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Prozessberatung
und Coaching vor Ort
"Wir
haben einen Agenda-Prozess begonnen, wir stecken mitten in der Planung,
wir wollen unsere Arbeit optimieren, wir planen die nächsten Schritte,
wir stecken fest". Mit dem Instrument der Prozessberatung ermöglicht
die LZU Unterstützung für Gemeinden bei Fragen, die während
der Arbeit an einer Lokalen Agenda 21 auftauchen. Die in den letzten Jahren
steigende Nachfrage beweist, dass professionelle Begleitung auch nach
dem Agenda-Auftakt immer wieder notwendig sein kann, um dieses neue Planungsinstrument
erfolgreich zu nutzen.
Nach einer
Analyse der aktuellen Situation vor Ort packen die Berater mit präzisen
Fragestellungen, Anregungen und methodischen Verfahrenshilfen zur Entwicklung
einer geeigneten Prozessstruktur an. Sie helfen bei der Klärung von
Zuständigkeiten oder der Konzeption einer geeigneten Öffentlichkeitsarbeit.
Je präziser die gefundene Organisationsstruktur ist und je strukturierter
der Agenda-Prozess mit seinen Meilensteinen aufgebaut wird, um so besser
sind die Erfolgsaussichten des ganzen Verfahrens.
In späteren Phasen ändern sich die Ansprüche an die Beratungssituation:
Jetzt ist zu klären, was etwa getan werden kann, um festgefahrene
Diskussionen aufzubrechen, um in Konflikten lösungsorientiert zu
intervenieren oder um abebbendes Interesse wieder aufzufrischen. Einzelthemen
kristallisieren sich heraus, die arbeitskreisübergreifend behandelt
werden müssen, oder es wird deutlich, dass dringend eine moderierte
Konsensklärung im Agendabeirat erfolgen muss.
Häufig wird ein Einzel- oder Kleinteamcoaching angefragt. Im beratenden
Gespäch mit dem Bürgermeister, dem Agenda-Beauftragten oder
einem Projektteam werden Probleme analysiert, strukturiert und die jeweilige
Situation nach Lösungsmöglichkeiten abgeklopft.
In den fortgeschrittenen Phasen des Agenda-Prozesses ist es wichtig, zielgruppenorientiert
und mit Fingerspitzengefühl zu arbeiten: Es gilt mitunter Streitpunkte
zwischen Agenda-Gruppen und der Verwaltung zu klären, Misstrauen
auf Seiten der Bürger und der Politik abzubauen oder fehlende Regelungen
einzuführen, um Anregungen der Lokalen Agenda 21 in den parlamentarischen
Prozess einzuspeisen. Dabei wird der Gemeinderat andere Anforderungen
stellen als die Verwaltung, die wiederum andere Hilfestellungen benötigt
als die Bürgerinitiative.
Zielgruppe
Politik: Einbindung der "Profibürger"
Bisweilen
kommt es im Agenda-Prozess zur Diskussion um die Frage, wer denn der "eigentliche
Bürger" sei. Während nichtorganisierte BürgerInnen
für sich reklamieren, doch die "wirklichen Bürger"
zu repräsentieren, verwahren sich die RatsvertreterInnen zu Recht
dagegen, sich wegen ihres politischen Mandats plötzlich ihrer Bürgerschaft
entledigt zu sehen.
Was wie eine
Posse um Begriffe erscheinen mag, hat häufig einen ernsten Hintergrund.
In der Lokalen Agenda 21 geht es auch darum, neue Kommunikationswege und
Dialogformen zwischen gewählten Vertretern der Bürgerschaft
und (mehr oder weniger) unorganisierten BürgerInnen zu etablieren
- und mitunter zerriebenes Vertauen wieder aufzubauen. Alle - ob "Rats-"
oder "Privatbürger" - sind gefordert, gemeinsam eine konstruktive
Debatte um die Zukunftsentwicklung ihrer Gemeinde zu führen.
