachhaltigkeit kommen. Die Erfahrungen aus der Projektgemeinde sollten so aufbereitet werden, dass auch andere Kommunen davon profitieren können.

Nachhaltig wirtschaften - Modellprojekt Lokale Agenda 21 und Wirtschaft

Das Ziel einer möglichst effizienten Nutzung von Ressourcen ist nichts Neues für Wirtschaftsunternehmen und dass sich dieses Prinzip auch durch Umweltschutz verwirklichen lässt, längst kein Geheimnis mehr.
Längst praktizieren viele Betriebe Umweltmanagement und lassen sich dafür zertifizieren. Die Lokale Agenda bietet da oft eine Chance, in Zusammenarbeit zwischen Kommune und Wirtschaft vorhandene Aktivitäten zu bündeln und den Kreis der umweltengagierten Betriebe zu erweitern.

Die Verbandsgemeinden Kandel, Kirchen und Betzdorf beteiligen sich am Modellprojekt "Nachhaltig und innovativ wirtschaften in Rheinland-Pfalz". Begleitet von Beratern der Firma B.A.U.M.-Consult soll versucht werden, örtliche Unternehmen - die eine entscheidende Akteursgruppe sind - besser in örtliche Dialogverfahren einzubinden und damit ein typisches Manko von Agenda-Prozessen zu überwinden. Dabei geht es den drei Kommunen um mehr als Umweltschutz. Unternehmen sollen motiviert werden, sich auf das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung zu verpflichten. Neben umweltverträglichen Produktions- und Organisationsformen gehört dazu auch ein verantwortungsbewusstes Unternehmertum.

Die Erfahrungen aus dem Projekt werden in einem Leitfaden gebündelt, der praxisorientierte und erfolgreiche Tipps liefert, wie in einer Kommune die Kooperation und Einbindung der Wirtschaft in Innovationsprozesse und nachhaltige Entwicklung gestaltet werden kann.

 

Jobst Münderlein
Jobst Münderlein, Projektleiter bei B.A.U.M.:
"Kommunen können Unternehmer für nachhaltiges, innovatives Wirtschaften begeistern, indem sie erfolgreiche Beispiele aus der Praxis für die Praxis erfahrbar machen. Und wie im Wirtschaftsleben auch, muss der unmittelbare Nutzen durch zielgerichtetes, ergebnisorientiertes Handeln deutlich werden. Die Herausforderung für uns Berater liegt darin, Impulse zu setzen, die durch schnelle Erfolgserlebnisse motivieren, und zugleich die Akteure für langfristige Strategien zu begeistern. Dafür bedarf es innovativer Partnerschaften zwischen Unternehmen, Verwaltung, lokalen Organisationen und engagierten Einzelpersonen. Wie diese Kooperationen dauerhaft stabilisiert werden können ohne zu verkrusten, versuchen wir in diesem Modellvorhaben praktisch zu ergründen."
 

 

Die Herausforderung: Gemeinsame Ziele formulieren

Wesentliche Herausforderung für die Projektkoordination in den Kommunen und die Berater ist die Prozesssteuerung. Instrumente und Faktoren müssen identifiziert werden, die eine Beteiligung der Wirtschaft an Agenda-Aktivitäten fördern. So war es auch in den drei Modellkommunen zunächst keine leichte Aufgabe, gemeinsame Ansätze zwischen Verwaltung und Unternehmen zu entwickeln.

Die Berater sehen ihre Aufgabe vor allem im "Coaching" des Projekts. Die KoordinatorInnen vor Ort wollen beraten und in der Moderation des Prozesses unterstützt werden. Als unabhängige Experten mit betriebswirtschaftlichem Verständnis können die Berater zugleich Erfahrungen mit ähnlichen Projekten in die Arbeit einfließen lassen. Die Entwicklung und der Einsatz von Maßnahmen liegt schlussendlich allerdings in den Händen der lokalen Projektgruppen aus Wirtschaft und Verwaltung.

Patentrezepte kann es dabei nicht geben. Vielmehr ist es notwendig, sich an den jeweiligen lokalen Bedürfnissen zu orientieren. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, ist das Projekt flexibel gestaltet. Je nach Situation vor Ort werden unterschiedliche Arbeitsstrukturen ausprobiert und relevante Themengebiete bearbeitet. Bei der Auswahl der Modellgemeinden wurde unter anderem auf eine annähernd repräsentative Gemeindestruktur geachtet, um die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Verbandsgemeinden zu vereinfachen.

Kandel: Qualifizierung und Ressourcenschutz

In der Verbandsgemeinde Kandel ging eine Befragung von Unternehmen im Rahmen des Stadtmarketings zu ihren Wünschen an die Gemeindeentwicklung dem Start des Modellprojekts voraus. So konnte die Wirtschaft bereits für ein Engagement in der Lokalen Agenda 21 sensibilisiert werden.

