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Drei Fragen zur Sache
Konrad Otto-Zimmermann

Herr Otto-Zimmermann, internationale Vernetzung in einer Zeit knapper Kassen, ist das nicht aussichtslos?
Man sollte meinen, Kommunen zögen sich angesichts knapper Finanzen und sinkender Priorität für den Umweltschutz auf ihre Pflichtaufgaben zurück. In vielen Städten, Gemeinden und Kreisen gilt das Gegenteil: Gerade in schwierigen Zeiten wollen sie durch Austausch über Grenzen hinweg Anregungen gewinnen, neue Wege erkennen, innovative Lösungen kennen lernen. Und gerade jetzt die Solidarität mit Städten im Süden der Welt nicht aufgeben, die besonders im Zeitalter der Globalisierung unserer Unterstützung bedürfen.

ICLEI-Kommunen wollen innovativ sein ­ haben Sie ein Beispiel?
Die kommunale Naturhaushaltswirtschaft, mit der Kommunen die natürlichen Ressourcen ebenso haushälterisch bewirtschaften wie die Ressourcen ‚Geld' und ‚Personal'. Die Städte Bielefeld, Dresden, Heidelberg und der Landkreis Nordhausen haben das Modell des ökoBUDGET über einen vollen Naturhaushaltsplan-Zyklus getestet und für nützlich befunden. Das jährliche ökoBUDGET macht die Lokale Agenda 21 durch klare Zielsetzungen und Erfolgskontrolle konkret, bindet die politischen Entscheidungsträger ein und wird zum zentralen Steuerungsinstrument für ökologische Nachhaltigkeit.

In diesem Jahr wird ICLEI 10 Jahre alt: Was planen Sie für die Zukunft?
Wir werden versuchen, die Erfahrungen mit lokalen Agenda-Prozessen für die Befriedung der Stadtbewohner in ehemaligen Kriegs- und Krisengebieten nutzbar zu machen. Wir werden auch die Einführung der kommunalen Naturhaushaltswirtschaft mit dem ökoBUDGET europaweit propagieren und fachlich begleiten. Die Wasser-Kampagne wird in Fahrt kommen. Wir setzen auch auf eine Ausweitung unserer Initiative zur umweltfreundlichen Beschaffung: Die Umwelt schützen mit Geld, das sowieso ausgegeben wird ­ das sollte doch gelingen!

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