Prozessberatung
in Gemeinderäten und Ausschüssen setzt sich also vor allem mit
der Rolle der politischen Gremien im Agenda-Prozess auseinander. Anders
als in allgemeinen Informationsveranstaltungen kann bei Beratungsterminen
im Rat oder den zuständigen Fachausschüssen neben einer grundsätzlichen
Klärung des Prinzips "Lokale Agenda 21" auf verständliche
Vorbehalte und Befürchtungen intensiv eingegangen werden: "Wird
uns jetzt ein Schattenparlament zur Seite gestellt?" "Wollen
Sie damit sagen, wir würden unsere Aufgabe, für das Wohl der
Gemeinde Sorge zu tragen, nicht gut genug nachkommen?" "Aber
wir machen doch schon so viel im Umweltschutz, wozu dann noch eine Agenda 21?" So lauten die häufigsten Einstiegsfragen.
In der Beratung wird deutlich, dass Erfolg oder Misserfolg eines Agenda-Prozesses
wesentlich von den anfänglich gefassten politischen Beschlüssen
abhängt:
Zunächst
ist es ein wichtiger und richtiger Schritt, dass die "Profibürger"
im Rat sich vor einer öffentlichen Auftaktveranstaltung "schlau
machen", auf welchen Weg sie sich mit der Lokalen Agenda 21 einlassen.
Denn nichts ist so kontraproduktiv wie in Unklarheit über ihre Wege
und Ziele eine Lokale Agenda 21 zu starten und Bürger zu einer Beteiligung
an etwas aufzurufen, was in seinen Konsequenzen nicht richtig durchdacht
ist.
Auch die
Formulierung des Ratsbeschlusses stellt wichtige Weichen. Es genügt
nicht, darüber abzustimmen, ob man einen Agenda-Prozess will oder
nicht, sondern es gilt darüber zu beraten wie, in welchen Schritten,
mit welchem Zeitplan dieser von wem zu organisieren ist. Finanzmittel
sind bereitzustellen und es muss diskutiert werden, wer in der Verwaltung
und in den politischen Fraktionen zum Ansprechpartner für die Öffentlichkeit
und gleichzeitig Mitglied im Agenda-Beirat ernannt wird.
Eine Dialogvereinbarung
regelt Verantwortlichkeiten zwischen den Akteuren und Vorgehensweisen.
Sie dient der Transparenz und hält beispielsweise exakt fest, wie
mit Vorschlägen der Agenda-Gruppen vorzugehen ist, wer darüber
berät und beschließt.
Nur selten
gibt es Kontroversen um die vor Ort anzupackenden Themen. Die Räte
wissen, was ansteht und ihre Themenvorstellungen decken sich meist mit
den Erwartungen der BürgerInnen, die beispielsweise durch eine Umfrage
ermittelt werden können. Wie sehr die Politik allerdings in die Arbeitskreise
hineinwirken soll, wird oft zum Streitfall.
Hitzige Debatten
gibt es oft über die Zusammensetzung der Arbeitsgruppen: Soll es
dem Zufall überlassen bleiben, wer in Arbeitsgruppen zusammensitzt,
oder darf und soll die Verwaltung auf ein breites Spektrum an Sichtweisen
und Erfahrungen achten? Ist es Aufgabe des Bürgermeisters mitzuhelfen,
dass örtliche Produzenten etwa beim Arbeitskreis Regionalvermarktung
einen Platz einnehmen oder ist das "Einmischung in das freie Spiel
der Agenda-Kräfte"? Nicht immer ist es leicht, hier zu einer
einvernehmlichen Strategie zu kommen. Die Akzeptanz und Relevanz von Agenda-Ergebnissen
steigt mit der gezielten Beteiligung derer, von denen Verhaltensänderungen
oder andere wichtige Beiträge erwartet werden. Ein Beispiel: Wer
eine Energiesparinitiative der Schüler in der Schule ohne den Schlüsselpartner
Hausmeister plant, wird ebenso erfolglos bleiben wie die Vermarktungsinitiative
für regionale Lebensmittel ohne eine frühzeitige Einbeziehung
der Bauern, Wirte und Köche einer Region.
Auch die
Frage, ob Ratsmitglieder sich an thematischen Arbeitskreisen beteiligen
sollten oder nicht, muss einvernehmlich geklärt werden. In der Regel
spricht nichts dagegen, allerdings sollten Ratsmitglieder keine Sprecheraufgabe
übernehmen und darauf achten, dass keine aktuellen parteipolitischen
Konflikte aus dem Rat in die Arbeitskreise exportiert werden. Außerdem
sollte klargestellt sein, dass Agenda-Anträge niemals von Ratsmitgliedern
für die eigene Fraktion in den Rat eingebracht werden, sondern immer
von der Verwaltung selbst als Ergebnis einer Vorberatung im Lenkungskreis.