Rund 20 Unternehmer und Multiplikatoren konnten sich für die Ziele des Projekts begeistern und schlossen sich zum Arbeitskreis "Nachhaltiges Wirtschaften in der VG Kandel" zusammen. In der Folge gründeten sich zwei Projektgruppen, die konkrete Vorhaben in Angriff nahmen:

  • Unter dem Motto "Leben und Arbeiten in Kandel" planen einige Betriebe einen Aktionstag, auf dem sich Arbeitgeber aus der Verbandsgemeinde vorstellen. Mit Hilfe von Verantwortlichen bei Arbeitsämtern und Betrieben soll über Angebot und Bedarf an Arbeitskräften sowie über Potentiale für Weiterbildung informiert werden.
  • Dem "Lokalen Ressourcennetzwerk" geht es darum, Stoffkreisläufe möglichst lokal zu schließen. Erster thematischer Schwerpunkt ist der Bereich Holz. Hier soll ein Workshop organisiert werden, in dem gemeinsam sinnvolle Verwertungsmöglichkeiten für die hohen Mengen an Schwachholz ermittelt und Möglichkeiten für den Aufbau eines lokalen Ressourcen-Netzwerks diskutiert werden.

"Uns gefällt der Querschnitt der Beteiligten: Verarbeitendes Gewerbe, Dienstleistungsbranche, der Gewerbeverein und auch das Forstamt sind im Prozess vertreten. Das spiegelt die wirtschaftliche Struktur in der Verbandsgemeinde gut wider", meint Agenda-Beauftragte Silke Wiedrig. Sie kümmert sich auch um die Vermittlung der Projektergebnisse nach außen. Ein Newsletter informiert über aktuelle Fortschritte in den Projektgruppen und beleuchtet Hintergründiges zum Thema Wirtschaft und Nachhaltigkeit.
Ein erstes Fazit aus Kandel zeigt: Während die angestrebte Einbindung von Betrieben sich bereits im Vorfeld als schwierig erwiesen hat, war es erfolgreicher, die Firmen für konkrete Projektarbeit zu motivieren. Als besonders wichtig hat sich die Rolle von B.A.U.M. als externer Impulsgeber herausgestellt. Die Vorstellung von praktischen Beispielen aus anderen Initiativen von Kommunen und Wirtschaft gibt Ideen für die Entwicklung von konkreten Maßnahmen. Wichtiger als eine schnelle Anbindung an den örtlichen Agenda-21-Prozess ist es zunächst, dass der Arbeitskreis eine Arbeitsatmosphäre etabliert und erste Projekterfolge erlebt. Denn dies wurde deutlich: Ohne schnelle konkrete Ergebnisse sind UnternehmerInnen nicht bereit, am Agenda-Prozess mitzuarbeiten.

 

Günther Tielebörger
Günther Tielebörger, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kandel:
"Als Modellprojekt erhoffen wir uns ein zügigeres Vorankommen in unserem Agenda-Prozess und konkrete Ergebnisse. Da gerade die Beteiligung der lokalen Wirtschaft oft schwierig ist, soll dies mit Hilfe der Consulting-Firma B.A.U.M. angegangen werden. Wir sehen zum einen die große Chance, durch das Zusammenfügen von Partnerschaften die vorhandenen Potentiale der einzelnen Firmen zum gegenseitigen Nutzen zu verbessern, um dauerhaft Arbeitsstrukturen zu etablieren und zu festigen. Zum anderen wollen wir den betrieblichen Umweltschutz auf freiwilliger Basis besonders durch Bewusstseinsbildung stärken. Ich halte es für unbedingt notwendig, dass die Verwaltungsspitze und der Rat hinter diesem Projekt stehen."
 

 

Kirchen und Betzdorf: Energie, Ressourcen, Verkehr und Personal

In Kirchen und Betzdorf, die gemeinsam am Projekt teilnehmen, arbeiten seit September etwa 20 Unternehmer in drei Arbeitskreisen zu den Themen "Energie und Ressourcenschonung", "Verkehr" sowie "Personalplanung und Qualifizierung". Nach ersten Anlaufschwierigkeiten, konkrete Ansatzpunkte einer Kooperation zu finden, gelang es hier vor allem über die aktive Einbindung interessierter Unternehmen in die Arbeitssitzungen, Betriebe zum Mitmachen zu gewinnen. Örtliche Unternehmer stellten ihren Kollegen positive Erfahrungen mit betrieblichen Umweltschutzmaßnahmen vor und fungierten so als Multiplikatoren.

Erste Ideen für gemeinsame Projekte sind entstanden:

  • Auf einem Energieforum wollen Unternehmen Betriebe, aber auch Privatpersonen zum Thema Energiesparpotentiale und regenerative Energien zu Möglichkeiten der Energieeinsparung und Solartechnik beraten.
  • Die Betriebe des Arbeitskreises "Verkehr" planen, die arbeitsplatzbezogenen Verkehrsströme zu optimieren und nach Möglichkeit Arbeitszeiten zu entzerren. Außerdem untersuchen sie Bedürfnisse und Potentiale für den Einsatz von Biodiesel.
  • Eine gemeinsame Plattform im Internet wird vorbereitet, welche die Anwerbung von neuem Fachpersonal mit den Marketingstrategien der beiden Verbandsgemeinden und der Region verbindet. In einem Treffen aller Arbeitskreise wurden die Inhalte auf die Bedürfnisse der verschiedenen Firmen abgestimmt. Der Arbeitskreis "Personalplanung" übernimmt die Ausarbeitung der Internetpräsentation.

