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Öffentliche
Veranstaltungen in Kommunen
"Der
Prophet gilt im eigenen Lande nichts!" Da mag sich der Umweltamtsleiter
noch so tief in die Thematik der Lokalen Agenda 21 eingearbeitet
haben, es mag die örtliche Nord-Süd-Gruppe bereits ein fertiges
Konzept für einen Agenda-Prozess erarbeitet haben - wo immer sie
ihr Anliegen vortragen, im Gemeinderat oder vor versammelter Bürgerschaft,
sie werden eben als der Umweltamtsleiter oder die Nord-Süd-Gruppe
wahrgenommen.
Häufig erzeugt das Misstrauen oder "alte Geschichten" kommen
hoch: Ist die Lokale Agenda 21 also ein neuer Umweltplan wie der, der
vor fünf Jahren schon für Ärger bei den Bauern sorgte?
Oder ist sie eine Sammelaktion für ein Brunnenbauprojekt in Ruanda?
Seit 1998
finanziert die LZU deshalb allen Kommunen in Rheinland-Pfalz einen Einführungsvortrag
zur Lokalen Agenda durch einen Experten. Mehr als 100 Gemeinden, Städte
und Landkreise haben seither von diesem Angebot Gebrauch gemacht und Fachleute
aus dem ICLEI-Europasekretariat zu einer öffentlichen Informations-
oder Auftaktveranstaltung eingeladen. Auch für Veranstaltungen, die
über das bisher Erreichte eine erste Bilanz ziehen, steht diese Unterstützung
zur Verfügung.
Unter professioneller
Moderation wird das Prozessmanagement bewertet, werden erste Erfolge ausgemacht
und Verbesserungsmöglichkeiten identifiziert. Information, Auftakt
oder die Markierung erster Meilensteine? der Blick "von außen"
auf die Situation vor Ort hat Vorteile: Neben Fachwissen zur Lokalen Agenda 21 können Experten Beispiele aus anderen Gemeinden liefern, Hinweise
zum Verfahren geben, helfen, woanders gemachte Fehler nicht zu wiederholen,
und die lokale Initiative mit der weltweiten Bewegung verknüpfen.
Ein Außenstehender
kann auf örtliche Besonderheiten eingehen, ohne dabei Rücksicht
auf örtliche Befindlichkeiten nehmen zu müssen. Damit werden
oft schnell die kritischen Punkte ans Licht gebracht, die den lokalen
Agenda-21-Prozess in einer Gemeinde zum Scheitern verurteilen könnten.
Die ICLEI-Vorträge zur Einführung oder die Unterstützung
bei Auftakt- und Bilanzveranstaltungen sind also kein "Produkt von
der Stange", sondern der Einstieg in eine längerfristige, individuelle
Beratung: Was ist, was will die Lokale Agenda? Worauf kann eine Gemeinde
aufbauen? Was kann an Vorhandenem aufgegriffen und weiter entwickelt werden?
Wo sind wir inzwischen angelangt? Wo muss gegengesteuert werden? Keine
Gemeinde fängt bei der Lokalen Agenda 21 wirklich bei null an.
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| Auch
Vereine, Verbände oder Parteien können einen Vortrag zur
Lokalen Agenda 21 buchen. Damit trägt die LZU dem Anspruch Rechnung,
eine möglichst breite gesellschaftliche Basis zum Engagement
in der eigenen Kommune zu bewegen. Denn wenn die Aufforderung dazu
nicht nur vom örtlichen Bürgermeister kommt, stellt das
die Lokale Agenda 21 insgesamt auf ein stärkeres Fundament.
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Erste
Schritte auf dem Weg zur Lokalen Agenda: Informationsveranstaltungen
Öffentlich
über die Lokale Agenda 21 zu informieren, ist bereits der erste Schritt
des Agenda-Prozesses vor Ort. Oft weiß nämlich nur ein kleiner
Kreis von "Eingeweihten" mit Begriffen wie "Agenda"
oder "Nachhaltigkeit" etwas anzufangen. Nicht selten stehen
diese Personen für bestimmte Gruppierungen - beispielsweise örtliche
Interessenverbände oder Parteien - und können daher nicht von
vornherein die Zustimmung der ganzen Gemeinde voraussetzen.
