Projekt: "De Roderich"


Mobil sein - auch im Alter. Weil das für den Seniorenbeauftragten von Rodenbach zur Lebensqualität gehört, machte er mobil. Und so fährt seit 1997 der "Roderich" durch den Ort und nimmt auf einen Wink jeden mit, der am Wegesrand steht. Kostenlos, ehrenamtlich und bei Wind und Wetter.

Rodenbach

Wo ein Wink genügt


Er gehört zu Rodenbach, einer 3500 Einwohner starken Gemeinde gleich neben Kaiserslautern, wie die Dorfkirche, das eisenzeitliche keltische Fürstengrab aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert oder die alte Dorflinde. Und die Rodenbacher, ob alt oder jung, schätzen ihn: er ist eine zuverlässige Größe in ihrem alltäglichen Leben. Wirklich alle Gemeindemitglieder kennen ihn und niemandem sonst wird im Dorf so oft und gerne gewunken - zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter. Die Rede ist nicht vom Pfarrer oder der Bürgermeisterin: selbst ihnen läuft „De Roderich“ den Rang ab. Oder besser fährt, denn der „Roderich“ ist ein kleiner Bus mit neun Sitzplätzen - für einen Fahrer und acht Fahrgäste. Seit Oktober 1997 ist der mittlerweile preisgekrönte Bürgerbus (das Projekt wurde mit dem 1.Preis des Wilhelm-Dröscher-Preises für hervorragende Vertrauensarbeit ausgezeichnet) von Montags bis Freitags auf einer festen, etwa 11 Kilometer langen Route unterwegs - und das für die Fahrgäste völlig kostenlos.

Vielleicht hat dieses Projekt damit zu tun, daß Jose-Miguel Rivera-Zuniga gebürtiger Peruaner ist. Dort ist es üblich, einfach am Straßenrand zu winken, wenn man mit dem Bus fahren will. Die auch in Peru häufigen Kleinbusse halten an, man steigt ein und kann – dort natürlich gegen Bezahlung – bis zum jeweiligen Ziel mitfahren. Feste Haltestellen gibt es so gut wie nicht, der Bus hält, wo es gerade nötig ist. Ganz sicher aber hat der „Roderich“ mit dem Engagement von Jose-Miguel Rivera-Zuniga als Seniorenbeauftragter des SPD-Ortsvereines zu tun. Die üblichen Kaffeekränzchen und Spielnachmittage waren ihm zu wenig, er wollte die Qualität des ganz alltäglichen Lebens der älteren Rodenbacher verbessern und wurde bei der Frage nach dem Wie schnell fündig: Mobilität heißt das Zauberwort. Denn: Der öffentliche Nahverkehr verbindet wohl Rodenbach mit dem Rest der Welt, doch im Ort selbst verkehrt kein Bus. Arzt, Apotheke und Rathaus befinden sich zwar mitten im „Dorf“, doch für den, der gehbehindert ist, ist auch ein kurzer Weg eine große Anstrengung. Wie in vielen anderen Gemeinden liegen die Einkaufszentren auf der grünen Wiese am Ortsrand und so trat mancher Senior mangels Auto oder Führerschein in die Pedale – häufig ohne Helm und manchesmal waren weder Gefährt noch Fahrer ganz (verkehrs)sicher.
Für den Seniorenbeauftragten war es keine Frage, was zu tun war und er machte mobil, im wahrsten Sinne des Wortes: Ein Kleinbus sollte auf einer bestimmten Route durch den Ort fahren bis zum Einkaufszentrum. Er würde alle, die am Straßenrand winken, mitnehmen und wieder nach Hause bringen und selbstverständlich würden die Fahrer auch mal einen Kasten Wasser mitbringen oder die schweren Taschen bis an die Haustür tragen. Völlig kostenlos sollte dieser Service für die Bürger sein, die Fahrer würden ebenfalls völlig kostenlos – ehrenamtlich – arbeiten.
Auf dem Fahrzeug selbst könnten Firmen durch Aufkleber werben und so würde der Bus, neben Spenden, schließlich finanziert werden können. Positiver Nebeneffekt: das Umweltbewußtsein würde gesteigert – ein Bus statt acht Autos. Sogar einen Namen hatte Rivera-Zuniga schon für das Projekt gefunden: „De Roderich“ in Anlehnung an eine Zeitung, die es im Ort einmal gab. Daß heute der „Roderich“ so gut wie eine Dorfzeitung, dabei aber schneller und aktueller ist, scheint der Seniorenbeauftragte da schon geahnt zu haben.
Mit Zustimmung und Unterstützung vom Ortsbürgermeister bis zum Landrat und dem SPD-Orstverein wurde zunächst ein gebrauchter Bus (das DRK stieß gerade drei Fahrzeuge ab) gekauft. Sponsoren waren schnell gefunden und nachdem auch die Bezirksregierung in Neustadt grünes Licht gegeben hatte, startete am 15. Oktober 1997 der „Roderich“ zu seiner ersten Tour. Seitdem fährt und fährt und fährt er, bis dato mehr als 45 000 Kilometer. Seit dem Frühjahr 2001 ist ein nagelneuer Mercedes-Bus im Einsatz - finanziert durch Spenden und vor allem Sponsoren.
Gefahren wird der Bus übrigens von etwa 15 Senioren. Ehrenamtlich. Ihnen macht diese Arbeit Spaß und sie wissen nicht nur, was im Dorf los ist, sondern auch, daß sie etwas Sinnvolles tun. Auch das bedeutet für den Seniorenbeauftragten, bei dem alle Fäden zusammenlaufen, ein Stück mehr Lebensqualität. Einmal im Monat trifft er sich mit seinen Fahrern zu einem von den Trinkgeldern finanzierten Arbeitsessen, da kommen neben Einsatzplänen auch neueste Informationen oder Beschwerden zur Sprache. Beschwerden? Ja, einmal habe er jemanden übersehen, erinnert sich Rivera-Zuniga. Aber sonst bleibe bei Ihnen niemand stehen, selbst wenn der Bus voll sei und durchfahre, er kommt auf jeden Fall schnellstmöglich zurück - „de Roderich“.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an:
 
 
Projektträger:
Wappen
SPD-Ortsverein Rodenboch
Alte Steige 18
67688 Rodenbach
Telefon: 06374/5373
Telefax: 06374/3998

Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Jose Miguel Rivera Zuniga
Seniorenbeauftragter
Alte Steige 18 Rodenbach
Telefon: 06374/5373
E-Mail: rivera-zuniga@t-online.de