Direkt zum Hauptmenü. Direkt zum Untermenü. Direkt zur linken Navigation. Direkt zum Text.

Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

6. Nov. 11 - drittl. Sonntag i. Kirchenjahr / 32. Sonntag im Jahreskreis

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 11, 14-23

Weish 6, 12-16

1 Thess 4, 13-18

Mt 25, 1-13

 

Der Verfasser betrachtet den Text des Evangeliums in der kath. Leseordnung mit einem Bezug zur alttestamentlichen Lesung sowie den ev. Predigttext. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Wachsamkeit: tun, was zu tun ist – aber so lange noch Zeit dafür ist, innere / äußere Wachsamlkeit, Bezug Ölkatastrophe im Golf von Mexiko 2010, nicht „schlampig“ leben (Mt 25); durch „Nichtstun“ gegen Jesus sein (Lk 11)

 

Mt 25,1-13: Das Gleichnis von der Wachsamkeit

In Teilen folge ich Überlegungen von Anselm Grün1.

Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen oder von den fünf klugen und den fünf törichten Jungfrauen ist ein Gleichnis der Wachsamkeit: „Seid wachsam! Ihr wisst weder den Tag noch die Stunde“, heißt es im abschließenden Vers 13. Seid wachsam, dass das Licht der Lampen brennt und nicht ausgeht, die Quelle, aus der wir leben, sprudelt und nicht versiegt, das Licht, das uns hell macht und Orientierung gibt, nicht erlischt.

Bei Lukas finden wir eine Seligpreisung der Wachsamen: „Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen. Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach – selig sind sie“ (Lk 12, 37 f.). Der Herr, d.i. Gott selbst, wird die Wachsamen am Tisch bewirten. Die Wachsamkeit als Tugend kann also gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. In V 40 kommt noch eine Mahnung mit einem unangenehmen Unterton hinzu: „Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.“ Da ist eine Warnung drin. Wer nicht bereit ist, für den kann es zu spät sein. Und im Gleichnis passiert das. Die törichten Jungfrauen kommen vom Ölkauf zurück und finden – die Tür verschlossen.

Wachsamkeit hat zwei Seiten: 1) Bereit sein für die Ankunft des Herrn (Lampen und Öl sind gerichtet). 2) Tun, was zu tun ist – jetzt (Lampen und Öl richten, solange Zeit ist), denn es könnte, wenn der Herr überraschend kommt, zu spät sein. „Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde!“ Bereit sein, gegenwärtig sein, so leben die, die Jesus folgen.

Zunächst geht es im Gleichnis darum, die Begegnung mit Christus – er ist der Bräutigam! – nicht zu verpassen, d.h. bewusst zu leben, wachend das Kommen des Herrn zu erwarten (heute, jetzt!), offen sein für die Gegenwart, für die Mitteilung Gottes, die jetzt oder zu einer Stunde, um die ich nicht weiß, an mich ergehen will. Offen sein für den Moment, den Ort, in / an dem Gott sich mir zeigen will, d.i. z.B. auch die Schönheit, Vielfalt und Fülle jeglichen Lebens auf der Erde, oder – vielleicht noch viel mehr – die Begegnung mit Menschen, das Miteinander, der Austausch von Menschen. Hier gibt die matthäische Gerichtsrede (Mt 25, 30 ff.) wichtige Hinweise und Impulse: Im Menschen, vorab im Armen und notleidenden Menschen, begegnet uns der Herr und fordert unsere Anteilnahme, unser Mitleid (compassion), unsere Liebe heraus.

Das Gleichnis beschreibt uns den Weg zum „Fest unserer Selbstwerdung“ (A. Grün). Das Bild der Hochzeit steht dafür. In der Begegnung mit Christus finde ich zu mir selbst, werden alle Gegensätze in mir miteinander versöhnt. Ich werde eins mit mir – und eins mit Gott. Selbstwerdung ist Einswerdung mit Gott. Wenn dies geschieht, ist Fest, Feier die einzig mögliche Weise der Lebensäußerung – Danksagung, Lobpreis, Feier des – zu sich selbst – befreiten Daseins. Selbstwerdung geht aber nur im Kontext des Ganzen, dessen Teil ich bin, der Gemeinschaft, der Welt, des Lebens. Ich kann mich nicht gegen, sondern nur mit dem Ganzen selbst entfalten.

Selbstwerdung setzt Einsicht voraus, Einsicht in die Dinge des Lebens. Klug ist, Einsicht haben und sich davon leiten lassen, besonnen sein, offen sein für Sinn. Bei Plato ist der kluge und besonnene Mensch der gute Mensch, der die Wirklichkeit wahrnimmt in Ihrem Wesen und ihrer Struktur, der annimmt, wie sie ist, und darin auch das Göttliche erkennt und danach „greift“. Für die klugen Jungfrauen ist die äußere Realität ein Bild für die innere Wirklichkeit, für ihre Beziehung zu Gott. Wie sie in ihrem Innern offen sind und „hör-sam“ für Gottes Wort (das ist der Sinn des Wortes Ge-horsam), sind sie auch im Äußern ganz achtsam, aufmerksam für die Weise, wie Gott sich ihnen zeigen will. Und das Innen und Außen bedingen sich gegenseitig: „Der Mensch erbaut sich nicht nur von innen nach außen. Er wird auch von außen nach innen gebaut. Der Geist kommt nicht mit sich selber aus, und er lässt sich nicht in die Innerlichkeit verbannen. Was nicht nach außen dringt; was nicht Form, Aufführung, Geste, Inszenierung, Haus und Figur wird, bleibt blass und ist vom Untergang bedroht“ (Fulbert Steffensky).2 Wie ich die Wirklichkeit wahrnehme, ist für meine seelische und spirituelle Verfassung von Belang, damit für meine Offenheit, Beziehungsfähigkeit – und die Wahrnehmungsfähigkeit Gottes. Es geht um die Konsequenz des eigenen Verhaltens, nicht um Moral, schon gar nicht um moralinsaure Sprüche und die Lebensfreude tötende Regelwerke. So müssen die klugen Jungfrauen ihr Öl behalten, um den Bräutigam, Christus, und in ihm Gott, letztlich sich selbst nicht zu verpassen. Und: Es kann zu spät sein. Es gibt einen Point of no return.

Was heißt Verspätung? Wenn ich nicht im Augenblick lebe, wenn ich mich nicht klug auf das einlasse, was gerade dran ist „und passt“, dann komme ich für das Entscheidende im Leben zu spät. Zu spät kommen bedeutet womöglich auch: Ich bin noch zu sehr mit Verletzungen der Vergangenheit beschäftigt und unfähig im Augenblick zu leben. Die Vergangenheit „vergiftet“ mir meine Gegenwart. Verschlossene Türen sind ein Bild dafür, dass ich keine Beziehung habe zu meinem Inneren, meinem Selbst. Ich will aufwachen, in Berührung kommen mit meiner Seele, meinem Herzen, ansonsten kann es zu spät sein.

Dass die klugen Jungfrauen von ihrem Öl nicht abgeben, zeigt noch einen wichtigen Aspekt: Ich bin verantwortlich! Dass ich genug Öl habe für meine Lampe. Ich bin verantwortlich für mich, für mein Leben, für den Menschen, den Gott mir anvertraut hat: mich selbst! Verantwortlich, mich offen zu halten für Impulse, die in mir das Leben initiieren und herausrufen. