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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

vorletzter Sonntag im Kirchenjahr / 33. Sonntag im Jahreskreis (13. Nov. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 16, 1-8 (9)

Spr 31, 10-13.19-20.30-31

1 Thess 5, 1-6

Mt 25, 14-30

 

Der Autor geht hauptsächlich auf den ev. Predigttext ein und betrachtet mit knappen Hinweisen die Texte zur kath. 2. Lesung und zum Evangelium. Der Text aus den Sprüchen erweist sich als nicht geeignet. Stichworte zur Nachhaltigkeit: verantwortungsbewusste Haushaltung im Gesamthaushalt des Lebens; fairer Umgang mit Geld / Beispiel Oikocredit (Lk16, 1-9). Die Frieden und Gerechtigkeit gefährdende Ideologie von Sicherheit; „Talente“, die zum Dienst an den Mitmenschen und der Schöpfung anvertraut sind.

 

Zuordnung zum Jahr / Kirchenjahr

Vielerorts wird der Sonntag als Volkstrauertag mit einer öffentlichen Veranstaltung begangen. Zugleich markiert der Sonntag den Beginn der Woche, in deren Mitte in den Gemeinden Gottesdienste zum Buß- und Bettag stattfinden. Beide Anlässe bieten sich an, in Liturgie und Predigt die Fragen sowohl nach Überwindung von Gewalt (mit unzähligen Opfern) als auch nach Wegen und Mitteln der Erhaltung und Förderung des Friedens thematisch aufzugreifen.

 

Exegetische Bemerkungen und Anregungen zur Auslegung

Lk 16, 1-9

Eine anstößige Geschichte; sie ist ohne Parallelen in den anderen Evangelien. Eine Schelmenkomödie, mehr noch eine betrügerische Machenschaft, die da vorgestellt wird. Ein kleiner Verwalter will seine Haut dadurch retten, dass er Schuldner seines Herrn durch Schuldenerlass zu seinen Freunden macht, in der Erwartung, dafür deren Gegenleistung zu erhalten. Sein Verhalten, wie er sich kühn entschlossen seine persönliche Zukunft gesichert hat, wird von seinem Herrn gelobt. Nur diese Klugheit ist für Jesus vorbildlich, nicht die Gerissenheit, mit der einer sich Vorteile verschafft zum Nachteil seines Herrn. Die „Kinder des Lichts“ sollen sich ihrerseits klug, bewusst und ganz für die Erlangung des Heils einsetzen. Das soll sich auch darin ausweisen, wie sie mit dem zu Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit verführenden Besitz umgehen.

Nur ein geschwisterlicher Ausgleich der Begüterten mit den Bedürftigen in der Gemeinde schafft vertrauensvolle Beziehungen. „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“ (V.9) lautet die nachdrückliche Anweisung Jesu. Der Mann aus Nazareth verteufelt nicht Besitz und Reichtum, solange diese nicht zum Götzen werden und der arme und notleidende Mitmensch nicht aus dem Blick gerät. Sich Freunde zu schaffen meint zweifelsfrei die Bereitschaft, den Bedürftigen unter die Arme zu greifen und den Benachteiligten zu ihrem Recht zu verhelfen.

Vergegenwärtigt man sich die Geschichte, dann kommen einem unwillkürlich Vorgänge der jüngsten Vergangenheit in den Sinn, die hierzulande viele Menschen entrüstet haben. Manager großer Unternehmen oder Banken, die in ihrem Job versagt haben, indem sie enorme Summen zum Schaden für viele verschleuderten, erhielten bei ihrer Entlassung riesengroße Abfindungen.