In der gemeinsamen Teilnahme am Modellprojekt sehen die Projektkoordinatoren Monika Lieth aus Kirchen und Gottfried Frings aus Betzdorf die Chance, die bereits bestehende interkommunale Zusammenarbeit auszubauen. Im eng miteinander verknüpften Infrastruktur- und Wirtschaftsraum der beiden Kommunen könnten die Potentiale für eine ressourcenschonende Entwicklung durch die Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung effizienter genutzt werden.

Die Anbindung an den Agenda-Prozess wird zunächst vor allem über die personelle Verzahnung von lokaler Agenda- und Projektkoordination gewährleistet. Längerfristig sollen aber auch Agenda-Aktive zur Mitarbeit in den Arbeitskreisen des Projekts eingeladen werden. Zudem wird versucht, laufend weitere Unternehmen zu interessieren.

Deutlich wurde, dass eine Unterstützung der Projektkoordination durch die verschiedenen Abteilungen in der Verwaltung unerlässlich für eine erfolgreiche Einbindung des Wirtschaftssektors ist. Zum Beispiel können die vielfältigen Kontakte der Wirtschaftsförderung zu Unternehmen nützlich sein, um Skepsis gegenüber Themen der Lokalen Agenda 21 zu überwinden.

Nach dem Modellvorhaben werden Betriebe und Kommunen in Kirchen, Betzdorf und Kandel ein gutes Stück weitergekommen sein in ihren gemeinsamen Bemühungen, Leben und Wirtschaften in ihren Gemeinden nachhaltiger zu gestalten.

 

G.K.Bubenzer
G.K.Bubenzer, Inhaber der Firma Bubenzer Bremsen in Kirchen und aktiv im Modellprojekt:
"Mein Unternehmen unterstützt den Agenda-Prozess. Die globale Entwicklung lässt keinen Zweifel daran, dass man nur dann sinnvoll wirtschaftet, wenn man so wirtschaftet, dass Leben in seinen vielfältigen Formen erhalten und gestärkt wird. Wir arbeiten seit langem daran, diese Erkenntnis innerhalb und außerhalb des Unternehmens in sichtbare Ergebnisse umzusetzen. Wir lernen dabei zu sehen, dass die Erträge hierfür unerwartet sind. Sie heißen Zukunftsperspektive und Imagegewinn. Für uns bedeutet das ganz praktisch: Fachpersonal ist leichter verfügbar, das Rating wird positiv beeinflusst, das soziale Klima wird freundlicher. Wir sehen daher Synergien zwischen dem Agenda-Prozess und unserer bisherigen Arbeitsweise."
 

 

Mit der Natur haushalten - Modellprojekt ökoBUDGET® Rheinland-Pfalz in Kaiserslautern

Jede Kommune stellt - meistens für ein Jahr - einen Haushaltsplan auf, der das Vermögen und den anvisierten Bedarf von Finanzmitteln und Personal ausweist. Was darüber hinaus die Entwicklung einer Gemeinde ausmacht, Flächenverbrauch, Kohlendioxidausstoß oder auch Lärmbelastung, lässt sich schlecht in Euro budgetieren. Wenn die Entscheidungsträger in Städten, Gemeinden und Landkreisen wirklich Zukunft gestalten wollen, müssen sie umfassender planen.

Darauf zielt ein Modellprojekt, das die Stadt Kaiserslautern in Angriff genommen hat. Unter fachlicher Anleitung von ICLEI führt sie das Managementinstrument ökoBUDGET® in die Verwaltung ein und betreibt damit als erste Kommune in Rheinland-Pfalz eine "Naturhaushaltswirtschaft".
Dieses Konzept - von ICLEI's ökoBUDGET®-Agentur bereits in vier deutschen Kommunen erfolgreich getestet ergänzt die städtische Haushaltsplanung um eine neue Komponente. Auch das Guthaben und der Verbrauch an natürlichen Ressourcen soll geplant, überwacht und evaluiert, kurz: gemanagt werden. Eine jährliche Berichterstattung ermöglicht es, den Umweltverbrauch der Kommune haushälterisch zu steuern und die Entwicklung auf Nachhaltigkeit zu überprüfen.

Das Pilotvorhaben wird von der LZU finanziell gefördert, um Erfahrungen mit ökoBUDGET® unter rheinland-pfälzischen Bedingungen bereitzustellen und die Lokale Agenda 21 methodisch zu unterstützen, denn: Zielbestimmung und Erfolgskontrolle sind auch im Agenda-Prozess heiß diskutierte Punkte. Zudem ergibt sich die Chance eines internationalen Austauschs. Zeitgleich läuft ein europaweites, von der EU gefördertes Projekt, in dem Kaiserslautern sich mit weiteren deutschen und europäischen Kommunen über die Erfahrungen mit ökoBUDGET® austauschen wird.

