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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

16. Sonntag nach Trinitatis / 28. Sonntag im Jahreskreis (9. Okt. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Klgl 3, 22-26.31-32

Jes 25, 6-10a

Phil 4, 12-14.19-20

Mt 22, 1-14

 

Der Verfasser betrachtet alle Predigtperikopen des Sonntags. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Hl. Franz von Assisi als Beispielgebender und Patron der Ökologie; aktive Krisenbewältigung auf Erfahrung und Weisheit in verbindung mit Hoffnung aufbauen (Klgl 3); Gemeinschaft einbeziehen: Tischgemeinschaft – intergenerationelle Lebensgemeinschaft – Gestaltungsgemeinschaft (Jes 25, Phil 4, Mt 22)

 

Stellung im Kirchenjahr:

In der vorausgehenden Woche gedenkt die Kirche am 4. Oktober des Hl. Franziskus, den Johannes Paul II. 1980 zum Patron der Ökologie ernannte und dessen Gedenktag seit 1931 Welttierschutztag ist. Der Sonntag selbst beschließt seit 2000 die “Zeit für Gottes Schöpfung”, die am 1. September beginnt und auf Initiativen des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Dimitrios I., sowie des Europäischen Christlichen Umweltnetzwerks (ECEN) zurückgeht.

 

Exegetische Anmerkungen

Klgl 3, 22-26.31-32:

Im mittleren Teil des dritten Liedes besinnt sich der Beter, dessen Lage extrem aussichtslos scheint, auf Jahwes Güte und Barmherzigkeit. Ihm hilft nicht oberflächliche Ablenkung und Vertröstung, sondern auf Gottes Güte und Treue gründende Hoffnung. Diese motiviert zum aufmerksamen, angespannten “Harren” und zum aktiven “Suchen” im Sinne von “sich erkundigen, nachfragen”.

 

Jes 25, 6-10a:

In Kap. 25 dankt der Prophet Gott, der die Machthaber unterwirft und den Bedürftigen Schutz bietet. Das in VV. 6-8 beschriebene Mahl bedeutet dabei wie in Ex 24 einen “rite de passage”: wie die Ältesten auf dem Sinai durch das Mahl dem Bund mit Jahwe beitreten, so eröffnet das Mahl auf dem Zion Jahwes neuartiges Verhältnis zu den Völkern. Die Universalität wird ermöglicht, weil Jahwes Gegner ihre Bedeutung verloren haben und Gott die “Hülle verschlingt”, d.h. den Tod überwindet, das Volk von seiner Schande befreit und seine Würde wiederherstellt.

 

Phil 4, 12-14.19-20:

Die Lesung ist Teil eines typischen Postscriptums, das sich jedoch auf einen einzigen Punkt fokussiert. Ein Hin und Her von finanziellen und geistlichen Aussagen entfaltend, veranschaulicht Paulus, dass er mit allen Sinnen wahrnahm, dass die Gabe, die ihm überbracht wurde, rein und lauter gegeben war und ihm geistlich wohltat. In V. 19 kehrt er zur Geschäftssprache von “Geben und Nehmen” zurück, lenkt aber den Blick nach oben. Und wie “Vater” das Moment des Ursprungs betont, endet der Satz mit einem Blick in die gesamte Zukunft, “in die Weltzeiten der Weltzeiten.”

 

Mt 22, 1-14:

Die Parabel verbindet die Motive der Einladung und des Zorns Gottes, wobei die Welt im apokalyptischen Kontext wahrgenommen wird. Wer sich in der (jetzigen) Krisenzeit der Weisheit verschliesst, setzt sich dem Zorn Gottes aus. Doch ungeachtet der Zerstörung der Stadt der Mörder findet die Hochzeitsfeier statt, wenn die neue Hochzeitsgesellschaft auch eine Mischgesellschaft darstellt, die sich weiter in der Krise befindet. Der Umgang des Königs mit dem Mann ohne Hochzeitsgewand zeigt, dass nach geschichtlichen Brüchen und Katastrophen eine entsprechende Disposition und Bewährung erforderlich bleibt.

 

Predigtskizze

Über die Jahrhunderte hinweg sehen sich die biblischen AutorInnen mit verschiedensten Krisenzeiten (Klgl, Mt) konfrontiert, die sie nicht ausblenden wollen. Aus ihrem Glauben und ihrer Reflexion über das konkret Erfahrbare wehren sie sich gegen oberflächliche Vertröstungen und Versuche, die Augen vor der Krise zu verschliessen.

  • Angesichts der Herausforderungen, die sich stellen, empfehlen sie (Klgl) einen weisen Umgang, der sich auf konkrete Erfahrungen stützt und von echter Hoffnung lebt, die sich auf Gottes Treue stützt. Und sie raten (Mt) zur Wachsamkeit, denn nur, wer offen für das bleibt, was zu tun ist, kann in der Krise bestehen, sie meistern und als ChristIn seiner / ihrer Verantwortung gerecht werden.

  • Doch geht es nicht nur um die Beziehung der/s Einzelnen zu Gott. Individualismus ist nicht am Platz. Denn die kritische Situation betrifft nicht nur das Ich als Individuum, sondern vor allem das Ich in der Gemeinschaft. So ist auch das Bestehen, das Meistern, das Überwinden, das Neu-Aufleben eine Angelegenheit des Wir.