In der griechischen Sprache heißt Haushalter, von dem im Text die Rede ist, Ökonomos. Er ist es, der die Wirtschaft, die Ökonomie, zu verwalten hat. Das Wort Ökonomie, wie auch die Worte Ökologie und Ökumene, hat einen Bezug zu dem griechischen Wort Oikos, das Haus. Damit ist nicht nur das Wohngebäude, sondern auch die Hausbewohner und Hab und Gut gemeint. Die Oikumene bezeichnet die ganze bewohnte Erde. Im Verständnis des christlichen Glaubens sind wir Menschen, die zu dieser Oikumene gehören, verantwortlich für unseren eigenen Haushalt. Zugleich sind wir für den Gesamthaushalt des Lebens in der von Gott geschaffenen Welt in Pflicht genommen. Gott hat uns Menschen für so kreditwürdig gehalten, dass er uns seine Schöpfung anvertraut hat, sie als die guten Haushalter zu nutzen und zu erhalten zum Wohl alles Lebendigen. Kein Mensch kann sich diesem Gesamthaushalt des Lebens entziehen oder vorenthalten. Ob wir wollen oder nicht: Wir sind Teil der Einen Welt. Mit unseren Lebensweisen sind wir hineinverflochten in die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Prozesse. Wer z.B. wo auch immer in einem Supermarkt einkauft, tritt über die Waren in Verbindung mit Tausenden von Menschen rund um den Erdball. Er sieht sie nicht und kennt sie nicht. Und doch tragen die gekauften Waren den unsichtbaren Stempel derer, die diese Waren hergestellt haben. Oft unter menschenunwürdigen, ausbeuterischen Bedingungen. Vielerorts zu Niedrigstlöhnen, mit Kinderarbeit und mit bleibenden Schäden für die Gesundheit. Dazu gehören auch die nachhaltigen Wunden, die bei der Ausplünderung der Ressourcen und dem Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen geschlagen werden.

Jesus hatte seinen Jüngern, ja allen die sich auf ihn berufen, ans Herz gelegt, Geld und Vermögen gewinnbringend einzusetzen. Nicht nach dem Motto: Wer manipuliert und spekuliert, der gewinnt, sondern wer teilt, gewinnt. „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“, sagte Jesus. Das kann mitnichten heißen, auf Profite zu setzen, koste es was es wolle und zu Lasten anderer. Sich Freunde zu schaffen meint zweifelsfrei die Bereitschaft, den Bedürftigen unter die Arme zu greifen und den Benachteiligten zu ihrem Recht zu verhelfen. Freunde gewinnen durch faires Handeln. Sich fair verhalten heißt, sich ehrlich und gerecht zu verhalten.

Fair handeln mit Geld ist das leitende Motiv der Kreditgenossenschaft von Oikocredit. Ziel ist es, benachteiligten Menschen durch Kredite eine Chance auf wirtschaftliche Eigenständigkeit zu geben. Und das, unabhängig von Religion, Kultur, Alter oder Geschlecht der Kreditnehmenden. Bei der Förderung ist das Oikos, das Haus der Schöpfung im Ganzen im Blick. Menschen, Pflanzen und Tieren soll in ihren Wechselbeziehungen ein faires, gedeihliches Leben auch in Zukunft gewährleistet sein. Ein weltweites Netzwerk von 27.000 Einzelpersonen, Gruppen, Kirchengemeinden, Gesamtkirchen und anderen Organisationen beteiligt sich mit über 300 Millionen ¤ an Oikocredit. Ihre Geldanlagen dienen der Finanzierung von Projekten in über 50 Ländern. Mehr als 1 Million Menschen, mit ihren Familien sind es 5 Millionen Personen, profitieren von dieser Entwicklungspartnerschaft, die ihnen schon heute ein menschenwürdiges Leben ermöglicht.. Es sind keine Spenden, sondern Darlehen, die vergeben werden. Diejenigen, die sich mit ihren Kreditanteilen an der Finanzierung solidarischer Bündnisse beteiligen, rechnen nicht mit hohen Zinserträgen. Sie geben sich mit 2% zufrieden. Sie wissen, dass sie mit ihren Einlagen sozial verantwortlich in diejenigen Menschen investieren, die mit den fairen Krediten Eigeninitiativen entwickeln. Dabei ist mit Kredit nicht nur die Vergabe von Geld gemeint. Kredit hat mit Vertrauen zu tun. Wo Geschäftsbanken wegen fehlender Sicherheiten keine Kredite vergeben, vertraut Oikocredit in die produktiven Kräfte und Fähigkeiten armer und benachteiligter Menschen (vgl. die von Mohammed Yunus gegründete Grameen-Bank in Bangladesh, die höchst erfolgreich Kleinkredite nur an Frauen vergibt).

 

1 Th 5, 1-11

Fehleinschätzungen soll vorgebeugt werden. Der Tag des Herrn kommt unerwartet und plötzlich, während die Welt sich in Sicherheit wiegt. Die Menschen halten sich an die Parole im römischen Kaiserreich: Friede und Sicherheit (V.3). Demgegenüber heißt es für die Kinder des Lichts / des Tages, mit klaren Sinnen ständig wachsam und nüchtern zu sein. Dafür sind sie mit Glaube, Liebe und Hoffnung ausgestattet (V8).