Wenn solche Spielregeln klar sind, kann der direkte Dialog zwischen "Alltagsbürger"
und "Profibürger" gelingen.
Eine Lenkungsgruppe
dient als Schnittstelle zwischen Verwaltung, Politik und Bürgerschaft.
Sie übernimmt Abstimmungsaufgaben, in ihr sind alle Akteure repräsentiert
und beraten das weitere Vorgehen, sorgen für rechtzeitigen Informationsaustausch
und klären frühzeitig Konflikt-Themen.
Ziel einer
Prozessberatung ist also, mit den politischen VertreterInnen zusammen
verlässliche Kommunikationswege für den Agenda-Prozess zu erarbeiten.
Dann wird für die "Ratsbürger" keine Gefahr bestehen,
dass sich ein Nebengemeinderat etabliert; und für die "Privatbürger"
wird verbindlich festgelegt, was mit ihren Arbeitsergebnissen passiert.
Die Praxis zeigt dann, ob alle Beteiligten dazu beitragen, eine neue politische
Kultur wachsen zu lassen, in der es überflüssig wird, mistrauisch
zwischen verschiedenen Kategorien von BürgerInnen zu unterscheiden.
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Im späteren
Verlauf des Agenda-Prozesses ändern sich die Fragestellungen an eine
Prozessberatung. Konkrete Probleme tauchen auf, gemeinsam wird im "Problemlösungsworkshop"
nach Lösungen gesucht. Mittels analoger Verfahren, zum Beispiel über
eine Symbollandkarte, werden Problemstrukturen und -bezüge geklärt.
Ein systematisches Brainstorming hilft anschließend, Lösungsoptionen
zu entwickeln, die in einen verbindlichen Maßnahmenplan münden.
Die Fragestellungen
sind dabei vielfältig: Wie können Konflikte gelöst werden,
was sind die Gründe für ein Wegbleiben bestimmter Zielgruppen,
wie geht man damit um, dass in verschiedenen Arbeitskreisen am selben
Thema gearbeitet wird, aber kein fachübergreifender Austausch von
Argumenten gelingen will. Mitunter unterstützt die Prozessberatung
auch bei der Konsenssuche zwischen den Akteuren. Denn auch dies ist ein
heikler und immer wiederkehrender Punkt: Arbeitskreise haben Zielvorstellungen
erarbeitet oder möchten gern Projektvorschläge in den Rat einbringen.
Der Rat fühlt sich überfordert, und möchte von der Verwaltung,
dass diese zunächst die Vorschläge der Arbeitskreise systematisiert
und vorbewertet.
An einem
solchen Punkt wird der Berater mit der Verwaltung zusammen eine moderierte
Konsenskonferenz für Rat, Verwaltung und Arbeitskreise vorschlagen.
Sie soll für eine Klärung der Sichtweisen sorgen und Verständnis
wecken für die Notwendigkeit, den größten gemeinsamen
Nenner zu finden. Gelingt das, und kann man anschließend wieder
vertrauensvoll und mit frischer Kraft miteinander arbeiten, kann auch
eine Konfliktsituation als ein "befreiender" Meilenstein empfunden
werden. Sie zeigt, dass die Akteure in der Gemeinde auch mit schwierigen
Situationen kreativ und konstruktiv umgehen können.
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Zielgruppe
Bürgerinitiativen: Kommunikation und Kooperation statt Konfrontation
Lokale Agenda 21 spielt sich mitten im "wahren Leben" einer Gemeinde ab. Sie
ist geprägt von der Geschichte des Ortes, den Beziehungen der Menschen,
die dort leben, ihren knappen zeitlichen Ressourcen, mitunter auch von
thematischen "Altlasten" oder politischen Zwistigkeiten von
gestern oder heute. Nicht selten besteht dabei die Gefahr, in parteipolitische
Gräben zu rutschen oder in Verdacht zu geraten, "außerparlamentarische
Politik" am Gemeinderat vorbei zu machen. Das gilt insbesondere für
Initiativen von BürgerInnen, die den Agenda-Gedanken in ihrer Gemeinde
anstoßen wollen. Nicht selten wird ihre Forderung nach einer Lokalen
Agenda als Kritik an der Arbeit von Verwaltung oder Rat verstanden? eine
abwehrende Auflistung von bereits erbrachten Leistungen im Sinne der Agenda
ist oft die einzige Reaktion.