 

 
Mit ökoBudget® den Naturhaushalt bewirtschaften
Den Kern der Naturhaushaltswirtschaft bildet ein Budget (der sogenannte "Naturhaushaltsplan"), das Grenzen für die Nutzung und Belastung von natürlichen Ressourcen (Boden, Wasser, Luft, Landschaft, Klima, Tier- und Pflanzenwelt), aber auch für die Beeinträchtigung von Lebensqualität (z.B. Lärm) festlegt. Das Instrument ökoBUDGET® übernimmt dabei weitgehend das bekannte Aufstellungsverfahren des Finanzhaushaltsplanes. Das federführende Amt berichtet anhand von Indikatoren über die aktuelle ökologische Situation der Kommune ("Vorbericht"); die einzelnen Ressorts melden ihren voraussichtlichen "Bedarf" an Ressourcen für die Planungsperiode an; diese jährlichen Prognosen ("Voranschläge") der Umweltnutzung münden in die Teilbudgets des Naturhaushaltsplan-Entwurfs. Der Naturhaushaltsplan wird dann vom Rat diskutiert und beschlossen. Damit verpflichtet sich eine Kommune freiwillig, das Budget einzuhalten und die selbstgesetzten Ziele zu erreichen. Werden die Grenzen überschritten ("außer- oder überplanmäßige Ausgaben"), befassen sich die politischen Gremien erneut damit.
 

 

Vor der Behandlung des ersten Naturhaushaltsplans im Stadtrat Kaiserslautern im Sommer 2002 hatte das federführende Umweltamt umfangreiche Recherchen und Koordinationsaufgaben zu leisten. Zunächst galt es, den politischen Beschluss zur Einführung von ökoBUDGET® durch den Stadtrat vorzubereiten und die Förderung als Modellprojekt durch das Land zu erreichen. Danach arbeitete eine Steuerungsgruppe mit ICLEI unter Federführung des ökoBUDGET®-Koordinators im Umweltamt an der Anpassung des Konzepts an die Bedürfnisse und Bedingungen in Kaiserslautern, an der Identifizierung von relevanten Ämtern und der Auswahl von Daten. Eine enge Abstimmung mit dem Agenda-Prozess ist durch die Mitwirkung der Agenda-Koordinatorin in der Steuerungsgruppe garantiert. Aus einer Informationsveranstaltung für Schlüsselpersonen in allen relevanten Ämtern und politischen Gremien ging eine Koordinierungsgruppe hervor, die für die notwendige Zusammenarbeit über Ämtergrenzen hinweg und für die Unterstützung des ökoBUDGET®-Projekts in den verschiedenen Fachabteilungen sorgte. Geschäftsregelungen wurden aufgestellt, die das Verfahren rechtlich absichern. Nach umfangreichen Recherchen zur Datenverfügbarkeit entstand ein Gerüst von 21 Indikatoren als Grundlage für die Aufstellung des Kaiserslauterner Naturhaushaltsplanes. Auch einige Indikatoren aus dem Agenda-Prozess wurden mit aufgenommen.

Die breit angelegte Kooperation und Verankerung in der Verwaltung ist ein Qualitätsmerkmal des Projekts, aber auch unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Durchführung. Mitarbeiterschulungen wurden durchgeführt, Veranstaltungen moderiert, Arbeitshilfen entwickelt. Ein Beispiel sind die "Indikatoren-Steckbriefe", die Hintergrundwissen und Empfehlungen zur Aufstellung jedes Indikators zusammenfassen.

Neben der verwaltungsinternen Arbeit ist es ein besonderes Anliegen des Modellprojekts, ökoBUDGET® bei der Kaiserslauterner Bevölkerung, aber auch überregional bekannt zu machen. Spezielle Schulungen zur Öffentlichkeitsarbeit bilden daher Teil der Projektimplementierung. Insgesamt vier Projektbriefe werden veröffentlicht, die den Fortschritt des Projekts einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Am Ende des Projekts wird zudem eine Veröffentlichung vorliegen, die Erfahrungen aus Kaiserslautern vorstellen und die Einführung von ökoBUDGET® in weiteren Kommunen in Rheinland-Pfalz erleichtern soll.

Der Kaiserslauterer Stadtrat hat in seiner Sitzung am 17. Juni 2002 den ersten Naturhaushaltsplan für das Jahr 2002 einstimmig beschlossen. Der Naturhaushaltsplan ist zum Preis von 15 Euro erhältlich beim

Amt für Umwelt
Salzstr. 10
67653 Kaiserslautern
Telefon: 0631-3652153
Fax: 0631-3651159
e-mail: jens.warnecke@kaiserslautern.de.

 

 
Holger Robrecht, Direktor der ökoBUDGET®-Agentur bei ICLEI:
"Die Stadt Kaiserslautern will mit engagierten MitarbeiterInnen zukunftsbeständige Entwicklung konkret machen und ihre gute Agenda-Arbeit ergänzen: Mit ökoBUDGET® will die Stadt den Verbrauch ihrer natürlichen Ressourcen regeln und so auch die Zielvorstellungen aus der Lokalen Agenda 21 in kommunales Handeln umsetzen. Das stellt eine wegweisende Arbeit für Städte und Gemeinden weit über die Grenzen von Rheinland-Pfalz hinaus dar das Land wird so Trendsetter für zukunftsbeständige Entwicklung in Europa."
   
