Projekt: Hier ist auch der Frosch König


Das Gewerbegebiet "Auestraße" in Speyer weist schon im Namen auf seine natürlichen Ursprünge hin. Wie landschaftsplanerische und wirtschaftliche Belange unter einen Hut gebracht werden können, hat die Stadt Speyer bei einem Pilotprojekt unter Beweis gestellt.

Speyer

Hier ist auch der Frosch König


Gewerbegebiete in Deutschland: Ein Geschäft neben dem anderen, davor große Parkplätze mit Werbeplakaten, jeder Quadratmeter ausgenutzt. Asphalt, Beton und Glas, soweit das Auge reicht, selten ein Baum oder Strauch. Dabei ist es häufig noch gar nicht so lange her, dass hier Weizen oder Zuckerrüben angebaut wurden und Kühe grasten. Und weil die meisten Gewerbegebiete am Rand der Städte auf eben den einstigen grünen Wiesen angesiedelt sind und werden, kommt es gar nicht so selten vor, dass sie direkt an Naturschutz- oder Naherholungsgebiete angrenzen. Während diese Grünbereiche vielerorts aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten – je mehr Betriebe, umso höher die Gewerbesteuereinnahmen – geopfert wurden, ist man in Speyer neue Wege gegangen. Das dortige Gewerbegebiet „Auestraße“ – hier steckt schon im Namen die „natürliche“ Herkunft - wurde für ein Pilotprojekt des Landes Rheinland-Pfalz ausgewählt, an dem sich neben der Stadtverwaltung die Bür-ger, Betriebe, verschiedene Interessenvertretungen, Umweltverbände und die Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften beteiligten. Im Dialog zwischen Umwelt und Wirtschaft sollten landschaftsplanerische Ziele auf der einen und wirtschaftliche Belange auf der anderen Seite in diesem Gewerbegebiet berücksichtigt werden.


Grundlage für das Projekt war die Verpflichtung der Stadt Speyer zu einem Stadtleitbild, in dem eine nachhaltige, an ökologischen Zielsetzungen orientierte Stadtentwicklung festgeschrieben ist. Eine qualifizierte Landschaftsplanung ist hierfür ebenso Voraussetzung wie ein Flächennutzungsplan.

Unumgänglich zur Umsetzung dieses Vorhabens ist neben der politischen Akzeptanz die möglichst frühzeitige Beteiligung der Bürger sowie ein offener Dialog. Und ebenso wichtig sind konkrete Beispiele, wie landschaftsplanerische Ziele vor Ort umgesetzt werden sollen. Eine hohe Akzeptanz wird dann erreicht, wenn Ziele und Erfordernisse der Bürger und Betriebe in die Problemlösungen einbezogen werden und wenn sie auch wirtschaftlich für die einzelnen Betriebe tragbar sind. Dass dabei eine positive Grundhaltung gegenüber ökologischen Belangen, Begeisterungsfähigkeit und kreatives Potential von Nutzen ist, versteht sich fast von selbst. Insgesamt misst sich der Erfolg eines solchen Projektes nicht an abstrakten Planinhalten, sondern daran, was sich für alle nachvollziehbar ins Positive verändert.

Für das Gewerbegebiet „Auestraße“ wurden unter ökologischen wie ökonomischen Gesichtspunkten Leitlinien erarbeitet, die von allen getragen werden können: eine hohe Attraktivität für Unternehmen und Kunden gehört ebenso dazu wie eine Ansiedlungspolitik, die Leerstände vermeidet, und die Schaffung und Stärkung der Identität mit dem und für das Gewerbegebiet. Hierzu gehört zunächst die Beschreibung der charakteristischen Eigenschaften und Stärken des Gebietes, wobei schon der Name „Aue“ die Nähe zum Rhein assoziiert. Die besondere Verpflichtung für den Auenschutz zeigt sich dann auch im Symbol des Gebietes: Ein Frosch dient als Label.

Konkret ergaben sich folgende Maßnahmen: Rad- und Erholungswege der angrenzenden Grün- und Naturschutzzonen sollen mit dem straßenparallelen Rad- und Fußweg der Auestraße verknüpft werden. Die Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel soll ebenso wie eine gute Straßenführung für die Pkw und Lkw gewährleistet sein. Großer Wert wird auf die Gestaltung gelegt, d.h. Schilder, Beleuchtung, Auswahl der Bäume und Grünpflanzen für Zäsuren und zur Betonung der Blickachsen sollen aufeinander abgestimmt und möglichst wenig Fläche versiegelt sein. Das gilt vor allem für die Parkplätze, hier sollen zudem z.B. überfahrbare Baumscheibenabdeckungen dafür sorgen, dass kein Parkraum verloren geht. Ökologisch sinnvoll ist auch die Begrünung von Dächern neu anzusiedelnder Betriebe. Regenwasser muss so nicht über ein Kanalsystem entsorgt werden – das spart nicht nur Kosten, sondern erfüllt auch wichtige Funktionen für das gesamte Stadtklima und den Lebensraum von Pflanzen und Tieren. Mitarbeiter und auch Kunden fühlen sich in einer „grünen“ Umgebung allemal wohler als in Stein und Beton, was sich wiederum positiv auf die Kauffreudigkeit auswirkt.

Dass der Erfolg eines solchen Projektes von vielen Faktoren abhängig und nur mit einer breiten Akzeptanz möglich ist, liegt auf der Hand. Aber in Speyer hat sich einmal mehr gezeigt, dass ökologische Konzepte durchaus ökonomisch konkurrenzfähig sind. Dass Umwelt und Wirtschaft durchaus miteinander und nicht zwangsläufig gegeneinander arbeiten können. Und dass ein Dialog immer lohnt.

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