Eine Beratung
auf Einladung von Bürgerinitiativen oder Interessengruppen beinhaltet
fast immer die Aufgabe, Grundlagen für eine gute Basis der Zusammenarbeit
zu legen. Spielt die Kommunikation zwischen den Akteuren bei der Lokalen
Agenda ganz grundsätzlich eine wichtige Rolle, so ist ein fairer,
vertrauensvoller Dialog zwischen Initiativgruppen und Politik von ganz
besonderer Bedeutung. Lokale Agenda 21 als neue Partnerschaft zwischen
den Akteuren Verwaltung, Rat und Bürger ist ein Beziehungs- und Kommunikationsdreieck,
zu dem jede der drei beteiligten Gruppen etwas beitragen muss. Je nach
Ort sind da die bisherigen Erfahrungen sehr unterschiedlich: Während
hier ein praktisches Miteinander schon lange erprobt ist, klaffen dort
offene Wunden alter Konflikte. In diesen Fällen ist eine Prozessberatung
gefragt, die auf der Ebene von Mediation einsetzt, der professionell betriebenen
Konfliktlösung zwischen allen Beteiligten.
Für
Bürgerinitiativen bedeutet das, im Rahmen des Agenda-Prozesses Abschied
zu nehmen vom Politikmodell der Konfrontation zum Beispiel durch Unterschriftensammlung
oder öffentliche Proteste gegen bestimmte Entwicklungen. Die Bereitschaft
zu konstruktivem Dialog unter fairen und transparenten Rahmenbedingungen
ist gefragt. Lokale Agenda 21 lebt von der Idee, dass alle dabei
etwas gewinnen. So genannte Win-Win-Konstellationen ergeben sich aus dem
Prinzip, die Bedürfnisse einzelner anzuerkennen und sie zu Lösungen
zusammenzuführen, die der Entwicklung der ganzen Gemeinde dienen
und auch umgesetzt werden können. Für Bürgergruppen bietet
sich dabei die Chance, Kompetenzen und Expertise einzubringen in die Entwicklung
des Dorfes oder des Stadtteiles. Die Beratungsgespräche zeigen sehr
deutlich, dass BürgerInnen dann dazu bereit sind, wenn Politik und
Verwaltung sich einem transparenten Dialog mit gemeinsam vereinbarten
Rahmenbedingungen stellen.
Wie leicht
man aneinander vorbeireden kann, zeigt sich in Beratungssituationen an
der Verwendung von Begriffen. Für den einen etwa heißt Bürgerbeteiligung:
"Alle Bürger müssen erreicht werden, sonst sind wir gescheitert".
Eine andere wirft ein, "dass es vor allem wichtig ist, die Entscheidungsträger
einzubinden". Solche unterschiedlichen Sichtweisen müssen frühzeitig
geklärt, und ein gemeinsames Bild vom Ziel der ganzen Unternehmung
muss gewonnen werden. Dann erst lassen sich gemeinsam die richtigen Schritte
planen.
Mitunter
führt eine Prozessberatung für Bürgerinitiativen oder Agenda-Vereine
dazu, dass unter neutraler Moderation gemeinsam mit Verwaltung und Rat
die Rahmenbedingungen für eine solche vertrauensvolle Zusammenarbeit
gelegt werden. Dann gilt es organisatorisch Kräfte zu bündeln
und Aufgaben zu verteilen. Ein von Verwaltung und Bürgergruppe gemeinsam
gebildetes Arbeitsteam zum Thema Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
kann ebenso sinnvoll sein wie das gemeinsame Planen und Durchführen
einer Bürgerbefragung.
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Im
Gespräch: Agenda-Schulungen in Ludwigshafen
Werner Appel
arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Sparte Stadtentwicklung
& Wirtschaftsförderung der Stadt Ludwigshafen und ist unter anderem
für Angelegenheiten der Lokalen Agenda 21 zuständig.
Herr Appel,
die Stadt Ludwigshafen hat das Angebot der LZU zu Begleitung und Beratung
des Agenda-Prozesses durch einen ICLEI-Berater intensiv in Anspruch genommen.
In welcher Form findet die Beratung statt, welche Inhalte werden dabei
angesprochen?