  • Dafür steht zeichenhaft das Mahl (Jes, Mt), zu dem alle eingeladen sind. Nicht nur Israel, sondern alle Völker (Jes), nicht nur die jetzt Lebenden, sondern alle Generationen, die gegenwärtige und die zukünftige (Mt), sind hineingenommen in die Tisch- und Lebensgemeinschaft Gottes, der seinen Bund mit uns Menschen geschlossen und in Jesus Christus ein für alle Mal erneuert hat.

  • Die Gemeinschaft des Schöpfers mit seiner Schöpfung nimmt in der sonntäglichen Feier der Eucharistie Gestalt an und wird fortgeführt, wo wir Weggemeinschaft in und mit der ganzen Schöpfung leben. Das Mahl zu feiern umfasst liturgische Handlung wie tagtägliches Engagement für- und miteinander. Die große Gemeinschaft mit dem Schöpfer und miteinander bewusst zu leben, ist also Gabe und Aufgabe zugleich, kostbar und lebensnotwendig, Zeichen für eine neue Zeit, die – schon jetzt erlebbar und erfahrbar – ihrer Vollendung in Gott entgegengeht.

  • Betreffs des Umgangs miteinander hebt Phil noch einen anderen Aspekt hervor. Der Schöpfer schenkt uns, in Beziehung zueinander zu stehen und den je anderen als Gottes Gabe wertzuschätzen. Wenn wir einander als Geschenke Gottes begreifen, wird es uns bestärken, einander Unterstützung zu schenken, uns von Gott und voneinander tragen zu lassen, miteinander das Leben zu finden.

 

Bezüge zur Nachhaltigkeit, Beispiele zur Umsetzung und weitere Kontexte

  • „1979 habe ich den Heiligen Franz von Assisi als einen himmlischen Patron über jene ausgerufen, die die Ökologie voranbringen. Er gibt Christen ein Beispiel eines ursprünglichen und tiefen Respekts vor der Unversehrtheit der Schöpfung. Als ein Freund der Armen, der von Gottes Geschöpfen geliebt wurde, lud der Heilige Franz die ganze Schöpfung ein – Tiere, Pflanzen, Naturgewalten, sogar Schwester Sonne und Bruder Mond –, Gott die Ehre zu geben und ihn zu preisen. Der arme Mann aus Assisi gibt uns einen schlagenden Beweis dafür, daß, wenn wir mit Gott im Frieden sind, wir uns dem Aufbau des Friedens mit der ganzen Schöpfung besser widmen können, der untrennbar ist vom Frieden zwischen allen Menschen.“
    Aus: Johannes Paul II., Zur Ökologischen Krise, Botschaft zum Weltfriedenstag 1990 (www.clerus.org/clerus/dati/2000-05/05-10/OKrise.html)

  • „Die Anglikanische Tierschutzgesellschaft (ASWA) wurde 1972 gegründet, um AnglikanerInnen und anderen zu helfen, sich der Bedeutung des Tierschutzes noch bewusster zu werden. Intensive Landwirtschaft, Nahrungskette, Experimente, Krankheiten, die Tieren angelastet werden, die schlimme Behandlung von Haustieren und das Töten von Tieren zum Spass stellen ethische Anfragen. Weil Tiere empfindsame Mitgeschöpfe sind, bedeuten Tierfragen immer auch theologische Fragen und sollten deshalb auf der Agenda der Kirche stehen. Gott gab uns ‚Herrschaft’, nicht ‚Beherrschung’ der Tiere (Gen 1, 26). Das bedeutet ‚liebende Fürsorge’, nicht ‚rücksichtlose Ausbeutung’.“
    Aus: www.aswa.org.uk

  • Der Vorschlag des Ökumenischen Patriarchates könnte zum Anlass dafür werden, dass die Kirchen eine „Zeit des Schöpfers”, das heisst eine Zeit, die den ersten Artikel des Glaubensbekenntnisses zum Inhalt hat, in das Kirchenjahr aufnehmen. Bisher hat das Thema „Schöpfer und Schöpfung” im Kirchenjahr keinen festen Platz. Die verschiedenen Zeiten und Tage des Kirchenjahrs haben den zweiten und dritten Artikel des Glaubensbekenntnisses zum Inhalt. (...) Eine Zeit des Schöpfers und der Schöpfung im Kirchenjahr kann die Basis für ein gemeinsames Zeugnis der Kirchen werden. Aus: Resolution des Europäischen Christlichen Umweltnetzwerks auf seiner Versammlung in der Evangelischen Akademie Loccum am 31. Oktober 1999 (www.ecen.org/cms/uploads/0702atfgc-de.pdf)

  • Gegenseitig können wir einander über das gegenwärtige Zaudern hinausdrängen; gegenseitig können wir einander trösten; gegenseitig können wir einander getröstet werden; gegenseitig können wir voneinander gesegnet werden. Wenn dies geschieht, dann ist es sehr gut.“ Aus: Carter Hayward: Und sie rührte sein Kleid an, Kreuz-Verlag Stuttgart 1999, S. 189

Joachim Feldes; Cambridge

 

Literatur

Baumert, Norbert: Der Weg des Trauens. Übersetzung und Auslegung des Briefes an die Galater und des Briefes an die Philipper, 2009

Berges, Ulrich: Klagelieder, 2002 (HThKAT)

Rölver, Olaf: Christliche Existenz zwischen den Gerichten Gottes = Bonner Biblische Studien 163 (2010)

Scholl, Reinhard.: Die Elenden in Gottes Thronrat. Stilkompositorische Untersuchungen zu Jes 24-27 = BZAW 274 (2000)

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