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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Emissionsraten von PKWs

Die gescheiterte Selbstverpflichtung der Automobilhersteller
Um einer gesetzlichen Verpflichtung zu entgehen, einigten sich die Automobilhersteller 1998 mit der EU zu einer Selbstverpflichtung, die durchschnittlichen CO²-Emissionswerte auf 140g/km bis 2008/2009 und auf 120g/km bis 2012 zu senken. Damals stießen Autos in Europa durchschnittlich noch 185 Gramm pro Kilometer aus. Die Fortschritte gingen zunächst schnell voran: Das Zwischenziel von 165 bis 170 Gramm wurde schon im Jahr 2000 erreicht, aber danach verlangsamten sich die Fortschritte massiv, zwischen 2000 und 2007 gab es kaum noch Fortschritte. Die Emissionen lagen 2007 bei etwa 161 Gramm, in Deutschland bei 170 g. Die Selbstverpflichtung galt als gescheitert!

Warum die Emissionsraten nur noch wenig sanken
In den letzten Jahren wurden Autos durch Klimaanlagen, Navigationssysteme und Airbags immer komfortabler, schwerer und damit auch verbrauchsintensiver. Beim Abschluss der Selbstverpflichtung hatte es diesen Komfort noch nicht gegeben. Außerdem zieht die Mehrheit der Kunden Geländewagen und Großraumlimousinen noch immer dem Drei-Liter-Auto vor. Das allerdings reicht als Erklärung nicht aus. Denn sowohl bei den Automobilherstellern als auch bei den Automobilkäufern gibt es massive Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten. Eine Studie des Europäischen Verbands für Verkehr und Umwelt (T&E) von 2008 kommt zu dem Ergebnis, dass Autokäufer in Portugal beispielsweise PKWs mit dem geringsten CO²-Verbrauch kaufen, während dieser für deutsche Autokäufer kaum eine Rolle spielt. Sie belegten europaweit nur Platz 15. Eine Rolle spielt dabei sicherlich auch, dass in einigen Ländern wie Portugal, Dänemark und Italien dem KFZ-Besteuerungssystem bereits der Spritverbrauch und somit auch die CO²-Emissionen zugrunde liegen.

„Atomobil-Deal“ und Automobillobby
Der Umweltausschuss der EU-Kommission verlangte 2007 aufgrund der gescheiterten Selbstverpflichtung der Automobilindustrie eine gesetzliche Verpflichtung der Hersteller, den Ausstoß der Gesamtflotte bis 2012 auf 120 g CO² zu senken. Einigungsschwierigkeit zwischen EU-Umweltkommissar Stavros Dimas und EU-Industriekommissar Günter Verheugen und das Drängen Frankreichs unter seiner EU-Präsidentschaft verzögerten den Prozess und führten zur Abschwächung der Ziele und Zugeständnisse an die Industrie. NGOS sprechen vom "Atomobil"-Deal zwischen Frankreich und Deutschland: Frankreich – dessen Automobilflotte mit seinen Emissionen schon damals nur wenig über den geforderten Grenzen lag - unterstützt die Deutschen bei ihrem Wunsch nach abgeschwächten Grenzen, im Gegenzug wollte Merkel Frankreich bei anderen Vorhaben – wie der Atomenergie – nicht im Wege stehen. Die deutsche Automobillobby tat ihr Übriges (Recht auf Luxus, unerreichbare Ziele).

Weichgekochte, gesetzliche Verpflichtung
Im Juni 2009 trat das abgeschwächte Gesetz in Kraft: Die Verordnung legt einen Emissionsdurchschnitt von 130 Gramm CO² pro Kilometer fest. Ab 2020 muss dieser Wert auf 95 Gramm CO²  pro Kilometer gesenkt werden. Immerhin: Der Bericht der Kommission von November 2010 zeigt, dass die CO²-Emissionen gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 5,1 % zurückgegangen sind. Dies ist der bisher stärkste Rückgang innerhalb eines Jahres.

Zum Weiterlesen:
Reh/Raddatz 2006: Bruder Bleifuss. Europäische Verkehrspolitik. In: Grünbuch Europa. Von nachhaltigen Visionen und umweltpolitischen Realitäten, S. 46ff.

Erwin Koch: Die Formel der Freiheit Porsche: Menschenrecht auf Luxus. In: Der Spiegel, 20.10.2008

Autoabgasnorm. Feilschen um jedes Gramm. Europas Autos sollen weniger Abgase ausstoßen. Deutschland und Frankreichs Regierungen arbeiten dagegen. In: Die Zeit, 2.8.2008

Noch ein Klimasünder, Klimaanlagen im Auto heizen die Erde so stark auf wie der weltweite Flugverkehr. Abhilfe ist möglich – wenn die PS-Branche nicht mauert. In: Die Zeit vom 30.07.2009

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