Bereits im Vorfeld der Auftaktveranstaltung hatten wir einen ersten Workshop,
der sich um die Frage drehte, ob und wie der bestehende Stadtmarketing-Prozess
mit dem neuen Instrument "Lokale Agenda 21" zu verknüpfen
wäre, ohne die bereits aktiven Akteure vor den Kopf zu stoßen.
Das Ergebnis der Beratung war dann, die beiden Prozesse parallel laufen
zu lassen, die ersten Ergebnisse der Arbeitsgruppen im Stadtmarketing-Prozess
aber über die Auftaktveranstaltung in die Agenda einfließen
zu lassen.
Den Kern
der Prozessbegleitung bilden aber die eineinhalbtägigen Fortbildungen
für Verwaltungsangestellte zur Lokalen Agenda 21, die wir zum Bestandteil
des jährlichen Fortbildungsprogramms der Stadt gemacht haben. Darin
ging es bisher um Grundlagen zur Agenda und mögliche Handlungsbereiche
in den eigenen Aufgabenfeldern. Für dieses Jahr plane ich einen Workshop
zur Öffentlichkeitsarbeit da kann ich mir auch gut vorstellen, den
Teilnehmerkreis über die Verwaltung hinaus zu erweitern, um gemeinsam
Ideen für eine pfiffigere Medienarbeit zu entwickeln. Andere angedachte
Themen sind ein Austausch in der Region Ludwigshafen oder ein Blick auf
das, was Kommunen in anderen Ländern Europas in der Lokalen Agenda
machen.
Warum
haben Sie den Schwerpunkt der Beratungstätigkeit statt auf die Begleitung
des Prozesses auf Schulungen von VerwaltungsmitarbeiterInnen gelegt?
Ich denke, es ist wichtig, dass die Verwaltung gut darüber informiert
ist, was Lokale Agenda 21 bedeutet. Das ist auch der Part, den die
Stadt im Ludwigshafener Agenda-Prozess übernehmen kann; denn die
konkrete Arbeit der Bürgerschaft wird vom Agenda-Büro des eingetragenen
Vereins "Initiative Lokale Agenda 21" ein überwiegend
städtisch finanzierter, aber unabhängiger Verein - koordiniert.
In einer großen Stadtverwaltung wie bei uns mit 3.500 Angestellten
ist es eine Herausforderung, neue Ideen wie zum Beispiel die Lokale Agenda
im Bewusstsein der Kollegen zu verankern.
Die Aufnahme
in das Fortbildungsprogramm der Stadt ist da ein guter Weg, um MitarbeiterInnen
aus verschiedensten Ämtern zu erreichen ohne dabei über die
oft schwerfälligen, hierarchischen Dienstwege gehen zu müssen
und auf den guten Willen von Vorgesetzten angewiesen zu sein. Die von
der Stadt offiziell anerkannte Weiterbildung eröffnet über das
Thema "Lokale Agenda" auch Chancen für den persönlichen
und beruflichen Werdegang. Die 25 TeilnehmerInnen der bisher zwei Workshops
erhielten ein Fortbildungs-Zertifikat.
Solche
Mitarbeiterschulungen sind zwar eine Dienstleistung des Beraters, bedürfen
aber auch von Seiten der Stadt als Auftraggeberin eines gewissen Engagements.
Was muss eine Stadt zu leisten bereit sein, damit eine Prozessbegleitung
zum Erfolg wird?
Wenn eine Kommune diese Chance nutzen will, muss sie grundsätzlich
offen und lernwillig sein: offen für Kooperation und Dialog sowie
bereit zu lernen, die ausgetretenen Pfade der Verwaltungsarbeit zu verlassen
und neue Wege zu gehen. Der Ansprechpartner in der Verwaltung muss im
Vorfeld Überzeugungsarbeit bei den KollegInnen leisten, die ja nicht
widerwillig, sondern offen für Neues an der Schulung teilnehmen sollen.
Dazu muss man sich selbst bereits etwas intensiver mit den Anliegen und
Chancen der Agenda auseinandergesetzt haben. Im Vorgespräch ist es
natürlich auch wichtig, den Experten auf etwaige Spannungsfelder
innerhalb der Verwaltung hinzuweisen. Die bisherigen Schulungen in Ludwigshafen
waren ein Forum für intensive und konstruktive Auseinandersetzungen
über die eigene Arbeit und Ausgangspunkt für eine bessere interne
Vernetzung.