Die Lokale
Agenda wird zunächst von solchen Gruppeninteressen losgelöst
und damit für alle leichter zugänglich gemacht. Das ist ein
zentraler Punkt: Wenn die Lokale Agenda 21 bereits im Gegeneinander der
politischen Gruppierungen und Parteien entsteht, kann sie nicht erfolgreich
sein. Aufgabe des Experten ist es daher, ausgewogen und fachlich fundiert
über Sinn und Zweck von Agenda-Prozessen zu informieren und so die
Ausgangsbasis für eine möglichst einmütige Entscheidung
für die Lokale Agenda zu schaffen.
Eine öffentliche
Informationsveranstaltung soll vor allem zur Mitarbeit motivieren und
gleichzeitig zu einer möglichst Erfolg versprechenden Organisation
des Agenda-Prozesses beitragen. Dabei ist die Balance zwischen abstrakten
Begriffen, organisatorischem Know-How und örtlichen Anknüpfungspunkten
zu finden:
- Was ist
Nachhaltigkeit?
- Wie initiiert
und begleitet man Arbeitskreise?
- Was machen
vergleichbare Gemeinden?
- Was kann
unser erster Schritt sein?
Die Lokale
Agenda 21 muss als Chance für die Gemeinde verstanden werden? die
allerdings, um erfolgreich genutzt zu werden, eine Reihe von Erfolgsvoraussetzungen
benötigt: einen förmlichen Beschluss etwa, der sich nicht darauf
beschränkt zu sagen, "Ja, Lokale Agenda 21, das wollen wir auch",
sondern der ein Konzept erkennen lässt, wie, in welchen Schritten,
von wem organisiert, in welchem Zeitrahmen die Lokale Agenda erarbeitet
werden soll.
Dabei werden natürlich auch Befürchtungen geäußert,
dabei wird deutlich, welch unterschiedliche Erwartungen einzelne Interessengruppen
mit der Lokalen Agenda 21 verbinden. Widersprüche deutlich zu machen,
sie auszuhalten und lösungsorientiert zu bearbeiten, wird später
eines der zentralen Qualitätsmerkmale der Lokalen Agenda 21 sein.
Denn ein örtlicher Konsens über die Entwicklung der Gemeinde
lässt sich nicht nach dem Friede-Freude-Eierkuchen-Prinzip herstellen.
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"Uns
war wichtig, die Verbandsgemeinde fachlich kompetent über Ideen
und Umsetzung der Lokalen Agenda zu informieren", so Büroleiter
Weidenbach der Verbandsgemeinde Brohltal nach einem Informationsabend
für VertreterInnen von Rat, Bürgerschaft und Vereinen. "Ich
möchte erreichen, dass diese Philosophie in Zukunft Einfluss
auf die politischen Entscheidungsprozesse hat".
Obwohl die erhoffte Initiative der Politik zunächst ausblieb,
versucht die Verwaltung derzeit, Leitlinien zu erstellen, um den Agenda-Gedanken
auch ohne formellen Beschluss verstärkt in politischen Entscheidungen
zu verankern. |
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Bei der Auftaktveranstaltung
geht es im Unterschied zur Informationsveranstaltung (meist nach erfolgtem
Agenda-Beschluss im Rat) darum, potentiellen MitstreiterInnen aus der
Gemeinde ein konkretes Angebot mit durchdachten Strukturen für den
Agenda-Prozess zu machen. Terminkoordination, Buchung der Mehrzweckhalle,
Musikverein und belegte Brötchen sind daher nur ein kleiner Teil
der Arbeit - oder, besser gesagt, der Abschluss einer intensiven Vorbereitungsphase.
Der Auftakt wovon soll die Veranstaltung denn sein? Was soll den Bürgerinnen
und Bürgern angeboten werden? Woran können/sollen sie sich beteiligen
und in welcher Form? Wie oft und wie lange soll diese Beteiligung stattfinden?
