Projekt: Dezentrale Energieversorgung - Nah- und Fernwärme


Während die meisten Städte und Gemeinden von großen Energieversorgungsunternehmen mit Strom und Wärme versorgt werden, verfügt die Gemeinde Rülzheim über ein eigenes Energienetz - gleich vier Anlagen sorgen hier für eine gutes Klima.

Rülzheim

Wo sogar der Strom selbstgemacht ist


Wie, bitte, sieht Ihr Strom aus? Ach, das wissen Sie nicht! Aber ob gelb oder rot - wissen Sie denn, woher Ihr Strom kommt? Die meisten Bürger der Bundesrepublik und auch in Rheinland-Pfalz werden bei dieser Frage ins Grübeln kommen. Nicht so die Bürger der Gemeinde Rülzheim. Hier haben sich die Verantwortlichen schon vor langer Zeit von den großen Kraftwerken abgekoppelt und mit eigenem Gemeindewerk und Stromnetz unabhängig gemacht: schon seit 1983 wird in Rülzheim ein integriertes Energieversorgungskonzept umgesetzt.

Insgesamt vier Anlagen versorgen die Rülzheimer mit Strom und Wärme, dabei werden verschiedenste Energiearten genutzt. Da ist zum ersten das erdgasbetriebene Blockheizkraftwerk am Schulzentrum: hier arbeiten drei 12 Zylinder Gasmotoren: 2x210 k/el, 2x360 kW/th, 290 kW/el, 490kW/th. Nicht nur die Schule wird mit der hier entstehenden Wärme versorgt, ein großer Teil der Energie wird in eine Einrohr-Fernwärme-Ringleitung eingespeist und sorgt damit in fast allen öffentlichen Einrichtungen (Rathaus, drei Schulen, drei Kindergärten, eine Altenwohnanlage, die Kirchengemeinden, Gewerbebetriebe) und privaten Haushalten der Gemeinde für ein angenehmes Klima.

Unterstützt wird das Kraftwerk am Schulzentrum von einem zweiten BHKW im Schwimmbad (vier 12 Zylinder Gasmotoren: 4x185kW/el, 4X340kW/th). Die hier produzierte Wärme wird zur Hälfte für das Schwimmbad mit Sauna, Festhalle und Campingplatz benötigt, die andere Hälfte fließt in die Ringleitung. Genutzt wird in dieser Anlage übrigens das Erdölgas, das eine gemeindenahe Erdölquelle mit abwirft und das meistens abgefackelt wird. Die Rülzheimer aber haben diese zusätzliche Energiequelle erkannt und nicht lange gefackelt: die Gasmotoren wurden so konstruiert, das sie dieses Erdölgas mit normalem Erdgas in jedem Mischungsverhältnis nutzen können. Und Geld haben sie auch noch gespart, kostet Erdölgas doch nur ca. 60 % des Erdgases.

Ebenfalls genutzt wird Klär- oder Methangas, das bei der Zersetzung von Klärschlämmen durch Bakterien entsteht. Folgerichtig befindet sich ein drittes BHKW in der Gruppenkläranlage, die Abwasser aus fünf Gemeinden bearbeitet. Der entstehende Klärschlamm wird in einen Faulturm gepumpt und dort in Methangas umgewandelt, das dann (von Schwefelverbindungen entfiltert) im BHKW verbrannt wird. Gut ein Drittel des Methangases wird zu Strom für den Betrieb des Kläranlage umgewandelt und etwa die Hälfte des Energiegehaltes des Gases dient der Wärmegewinnung: diese „Abwärme“ heizt die Gebäude und hält den Faulturm ständig bei 35 Grad.

Das vierte und jüngste Blockheizkraftwerk (ein Kessel mit 3300kW, drei 12 Zylinder-Gasmotoren: je 290 kW/el und 490kW/th) findet sich im Neubaugebiet: Über ein 3,5 km langes Netz werden 200 Anschlüsse versorgt. Der Anschluß an das Nahwärmenetz war für die Rülzheimer Bürger nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch interessant: zum einen gab´s pro Bauplatz einen Zuschuß von 2000,00 DM. Und 1998 etwa konnten 1000 Tonnen Rohöl eingespart werden, was ca. 170.000 DM an Verbrauchskosten entspricht. In Rülzheim wird inzwischen fast die Hälfte des verbrauchten Stroms selbst produziert.

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