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Anfang oder Ende
Anfang oder Ende

"Nachhaltige Regionalentwicklung - am Anfang oder am Ende?" hieß das Thema der 5. Gaytaler Gespräche. Nach vier Gaytaler Gesprächen zum Thema "Nachhaltige Regionalentwicklung" und ein Jahr vor der Weltkonferenz "Rio + 10" war es sicher angemessen, über das bisher Erreichte und Nichterreichte nachzudenken und zu diskutieren.

Dr. Stefan Summerer vom Umweltbundesamt stellte fest, der Begriff "Nachhaltige Entwicklung" sei nur deshalb international konsensfähig, weil er die unterschiedlichsten Interpretationen zulässt. Der selbe Referent erklärte aber auch: "National und international wird auf allen Ebenen an der Definition, Konkretisierung und Umsetzung dieses Leitbildes gearbeitet." Das heißt ja wohl, der erste Schritt steht nicht mehr bevor, sondern wir arbeiten bereits an einer nachhaltigen Entwicklung.

Die "Drei-Säulen-Definition" der Nachhaltigkeit galt bisher unwidersprochen: Gleichrangig und gleichzeitig sollen ökologische, ökonomische und soziale Ziele angesteuert werden. Eckhard Bergmann vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung setzte nun bei den Gaytaler Gesprächen einen neuen Akzent. Die Umwelt solle als primus inter pares verstanden werden, der Ökologie komme also mehr Gewicht zu als der Ökonomie und dem Sozialen. Das klingt ein wenig so, als befänden wir uns noch vor dem Anfang, nämlich in der Definitionsphase. Tatsächlich sieht Bergmann bereits erste Erfolge der Bemühungen um Nachhaltigkeit: "Die Vielzahl der Lokalen-Agenda-Aktivitäten weist darauf hin, dass die Idee einer nachhaltigen Entwicklung auch das praktische Handeln vor Ort beeinflusst."

Jean Stoll, der Generalsekretär der Fédération des Herdbooks Luxembourgeois, verstand es, Hoffnung zu verbreiten. In langwieriger Überzeugungsarbeit, untermauert durch Analysen und Kontrollen, sei es gelungen, viele luxemburgische Landwirte - die Stoll als Täter und als Opfer einer nichtnachhaltigen Entwicklung sieht - zum Mitmachen bei dem Bemühen um eine ausgeglichene Energie- und Rohstoffbilanz ihrer Betriebe zu bewegen. Dass wir nicht völlig am Anfang stehen, aber noch ein weites Feld vor uns haben, zeigte auch Jean Offermann, Direktor der luxemburgischen Energieagentur. Der Nutzung erneuerbarer Energiequellen wies er eine Schlüsselfunktion nachhaltiger Entwicklung zu. Das Internet bietet Möglichkeiten, Beschäftigungs-Strukturen im ländlichen Raum zu verbessern. Das leitet Ulrike Ahnert vom sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium aus einem Modellprojekt ab. Für derartige Modellprojekte und für Aktionen, die auf eine nachhaltige Entwicklung zielen, empfiehlt Dr. Jan Swoboda, stellvertretender Projektleiter der deutschen LEADER-Vernetzungsstelle, eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren. Das europäische Programm LEADER biete dazu Hilfestellung an.

Der Moderator der 5. Gaytaler Gespräche, Prof. Dr. Ulf Hahne, Lehrstuhlinhaber für Nachhaltige Regionalentwicklung der Universität Gesamthochschule Kassel, verstand es hervorragend, die einzelnen Argumente und Aspekte in eine Gesamtschau einzuordnen. In der Art solcher Gesamtschau lässt sich zusammenfassen: Die Nachhaltige Regionalentwicklung ist keineswegs am Ende - weder abgeschlossen noch in der Sackgasse. Wir stehen noch weitgehend am Anfang - an welcher Position genau, ist unerheblich. Sicher ist: Es bleibt noch viel zu tun.

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