Projekt: Holzhackschnitzel aus Grünschnitt


Daß sich Grünschnitt von Sträuchern und Bäumen nicht nur zum Kompostieren sondern auch zum Heizen eignet, bekommen die Schüler der Realschule Kandel täglich zu spüren. Eine entsprechende Anlage und die geeignete Technik machen es möglich.

Kandel

Holzhackschnitzel aus Grünschnitt


Wenn es im Frühling grünt und die Vögel zwitschern, zieht es die Menschen in Gärten und Parks. Dann ist das Grün nach dem tristen Wintergraubraun Labsal für die Seele und läßt hoffen, daß sich die Natur nicht unterkriegen läßt. Doch damit sie nicht überhand nimmt und Bäume und Sträucher nicht in den Himmel wachsen, muß Mensch sie in den Griff bekommen. Mit Schere, Säge und Axt rückt er ihr zu Leibe und verpasst ihr im Frühjahr und Herbst den rechten Schnitt. Aber was tun mit diesem „Grünschnitt“? Liegenlassen geht nicht, also wird er gehäckselt und kompostiert und kommt so der Natur wieder zu Gute. Aber was tun, wenn die Menge an Grünschnitt z.B. bei Parks und Friedhöfen einfach zu groß ist. In Kandel im Landkreis Germersheim hat man eine Antwort gefunden: In der dortigen Realschule werden seit einem knappen Jahr die holzartigen Bestandteile dieses Grünschnitts verheizt.
Daß man mit Holz gut heizen kann, haben schon unsere Urahnen gewußt. Aber Grünschnitt? Der ist ja noch so richtig „saftig“ - und feuchtes Material brennt doch wohl nicht so gut. Das wußten auch die Experten der Firma „wat“ (Wasser- und Abfalltechnik), die das Projekt an der Realschule umsetzten, und entwickelten spezielle Techniken, um den Grünschnitt zu trocknen und zum Verheizen aufzubereiten. Doch nicht nur das, die „wat“ hat im Auftrag des Landkreises die Anlage in der Schule geplant, gebaut und im Rahmen eines gestuften Contracting-Modells auch finanziert. Sie ist bis zum Jahr 2008 verantwortlich für den reibungslosen Betrieb und die Wartung der Heizung, sie beschafft den Brennstoff – also den Grünschnitt – und entsorgt die angefallene Asche. Ihre Aufgabe ist es zudem, die Schüler für Umweltbelange zu sensibilisieren, ein „Energiebewußtsein“ zu entwickeln. Der Landkreis Germersheim zahlt „wat“ im Gegenzug die von der Anlage erzeugte Heizenergiemenge – ein Modell, das sich für beide Seiten rechnet.
Die im Mai 2000 in Betrieb genommene Anlage, eine Holzhackschnitzelheizung mit einer Kessel-Nennleistung von ca. 200 kW, rechnet sich darüberhinaus aber auch für die Umwelt. Um eine gleichbleibende Temperatur von 20 Grad in den Klassenräumen und 12 Grad in den Fluren zu erhalten, werden 200 Tonnen Grünschnitt-Holz zum Heizen benötigt. Bei großer Kälte wird zusätzlich der vorhandene Gas-/Ölkessel genutzt, dieser erwärmt auch das Brauchwasser im Sommer – die Holzhackschnitzelheizung arbeitet dann nicht. Aufs Jahr gerechnet wird mit dem Grünschnitt etwa 75 - 80 % der benötigten Energie (für Heizung und Wasser) erzeugt. D.h. der Bedarf an fossiler Primärenergie wird um ebenso viele Prozentpunkte oder real 80 000 Liter Heizöl gesenkt, was wiederum einem CO2-Ausstoss von 195 Tonnen entspricht. Eine wichtige Vorgabe bei Planung und Bau der Anlage war, den Energiebedarf von vornherein um etwa 20 % zu senken, was über die Anlage hinaus Maßnahmen am Gebäude selbst erforderlich machte. Damit und auch in Punkto Wirtschaftlichkeit entspricht dieses in Rheinland-Pfalz bislang einmalige Projekt den Grundsätzen der Agenda 21. Für das Wirtschaftsministerium Grund genug, 60 000 DM zuzuschiessen und so die „innovativen und ressourcenschonenden Aktivitäten des Landkreises Germersheim zu unterstützen.
Und wie funktioniert nun so eine Grünabfall-Holzhackschnitzelheizung? Zuerst einmal werden die Hölzer aus dem Grünschnitt getrocknet und aufbereitet. Für dieses Procedere zahlt der Landkreis einen Zuschuss an die „wat“, er spart dadurch auf der anderen Seite die relativ teure Entsorgung des Grünschnitts über die Kompostierungsanlage ein. Transportiert und gelagert werden die Holzschnitzel in einem Abrollcontainer, der auf der Bodenseite geöffnet werden kann, sobald er an Ort und Stelle hinter der Schule steht (im Keller der Schule selbst können etwa 3 m3 gelagert werden). Durch diese Öffnung fällt das Brennmaterial auf eine Art Förderband, das es über verschiedene Schnecken zu einem speziell für rindenreiches Material entwickelten Kessel transportiert. Einen störungsfreien und reibungslosen Durchlauf garantieren dabei Lichtschranken und andere modernste Techniken. Die zeigen auch an, wenn der Container fast leer ist: er wird dann abgefahren, aufgefüllt und wieder zurückgestellt.
An dieser Stelle ist der berühmte, wenn auch winzige Haken am Projekt, denn die Deponie ist ein ganzes Stück von der Schule entfernt und die Fahrtwege sind entsprechend lang. Eine Lösung des Problems zeichnet sich indes schon ab – und spätestens dann entspricht das Projekt zu 100 Prozent dem Geist der Agenda.

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