 
Günter Remler, Beigeordneter der Stadt Kaiserslautern:
"ökoBUDGET® ist ein innovatives und zukunftsbeständiges Umweltmagementsystem für Kommunen. Die Stadt Kaiserslautern ergreift als eine der ersten Städte in Deutschland die Initiative für eine kommunale Naturhaushaltswirtschaft, bei der Mehrung und Minderung der natürlichen Ressourcen Luft, Ruhe, Wasser, Boden, Rohstoffe, Energie, Lebensräume ebenso festgehalten werden wie bei der herkömmlichen Kameralistik die künstliche Ressource Geld. Bei der Aufstellung des ersten Naturhaltsplans im Jahr 2002 werden wir fachlich und finanziell unterstützt durch den Internationalen Rat für Kommunale Umweltinitiativen, die Landeszentrale für Umweltaufklärung und die Europäische Union. Hierfür sagen wir herzlichen Dank."
 



Kommune ohne CO2-Ausstoß: Die Verbandsgemeinde Weilerbach wird Zero Emission Village

Seit Anfang 2001 läuft in der Verbandsgemeinde Weilerbach im Landkreis Kaiserslautern ein ehrgeiziges Vorhaben: Eine emissionsoptimierte, nahezu CO2-neutrale Energieversorgung der gesamten Kommune mit 14.500 EinwohnerInnen in acht Ortsgemeinden wird auf den Weg gebracht. Das "Zero Emission Village" (ZEV) ist Ziel eines Projekts, das Wissenschaftler und Studenten des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement am Umweltcampus Birkenfeld im Auftrag der Verbandsgemeinde und mit finanzieller Unterstützung der LZU über eine Laufzeit von zwei Jahren durchführen.

Einsparung, Effizienz, erneuerbare Energien - es gibt eine ganze Reihe von Ansatzpunkten, den Kohlendioxidausstoß einer Gemeinde zu reduzieren. Ebenso hat eine ganze Reihe von Städten solche Maßnahmen bereits erfolgreich durchgeführt. Modellhaft am Projekt in Weilerbach ist der konzertierte Ansatz zur Bündelung aller theoretischen Möglichkeiten unter Einbeziehung aller Ortsgemeinden.
Das hat so noch keine deutsche Kommune in Angriff genommen. Schwerpunkt des Projekts ist eine umfassende Studie, die systematisch Energiesparpotentiale, Effizienzsteigerungen und mögliche regenerative Energieträger erschließt, die der Verbandsgemeinde zur Verfügung stehen. Parallel sollen während der Studienphase auch erste konkrete Maßnahmen umgesetzt werden, um möglichst früh sichtbare Erfolge zu erzielen. Dabei wird besonderes Augenmerk auch auf wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich nachhaltiger Energien gelegt und so das Anliegen der Umweltschutzinnovation mit dem Projekt einer Standortsicherung verknüpft.

Erste Ergebnisse: Umsetzen, was machbar ist

Von vornherein legten die Wissenschaftler großen Wert auf eine umsetzungsorientierte Ausrichtung ihrer Studie. Deshalb wird praxisnah geforscht, werden Fragen nach der Machbarkeit gestellt: Wie ist eine fast 100-prozentige Emissionsfreiheit technisch machbar? Mit welchen (zusätzlichen) Kosten muss man rechnen? Wie sind die notwendigen rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen? Worin besteht der ökonomische, soziale und ökologische Gewinn? Welche Akteure müssen an der Umsetzung beteiligt werden?

Zu den Schwerpunkten der Studie gehören:

  • Erfassung der aktuellen Energieversorgungsstrukturen sowie der von ihnen erzeugten Emissionen und Kosten;
  • Stoffstromanalysen;
  • Identifikation von Akteuren im Bereich Energieversorgung und verbrauch;
  • Spar- und Effizienzpotentiale in der Verbandsgemeinde;
  • technische, ökologische und ökonomische Potentiale von erneuerbaren Energien;
  • Entwicklung von Zukunftsszenarien in Bezug auf Energiebedarf und verbrauch, Kosten und Akzeptanz unter Berücksichtigung von ökologischen und ökonomischen Kriterien;
  • Finanzierungsstrategien.

Die Erkenntnisse der Studie münden schließlich in ein Konzept zur Energieoptimierung der Verbandsgemeinde. Dabei kommt Weilerbach als Pilotprojekt natürlich auch die Aufgabe zu, übertragbare Strategien und Maßnahmen zu entwickeln. Parallel zur Erarbeitung dieses Konzepts werden bereits erste konkrete Projekte umgesetzt. Man hofft, so die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen und schnelle positive Umweltauswirkungen zu erzielen. So wurden bereits sechs Photovoltaik-Anlagen auf Schuldächern - in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen installiert. Ein Nahwärmesystem für eine kleine Wohnsiedlung ist ebenso in Planung wie die Errichtung von Holz-Pellet-Heizungen in mehreren öffentlichen Gebäuden. Die Analyse von Biomasseströmen führte zur Ausarbeitung eines Konzepts für ein Bioenergie- und Rohstoffzentrum, das alle Stoffströme neben Energie also auch aus Wasser- und Abfallkreisläufen - zentral verwalten könnte.

Die Verwaltung als Vorreiterin

Das Projekt "Zero Emission Village" ist Weilerbachs Engagement für eine Lokale Agenda 21. Bewusst definiert die Verbandsgemeinde den Schwerpunkt ihrer Agenda-Arbeit zunächst verwaltungsintern: Zunächst sollen Gebäude in der öffentlichen Hand energieoptimiert werden. So kann die Gemeinde ihren BürgerInnen gegenüber glaubwürdig auftreten. Strategie ist, die Vorteile am praktischen Beispiel zu demonstrieren und über die gute Praxis Gewerbebetriebe und Privathaushalte zu ermuntern, sich ebenfalls am Energiesparen zu beteiligen.

Um das Projekt zur Energieoptimierung der Bevölkerung zu vermitteln, stehen ein Ansprechpartner in der Gemeinde und eine projektgebundene Öffentlichkeitsarbeitsstelle zur Verfügung. Sie informieren über den Fortschritt bei der Umrüstung der öffentlichen Gebäude, beraten über Möglichkeiten zum Energiesparen und Einsatz von erneuerbaren Energien in Privathaushalten und geben Auskunft über Fördermöglichkeiten für Umrüstungsmaßnahmen. Eine Artikelserie im Amtsblatt stellte Produkte und Möglichkeiten zur energetischen Optimierung von Alt- und Neubauten vor. Weitere Maßnahmen sind öffentliche Informationsveranstaltungen zu verschiedenen erneuerbaren Energien und eine Broschüre, die über die Versorgung von Privathaushalten mit Solarstrom informiert.

Ein Fokus des ZEV-Projekts liegt auch auf der Stärkung der lokalen Wirtschaft. Privatpersonen, die auf erneuerbare Energien umstellen wollen, werden angeregt, Einkaufsgemeinschaften zu bilden. Örtliche Firmen werden bei der Umsetzung der Projekte beteiligt. Ein eher langfristiges Ziel ist es, Arbeitsplätze im Bereich erneuerbare Energien zu schaffen. Dazu sollen Gesellschafterformen und Geschäftspläne für neue Firmen erarbeitet werden, die innovative Technologien vertreiben beziehungsweise Aktivitäten koordinieren könnten. Dabei soll möglichst auf lokale Ressourcen und Akteure zurückgegriffen werden.

 

 
Anton Jung, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Weilerbach:
"Die Verbandsgemeinde Weilerbach verspricht sich vom ZEV-Projekt einen dreifachen Gewinn: Die Umwelt profitiert von der Reduzierung der CO2-Emissionen und der Optimierung von Stoffkreisläufen. Gleichzeitig betreiben wir eine gezielte Wirtschaftsförderung für Firmen, die in der Branche regenerativer Energien tätig sind. Und drittens wird mittel- bis langfristig die Bevölkerung von den Energieeinsparungen finanziell profitieren. Wir hoffen, dass unser Pilotprojekt ein Signal setzt auch in Bezug auf eine regionale Wertabschöpfung für Kommunen in Rheinland-Pfalz und bundesweit."
   
 
Prof. Dr. Peter Heck, Projektleiter am Umweltcampus Birkenfeld, zieht eine erste Zwischenbilanz:
"Beeindruckendes Ergebnis nach etwa 12 Monaten intensiver Arbeit in der VG Weilerbach ist die echte Machbarkeit einer quantitativen CO2-Neutralität. Sowohl im Wärme- wie im Strombereich ist unser Ziel eine sehr reale Utopie, die sich technisch und zu einem großen Teil auch wirtschaftlich darstellen lässt. Allein Windenergie könnte 45 Prozent des Strombedarfs kompensieren. Viele Potenziale können durch detaillierte Nachforschung entdeckt und aktiviert werden. Zweite wichtige Erkenntnis ist die Bedeutung der Aktivierung von Netzwerkpotenzialen und der Motivation der Schlüsselakteure. Kosten und Aufwand hierfür werden oft unterschätzt. Hierin wie in der Umsetzung erster Großprojekte liegt ein Schwerpunkt der nächsten 12 Monate."
 



Kulturlandschaft im Wandel Lokale Agenda 21 in der Ortsgemeinde Olsbrücken
Die 1200 Einwohner starke Ortsgemeinde Olsbrücken in der Verbandsgemeinde Otterbach, Landkreis Kaiserslautern, erarbeitet in ihrer Lokalen Agenda mit dem Modellprojekt "Kulturlandschaft im Wandel" ein informelles Konzept zur Entwicklung ihres Landschaftsraums. Vom Leitbild der Nachhaltigkeit getragen und unter Beteiligung verschiedener Interessengruppen sollen neue Wege ausprobiert werden, wie mit dem durch die Konzentration in der Landwirtschaft entstehenden Landschaftswandel umgegangen werden kann. Das vom Umweltministerium geförderte Modellvorhaben wird durch die Universität Kaiserslautern wissenschaftlich begleitet.

Eine Vielzahl von Flächenplanungen nimmt heutzutage Einfluss auf die Landschaft und weist dabei häufig konkurrierende Ziele aus, weil jeweils nur bestimmte Interessen berücksichtigt werden. In Olsbrücken sollen daher mehrere Planungswerkstätten die Perspektiven der Betroffenen sowie verschiedener Fachplanungen zusammenführen. Anhand von Szenarien und unter Einsatz verschiedener Visualisierungsmethoden sollen die Olsbrücker Bevölkerung und die zuständigen Behörden Zukunftsentwürfe für ihre Heimat gestalten, die durch den landwirtschaftlichen Strukturwandel mit Problemen konfrontiert ist: Verbuschung von Flächen, Verfall und Leerstand von Häusern, zurückgehende Einkommen.

