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3 Fragen zur Sache

Dr. Ulrich Leinhos-Heinke

 

 

Dr. Ulrich Leinhos-Heinke, unter anderem für den Arbeitsbereich "Umwelt, Gesundheit, Nachhaltigkeit" zuständiger Referatsleiter im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung

Herr Dr. Leinhos-Heinke, die Umwelt· und Nachhaltigkeitserziehung stellt nur einen kleinen Ausschnitt aus Ihrem vielfältigen Zuständigkeitsbereich dar. Warum engagieren Sie sich für dieses Thema besonders?
Das hat mehrere Gründe: Zum einen erscheint mir als interdisziplinär ausgebildetem Naturwissenschaftler nachhaltiges ökologisches, das heißt: hochgradig vernetzendes Denken für die Bewältigung der vielfältigen Probleme der modernen Welt unverzichtbar.

Zum Zweiten sehe ich als Pädagoge in diesem Themenbereich ein exponiertes Beispiel für fachübergreifendes Lernen, auf das nach meiner Überzeugung die moderne Schule in Überwindung überholter Abgrenzungen zwischen den "Fächern" nicht mehr verzichten kann (und das übrigens auch von den "Abnehmern" in Wirtschaft und Wissenschaft immer massiver gefordert wird).

Liegt Ihnen das Thema auch persönlich am Herzen?
So ist es: Wir sind selbst als Familie Mitglied in einem der großen Umwelt- und Naturschutzverbände, unsere Kinder wachsen mit großer Begeisterung für die Phänomene der Natur (die jedes Fernsehprogramm in den Schatten stellen können) und der Einsicht in die Schutzwürdigkeit der natürlichen Lebensgrundlagen auf und wir engagieren uns "privat" im Agenda-21-Prozess unserer kleinen in ihrem Charakter bedrohten Dorfgemeinde.

Wie sehen Sie die Zukunft?
Zur Zeit haben Ökologie und Umweltschutz nicht mehr den Mobilisierungscharakter wie noch vor einigen Jahren. Wir befinden uns eher in einer "unpolitischen" Stabilisierungsphase. Für die Wirtschaft ist ökologisches Denken längst zu einem ökonomischen Faktor geworden. Bei den Jugendlichen dagegen haben wieder andere, konsumorientiertere Trends die Oberhand und das Thema Umweltschutz wird eher als "gesellschaftlich selbstverständlich" (und damit persönlich unattraktiv) denn als "individuell wichtig" empfunden.

Ich bin aber sicher, dass es auch hierzu wieder in absehbarer Zeit eine Trendumkehr geben wird, veranlasst durch die nun offensichtlich doch massiv zunehmenden globalen ökologischen und sozialen Probleme, die irgendwann auch für den Einzelnen in Mitteleuropa Relevanz erlangen und in Leben und Arbeit "Nachhaltigkeitskompetenz" erfordern werden (ich nenne nur BSE, Klima, Afrika ...). Dann werden wir, Bildungspolitik und Gesellschaft, froh sein, an den Schulen auf ein bereits etabliertes pädagogisches Fundament für die Nachhaltigkeitsbildung und ·erziehung zurückgreifen zu können.

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