Wie "offiziell" ist die Angelegenheit, stehen Gemeinderat und
Bürgermeister hinter der Lokalen Agenda 21? Was passiert mit
den Ergebnissen? Bevor all diese Fragen geklärt sind, hat eine Auftaktveranstaltung
keinen Sinn. Dann jedoch kommt ihr eine zentrale Bedeutung zu. Sie richtet
ein klares Angebot an die EinwohnerInnen der Gemeinde, und dieses muss
attraktiv vermittelt werden, wenn es von den zur Mitarbeit Umworbenen
angenommen werden soll.
Das fängt bei einer guten Werbung an, die mehr sein muss als die
Bekanntgabe des Termins im Ortsblatt. Auch beim Ablauf lassen sich Akzente
setzen. Der Vorstellung des Prozesses und möglicher Beteiligungsstrukturen
kann ein motivierender Vortrag vorangehen, der Ansätze zum Handeln
aufzeigt und die eigene Gemeinde als Teil einer weltweiten Bewegung darstellt.
Kulturelle Beiträge, eine spritzige Moderation und nicht zuletzt
die Präsenz der Gemeindespitze sind weitere Schlüssel zum Erfolg.
Die Experten
können zum Gelingen der Veranstaltung in vielfältiger Weise
beitragen:
- Durch
Beratung im Vorfeld helfen sie, mehr Klarheit für die Bürgerinnen
und Bürger zu schaffen;
- in der
Rolle des Referenten liefern sie neutrale Informationen und motivieren
zur Mitarbeit;
- als Moderatoren
übernehmen sie eine anleitende und vermittelnde Funktion und sorgen
so dafür, dass alle anderen Beteiligten in ihren jeweiligen Rollen
bleiben können: der Bürgermeister oder die Umweltamtsleiterin,
der BUND-Ortsvorsitzende oder die Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes.
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Auftakt
zur Agenda in Bingen:
Nach der Begrüßung durch die Oberbürgermeisterin präsentierte
die Agenda-Koordinatorin das Arbeitsprogramm: In vier moderierten
Workshops sollten sich die 170 TeilnehmerInnen über Kritik- und
Ideenphasen zu Arbeitskreisen zusammenfinden. Es entstanden schließlich
9 Gruppen, die aus der intensiven Diskussion bereits erste Ideen für
ihre zukünftige Arbeit mitnehmen konnten. Für Kinder und
Jugendliche wurden spezielle Beteiligungsformen angeboten; für
die nötige Auflockerung, aber auch Denkanstöße sorgten
Kabarettbeiträge. Das Vorbereitungsteam hatte sich aber auch
schon Gedanken darüber gemacht, wie es nach dem Auftakt weitergehen
sollte. So wurden Arbeitsstrukturen und Kommunikationswege für
den Agenda-Prozess anhand von Schaubildern vorgestellt. Beispielgebend
auch die Dokumentation der Ergebnisse der Auftaktveranstaltung? mit
Grußwort der Oberbürgermeisterin? in einer kleinen Broschüre.
So demonstrierte die Stadt mit einfachen Mitteln, dass sie das Engagement
ihrer BürgerInnen ernst nimmt und würdigt. |
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Öffentlich
Bilanz ziehen: Meilensteine im Agenda-Prozess
Meilensteine
sind Wegmarken. Sie zeigen an, wo man sich befindet, und signalisieren,
welche Strecke noch zurückzulegen ist. Wie bei allen Aufgaben, die
sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, sind Meilensteine
auch für die Lokale Agenda von großer Bedeutung. Denn schließlich
ist die Lokale Agenda 21 ein langer Weg. Von der Vorbereitung über
die Durchführung bis zur Erarbeitung von Leitbildern, Zielen, Projekten
und der Verabschiedung eines Aktionsprogramms vergehen leicht zwei Jahre.
Danach sollte die Agenda jährlich fortgeschrieben, und die Umsetzung
von Ergebnissen regelmäßig kontrolliert werden. Wer sich daran
beteiligen will (oder soll), möchte natürlich wissen, in welchen
Etappen dieser Weg verlaufen wird.
Neben internen
Meilensteinen wie Workshops zum Aufbau von Kompetenzen in der Verwaltung
sind besonders in die Öffentlichkeit getragene Meilensteine wichtig,
um eine Lokale Agenda als Stadtgespräch zu erhalten.
Teilnehmende an Arbeitskreisen wie auch die Bevölkerung sind daran
interessiert, regelmäßig über den Fortgang der Lokalen
Agenda informiert zu werden. Auf einem "Markt der Meinungen"
können Arbeitskreise ihre Ideen präsentieren, erste Erfolge
feiern, die notwendige Rückkopplung aus der breiteren Gemeinde erhalten
und so einen echten "Bürgerdialog" entstehen lassen.
Einige Beispiele
für solche öffentlichen Zwischenbilanzen:
- Im Sinne
einer Konsenssuche werden in den Arbeitskreisen erarbeitete Leitlinien
öffentlich vor- und zur Diskussion gestellt
- Das gemeinsame
Leitbild wird der Öffentlichkeit präsentiert, um der breiteren
Bevölkerung Gelegenheit zur Einflussnahme vor der Verabschiedung
durch den Rat zu geben
- Erste
Projekte werden der Bevölkerung bekannt gegeben
- Die Verabschiedung
des fertigen Agenda-Aktionsplans wird in einem öffentlichen Akt
feierlich begangen.
Um solche
Meilensteine zu einer angemessenen öffentlichen Würdigung des
Engagements der Agenda-Beteiligten zu machen, ist durchdachte Planung
nötig. Auch für die erwünschte Rückkopplung aus dem
Publikum müssen die geeigneten Methoden gefunden werden. Eine Mischung
aus festlichem Rahmen und kreativer, die Menschen zur aktiven Beteiligung
einladender Gestaltung ist gefragt. Ein Moderator kann dabei wertvolle
Unterstützung leisten. Er achtet nicht nur darauf, dass alle wichtigen
Persönlichkeiten begrüßt werden, sondern sorgt mit für
ein Veranstaltungsdesign, das Ziel und Methodik in den Vordergrund stellt:
Sekt aus ökologischem Anbau, Äpfel von Streuobstwiesen, Kaffee
aus ökologischem Anbau und fairem Handel prägen die Agenda-Bar;
statt Frontalvorträgen sorgt der Einsatz von Moderationsmethoden
für gezielten Dialog und Ergebnissicherung.
Breitgestreute,
zielgruppenbezogene Werbung für die Veranstaltung und besondere Elemente
im Programm? zum Beispiel ein Wettbewerb, eine prominente Referentin oder
der Einsatz von Aktionsschauspielern, die für kommunikative Stimmung
sorgen? tragen dazu bei, dass die Veranstaltungen gut besucht sind.
Mitunter
ist es hilfreich, eine solche Zwischenbilanz im Rahmen einer anderen Veranstaltung
durchzuführen, um damit in noch nicht beteiligte Bevölkerungsteile
hineinzuwirken? zum Beispiel als Teil der Gewerbeschau, im Rahmen des
Neujahrsempfangs oder bei der Öko-Messe. Und warum nicht auch mal
aus Anlass des Zusammentreffens der Partnergemeinden aus den verschiedenen
Teilen Europas? Denn dabei wird schnell deutlich: Lokale Agenda 21 ist
ein weltumspannendes Aktionsprogramm.
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| Im
Landkreis Südwestpfalz hatten nach dem Agenda-Auftakt die
koordinierende Projektgruppe und mehrere Arbeitskreise in intensiver
Arbeit themenorientierte Leitbilder für eine Lokale Agenda 21
entworfen. Damit war eine erste Etappe im Agenda-Prozess geschafft.
Nun galt es, die zunächst auf Kreisebene erarbeiteten Ergebnisse
in die Verbands- und Ortsgemeinden hineinzutragen sowie Ideen für
konkrete Projekte zu entwickeln. So fanden in allen acht Verbandsgemeinden
Workshops statt, in denen die Leitbilder zur Diskussion gestellt wurden.
Damit wollte man auch dem ehrgeizigen Anspruch gerecht werden, möglichst
alle Gebietskörperschaften aktiv in den Prozess mit einzubeziehen.
Zwischen 20 und 40 TeilnehmerInnen - darunter MandatsträgerInnen,
VertreterInnen von Vereinen und Verbänden, und unorganisierte
BürgerInnen - kommentierten die Entwürfe und machten Verbesserungsvorschläge.
Die überarbeiteten Leitbilder sind inzwischen als erster lokaler
Agenda-Aktionsplan vom Kreistag verabschiedet worden. Entwürfe
zu weiteren Handlungsfeldern stehen derzeit zur Diskussion. |
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Unterwegs
in Sachen Agenda Berater Dirk Kron im Interview
Dirk Kron
ist selbständiger Moderator, Trainer und Organisationsberater und
seit 1999 im Auftrag der LZU als ICLEI-Kooperationspartner in rheinland-pfälzischen
Kommunen unterwegs. Er referiert über die Lokale Agenda, moderiert
Informations- und Auftaktveranstaltungen, berät Verwaltungen und
Bürgerinitiativen in Sachen Prozessmanagement und bietet Workshops
zu Agenda-relevanten Themen an. In über 140 Ortsterminen hat er mittlerweile
einen umfassenden Einblick in die Agenda-Arbeit in Rheinland-Pfalz gewonnen?
und sich so nicht zu Unrecht den Ruf des "Agenda-Manns" erworben.
Herr Kron,
wie erleben Sie das Engagement der rheinland-pfälzischen Kommunen?
Wo sehen Sie noch Schwierigkeiten?
Es gibt im ganzen Land eine große Anzahl engagierter Menschen. Bürgermeister,
die die Chance erkennen, über Fraktionszwänge und Wahltermine
hinaus die mittelfristige Zukunft ihrer Gemeinde zu planen, Gemeinderäte,
die sich wünschen, die Menschen vor Ort wieder stärker an der
Kommunalpolitik zu interessieren und Einzelbürger und private Initiativen,
die hoffen, den Geist von Rio auch in die Höhen der Eifel, die Weindörfer
der Südpfalz oder die Städte und Dörfer der anderen Regionen
zu tragen.
Mitunter allerdings wird mit einer gewissen Naivität an die Sache
herangegangen, und zwar von allen Seiten. Mancher Bürger überschätzt
die Geschwindigkeit von Veränderungen, wird rasch ungeduldig und
übersieht dabei, dass manche Vorschrift oder Sachlage durch die eigene
Gemeinde nur wenig beeinflusst werden kann. Mancher Gemeinderat irrt in
der Annahme, dass dieser Dialog- und Konsultationsprozess nebenher laufen
kann, während die großen kommunalpolitischen Themen in alter
Manier abgewickelt werden. Und mancher Bürgermeister muss erkennen,
dass Lokale Agenda 21 richtig verstanden ein strategisches Instrument
ist und nicht bloß ein nettes, aber unverbindliches Gespräch
über die Zukunft des Dorfes.
Wie sieht
Ihre Zusammenarbeit mit den Kommunen aus?
Wenn ich angefragt werde, beispielsweise um bei einer Informationsveranstaltung
zu referieren, liegt den Kommunen in der Regel das Servicepaket der LZU
vor, die ja sehr vielfältige und gute Unterstützungen anbietet.
Am Telefon versuche ich dann bereits durch gezielte Fragen zu klären,
an welcher Stelle der Agenda-Prozess steht und was es braucht, damit der
anvisierte Meilenstein ein Erfolg wird. Die Resonanz bei den Veranstaltungen
ist sehr unterschiedlich. Mal können ein-, zweihundert Zuhörer
begrüßt werden, mal nur ein gutes Dutzend. Mal ist die anschließende
Diskussion kontrovers, manchmal hitzig, mal entspannt oder auch ganz nüchtern.
Sie begleiten
Kommunen aber auch über den ersten Anfang hinaus.