Jenseits eines formalisierten Planungsverfahrens sollen dabei flexible, umsetzungsorientierte Lösungen für einen Interessenausgleich gefunden werden. Fachleute der Universität Kaiserslautern begleiten den Prozess als Moderatoren und stellen vor- und nachbereitende wissenschaftliche Untersuchungen zu Landschaftsgeschichte und -potential an. Am Ende des auf zwei Jahre angelegten Projekts soll ein kreatives Umsetzungskonzept entstanden sein, das Grundlagen für politische Entscheidungen zur Verfügung stellt.

Bereits vor Projektbeginn hatte eine Umfrage die EinwohnerInnen für das Thema Landschaftsplanung sensibilisiert: Was gefällt und was stört am Landschaftsbild, welche Vorstellungen über die Entwicklung der Landschaft gibt es? Die Fragebogenaktion zielte hauptsächlich darauf, eine intensive Diskussion im Ort über den Landschaftswandel und seine Wahrnehmung anzuregen. Auf der gut besuchten Auftaktveranstaltung zum Projekt wurden auf der Basis der Umfrage die wichtigsten aktuellen landschaftsplanerischen Themen in der Gemeinde diskutiert und Arbeitsgruppen für die Planungswerkstätten zum Bau einer Umgehungsstraße und zum Strukturwandel in der Landwirtschaft gebildet.

Ein dritter Arbeitskreis wird zu den Möglichkeiten der Förderung des Fremdenverkehrs über den Ausbau eines Wanderwegenetzes arbeiten. Parallel dazu hat die Grundschule konkrete Projekte zu Artenschutz und Artenvielfalt begonnen. Auf die enge Vernetzung zwischen den verschiedenen Akteuren im Prozess wird Wert gelegt. Die lokale Verwaltung, zuständige (Kreis-)Behörden wie Kultur-, Kataster-, Wasserwirtschafts-, und Forstamt, Landwirtschaftsschule und auch ganz "normale" BürgerInnen engagieren sich in den Arbeitskreisen.

Im Arbeitskreis Landwirtschaft wurde in weiteren öffentlichen Veranstaltungen am Beispiel des Olsbrücker Hausbergs demonstriert, was Kulturlandschaftsveränderung heißt. Die ehemals landwirtschaftlich genutzte Fläche wird heute kaum noch bewirtschaftet, eine Verbuschung der offenen Flächen droht. Drei alternative Szenarien (Verbuschung, Erhaltung, Siedlungsausbau) wurden durchdiskutiert um schließlich den gemeinsamen Wunsch nach einer parkähnlichen Landschaft mit sinnvollen Flächengrößen für eine Bewirtschaftung festzuschreiben. Möglichkeiten für eine kostenneutrale Bodenordnung werden geprüft.

"Wie würde sich Olsbrücken entwickeln, wenn die Umgehungsstraße da wäre?" Unter dieser Überschrift wurden auch im zweiten Arbeitskreis Szenarien zur Zukunft von Olsbrücken entwickelt. Eine mögliche Vision: Das Dorf wird wieder lebenswerter, landwirtschaftliche Gebäude werden verstärkt umgenutzt oder Investitionen in die Bausubstanz getätigt kurz: Der Ortskern bleibt lebendig. Eine Bestandsaufnahme landwirtschaftlicher Gehöfte liefert konkrete Ansatzpunkte. Durch Aufnahme in die Bauleitplanung kann die Gemeinde so den Flächenverbrauch für Bauland reduzieren und wertvolle Flächenressourcen für die Zukunft freihalten. Das Beratungsangebot für Umnutzungswillige soll verbessert werden. Unter anderem wird dazu eine Broschüre mit Positivbeispielen erstellt. Die Dienststellen in Ortsgemeinde- und Kreisverwaltung, die für das Thema Dorferneuerung relevant sind, sollen vernetzt werden. Eine Dokumentation wird schließlich die Ergebnisse aller Arbeitskreise öffentlich präsentieren.

Die Olsbrücker Verwaltung hat die Erfahrung gemacht, dass sich die von der Lokalen Agenda erzeugte Dynamik auch in anderen Planungsbereichen nutzen lässt. So nutzte man die neu entstandene Dialogkultur, um eine vorgezogene Bürgerbeteiligung bei der Erstellung eines Bebauungsplans für ein Neubaugebiet erfolgreich durchzuführen.

 

 
Gerhard Klein, Ortsbürgermeister Olsbrücken:
"Uns geht es darum, über enge Gemarkungsgrenzen hinweg zu diskutieren, planen, Lösungen zu finden. Die Verknüpfung von Lokaler Agenda und Landschaftsplanung in Olsbrücken sehen wir daher als Modell: Wir hoffen, den Initialfunken zünden zu können und benachbarte Gemeinden anzustecken. Denn die Ortsgemeinde Olsbrücken ist keine Insel, sondern Teil eines Flächen- und Gemeindeverbundes, den wir gerne zum "Ideenverbund" weiterentwickeln wollen."
 


Das Leben im 21. Jahrhundert gestalten -
Rheinland-Pfälzer Schulen im Programm Bildung für eine nachhaltige Entwicklung

Jugendliche, die in der Welt von morgen leben werden, geht das Thema "Nachhaltige Entwicklung" in besonderem Maße an. Ihnen Gestaltungskompetenz für ihre Zukunft anzueignen, ist Anliegen eines bundesweiten Projekts der Bund-Länder-Kommission für Bildung, an dem die LZU für das Land Rheinland-Pfalz mitwirkt.
Das "Programm 21" will Schulen dazu bringen, ihren Bildungsauftrag zu erweitern und ihren SchülerInnen eine umfassende "Bildung für eine nachhaltige Entwicklung" zu vermitteln. Dazu sollen interdisziplinäres Wissen gefördert, partizipative Lernmethoden eingesetzt und innovative Strukturen aufgebaut werden.

 

 

Themen im Programm 21:

  • Interdisziplinäres Wissen/Vernetztes Denken: Syndrome globalen Wandels, Nachhaltiges Deutschland, Umwelt und Entwicklung, Mobilität, Gesundheit
  • Partizipatives Lernen/Teilhabe an nachhaltiger Entwicklung: Nachhaltige Stadt und Region, Teilhabe an der Lokalen Agenda, Nachhaltigkeits-Indikatoren
  • Innovative Strukturen/Öffnung der Schule Schulprofil "nachhaltige Entwicklung", Nachhaltigkeitsaudit, Schülerfirmen/nachhaltige Ökologie, externe Kooperation
 

 

In dem zunächst auf 5 Jahre ausgelegten Projekt (1999-2004) arbeiten derzeit bundesweit etwa 180 Schulen in 27 Verbünden. Die Verbünde befassen sich jeweils mit den gleichen Programmpunkten und tauschen sich aus. Eine Koordinationsstelle ist im Arbeitsbereich Umweltbildung der FU Berlin angesiedelt. Ausführliche Informationen gibt es unter www.blk21.de.

In Rheinland-Pfalz gibt es inzwischen sechs Schulen, die Nachhaltigkeit zum Thema in den Lehrplänen machen. Sie werden von der LZU mit finanziellen Zuschüssen aus dem Fördertopf für Agendaprojekte (zum Beispiel für die Anschaffung von Unterrichtsmaterialien) und in ihrer Öffentlichkeitsarbeit unterstützt.

Themen waren bisher zum Beispiel die Untersuchung von Biosphärenreservaten oder traditionellen landwirtschaftlichen Methoden. Eines der Hauptziele des Programms in Rheinland-Pfalz ist jedoch die Beteiligung von SchülerInnen an örtlichen Agenda-Prozessen.

So sind alle sechs Schulen am Verbund "Partizipation an der Lokalen Agenda 21" beteiligt, der Wege für die Beteiligung von Schulen als Gesamtes, aber auch von einzelnen SchülerInnen an der Lokalen Agenda 21 aufzeigen soll.

Die Auseinandersetzung von Jugendlichen mit in der Gemeinde existierenden Problemfeldern und die Profilierung der Schule im Themenfeld "Nachhaltigkeit" gehen Hand in Hand. Die ausdrücklich auf Partizipation angelegte Methode der Lokalen Agenda ermöglicht realitätsnah den "Erwerb von Gestaltungskompetenz". SchülerInnen und andere lokale Akteure wirken dabei als gegenseitige Impulsgeber. Hier liegt auch das Interesse der LZU: Sie erhofft sich eine breitere Verankerung der Lokalen Agenda und sieht das Programm als Chance, eine wichtige Akteursgruppe für Agenda-Prozesse zu gewinnen.

 

 
Zum Beispiel... Nachhaltigkeitsaudit in Adenau
Zu den "Agenda-Schulen" gehört zum Beispiel das Erich-Klausener-Gymnasium in Adenau, das ein Nachhaltigkeits-Audit als permanentes Jahresprojekt in die Oberstufe integriert hat. Zwei Leistungskurse der Fächer Biologie und Erdkunde erfassen systematisch ökologische, soziale und globale Aspekte, zum Beispiel die an der Schule anfallenden Stoffströme, oder Verhaltensmuster unter SchülerInnen und LehrerInnen. Grundlegendes Element ist dabei die partizipative Unterrichtsgestaltung. Die SchülerInnen selbst sollen Anknüpfungspunkte für Themen nachhaltiger Entwicklung in den bestehenden Fächern finden, Unterrichtseinheiten und Studientage gestalten.
Erhebungen unter LehrerInnen und MitschülerInnen per Fragebogen sind ebenso Teil des Projekts wie wissenschaftliche Untersuchungen. Auch die Lehrenden machen mit Team-Teaching und Fortbildungen neue Erfahrungen. So hilft das Audit einzuschätzen, wie zukunftsfähig nicht nur der Schulbetrieb, sondern auch Lernstoff und Methoden sind. Im Hinblick auf das Verbund-Thema ist bereits angedacht, die bestehenden Kontakte zur Verbandsgemeindeverwaltung zu nutzen, um auch dort ein Nachhaltigkeits-Audit durchzuführen und damit die schulinternen Aktivitäten nach außen zu tragen. Außerschulische Partner unterstützen das Projekt: Umweltauditierte Firmen stellen ihre Erfahrungen mit Audit-Verfahren zur Verfügung und geben finanzielle Zuschüsse.
 

 

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