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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Reformationstag (31. Okt. 2011) 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. Evang.

Mt 10, 26b-33

Röm 11, 29-36

 

Lk 14, 12-14

 

Der Verfasser betrachtet die Predigtperikope der ev. Perikopenordnung. Stichworte zu Nachhaltigkeit: sehen – urteilen – handeln; klar und öffentlich auftreten, nicht entmutigen lassen, aus der Glaubensgemeinschaft die nötige Stärke schöpfen

 

Mt 10, 26-32

Erst gehen einem die Augen auf, dann setzt das Gehirn ein, schließlich gibt es was zu tun.

Ein naheliegender, simpler Dreischritt, der sich in der Tradition des Konziliaren Prozesses bewährt hat: Sehen – Urteilen – Handeln. Er lässt sich, wenn man so will, in der Perikope Mt 10, 26-32 wiederfinden. Eine Komposition von Logien, die im Rahmen einer Stärkungsabsicht vorgenommen wurde: Auch, wenn die äußeren Umstände dagegen sprechen, kommt es darauf an, auf der richtigen Seite zu stehen, auf der Seite Christi.

  1. Sehen: Letztlich kommt alles raus. Täuscht euch nicht. Es bleibt nichts geheim. Auch ihr selbst könnt alles wahrnehmen. Ihr könnt von diesem Aufdeckungsprozess sogar profitieren. Nutzt die Tatsache, dass nichts verborgen bleibt. Erzählt weiter, was ihr verstanden habt. Wie sich ein Gerücht ausbreitet, so macht es auch mit der guten Nachricht. Die Herrschaft Gottes ist nah, Kranke werden geheilt, Dämonen suchen das Weite.

  2. Urteilen: Natürlich findet hier eine Unterscheidung statt, eine Krisis. Wo ihr im Namen Christi auftretet, müsst ihr mit Widerspruch rechnen. Nicht jeder hört gerne die Botschaft von Gottes versöhnender Liebe. Man wird euch verfolgen und ausgrenzen, verächtlich machen und töten. Aber jetzt kommt es auf euer Urteil an, eure Fähigkeit zur Unterscheidung. Die Richtigkeit einer Verhaltensweise kann man besser erkennen, wenn man sie in Beziehung setzt zum ganzen Lebens(ver)lauf. Euer Leben ist von außerordentlichem Wert. Selbst für einen kleinen Singvogel, an dem kaum was dran ist, zahlt man schon Geld, und auch er ist ein Geschöpf des Schöpfers. Aber ihr erst! Im vollen Vertrauen auf die bewahrende Schöpfermacht Gottes könnt ihr ohne jede Furcht leben. Ihr könnt nicht durch die Maschen fallen, Gott hält euch! Also bewertet die Anfeindungen anderer nicht übermäßig, durch Angst motiviert. Vielmehr nehmt als Richtschnur eures Handelns, ob ihr bei Gott landen wollt oder in der Dschehenna.

  3. Handeln: Wenn ihr aber nun eure Entscheidung theoretisch getroffen habt, so lasst ihr auch Taten folgen. Nicht larifari, sondern eindeutig: stellt euch auf meine Seite! Ihr wisst doch, um was es geht. Die Achtsamen werden das letzte Wort haben und die Empfindsamen recht behalten. Die Zukurzgekommenen spüren die Liebe des Vaters stärker, und wer bereit ist zum Friedensstiften, wird Glück empfinden. Bekennt euch! Und ihr werdet im Himmel bekannt!

Öffentlichkeit gehört zum Wesen der christlichen Tradition. Das Evangelium will und soll kommuniziert werden, denn wenn es keine Nachricht ist, ist es gar nichts.

Man kann sich vorstellen, wie der Redaktor dieser Verse judenchristliche Gemeinden seiner Zeit, der achtziger Jahre, ansprechen will: Bekennt Farbe! Ihr braucht keine Angst zu haben. Wenn ihr Jesus so vertraut, wie er aus dem grandiosen Vatervertrauen gelebt hat bis zum Tod am Kreuz, dann ist kein Platz mehr für Menschenfurcht. Verhaltet euch eindeutig – und die gute Nachricht von der heilenden Herrschaft Gottes wird sich ausbreiten. Voraussetzung ist lediglich, dass ihr auf der Seite Christi steht. Dann könnt ihr für diese Seite auch einstehen. –Insofern ist dieser biblische Text auch ein guter Ausgangspunkt für eine Predigt am Reformationstag, von ökumenischer Plausibilität.

Für unsere stete Frage nach Impulsen für unser Nachhaltigkeitsengagement heißt das: Lasst euch nicht entmutigen. Der Schöpfer will Versöhnung, nicht Krieg gegen die Schöpfung. Wenn ihr entschieden seid, müsst ihr euch nicht vom Erfolg abhängig machen. Wer seit 1972 (Erster Bericht an den Club of Rome) von den Grenzen des Wachstums weiß, hat bis heute schon einen langen Atem bewiesen. Wer seit 1992 (Rio-Konferenz) auf die internationale Tagesordnung der Nachhaltigkeitsbemühungen setzt, könnte außerordentlich frustriert sein. Aber wer die Wirklichkeit der Welt mit den Augen des Schöpfers zu betrachten versucht, merkt – mit Leiden -, dass Individuen allein selten erfolgreich sind, aber dann umso mehr, wenn ihre Kräfte sich in einer Glaubensgemeinschaft bündeln. Die Chance der Gemeinde!

Auch das ist ein Grund für öffentliches Bekennen, damit die Menschen guten Willens zusammenfinden.

Wilhelm Wegner, Frankfurt am Main

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