Meist lässt sich schon aus der Stimmung des ersten Informationsabends
ablesen, wie die nächsten Schritte aussehen werden: ob sich eine
Arbeitsgruppe von Bürgern und Verwaltungsmitarbeitern um eine kreative,
motivierende Presse- und Öffentlichkeitsarbeit kümmern wird,
ob eine Planungsgruppe innerhalb der Verwaltung entsteht, die einen konkreten
Fahrplan mit Meilensteinen der Agenda erarbeitet, oder zunächst die
Verwaltung in einem internen Workshop mit dem neuen Instrument vertraut
gemacht werden soll. Mit einigen Kommunen hat sich nach dem ersten Auftritt
bei einer öffentlichen Veranstaltung eine intensive Zusammenarbeit
ergeben. Termine zur Prozessberatung wurden wahrgenommen, um den Agendaprozess
sauber und transparent zu strukturieren. Hier und da wurde ich auch angefragt,
Teile eines Leitbildentwurfes zu moderieren oder in Konfliktsituationen
mit Mediationsmitteln einzugreifen. Leider haben meiner Meinung nach zu
wenig Gemeinden das LZU-Angebot einer mehrteiligen Prozessberatung genutzt,
um somit kontinuierlich und von außen reflektiert und unterstützt
an der Managementaufgabe Lokale Agenda zu arbeiten.
Was sind
die entscheidenden Erfolgsbedingungen für eine Lokale Agenda 21?
Als Organisationsberater habe ich einen systemischen Arbeitsansatz, mit
dem ich versuche, die verschiedenen Faktoren des Gelingens oder Scheiterns
eines Vorhabens in ihrem jeweiligen Zusammenwirken zu erkennen. Zu Beginn
meiner Tätigkeit haben mich einige kommunalspezifische Fallstricke
schon überrascht. In den drei Jahren in Rheinland-Pfalz habe ich
aber eine Menge dazugelernt. Mittlerweile weiß ich: Es braucht ein
klares, auf die Verhältnisse der Kommune angepasstes Konzept. Damit
meine ich eine gut durchdachte Vorgehensweise, ein zupackendes und kommunikationsstarkes
Management, klare Rahmenbedingungen, eine ausgewogene Besetzung der Arbeitsgremien
und unbedingt eine geeignete Moderation. Und das Konzept mitsamt Meilensteinen
und Zeitplan sollte am besten durchdiskutiert sein, bevor der Gemeinderat
überhaupt einen Grundsatzbeschluss fasst...
Bevor
er ihn fasst?
Ja, denn nur dann ist sichergestellt, dass die Ratsmitglieder wirklich
wissen, worüber sie beschließen, und mögliche Konsequenzen
debattiert haben, bevor die Bürger aufgefordert werden, sich am Zukunftsdialog
in ihrer Gemeinde zu beteiligen. Es ist absolut wichtig, mit der knappen
Ressource Bürgerengagement verantwortungsvoll und vorausschauend
umzugehen. Dazu gehört etwa, dass frühzeitig eine Dialogvereinbarung
zwischen den Akteuren erarbeitet wird. Und dass eine konsequente Öffentlichkeitsarbeit
stattfindet, die über das Amtsblatt hinaus geht.
Lokale Agenda ist ja in weiten Teilen ein Kommunikationsprozess. Klappt
die Kommunikation der Akteure, dann folgen meist auch gute Arbeitsergebnisse.
Wie wollen
Sie erreichen, dass die Arbeitsgremien ausgewogen besetzt sind?
Lokale Agenda bedeutet, unterschiedliche Menschen miteinander ins moderierte
Gespräch zu bringen, um Lösungen von einer neuen Qualität
zu erarbeiten, konsensuale Lösungen, auf denen dann Nachdruck liegt,
weil alle Beteiligten in ihren Bereichen sich dafür einsetzen, dass
diese umgesetzt werden. Andernfalls werden die Ergebnisse der Agenda-Arbeitsgruppen
nicht ernst genommen. Schauen Sie sich das doch an.
Da machen die Leute sich eine Menge Arbeit, und dann sagt der Rat, dann
sagen die Gastwirte, die Bauern, der Einzelhandel oder wer auch immer
betroffen ist: Was interessiert mich das, was die da vorhaben, das sind
doch eh diese oder jene, was wollen die denn jetzt schon wieder von mir.
Der Bürgermeister muss zum Beispiel dafür Sorge tragen, dass
die richtigen Leute zusammenkommen, dass Sitzungen effektiv und fair moderiert
werden. Er darf es nicht dem Zufall überlassen, wer dienstags um
halb acht zur Sitzung kommt, weil er oder sie gerade nichts Besseres zu
tun hat als Agenda...
Gibt es
für einen Agenda-Mann in Rheinland-Pfalz besondere Herausforderungen?
Besonders herausfordernd finde ich die Struktur der Verbands- und Ortsgemeinden,
die es oftmals sehr schwierig macht, den Prozess zu strukturieren und
zu managen. Da wollen dann viele Köche mitkochen, und der Eifersüchteleien
zwischen den Ortsgemeinden gibt es viele. Manchmal habe ich den Eindruck,
global denken, das fängt als Bewusstseinsaufgabe bereits am nächsten
Kirchturm an. Aber das ist vermutlich kein rheinland-pfälzisches
Spezifikum.
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Konkret
und verständlich: Eine Einstiegsgeschichte von Dirk Kron
Treffen sich zwei Planeten. Fragt der eine den anderen, der so leuchtend
blau im dunklen All erscheint: "Lange nicht gesehen. Wie geht's
denn so?" "Hmm", druckst der blaue Planet herum und
wird ganz still. "Na sag schon, was los ist", fragt der
andere. "Bist du etwa krank?" "Hmmm", erwidert
der blaue Planet, "ja, mir geht's nicht gut". "Und,
was sagt der Arzt", drängelt der erste wieder. "Du
warst doch beim Arzt, oder? "Ja", stammelt der blaue Planet,
"war ich". "Und, was hat er gesagt?" "Ich
hab", setzt der blaue Planet an, "ich hab ..." . "Ja
nun sag schon", flüstert der erste. Und der blaue Planet
antwortet ganz leise: "Ich hab' homo sapiens..." Nach einem
Moment der Stille schaut ihm der erste Planet tief in die Augen und
antwortet in väterlichem Ton: "Du, keine Sorge, das geht
vorbei..." |
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Zum
Beispiel... Rhein-Lahn-Kreis
Zielgerichtetheit
und klare Strukturierung zeichneten den Agenda-Prozess im Rhein-Lahn-Kreis
aus. Die erste Phase konnte im Herbst 2001 mit der Verabschiedung des
Agenda-Leitbilds durch den Kreistag abgeschlossen werden. Das Engagement
von Bürgerschaft und Verwaltung war dabei in klar definierte Meilensteine
gefasst.
Begonnen
hatte alles Anfang 1999, als die Verwaltung zu einem ersten öffentlichen
Informationsabend lud. Ende des Jahres fasste der Kreistag den Beschluss
zur Aufstellung einer Lokalen Agenda 21.
Die Agenda-Arbeit
konzentrierte sich zunächst auf die Verwaltung. Ein Beratungsbüro
erstellte in ausführlichen Mitarbeiterinterviews eine Bestandsaufnahme
zu Aktivitäten der Kreisverwaltung im Sinne der Lokalen Agenda. Das
Ergebnis: In einer knapp 90 Seiten starken Broschüre, wurde der Verwaltungsalltag
auf Verträglichkeit mit dem Ziel der nachhaltigen Entwicklung vor
Ort quer durch die Abteilungen bewertet. Diese wichtige Informationsbasis
und Diskussionsgrundlage für die Zukunft zeigte, dass viele Anliegen
der Lokalen Agenda für die Verwaltung bereits Thema sind? und die
Chance der Lokalen Agenda in der Abstimmung und Bündelung von Planungen
liegt. Nun galt es, die Bürgerschaft in die Agenda einzubinden. Hier
sollte zunächst die Erarbeitung eines Leitbilds im Vordergrund stehen,
um erst einmal die Ziele einer Lokalen Agenda zu definieren und einen
Orientierungsrahmen für die Entwicklung von Projekten zu bekommen.
