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Haushalten mit Plan
 

Ein Haushaltsplan ist eine in die Zukunft gerichtete Buchführung, also eine Gegenüberstellung von Soll und Haben. Für einen bestimmten Zeitraum, in der Regel für ein Jahr, wird festgelegt, für welche Zwecke und Ziele die vorhandenen und zu erwartenden Geldmittel verwendet werden sollen.

Jede öffentliche Verwaltung, von der kleinsten Gemeinde bis zur Bundesregierung, ist auf einen Haushaltsplan angewiesen, um wirtschaften zu können. Ohne einen solchen Plan könnte kein Minister wissen, wie viele Steuermittel seinem Ressort zur Verfügung stehen, wie viele Angestellte er beschäftigen kann oder welche Projekte finanzierbar sind. Wegen der grundlegenden Wichtigkeit ist es Sache der Parlamente, die Haushaltspläne zu beschließen. Gleiches gilt für Wirtschaftsunternehmen. Auch sie können ohne Haushaltsplan nicht arbeiten, und ihn zu beschließen, ist dem jeweils obersten Gremium - in einer Aktiengesellschaft beispielsweise der Aktionärsversammlung - vorbehalten. Wer eine Eigentumswohnung besitzt und daher Mitglied einer Eigentümergemeinschaft ist, kennt die jährlich wiederkehrende Prozedur, den vom Hausverwalter vorgeschlagenen Haushalts- oder Wirtschaftsplan zu beschließen.

Mit gutem Grund sprechen wir auch vom Naturhaushalt. Die Begriffe "Ökonomie" und "Ökologie" sind eng verwandt, zeigen aber auch einen Unterschied: "Ökonomie", zusammen gesetzt aus den griechischen Wörtern "oikos" (Haus) und "nomos" (Gesetz), lässt sich mit Haushalts-Gesetzmäßigkeit übersetzen. Das griechische Wort "logos", das in "Ökologie" steckt, ist nicht exakt übersetzbar. Der deutsche Begriff "Logik" geht ebenso darauf zurück wie der Wortteil "logie", etwa in "Biologie". Der Naturhaushalt unterliegt einer eigenen Art von Gesetzmäßigkeit; hier passt alles logisch zusammen, aber wir können das Ganzheitliche nicht mit ausformulierten Gesetzen oder gar Zahlen erfassen.

Dies hat der Internationale Rat der Städte und Gemeinden für Umweltfragen (ICLEI) berücksichtigt, als er den Vorschlag unterbreitete, die Kommunen sollten auch im Umweltschutz mit Haushaltsplänen arbeiten. Das von ICLEI entwickelte Konzept mit dem Namen "ökoBudget" versucht nicht, die Umweltbelastungen, den Umweltverbrauch in Geldeinheiten umzurechen, stellt aber dennoch Soll und Haben als Plan gegenüber. Auf der Haben-Seite steht das vorhandene Naturkapital beispielsweise in Form von Artenvielfalt, Wassergüte, sauberer Luft oder Rohstoffen. Die Ziele und Vorhaben einer Gemeinde lassen sich dem Guthaben gegenüberstellen. Dadurch ist zu ermitteln, wie weit etwa ein Bauprojekt das Naturkapital verringern würde, aber auch, welche Maßnahmen eingeleitet werden sollten, um das Guthaben zu erhalten. ICLEI sieht hierin die Möglichkeit, eine Lokale Agenda 21 zu ergänzen, indem sie bewertet, konkretisiert und verbindlich gemacht wird.

In einem vierjährigen Pilotprojekt haben die Städte Dresden, Heidelberg und Bielefeld sowie der Landkreis Nordhausen in Thüringen gezeigt, dass ökoBudget den Anforderungen der Praxis entspricht. Die LZU leistet einen Beitrag zur weiteren Erprobung des Konzepts. Mit Modellprojekten in Mainz und Kaiserslautern will sie im Praxistest herausfinden lassen, wie weit ökoBudget rheinland-pfälzischen Rahmenbedingungen entspricht und in welchem Umfang das Konzept konkretisiert und angepasst werden muss.

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