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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

14. Sonntag nach Trinit. / Erntedank / 26. Sonntag im Jahreskreis (25. Sep. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mk 1, 40-45

Ez 18, 25-28

Phil 2, 1-11

Mt 21, 28-32

 

Ich konzentriere mich auf jeweils einen Text der evangelischen Reihe III und dem katholischen Lesejahr A. Mir scheinen diese Texte am ergiebigsten und interessantesten für unser Thema der Nachhaltigkeit zu sein.“ (SB)

 

1. Zur Stellung im Kirchenjahr

Der 14. Sonntag nach Trinitatis thematisiert die heilende Kraft Gottes. Ihm Danken und dabei sich selbst finden – dies wird auch im Wochenspruch für diesen Sonntag deutlich: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. (Ps 103, 2)“. Ausgehend vom evangelischen Predigttext stehen neben Heilung die Themenfelder Integration und Solidarität im Mittelpunkt. Im Lesungstext wird der Aspekt der Umkehr zum Leben von Bedeutung sein.

 

2. Zu den Texten

2.1. Mk 1, 40-45
Vom Rand der Gesellschaft an den Anfang der Verkündigung

Exegetisches:

Der Predigttext ist Teil des öffentlichen Wirkens Jesu nach dessen Taufe. Sein Auftreten in Kapernaum und Umgebung ist gekennzeichnet durch seine Lehre und Machttaten. Obwohl von der Lehre nur in einer Art Zusammenfassung berichtet wird, wird in ihr ein enger Kontakt zu Exorzismen und Heilungen sichtbar. An die Heilung des Aussätzigen schließen sich die ersten Auseinandersetzungen mit verschiedenen Gruppen an, die dann in den ersten Todesbeschluss der Pharisäer und Herodianer münden (3, 6). Die Anfangskapitel vermitteln in einem sich steigernden Maße die Vorstellung, dass Jesu Wirken immer mehr Menschen anzieht (vgl. 1, 45). Man kann diese Perikope damit auch als ersten Höhepunkt in einer Bewegung der Öffentlichkeit bezeichnen, welche von Jesus ausgelöst wird. Das eigentliche Wunder besteht nicht im Durchbrechen von Naturgesetzen, sondern im rettenden Wirken Jesu, der Menschen aus ihrem Leid herausholt. Sein Ruf breitet sich nicht einfach nur von allein aus, sondern wird nun auch durch einen ins Land getragen, den Jesus vom Aussatz befreit hat. Jesus selbst steht an dieser Stelle noch nicht mit Gesetz und Gesetzeslehrern im Konflikt.

 

Gedanken zum Text:

Da ist einer, der vom Leben mit Sicherheit schon lang nichts Gutes mehr bekommen hat, einer, der an Aussatz erkrankt ist, also einer Hautkrankheit. Mit dieser Krankheit steht er am Rand der Gesellschaft. Er ist ausgeschlossen. Wer Aussatz hatte, galt als lebendiger Toter. Aussatz als göttliche Strafe für begangene Sünden. Damit wurde er nicht nur wie ein Kranker behandelt, sondern gleichzeitig auch wie ein Sünder.

Mutig geht er den ersten Schritt auf Jesus zu und stellt ihm frei, ihn zu reinigen. „Willst du, so kannst du mich reinigen.“ Was wäre gewesen, wenn Jesus diesem Wunsch nicht nachgekommen wäre? Aber Jesus reinigt den Menschen. Gleichzeitig belegt er ihn aber mit einem Redeverbot. Der ehemals Aussätzige hält sich nicht daran. Als Geheilter, aber sicher noch nicht voll integrierter Mensch, erzählt er von dem Wunder, welches ihm widerfahren ist. Er stellt sich gegen das Verbot und wird damit von einer Randfigur der Gesellschaft zum Verkündiger. Jesus selbst stellt sich auf die Seite der Ausgegrenzten. Das und die Tatsache, dass ein Aussätziger einen Gesunden Menschen überhaupt anspricht, grenzt quasi schon an eine Provokation.

Der Mann hat durch die Reinigung Befreiung erfahren. Er selbst hat nach Jesus gefragt bzw. gesucht. Die Begrenztheit, die durch die Krankheit entstand, ist aufgehoben. Jesus hat ihn angenommen. Er hat die unsichtbare Grenze überwunden und ihn wieder in das Leben zurückgesetzt. Ein weiterer Punkt, welcher in der Predigt bedacht werden könnte ist, dass hier ein Mensch nicht nur aus medizinischen Gründen, sondern gerade auch wegen religiöser Traditionen aus der menschlichen Gemeinschaft ausgeschlossen wurde. Eine Gemeinschaft, die für sich in Anspruch nimmt, die Gemeinschaft des Gottesvolkes zu sein. Jesus weist im den Weg zurück in diese Gemeinschaft. Doch, wie wird diese ihn aufnehmen?