Statt einer zentralen Auftaktveranstaltung wurden dazu vier "Zukunftswerkstätten"
angeboten. Diese Methode aktiviert über Kritik-, Phantasie- und Verwirklichungsphasen
soziale und ökologische Phantasie und Verantwortungsgefühl.
"Die
positive Ausrichtung der Methode Zukunftswerkstatt gibt dem Agenda-Prozess
von Anfang an einen konstruktiven Rahmen", begründet Andrea
Kleinmann, Agenda-Koordinatorin in der Kreisverwaltung. "Es besteht
auch keine Gefahr, das alles zerredet wird; vielmehr entstehen ganz konkrete
Handlungsimpulse". Jeweils etwa 25 TeilnehmerInnen aus Verwaltung
und Politik, vor allem aber aus der Bürgerschaft arbeiteten zu den
Themenfeldern Gesellschaft, Umwelt, Bildung sowie Wirtschaft und Arbeiten
sogenannte "Zukunftsideen" aus.
Da für
jede Werkstatt ein anderes Team aus der Verwaltung verantwortlich zeichnete,
gelang gleichzeitig eine gute Einbindung der Kreisverwaltung. Mit einer
großen Abschlussveranstaltung, in der die Ergebnisse der Werkstätten
in einer Dokumentation zusammengeführt und der Öffentlichkeit
vorgestellt wurden, markierte man schließlich diesen Meilenstein.
Zugleich
kam der Wunsch auf, an den vielen Gemeinsamkeiten weiterzuarbeiten. Dazu
fanden sich TeilnehmerInnen der Zukunftswerkstätten sowie neue MitstreiterInnen
im Agenda-Forum zusammen. Hier wurden aus den Zukunftsideen in vier professionell
moderierten Sitzungen Leitsätze erstellt, zu einem Leitbild zusammengefasst
und dem Kreistag vorgestellt. Dieser verabschiedete das Leitbild im September
2001 als Agenda.
Vier Projektarbeitsgemeinschaften
sind aus der Leitbilddiskussion entstanden, die nun erste konkrete Beiträge
zur Verwirklichung des Leitbilds leisten sollen:
- Bachpatenschaften
(hier laufen mit LZU-Förderung bereits Schulungen)
- Bildung
von Bürgereinrichtungen auf Regionalebene und in den Verbandsgemeinden,
- Streuobstwiesen,
- Stiftung,
Hof der Landkultur".
Nachdem sich
BürgerInnen und Politik intensiv mit dem Leitbild auseinandergesetzt
hatten, galt es, den Bogen zurück zur Verwaltung zu schlagen. Auf
einem verwaltungsinternen Workshop wurde das Leitbild auf Berührungspunkte
zu bestehenden Aktivitäten abgeklopft. Sechs Arbeitsgruppen zu den
Themenkomplexen Ökologie, Außenwirkung, Kommunikation, Weiterbildung,
Motivation und Toleranz erarbeiteten in der Folge Vorschläge für
konkrete Maßnahmen der Verwaltung im Sinne des Leitbilds. Dazu gehören
zum Beispiel eine Initiative für die Verwendung von Lebensmitteln
aus regionalem, ökologischem Anbau für die Kantine oder ein
Agenda-Stand am Tag der offenen Tür.
Der Kreis
wurde aus Agenda-Fördermitteln des Landes unterstützt. Um die
Steuerung des Gesamtprozesses kompetent angehen und als Ko-Moderatorin
auftreten zu können, absolvierte Agenda-Koordinatorin Kleinmann,
hauptamtlich Leiterin der Umwelt- und Bauabteilung, auch die Moderatorenausbildung
der LZU.
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Das
Agenda-Leitbild im Rhein-Lahn-Kreis
Zukunft im Rhein-Lahn Kreis nachhaltig und solidarisch gestalten
- Bildung
als Chance - Bildung als Menschenbildung begreifen!
- Schöne,
neue Arbeit - Lust auf Arbeit!
- Ökologisches
Gleichgewicht - ernst genommene Daseinsvorsorge!
- Raum
für Vielfalt und Miteinander!
- KOMMUNIKATION
- wird groß geschrieben!
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