Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Europäische Energiewende?

Ist mit der neuen Energiestrategie die Energiewende in Europa eingeleitet? Die Verbesserung der Energieeffizienz und die Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien erfordert ein modernes und zuverlässiges Verteilungsnetz, das die Stromnetze der einzelnen Länder miteinander verbindet. Die Kosten allerdings - so die Befürworter - amortisieren sich im Laufe der Jahre: Kosten für den Transport entfallen, der „Treibstoff“ ist immer vorhanden und ebenfalls kostenlos (Sonne kostet kein Geld, Kohle oder Öl schön). Auch die Technologien sind vorhanden: Es gibt viele mit erneuerbaren Energien arbeitende Verfahren, um Strom zu erzeugen, Wärme zu liefern oder zu kühlen, deren Einsatz zügig und in großem Unfang möglich wäre. Außerdem könnte gemäß einer Kommissionsstudie die Erreichung dieses Zieles außerdem bis zu 2,8 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze schaffen (siehe IP/09/861 vom 2. Juni 2009). Aber auch viele Grüne Technologien kommen nicht ohne Rohstoffe aus. Im Herstellungsverfahren der Technologie werden eine Vielzahl von Metallen benötigt, sogenannte Seltene Erden, deren Vorkommen in anderen Regionen der Welt liegt. So besteht die Gefahr, dass Deutschland im Verteilungskampf um Rohstoffe (mehr siehe Thema "Weltfrieden") zur Energiesicherung ins Hintertreffen gerät.

Widerstand gegen neue Leitungen
Kritiker verweisen auf die Unverhältnismäßigkeit der Kosten, drohende Versorgungsengpässe und den Widerstand in der Bevölkerung gegen neue Überlandleitungen, wie in den Pyrenäen seit Jahren der Fall. Deshalb müsse offen und klar ausgesprochen werden, was die Alternative „Grüne Energien“ bedeutet. „Wie viel Infrastruktur in den kommenden Jahren durch Dörfer und Wälder geschlagen werden muss, um all die Erneuerbaren ans Netz zu holen. Doch die zwangsläufige Wahl „AKWs oder Überlandleitungen“ klar auszusprechen, davor scheuen sowohl Grüne wie Konservative zurück.“ (Die ZEIT) Die Bürger fordern vielerorts eine unterirdische Verlegung der Trassen, so in der Schweiz oder in Spanien, und fordern stattdessen deren unterirdische Verlegung, um Elektrosmog und Naturzerstörung zu verhindern und gleichzeitig den Wert ihrer Immobilien zu erhalten. Frankreich und Spanien planen mittlerweile eine gemeinsame Leitung von Toulouse bis Barcelona, durch die Pyrenäen, die unterirdisch verlegt werde. Solche Erdleitungen seien bei weitem nicht so teuer wie die Stromunternehmen behaupteten. Möglich scheint es also zu sein.

Auch Grüne Technologien brauchen Rohstoffe
Vor allem für Elektromotoren, Energiespar-Lampen, langlebige Batterien und die Dauermagneten für Windturbinen werden Rohstoffe - vor allem Seltene Erden - benötigt, deren Vorkommen in anderen Regionen der Welt liegen. Derzeit kontrolliert China bis zu 98 % der Weltproduktion der Seltenen Erden und hat deren Export zuletzt stark beschränkt. So droht Deutschland im weltweiten Verteilungskampf um Rohstoffe (siehe Thema "Weltfrieden") zur Energie-Sicherung ins Hintertreffen zu geraten. Die Gründung der Deutschen Rohstoffagentur im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie im Oktober 2010 wird ein Mechanismus zur Sicherung klimarelevanter Ressourcen sein.

Wüstenstrom oder europäische Lösung?
Verschiedene Visionen von der Nutzung des Wüstenstroms bis zur Eigenständigkeit Europas durch dezentrale Lösungen wurden und werden für den Ausbau der Erneuerbaren diskutiert. Das Wüstenstromprojekt hat das Ziel, bis 2050 rund 15% des europäischen Strombedarfs mit Sonnen- und Windenergie zu decken. Kritiker aber setzen dagegen, dass hohe Transportverluste und Terrorgefahr drohen und Europa seinen Strom selbst erzeugen muss. Durch die Nutzung der Windenergie im Norden Europas und der Sonnenenergie im Süden und eine innereuropäische …., könnte Europa ein „Kontinent der Wind- und Sonnenenergie“ (Die Zeit) werden. „Offenbar sind die EU-Länder noch nicht bereit dazu, sich von den Ressourcen anderer [EU-Länder, die Autorin] abhängig zu machen, oder, umgekehrt, ihre Ressourcen in einen gemeinsamen Synergieraum einzuspeisen.“ (Die Zeit)

Echte Alternativen fehlen
Aber wo liegt die Alternative? Seit Fukushima scheint Atomenergie für immer wenige Menschen eine Alternative zu sein. Die Bereitschaft, die greifbarer gewordenen Risiken und die Probleme der Endlagerung hinzunehmen, sinkt bei vielen, nicht nur in Deutschland. Auch die Energiegewinnung durch Öl und Gas kann allenfalls eine zeitlich begrenzte Perspektive sein: Zwar gibt es weiterhin riesige Vorkommen an Ölsanden, vor allem in Kanada und der Arktis, der Abbau aber zerstört die Natur so immens, dass er eigentlich indiskutabel sein sollte. In Kanada bleiben „an ihrer Stelle verseuchte Mondlandschaften“ zurück, in der Arktis wird die Unberührtheit der Natur durch die Bohrkonzessionen gefährdet.

Zum Weiterlesen:
Agentur für Erneuerbare Energien 2013: Der volle Durchblick in Sachen Erneuerbare Energien  Daten und Fakten zu den Energiequellen der Zukunft (.pdf zum Download)

Die Zukunft der Energie. In: Atlas der Globalisierung 2010, Kapitel 3, S. 70ff.,

Strom genug von Nord bis Süd
. Geben die EU-Mitgliedsländer ihren Egoismus auf, können sie ein Kontinent der Wind- und Sonnenenergie werden. Die Zeit, 1.11.2010

Die Luftnummer. Emissionshandel: Ein Planet wird verheizt. In Geo 12/2010, S. 128f.

EU-Kommission 2010: EU-Energy and transport in figures. Statistical pocketbook 2010
Hintergrundinformationen und jede Menge Daten zur Energieproduktion und den verschiedenen Energiequellen in Europa

Sascha Müller-Kraenner 2006: Europäische Energieaußenpolitik: Jeder kocht sein eigenes Süppchen. In: Grünbuch Europa. Von nachhaltigen Visionen und umweltpolitischen Realitäten, politische ökologie 102-103, S. 71 f.

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz