Projekt: Müll - und was die Riesengespensterschrecke damit zu tun hat


Erlebnispädagogik auf dem Müllplatz: Wenn Kinder sehen, riechen und fühlen, dass uns der Abfall auch Jahrzehnte nach seiner Entsorgung immer noch etwas angeht, dann werden sie als Erwachsene ihr Verhalten vielleicht umweltbewusster ausrichten und bestenfalls Müll vermeiden. Auf der Deponie Kapiteltal in Kaiserslautern wurden daher Lernstationen für Alt und Jung eingerichtet.

Kaiserslautern

Müll - und was die Riesengespensterschrecke damit zu tun hat

Ex und Hopp: Trotz des in den vergangenen Jahren deutlich gewachsenen Umweltbewusstseins hat der Ärger um das so genannte Dosenpfand gezeigt, dass ein Rest jener Abfall-Mentalität die Menschen zu dem Motto verführt: Aus dem Haus, aus dem Sinn. Wer jedoch weiß, wie lange zum Beispiel ein Lederschuh braucht, bis er verrottet, der bekommt von den Abbauprozessen in unserer Umwelt und dem empfindlichen Stoffkreislauf in der Natur ein besseres Verständnis. Das Verstehen wächst von Kindesbeinen an, und dazu müssen die Kinder fühlen dürfen. Auf der Deponie Kapiteltal des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Kaiserlautern wird die Abfallwirtschaft zum Unterrichtsfach und für alle Sinne greif- und begreifbar.


Im Verwaltungsdeutsch heißt es: Die Abfallwirtschaft umfasst Fragen der Vermeidung, Verwertung und Beseitigung von Abfällen. Trotz der Wahrheit dieses Satzes bleibt die Klarheit dabei auf der Strecke. Riesengespensterschrecken und Schafmägen sind schon eher dazu angetan, einen Teil der Prinzipien zu erklären. Vor allem Kindern und Jugendlichen. Im Außerschulischen Lernort (ASL) Deponie Kapiteltal des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Kaiserslautern erfahren sie mit allen Sinnen, welche Wege der Abfall nimmt.

Wer dabei glaubt, dass Abfallvermeidung und –trennung eine stinkend langweilige Angelegenheit sind, der wird von den Müllexperten um Professor Jürgen Storrer eines Besseren belehrt. Die Fachleute der Pädagogischen Hochschule Heidelberg beweisen das im Übrigen nicht nur auf der Deponie. Außerschulische Lernorte bestehen auch beim Müllheizkraftwerk, zur Umwelterziehung und zur Abfallwirtschaft. Das Modellprojekt, das 1998 seine Arbeit aufnahm, hat seither landesweit Schule gemacht und an verschiedenen Deponien Nachahmer gefunden.

Unterricht auf der Müllhalde heißt für die Jugendlichen zunächst, Nase zu und Augen auf: In einer Exkursion lernen sie spielerisch das Deponiegelände kennen. Und weil Professor Storrer davon überzeugt ist, dass der Mensch fühlen dürfen muss, gibt´s reichlich Gelegenheit, zu staunen, sich zu ekeln oder sich zu fürchten. Etwa, wer Bekanntschaft schließt mit der Riesengespensterschrecke, die mit ihrem Partner, dem Tausendfüßler, eine Stoffverwertungskette geknüpft hat.

Auf dem Müllfriedhof graben die Jugendlichen mit der Schaufel nach Dose, Schuh und Apfel. Dabei fördern sie die oft ernüchternde Erkenntnis zu Tage, welche Stoffe wie lange zur Verrottung brauchen. Eine spannende Spurensuche ist auch die nach dem Abfall früherer Generationen, wenn sich die jungen Menschen als Müllarchäologen betätigen.

Das sind nur einige Beispiele aus dieser alle Sinne beanspruchenden Umwelterziehung. Sie dauert etwa einen halben Tag. Die gesamte Müllproblematik wird an den verschiedenen Lernstationen altersgerecht aufbereitet. Schautafeln und ermüdende Vorträge sucht man auf diesem Lehrpfad allerdings vergeblich. Am Ende diskutieren die Jugendlichen das Gesehene und Erfühlte und lernen so die Prinzipien der modernen Abfallwirtschaft kennen. Und wer weiß, wie lange ein Schuh der Umwelt erhalten bleibt, der wird erkennen, wie notwendig vor allem anderen die Abfallvermeidung und -trennung ist.

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Projektträger:
Wappen
Zweckverband Abfallwirtschaft Kaiserslautern Deponie Kapiteltal
Am Kapiteltal
67657 Kaiserslautern
Telefon: 0631/341170
Telefax: 0631/3411750
E-Mail: gantner@zak-kl.de

Ansprechpartner:
Professor Dr. Jürgen Storrer
Projektleiter
Im Neuenheimerfeld 581 Heidelberg
Telefon: 06221/477389
Telefax: 06221/477335
E-Mail: juergen.storrer@urz.uni-heidelberg.de