Projekt: Wo Ost und West sich begegnen


Fast 50 Jahre lebten und arbeiteten die Amerikaner auf "dem Hahn". Als sie gegangen waren, kamen tausende russischer Aussiedler und mit ihnen Sprach-, Arbeits- und andere Probleme in den Hunsrück. An deren Lösung arbeitet das Begegnungshaus Büchenbeuren erfolgreich und schlägt eine Brücke zwischen Ost und West.

Büchenbeuren

Wo Ost und West sich begegnen


Wenn in der bundesdeutschen Medienlandschaft vom „Hahn“ die Rede ist, geht es schon lange nicht mehr um frühmorgendlich krähendes Geflügel. Auch nicht um die einst hier stationierten amerikanischen „Freunde“, die von der Air-Base im Hunsrück aus in diverse Einsatzgebiete flogen. Heute ist der Hahn ein ständig wachsender Flughafen, von dem aus Urlauber und Frachgut gleichermaßen in viele Teile der Welt starten. Die Befürchtungen, daß nach dem Abzug der Amerikaner auf diese eher strukturschwache Region große Probleme zukommen würden, haben sich weitestgehend „in Luft“ aufgelöst. An der Lösung eines ganz anders gearteten Problems wird rund um den Hahn jedoch auch heute noch, mehr als zehn Jahre nach dem langsamen Rückzug der in vielen Jahren zu Freunden gewordenen „Amis“, beständig gearbeitet. Denn lange standen die Häuser und Wohnungen nicht leer, etwa 6000 russische Aussiedler fanden allein in der VG Kirchberg seit Anfang der 90er Jahre eine neue Heimat. In vielen Schulen sprachen und verstanden auf einmal die Häfte aller Kinder nur Russisch, und auch im Alltag waren Verständigungsprobleme bei Alteingesessenen und Neubürgern an der Tagesordnung. Damit wollten und wollen sich viele Menschen im Rhein-Hunsrück-Kreis nicht abfinden und seit 1994 ist das Begegnungshaus in Büchenbeuren Synonym für eine beispielhafte Ost-West-Integration.

Für preiswürdig befanden denn auch die Juroren des „Bundes Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU)“, die im vergangenen Jahr unter dem Motto „Zukunft mitgestalten“ einen Bundeswettbewerb ausgeschrieben hatten, dieses Projekt. Das „Begegnungshaus“ leiste durch sein vernetztes Handeln einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt des sozialen Friedens in der Region. Zudem sei hier das Zusammenspiel von öffentlicher Förderung, von ehremamtlichem, privatem und professionellem Engagement beispielhaft gelungen. All das diene der Verbesserung und dem Aufbau eines zukunftsfähigen Gemeinwesens, so die Preisrichter, die dem Projekt als einem von 14 Bundessiegern einen besonderen Stellenwert zusprachen.

Was sich auf dem Papier gut liest, ist in der Realität nicht weniger beeindruckend. Gemeinsam mit den Hauptamtlichen im Begegnungshaus ziehen Caritasverband, IB, Kirchen KAB, AWO, Sport- und Kulturvereine, der Förderverein Jugendarbeit und die zuständigen Ämter (Sozial-/Arbeitsamt) in der Verwaltung an einem Strang. Wichtiges Bindeglied zwischen dem Begegnungshaus und seinen Angeboten und den Aussiedlern sind sogenannte Lotsen, die sowohl als Vermittler, Multiplikator und Sozialarbeiter, wie auch als Lehrer und Übersetzer agieren. Die Lotsen kommen aus dem Kreis der Aussiedler, sie kennen sich mit deren Problemen und Schwierigkeiten daher bestens aus und können auch am Arbeitsplatz schnell helfen.

Auf zwei großen B – Beratung und Bildung – baut sich das Angebot des Begegnungshauses auf. Da gehören Sprachkurse zum Programm, in deren Verlauf die Teilnehmer auch lernen, wie man sich krank meldet. Die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Usbekistan stehen ebenso auf dem Lehrplan wie das Thema Arbeit: dazu gehören Besuche beim Arbeitsamt, Informationen zur Stellensuche und Bewerbertraining. Die Dauer eines solchen Kurses ist individuell verschieden, durch die starke Vernetzung des Begegnungshauses haben die Teilnehmer schon während des Kurses Kontakt zu regionalen Firmen und etliche Arbeitsplätze sind inzwischen mit erfolgreichen Absolventen besetzt.

Neben diesen Sprachkursen gibt es viele Veranstaltungen, die sich neben den Aussiedlern an die Einheimischen wenden. Denn sozialer Frieden ist nur möglich, wenn jeder auch ein Stückchen Kultur und Lebensweise des anderen kennt. So gibt es einen Gesprächskreis für Frauen, in dem kulturelle, politische und ökologisch relevante Themen ebenso wie Koch- und Backrezepte ihren Platz haben. Studienreisen nach Kasachstan und Usbekistan machen die Herkunftsländer der neuen Nachbarn ein Stückchen transparenter ebenso wie Ausstellungen zu diesem Themenkreis. Jugendtreffs und Kindertanzgruppen, die über den Spaß hinaus als Prävention gegen Fremdenfeindlichkeit gesehen werden müssen, runden das umfangreiche Programm des Projektes ab, für das seit Juli 2000 keine Bundes-Mittel mehr bewilligt wurden.

Zwischenzeitlich wurden andere Geldgeber gefunden und so die Arbeit des Begegnungshauses gesichert – für den sozialen Frieden auf dem Hahn.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an:
 
 
Projektträger:
Wappen
Begegnungshaus Büchenbeuren
Dietrichshöhe 3
55491 Büchenbeuren
Telefon: 06543/989090
Telefax: 06543/989092

Ansprechpartner:
Ute Friedrich
Pädagogische Leitung

Telefon: 06543/989090