Projekt: Neues Leben auf alten Gleisen


Wo früher die Bundesbahn durchs idyllische Glantal ratterte, treten heute Touristen in die Pedale. Denn auf den alten Gleisen rollen seit April fußbetriebene Draisinen - ein Gewinn nicht nur für die Natur.

kusel

Neues Leben auf alten Gleisen


„Ei – ne Landschaft mit viel Wiesen und auch Hügeln da und hier, mit viel Tunnels und Geleisen und dem ....“. Nein, in diesem Falle nicht dem Eisenbahnverkehr. Und echten Jim Knopf-Fans wird auch schon aufgefallen sein, daß hier nicht Lummerland gemeint sein kann. Nein, hier ist die Rede vom Glantal zwischen Staudernheim und Altenglan. Nach dem Aus für die Glantalbahn war es auf der eingleisigen Strecke für lange Zeit ruhig geworden. Seit Mai jedoch ist wieder Leben im Tal, machen sich die Menschen hier wieder auf die Reise – doch nicht gemütlich im Waggon, nein sie müssen kräftig in die Pedale treten, um an ihr Ziel zu gelangen. 56 fußbetriebene Draisinen sind auf der Strecke im Einsatz, jede von ihnen bietet Platz für maximal vier Erwachsene. Wer vorne sitzt, muß treten, aber da sich die Geleise ganz eben durch das Tal schlängeln, ist keine besondere Kondition vonnöten, um die 40 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 km/h zu bewältigen. Und die idyllische Natur entlohnt zudem für die Mühe.

Ins Rollen gekommen war das von vielen Verantwortlichen zunächst mit großer Skepsis begleitete Projekt 1996 auf Initiative der Landkreise Kusel und Bad Kreuznach, in deren Hoheitsgebieten die Bahnschienen liegen. Ein glücklicher Zufall wollte es, daß sich an der Uni Kaiserslautern etwa zur gleichen Zeit für Studierende aus den Fachbereichen „Maschinenbau“ und „Raum und Umwelt“ den Themenbereich „Touristische Entwicklung im Glantal“ und in diesem Zusammenhang auch ein Draisinenprojekt auf den Stundenplänen fand – ein entsprechender Planungsauftrag wurde schließlich 1998 erteilt. Das Resultat der studentischen Arbeit kann sich sehen lassen: sie entwickelten die mit Kette und Pedal betriebenen Draisinen und zeigten ebenso auf, wie das Glantal an Attraktion gewinnt. Oberstes Gebot war dabei die Vernetzung: der Bahnstrecke mit der Gastronomie und den Sehenswürdigkeiten der anliegenden Orte, aber auch ein Radwegekonzept mit der Anbindung des Glantals an den „Rest der Welt“.

Während die Studenten an den ihnen gestellten Aufgaben tüftelten, mußten auch die Verantwortlichen in den Landkreisen ihre Hausaufgaben machen. EU-Gelder (Leader II-Programm) wurden beantragt - und bewilligt, Gespräche mit dem Eisenbahnbundesamt geführt. Mit Erfolg: Die Glantal-Eisenbahnstrecke wurde nicht entwidmet – sie gilt weiter als Bahnstrecke, wird aber nicht als Verkehrsstrecke genutzt. Die Landkreise Bad Kreuznach und Kusel haben die Strecke gepachtet und sind damit auch zuständig für die Verkehrssicherheit, für Unterhalt und Pflege. Zu klären ist noch die Frage, wer aus polizeilicher Sicht zuständig ist.

Nichts zu rütteln jedenfalls gibt es am Erfolg des Projektes, mit einem solchen Andrang von Gästen – auch aus dem benachbarten Ausland – hatte beim Start im Mai niemand gerechnet. An den drei Ausleihstationen herrscht immer reger Betrieb, von den 60 vorhandenen Draisinen sind 56 pausenlos im Einsatz (Reservierung ist angeraten). Ein Bus bringt die Pedalritter nach getaner Arbeit übrigens bequem wieder an den Ausgangspunkt zurück, egal ob man die Reise in Staudernheim oder Lauterecken angetreten hat.

Ab Ende Oktober wird auf der Glantalstrecke Ruhe einkehren, im Winter ist eine Fahrt zu gefährlich. Doch keine Angst, ab April kann man im Glantal wieder reisen, rasten und es sich gut gehen lassen.

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Projektträger:
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66869 Kusel
Telefon: 06381/424270
E-Mail: thomas.weirich-wifoe.kvkof@t-online.de

Ansprechpartner:
Thomas Weirich
Referatsleiter Grundsatzplanung/Fremdenverkehr
Trierer Str. 49-51 Kusel
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