Man wird nicht umhin kommen, sich folgender Frage zu stellen: Was ist der Aussatz in unserer Gesellschaft? Dabei geht es nicht so sehr um eine bestimmte Krankheit, sondern vielmehr um die Fragen: Wo werden Menschen ausgeschlossen? Aus welchen Gründen stehen sie am Rand der Gesellschaft? Gibt es eine Möglichkeit sie zu heilen, d.h. ihrer Ausgrenzung ein ende zu machen? Wer sind die Aussätzigen in unserer Lebenswelt? Schwerkranke, Behinderte, Obdachlose, Ausländer, Langzeitarbeitslose … die Liste ist lang.

Die Botschaft Jesu und seines Kreuzes lautet: Es soll keine Ausgeschlossenen mehr geben! Darin liegt die reinigende Kraft. Wo es uns gelingt, einen Menschen wieder zurück ins Leben zu holen, da wird schon jetzt und hier ein Stück vom Himmel sichtbar, da wird unsere Welt eine gerechtere werden.

 

2.2. Ez 18, 25-28
Umkehr zum Leben

Exegetisches + Theologisches:

Der Text ist eingebettet in eine Zusammenstellung von Gerichtsansagen über Israel und vornehmlich über Jerusalem (Kap. 12-24). Wie kaum ein anderer bedenkt Ezechiel die Wirkung und den Zusammenhang menschlicher Schuld. Die Vorstellung des Tun-Ergehens-Zusammenhangs drängt sich auf. Das Ausmaß des Gerichts zwingt zum Bedenken der Taten. Dabei ist die gegenwärtige Generation nicht ausgeschlossen und kann nicht als schuldloser Erbe angesehen werden. Sie hat sich an den Vergehen beteiligt. Steht in einer Reihe mit den vorherigen Generationen. Was zählt ist Recht und Gerechtigkeit. Doch was meint die Gerechtigkeit? Innerhalb jeder Generation wird jeder Einzelne nach seinem Tun der Gerechtigkeit befragt. Damit wird jeder zu verantwortlichem Leben aufgerufen. Eine Umkehr zum gerechten Tun ist möglich. Sie ermöglicht Leben.

 

Gedanken zum Text:

Tut Gott Unrecht, wenn er Israel trotz Bundesschluß verwirft? Ezechiel dreht die Frage um. Er fragt: Was werft Ihr Gott vor? Seht euch selbst an. Findet sich in eurem Handeln der Maßstab wieder, welchen ihr an Gott anlegt?

Hier schimmert durch, dass zwischen der vernünftigen Einsicht, Dinge zu tun, und dem Umsetzen, dem Handeln oft ein Widerspruch aufleuchtet. Alle wollen, dass mehr für den Umweltschutz getan wird, aber wenige wollen gern die Konsequenzen tragen und bspw. das Auto gegen ein Fahrrad tauschen. Ezechiel ist klar in seinen Worten. Jedem soll nach seinem ganz persönlichen Tun vergolten werden. Egal welchen Background man hat, ob viel Einfluss oder wenig. Was zählt ist nicht allein der gute Gedanke, sondern der Versuch, diesen auch in die Tat umzusetzen. Wer im Recht war und nun ins Unrecht gerät, der ist voll verantwortlich dafür und muss die Folgen tragen. Was (politisch) lange Zeit richtig schien, kann mit heutiger Kenntnis völlig abwegig sein.

Umgekehrt geht es mit dem Anderen, der die Augen offen gehalten und das Recht gesucht hat. Ihm wird das Leben geschenkt, weil er sich „bekehrt“ hat. Nur die Umkehr rettet uns vor dem Tod, dem Verderben. Dazu lassen sich viele aktuelle Beispiele finden: So bspw. die oben schon genannten Autofahrer, die auf den Treibstoffverbrauch achten. Hausbesitzer, die auf Dämmung und Möglichkeiten der Nutzung von Sonnenenergie Wert legen. Menschen, die ein offenes Ohr für ihre Mitmenschen haben und sich nicht von schnellen Vorurteilen leiten lassen. Vielleicht lassen sich Beispiele von Menschen vor Ort finden, denen Wahrhaftigkeit wichtiger ist / war als Karriere.

Sicher reichen Appelle an das Gewissen nicht aus, um die Welt zu verändern. Gesetze und Vorschriften müssen gemacht werden, damit die Umkehr für die ganze Gesellschaft möglich ist. Aber auch jeder Einzelne kann und muss mit seinem Leben mutmachendes Beispiel und Vorbild für andere sein.

Der Prophet Ezechiel hat erfahren, dass es Unglück bringt, wenn man sich auf falsche Beruhigungen verläßt. Besser ist es, sich immer neu zu versichern, ob man noch auf dem richtigen Weg ist. Wer sich selbst kritisch beobachtet, kann jederzeit Veränderungen anbringen…

Stefanie Bischof, Eltville

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