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Boden
Gaytal

Was ist eigentlich Boden - nicht der Dachboden oder der Heuboden, sondern der Erdboden? Er ist die oberste Schicht der Erde; eine hauchdünne Schicht, setzt man sie in Relation zum Durchmesser der Erdkugel. Dieser hauchdünne Film bedeutet Leben; alles pflanzliche, tierische und menschliche Leben ist auf sie angewiesen. Schon in der Schule haben wir gelernt, dass sich in einer Hand voll Boden mehr Lebewesen befinden als es Menschen auf der Welt gibt. Wie viele es wirklich sind, das weiß wohl niemand so genau. Tatsache ist: Der Boden ist nicht nur unsere Lebensgrundlage, er steckt auch selbst voller Leben. Und Lebensgrundlage ist er für uns nicht nur insofern, als er die Pflanzen und Früchte hervorbringt, von denen wir uns - direkt oder auf dem Umweg über Tiere - ernähren. Er hat zentrale Funktion für den Naturhaushalt, ist der bedeutendste Ort natürlicher Recycling-Prozesse, er beeinflusst das globale Klimasystem, und nicht zuletzt ist er für die Grundwasserbildung notwendig.

Wegen seiner vielfältigen Funktionen steht der Boden bei den 3. "Gaytaler Gesprächen" stellvertretend für den gesamten Naturhaushalt. Die von der Landeszentrale für Umweltaufklärung veranstalteten "Gaytaler Gespräche" führen den Untertitel "Wege zu einer nachhaltigen/zukunftsfähigen Entwicklung in der Region". 1997 ging es dabei um die Rolle des Geldes, im vorigen Jahr um die Rolle der Arbeit. Das Geld stand - pars pro toto - für die ökonomischen Aspekte nachhaltiger Regionalentwicklung, die Arbeit für die sozialen Wechselwirkungen. In diesem Jahr heißt das Thema "Die Rolle des Bodens", und damit ist das in der ersten Runde der "Gaytaler Gespräche" bisher noch fehlende Glied des für eine nachhaltige Entwicklung notwendigen Dreiklangs zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Gerechtigkeit angesprochen.

Auf der Suche nach Wegen in eine nachhaltig zukunftsfähige Entwicklung wird es bei den "Gaytaler Gesprächen" vor allem wichtig sein, die Gefährdungen des Bodens und damit des Naturhaushalts zu diskutieren sowie nach Schutzstrategien Ausschau zu halten. Bei kaum einer Ressource ist es so offensichtlich wie beim Boden, dass eine ständig wachsende Inanspruchnahme nicht nachhaltig und daher auf Dauer nicht möglich ist.

Die zunehmenden Flächenansprüche für Siedlungen, Verkehr und Wirtschaft, die Waldschäden, die Übernutzung von Landschaften durch Freizeit und Erholung, die intensive Landbewirtschaftung sowie die Folgen des Rohstoffabbaus lassen langfristig schwerwiegende bis irreparable Schädigungen der Böden befürchten. Jeder Bodenverlust muss in für Menschen überschaubaren Zeiträumen als irreparabel gelten; denn der Boden erneuert sich nur äußerst langsam. Auf der unbebauten Fläche bildet sich durchschnittlich pro Jahr eine Bodenschicht von etwa einem Zehntel Millimeter neu. Es dauert also 100 Jahre, bis sich eine Schicht von einem Zentimeter Boden neu gebildet hat. Andererseits kann ein Verlust sehr schnell eintreten. Ein einziger starker Regenguss kann - wenn beispielsweise schützender Bewuchs fehlt - in kürzester Zeit abschwemmen, was in Jahrhunderten oder Jahrtausenden gewachsen ist.

Die 3. "Gaytaler Gespräche" fanden vom 6. bis 8. Mai 1999 in der rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinde Neuerburg und im luxemburgischen Vianden statt. Die Teilnahmegebühr betrug 100 Mark. Tagungsunterlagen waren erhältlich bei: TAURUS-Institut an der Universität Trier, Drittmittelgebäude Pk 20, 54286 Trier, Fax 0651 201-3823.

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