Projekt: 5-Liter-Haus Wittlich


Die Stadt Wittlich hat im Neubaugebiet "Bölinger Flur" 22 Grundstücke ausgewiesen, die im Rahmen eines Modellprojektes "5-Liter-Haus" bebaut werden sollen. Dabei sollen diese "Energiesparhäuser" nicht teurer sein als normale Häuser.

Wittlich

Wo Bauherren sich nach der Sonne richten


Sparen, und das nachhaltig – dieses Thema geht wirklich jeden an und macht vor keiner Lebenssituation halt. Da wird der Benzin-Verbrauch der Auto-Motoren gesenkt, Energiesparlampen und Elektrogeräte mit deutlich verringertem Energiebedarf erobern den Markt und das alles nicht nur zum Nutzen der Verbraucher, sondern besonders auch im Hinblick auf die Umwelt und hier auf die Verminderung des CO2-Ausstosses. Ein Großteil des Kohlendioxids (ca 1/3 des Gesamtausstosses) raucht aber immer noch durch die Schornsteine der vielen Eigenheime hierzulande. So verbraucht ein normales Häuschen mit ca. 130 m2 Wohnfläche pro Jahr etwa 1560 Liter Öl für Heizung und Warmwasser. Wieviel Energie sich aber gerade in diesem Bereich sparen läßt, zeigt auch das Modellprojekt 5-Liter-Haus in Wittlich.

Ziel des vom rheinland-pfälzischen Finanzministeriums und der Stadt Wittlich geförderten Projektes ist und war es, 22 Gebäude (Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser) im Neubaugebiet Bölinger Flur in Wittlich-Wengerohr mit deutlich reduziertem Energiebedarf ohne zusätzliche Mehrkosten für den Bauherren zu errichten. Der Energiekennwert (Heizung und Warmwasser) wurde mit 5 Litern Öl pro m2 Wohnfläche und Jahr festgesetzt, er liegt damit um ca. 60% unter dem von der Wärmeschutzverordnung von 1995 festgeschriebenen Wert von 12 l/m2 und Jahr (bei 130 m2 sind das 1560 l Öl). Um diesen Energiekennwert zu erreichen und möglichst noch zu unterschreiten hat sich die Projektleitung mit Forschungsergebnissen zum energie- und kosteneffizienten Bauen und den Erfahrungen bei schon vorhandenen Energie- und Passivhäusern auseinandergesetzt und eine Checkliste erstellt.

Da galt es zuallererst, das Baugebiet städtebaulich zu optimieren, d.h. die Häuser sollten so geplant werden, daß ihre Hauptfassaden nach Süden ausgerichtet sind und sie sich auch im Winter nicht gegenseitig die Sonne nehmen (Verschattung). Allein durch diese Maßnahme lassen sich kostenfrei schon 15-20% Energie einsparen. Nächste Überlegung sollte sein, die Größe der Gebäudeoberfläche möglichst gering zu halten, also Reihenhäuser statt Doppelhäuser, Doppelhäuser statt Einfamilienhäuser.


Richtig meßbar wird die Energieeinsparung mit der Verbesserung des Wärmeschutzes der Gebäudehülle. Da gilt es nicht nur, Wärmebrücken so weit als möglich zu minimieren und Undichtigkeiten und damit auch Folgeschäden (z.B. Feuchtigkeit) erst gar nicht entstehen zu lassen. In den Gebäuden des Modellvorhabens wird nach Fertigstellung die Luftdichtigkeit mit speziellen Tests überprüft, so daß eventuelle Undichtigkeiten direkt durch die Baufirma beseitigt werden können. Kosten sparen lassen sich weiter durch die richtige Nutzung der Sonnenenergie, d.h. im Winter eine möglichst große Nutzung und Behaglichkeit ohne im Sommer schwitzen zu müssen. A und O sind dabei Größe, Qualität und optimale Anordnung der Fenster,– Computersimulationen sind hier eine nützliche Hilfe. Für ein gutes Haus- und Raumklima ist nicht zuletzt ein optimales Lüftungsverhalten nötig. Da in Niedrigenergie- und Passivhäusern dabei aus energetischen Gründen auf das herkömmliche Lüften durch Öffnen der Fenster verzichtet wird, ist der Einbau von Lüftungsanlagen mit Wärmetauschern nötig, die ein gesundes Raumklima garantieren. Bei energetisch derart optimal geplanten Häusern ein herkömmliches Heizsystem sehr viel kleiner und damit kostengünstiger als in normalen Häusern dimensioniert sein. Gleiches gilt für die Warmwasserbereitung, hier schlägt die Projektleitung neben dem Einbau von Solaranlagen die Anschaffung von Wasserspararmaturen und Haushaltsgeräten mit niedrigem Energieverbrauch vor.

Den an dem Projekt interessierten Bauherren, die sich bis Ende April 1998 bei der Stadt Wittlich um einen Bauplatz bewerben konnten, kamen nicht nur Baukostenzuschüsse, Sonderkonditionen bei der Finanzierung, ein attraktiver Grundstückspreis von 120,- /vollerschlossenem Quadratmeter Bauland und diverse Förderprogramme zu Gute. Sie wurden zudem umfassend von der Projektgruppe beraten und betreut. Dabei gab es deutlich mehr Interessenten als Grundstücke zur Verfügung standen. Mittlerweile sind die meisten Häuser, darunter auch vier Passivhäuser, fertiggestellt und bezogen. Und erste Erfahrungen zeigen, daß sich alle rundherum wohl fühlen.

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Projektträger:
Wappen
Stadtverwaltung
Schloßstr. 11
54516 Wittlich

Ansprechpartner:
Dipl. - Ing. Kaes-Torchiani
Fragen zu Bebauung und Modellvorhaben
Schloßstr. 11 Wittlich
Telefon: 06571/17175