Sicherheit ist in den letzten Jahren, insbesondere seit der gestiegenen Bedrohung durch Terrorakte politisch zu einem Dauerthema geworden. Mit der Einschränkung von Freiheitsrechten durch systematische Überwachungsmaßnahmen versucht man dem entgegenzuwirken. Aber nicht allein das. Das Sicherheitsmotiv ist zu einer Ideologie mutiert, bei der die lange geübte Zurückhaltung beim Einsatz militärischer Mittel aufgegeben wird. Die als missverständlich ausgelegte Äußerung des früheren Bundespräsidenten Köhler (Mai 2010), dass die ökonomischen Interessen unseres Landes u.U. mit Mitteln militärischer Gewalt verteidigt werden müssen, hat den Sachverhalt noch offenkundiger gemacht. Diese Äußerung deckt sich mit Aussagen des Weißbuchs des Verteidigungsministeriums 2006. Darüber hinaus gilt, dass der von Angst diktierte „Mythos der Sicherheit“ bei politischen Entscheidungen die schon 1934 von D. Bonhoeffer geäußerte prophetische Erkenntnis vermissen lässt: „Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit …“. Dahinter steht der Mangel an Einsicht in die geschöpflich vorgegebene, bleibende Verwundbarkeit des Menschen, die in christlicher Perspektive den Ängsten und Nöten der gesellschaftlich Marginalisierten, der Armen und Verwundbarsten durch Mit-leiden Rechnung trägt. Dazu gehört auch, einem solchen Sicherheitsdenken zu widerstehen, das der Durchsetzung der Eigeninteressen einer Gesellschaft / eines Staates zu Lasten anderer Priorität einräumt (Zugang zu und Aneignung von Ressourcen – z.B. am Meersboden mit katastrophalen Auswirkungen, s. Golf von Mexiko; Vereinnahmung immer größerer Teile an Gemeinschaftsgütern zum Zweck kapitalistischer Verwertung, z.B. Patentierung von Saatgut und Medizin; Privatisierung von Genen, Wasser; Biopiraterie).

 

Mt 25, 14-30

Die Geschichte vom anvertrauten Geld ist auch als Mahnung zur Wachsamkeit zu verstehen. Der dritte Diener hat das ihm anvertraute Talent nicht genutzt, die mit der Gabe gestellte Aufgabe nicht erfüllt. Er hat nur seine Sicherheit im Sinn und wie er seine Haut retten kann. Er verharrt im Unterschied zu den beiden anderen Dienern in Trägheit und vermeidet durch Nichtstun jegliches Risiko. Mt vermittelt, dass ein jeder / eine jede für die jeweils anvertrauten Gaben in der Weise verantwortlich ist, dass diese nicht Selbstzweck sind, sondern dienstbar werden sollen. Der dafür nötige Einsatz duldet keinen Aufschub. Deshalb heißt es, wachsam zu sein, um des unausgesprochenen Anrufs der leidenden, „geringsten Brüder (und Schwestern)“ (V.40) gewahr zu werden und das Gebotene zu tun. Dazu braucht es offene Augen (die Handelnden sind die Sehenden bzw. Blinden, V.37 ff.) und „unbedingte Wahrnehmungspflicht für fremdes Leid“ (J. B. Metz)

Es steht uns eine Fülle von Analysen und Wissen über die Gefährdung des Klimas und der damit einhergehenden Ungerechtigkeit gegenüber einem Teil der Welt zur Verfügung. Die Übernutzung des Regenwaldes, der Gewässer und Meere usw. sind uns hinreichend bekannt. Doch die Sicherung der Eigeninteressen (s.oben) zum Nachteil kommender Generationen von Geschöpfen hat fast durchweg Vorrang. Die Hauptverursacher der Klimaveränderung, die Industrienationen, stellen z.B. für die lindernden, kostenintensiven Maßnahmen zugunsten der Betroffenen nur peanuts an Finanzmitteln bereit (ein unglaubliches Missverhältnis zu den jährlich aufgebrachten Rüstungs- und Verteidigungsausgaben).

Gerhard Fritz, Landau

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