Zum
Beispiel Schifferstadt: Moderierte Leitbildentwicklung
Der Lokalen
Agenda mit einem Leitbild klare Zielsetzungen zu geben, war das Anliegen
der verbandsfreien Gemeinde Schifferstadt, als sie die Prozessberatung
der LZU in Anspruch nahm.
Die rund
90 Engagierten in der Schifferstädter Agenda arbeiten in sechs "Zukunftstischen",
die sich im Agenda-Beirat - unter Beteiligung von Politik und Verwaltung
- austauschen. Ein besonderes Augenmerk lag auf dem Aufbau funktionierender
Kommunikationsstrukturen zwischen Verwaltung und Bürgerschaft und
auch innerhalb der Arbeitskreise. So finanzierte die Stadt den Arbeitskreis-SprecherInnen
die Teilnahme an einem extra für die Bedürfnisse der Lokalen
Agenda 21 aufgelegten Moderationskurs an der Volkshochschule. Eine Dialogvereinbarung
legte fest, wie Vorschläge der Zukunftstische über die zuständigen
Verwaltungsfachbereiche in die betreffenden Gremien im Stadtrat laufen
sollten. Diese Investitionen in die Prozessstrukturen lohnten sich. Bereits
im Herbst 2000 konnten der Bevölkerung erste Zwischenergebnisse in
einer Ausstellung präsentiert werden - zum Beispiel die Planungsentwürfe
zur Innenstadtgestaltung aus dem Zukunftstisch Stadtentwicklung, die Vorschläge
für Verbesserungen im Radwegenetz des Verkehrstisches oder die bereits
in Umsetzung befindlichen Projekte zum Thema "Soziales Miteinander"
von der interkulturellen Krabbelgruppe bis zur Beratung für ausländische
Senioren.
In der nächsten
Phase ging es dann darum, die Arbeit der einzelnen Gruppen zusammenzuführen
und an gemeinsam getragenen, zielorientierten Leitlinien auszurichten.
An diesem Punkt entstand in Schifferstadt der Wunsch, die professionelle
Prozessberatung zu einer Zielfindungs- und Indikatorendiskussion zu nutzen.
Es kam schließlich
eine mehrteilige moderierte Leitbildarbeit zustande, an der Delegierte
der einzelnen Zukunftstische und Vertreter aus Politik und Verwaltung
teilnahmen. In vier Workshops entstand in konzentrierter Arbeit das Schifferstädter
Leitbild: Ein Startworkshop diente der Einführung in das Thema Leitbildentwicklung
und Vorstellung eines einheitlichen Schemas für die Entwicklung von
Leitbildern in den einzelnen Zukunftstischen. Beim zweiten Treffen führten
die VertreterInnen der einzelnen Zukunftstische eine Stärken-Schwächen-Analyse
ihrer Stadt durch, sammelten und gruppierten Ideen für Leitsätze
und Leitbilder und suchten nach passenden Überschriften und Slogans.
Bis zum dritten Workshop blieb genügend Zeit, die Arbeitsergebnisse
mit den anderen Mitgliedern der Zukunftstische abzusprechen und gegebenenfalls
zu ergänzen. Hier entstand auch noch einmal die Möglichkeit,
sich mit der Arbeit der anderen Zukunftstische auseinanderzusetzen.
Beim dritten
Termin diesmal eine Ganztagsveranstaltung ging es zunächst in themenbezogenen
Gruppen um die Formulierung von Zielen und Indikatoren, die mit den Vorschlägen
der anderen Gruppen abgestimmt wurden. Ein vierter so genannter "Redaktionsworkshop"
unter Beteiligung des Agenda-Beirats und von Ratsvertretern diente schließlich
der textlichen und gestalterischen Feinarbeit. Das Ergebnis des insgesamt
fast einjährigen Prozesses: ein umfassendes Dokument mit Präambel,
themenbezogenen Leitbildern und Indikatoren. Alle Leitbilder sind nach
einem einheitlichen Muster aufgebaut, das die Ergebnisse einer intensiven
Auseinandersetzung mit nachhaltigkeitsrelevanten Handlungsfeldern in den
Zukunftstischen mit öffentlichkeitswirksamen Elementen verknüpft.
Die Leitbilder sollen nun in Abstimmung mit den einzelnen Zukunftstischen
von den zuständigen Fachausschüssen diskutiert und Ende 2002
vom Stadtrat als Agenda-Aktionsplan verabschiedet werden.
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