Projekt: Wir schwätze platt - damit wir unsere Wurzeln nicht vergessen


"Freu dich auf dein Dorf - arbeite mit" war das Leitmotiv einer Zukunftswerkstatt im April 1999 in der VG Rengsdorf. Seitdem arbeiten fast ausschließlich Frauen erfolgreich in vier Arbeitskreisen, die sich bei dieser Werkstatt zu den Themenkreisen "Brauchtum", "Lebensqualität", "Intensives Naturerleben" und "Bedeutende Frauen" bildeten.

Rengsdorf

Mir schwätze Platt“ – damit wir unsere Wurzeln nicht vergessen


Testfrage: Was haben „de Flos“, „dat Dorp“ oder „unser Kallin“ mit der Lokalen Agenda 21 zu tun? Diejenigen, die es schon wissen, können diesen Link jetzt wieder verlassen. Alle anderen aber sollten sich nach der Lektüre auf den Weg in die VG Rengsdorf im Westerwald machen. Denn dort hat eine Gruppe von engagierten Agenda-Frauen die Antwort parat und im Mai erstmals öffentlich vor fast 200 interessierten Bürgern darüber „geschwätzt“ – bei heimischen Spezialitäten wie Heuschmelsblätzjer und Gerupftem, bei naturtrübem Bier und ebensolchem Apfelsaft aus den umliegenden Streuobstwiesen.
Bis zu dieser Auftaktveranstaltung LA 21 „Mir schwätze platt“ war es jedoch ein langer Weg. Im September 1998 hatte das Mainzer Ministerium für Kultur, Jugend, Familie und Frauen eine LA-Veranstaltung angeboten, deren Ideen die Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Neuwied begeistert aufnahmen. Sie erkannten jedoch schnell, daß ein gemeinsames großes Projekt für den gesamten Landkreis nicht zu realisieren sei, zu unterschiedlich sind die Bedürfnisse in den einzelnen Regionen. Die Rengsdorfer Gleichstellungsbeauftragte machte für „ihre“ VG aber flugs Nägel mit Köpfen und beauftragte das ortsansässige „Institut für Umweltplanung Dr. Kübler“ mit der Ausrichtung einer Zukunftswerkstatt, die im April ´99 in Straßenhaus erfolgreich über die Bühne ging. „Freu Dich auf Dein Dorf – arbeite mit“ wurde von den etwa 40 Frauen aus allen 14 Gemeinden der VG, die an der Werkstatt teilnahmen, zum Leitmotiv gewählt. Vier Arbeitskreise zu den Themenbereichen „Mehr Lebensqualität“, „Intensives Naturerleben“, „Bedeutende Frauen in der VG“ und „Brauchtum“ sind dort entstanden, ebenso wie eine Broschüre, die Ideen, Wege und Ziele der Lokalen Agenda in der VG dokumentiert. Nach einem Jahr intensiver, vom Institut für Umweltplanung betreuter Arbeit konnte der Arbeitskreis Brauchtum schließlich zur Auftaktveranstaltung Lokale Agenda ins Rengsdorfer Rathaus laden.
Den Agenda-Frauen geht es in diesem Arbeitskreis vor allem um die Wurzeln – der Menschen, die in der VG leben und arbeiten, und ihrer Sprache. Seit vielen Jahren ist der im Westerwald vorherrschende moselfränkische Dialekt immer weniger zu hören, aus den Schulen wurde die Mundart lange Zeit geradezu verbannt. Heute sind die Pädagogen schlauer: der Dialekt wird wie eine Fremdsprache eingestuft und Kinder, die einen Dialekt beherrschen, haben es beim Erlernen anderen Fremdsprachen leichter. Doch unabhängig davon, dass viele junge Leute heute „ihren“ Dialekt weder sprechen und häufig nicht einmal verstehen können, ist vieles in den vergangenen Jahrzehnten auch dadurch verloren gegangen, daß es viele Gegenstände gerade des bäuerlichen Lebens gar nicht mehr gibt. Hafergarben beispielsweise - zwangsläufig verschwindet auch der entsprechende Begriff. Und damit auch ein Stück Geschichte, ein Stück Identität, ein Teil der Wurzeln.
Genau an diesem Punkt setzen die Agenda-Frauen an, sie verstehen Brauchtum im Sinne von Brauchen und Gebrauchen und setzen beispielsweise dem Verlust ihres Dialektes Mundartstammtische entgegen. Dort wird nicht nur aktiv Dialekt gesprochen, es wird schon verloren Geglaubtes gesammelt und aufgezeichnet – und alle Beteiligten, inzwischen sind auch Männer dabei, haben viel Spaß an dieser Basisarbeit. Alte Bräuche und Feste, die alle Teile des dörflichen Lebens umfassen, werden festgehalten und wiederbelebt: Mundart und damit Heimat bekommen wieder den ihnen zustehenden Stellenwert in einer zunehmend orientierungsarmen Welt.
Auch in den anderen Arbeitskreisen werden die Ziele der Agenda auf die Bedürfnisse der Menschen in ihrem täglichen Leben abgeklopft und entsprechend agiert. Der AK „Mehr Lebensqualität“ stellt sich am 30. September einer größeren Öffentlichkeit - auf dem von ihm organisierten Bauernmarkt. Hier werden ausnahmslos heimische Produkte angeboten, so z.B. mehr als zwei Dutzend Apfelsorten, die in der VG wachsen und gedeihen. Wer also immer schon einmal eine „Schafsnase“ probieren wollte, in Anhausen ist´s möglich. Na dann, guten Appetit.
Übrigens: de Flos ist der Flachs, unser Kallin ist unsere Karoline und Heuschmelsblätzjer sind Buchweizenpfannkuchen.
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Projektträger:
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Ansprechpartner:
Gleichstellungsbeauftragte Monika Edling
s.o.
Westerwaldstr. 34 Rengsdorf
Telefon: 02634/61 13