Projekt: Wo Geschichte Zukunft hat


Das Jagdhorn des "Jägers aus Kurpfalz" ist schon lange verklungen, doch auf seinen Spuren kann man in Friedelsheim auf dem "Johann-Casimir-Rundweg" besser denn je wandeln. Und lernt dabei, dass sich Geschichte, Gegenwart und Zukunft bestens ergänzen können.

Friedelsheim

Wo Geschichte Zukunft hat

„Der Jäger aus Kurpfalz, der reitet durch den grünen Wald und schießt sein Wild daher ...“. Dass es diesen Jäger wirklich gab, weiß nicht nur jeder, der mit der kurpfälzischen Geschichten vertraut ist, sondern auch die Bewohner all der Orte, in denen dieser Jäger ein Jagdschlößchen erbauen ließ. So auch im pfälzischen Friedelsheim, wo Pfalzgraf Johann Casimir, denn um diesen soll es sich bei dem Jäger gehandelt haben, im Jahr 1575 die damals schon hundertjährige Burg und Schloß ausbaute und dabei auch gleich noch einen Lust- und Tiergarten anlegen ließ. Und weil zu einem Hirschbraten ein guter Tropfen gehört, hat sich der Pfalzgraf in seinem „Regierungsbezirk“ ebenso intensiv um den Weinanbau gekümmert und verordnete 1584 gar den Anbau seiner Lieblingssorte „Gansfüßer“. Die wird in Friedelsheim zwar nicht mehr angebaut und die Überreste von Schloß und Burg lassen die glanzvolle Vergangenheit nur erahnen, aber Johann Casimir ist in Friedelsheim, das heute mit Wachenheim, Gönnheim und Ellerstadt gemeinsam die VG Wachenheim/Weinstraße bildet, immer präsent. Das liegt nicht zuletzt daran, dass auf Initiative der „Lokalen Agenda 21“ der „Johann-Casimir-Rundweg – Ein Gang durch die Friedelsheimer Geschichte“ geschaffen wurde.

Ausgangs- und Endpunkt ist der Weinprobierstand, dazwischen liegen 14 Stationen, an denen die wechselvolle Geschichte des Ortes lebendig wird. So haben in Friedelsheim schon vor Jahrhunderten Katholiken, Protestanten, Mennoniten und Juden lange Zeit friedlich zusammen gelebt, auch der Pfalzgraf suchte stets den Ausgleich zwischen den Konfessionen. Die 1922 in ein Wohnhaus umgebaute Synagoge steht noch immer, einige wenige Inschriften geben noch heute Zeugnis vom einstigen jüdischen Gotteshaus. Im Gegensatz zur protestantischen Pfarrkirche, die bereits im 12. Jahrhundert erwähnt wurde und in der seit 1556 protestantische Christen ihre Gottesdienste feiern, ist die katholische Kirche erst knapp 200 Jahre alt, bis dahin feierten die Katholiken ihre Gottesdienste in der Kapelle des Schlosses, dessen Reste dem Besucher übrigens an mehreren Rundweg-Stationen begegnen. Die Mennoniten schließlich sind seit 1665 ununterbrochem im 1134 erbauten und später teilweise zerstörten Mönchshof zu Hause. Der Rundweg streift den Historischen Kirchenwingert, der seit 1463 nachgewiesen und heute mit Rieslingreben bepflanzt ist, führt durch das Neubaugebiet Rosengarten und den Kaisergarten. Ein „Pädel“ (Pfad) führt an Wingertzeilen entlang. „Pädel“ gibt es in Friedelsheim mehrere, sie waren angelegt worden, um Überschwemmungen vorzubeugen- in ihnen konnte das Regenwasser abfließen.

Was hat das alles aber nun mit der Lokalen Agenda 21 zu tun, mit Ökologie, Ökonomie und sozialer Verträglichkeit oder gar mit Nachhaltigkeit? In dem etwa 1500 Einwohner starken Ort Friedelsheim startete die „AG 21“ nach dreijähriger Vorarbeit offiziell im September 2000, aus insgesamt 19 Themen kristallisierten sich für Initiatoren und die zumeist ehrenamtlichen Agenda-Mitstreiter die Schwerpunkte „Dorfentwicklung & Verkehr“ sowie „ Energie & Energiesparmaßnahmen“ heraus. Wichtiges Thema schon im Vorfeld war der Hochwasserschutz. Denn die „historischen“ Pädel reichen nicht aus, um die 1979 gebaute Schwabenbachhalle vor Überflutungen zu schützen. Die von der Agenda-Gruppe vorgeschlagenen Hochwasserschutzmaßnahmen konnten bisher jedoch ebensowenig realisiert werden wie die Errichtung eines Regenrückhaltbeckens, es fehlen verbindliche Beschlüsse. Das Fazit der Agenda-Gruppe: Es sollten frühzeitig gemeinsame Gespräche mit allen am Projekt Beteiligten stattfinden, besonders auch mit den Verantwortlichen in Verwaltung und Kommunen, die entscheiden und die Finanzierung sichern. Vier Arbeitskreise (Jugend, Kultur u. Soziales/ Ortsgestaltung/ Ressourcen u. Projekte/Verkehr) haben im April 2001 die Arbeit aufgenommen und können seitdem schon auf einige Erfolge verweisen. So wurde der historische Rundweg mit allem drum und dran entwickelt. Für Schwabenbachhalle, Kindergarten und die Gaststätte des Turn- und Sportvereins wurde nach Erstellung einer Verbrauchs- und Kostenanalyse ein Konzept für eine gemeinsame Heizungsanlage erarbeitet. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der denkmalgeschützten mennonitischen Kirche ist geplant. Hierzu sind weitergehende Gespräche mit den zuständigen Behörden und Ministerium nötig.

Ganz konkrete und auch für Besucher sichtbare Projekte hat der AK Ortsgestaltung realisiert: So wurden schon im Herbst 2001 Frühjahrsblüher an den Ortseingängen gesetzt, seit dem Frühjahr 2002 verschönern fast 200 Rosenstöcke das Ortsbild und auf dem Rebenlehrpfad mit 124 Rebstöcken gibt´s Wissenswertes rund um insgesamt 38 Sorten. Der AK „Verkehr“ hat eine umfassende Bestandsaufnahme der Verkehrssituation im gesamten Ort vorgelegt und Vorschläge zur Verbesserung eingearbeitet. Eine Prioritätenliste vervollständigt die Vorschläge des AK, der bei allen Maßnahmen immer auch die direkt betroffenen Anwohner in die Überlegungen einbezieht.
Das sorgt für Transparenz, Akzeptanz und so ganz nebenbei wie bei den drei anderen Arbeitskreisen auch dafür, die Ziele der Lokalen Agenda 21 einer breiteren Bevölkerung nachhaltig nahe zu bringen. Und das hätte bestimmt auch den jagenden Pfalzgrafen gefreut, dem neben Hirsch und Gänsfüßer vor allem das Wohl seiner Untertanen wichtig war.

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Projektträger:
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Ortsgemeinde Friedelsheim
Waltershöhe 1
67159 Friedelsheim
Telefon: 06322/5967
Telefax: 06322/5967
E-Mail: verwaltung@wachenheim.de
URL: http://www.wachenheim.de

Ansprechpartner:
Dr. Norbert Müller
Umweltbeauftragter, Koordinator Lokale Agenda 21
Maximilianstraße 23 Friedelsheim
Telefon: 06322/63123
Telefax: 06322/791488
E-Mail: KaNo.Mueller@t-online.de