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3 Fragen zur Sache
Jean Offermann

Jean Offermann, Direktor der Agence de l'Energie S.A., Luxemburg

Herr Offermann, die Agence de l'Energie wird nicht nur vom Staat, sondern auch von Unternehmen der Elektrizitäts-Wirtschaft getragen. Treten da Interessenkonflikte auf, die Sie überwinden müssen?
Nein. Die Initiative zur Gründung der Energie-Agentur ging vom Staat aus; die Partner der Elektrizitäts-Wirtschaft wurden gebeten die Agentur zu unterstützen. Wir beabsichtigen die Anwendung von Techniken, die über das Forschungsstadium hinaus und für den allgemeinen Einsatz ausgereift sind. Unsere Wirtschafts-Partner verfügen über wertvolles Fachwissen, welches sie zur Umsetzung der Projekte einbringen. Das hilft dem Staat, die politischen Ziele hinsichtlich eines rationellen Umgangs mit den Energiequellen zu erreichen. Derzeit sind größere Investitionen unserer Wirtschafts-Partner in regenerative Energieprojekte zu verzeichnen. Die SEO ist des Weiteren seit 50 Jahren auf Wasserkraft spezialisiert.

Wie groß ist in Luxemburg die Bereitschaft, Strom aus regenerativer Produktion zu nutzen - auch wenn er teurer ist als Strom aus herkömmlichen Kraftwerken?
Mir stehen keine Zahlen zur Verfügung, an denen sich die Bereitschaft direkt messen ließe. Aber: seit Anfang dieses Jahres gibt es einen Kompensationsfonds, aus dem die Einspeisevergütungen für regenerativ erzeugten Strom bezahlt werden. Um diesen Fonds zu füllen, zahlen alle Luxemburger im Rahmen eines umstrukturierten Strompreises eine Abgabe auf den Stromverbrauch, was jedoch zu keiner Erhöhung des Strompreises geführt hat. Das ist ein transparentes Verfahren, alle Bürger sind darüber informiert.

Auf der anderen Seite ist die Stromeinspeisung zu festgelegten Bedingungen gesetzlich gesichert.

Seit 10-15 Jahren wird in Luxemburg die rationelle Energieverwertung und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen auf allen Ebenen angestrebt. So ist es nur logisch, dass die derzeitige Entwicklung gut akzeptiert ja sogar begrüßt wird.

Wie sieht die Bilanz der Agentur nach 10 Jahren aus, haben Sie viel erreicht?
Nachdem wir zunächst die Potentiale für die Nutzung regenerativer Energiequellen sowie den rationellen Einsatz der Energie ermittelt und anschließend Pilotprojekte gemanagt haben, befinden wir uns jetzt in der dritten Phase, in der wir vorrangig Öffentlichkeitsarbeit betreiben. In einem Zeitraum von sieben Jahren haben wir 30 kleinere Wasserkraftwerke saniert und teilweise reaktiviert, so dass sie alle mindestens noch 20 Jahre funktionieren werden. In einem Windatlas haben wir aufgezeigt, welche Standorte in Luxemburg für Windkraftanlagen geeignet sind. Daraufhin wurden innerhalb von vier Jahren 22 Windkraftanlagen mit einer Leistung von jeweils mehr als 500 Kilowatt errichtet. Zur Demonstration neuer Energie-Techniken haben wir vor einem Jahr in Remerschen bei Schengen einen Energiepark eingeweiht. In einem Pilotprojekt erproben wir eine Holzhackschnitzel-Heizung, die per Nahwärmenetz neun Häuser versorgt. Seit 1993 hat Luxemburg ein Energierahmengesetz, das unter anderem auch die Einspeisevergütung festlegt. Weitere gesetzliche Regelungen sind in Arbeit. Zurzeit konzentrieren wir uns darauf, private Energie-Nutzer und Gemeinden technisch zu beraten und über die Gesetze zu informieren.

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