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Heimeldinger
 

Was zeichnet einen Obstbaum aus, der zum Obstbaum des Jahres gekürt wurde? Seine besonders wohlschmeckenden Früchte, sein eleganter Wuchs, sein starkes Wurzelwerk? Der Arbeitskreis "Historische Obstsorten der Pfalz" hat den Heimeldinger zum "Obstbaum des Jahres 2000 in der Pfalz" ausgerufen. Als Begründung wurden keine hervorragenden Qualitätsmerkmale genannt, sondern die historische Bedeutung dieser Apfelbaumsorte. "Historisch" heißt in diesem Fall: Schon in Dokumenten aus den Jahren 1539 und 1588 wird der Baum als Regionalsorte erwähnt. Im 18. und 19. Jahrhundert gehörte der Heimeldinger zu den in der Vorderpfalz und am Haardtrand am häufigsten geernteten Apfelsorten. Heute gibt es in der Pfalz nur einen einzigen Baum dieser Sorte. Mehr jedenfalls haben die Pfälzer Obst-Historiker nicht ausfindig machen können.

"Obstbaum des Jahres 2000" ist also gar keine Auszeichnung, sondern so etwas wie ein Hilferuf, ein Appell, diese selten gewordene Sorte nicht aussterben zu lassen. Der Ruf ist wohl begründet, denn von den Obstsorten, die es früher in der Pfalz gab, sind rund 42 % verschollen, ausgerottet oder ausgestorben. Weitere 18 % sind vom Aussterben bedroht, 12 % (stark) gefährdet. Heute sind nur noch 25 % der traditionellen Zwetschgen- und Pflaumensorten, 10 % der alten Kirschsorten, 2 % der historischen Apfelsorten und 0,4 % der früher verbreiteten Birnensorten im Handel erhältlich.

Der Arbeitskreis "Historische Obstsorten der Pfalz" hat dem einzigen Heimeldinger Edelreiser zur Vermehrung entnommen. Ab Ende Oktober dieses Jahres (Auslieferung) kann man für 29 bis 49 Mark ein Nachwuchspflänzchen erwerben.

Bestellungen nimmt Umweltpfarrer Gerhard Postel entgegen, Tel. 06344-6832, Fax 6884
umweltpfarramt@t-online.de

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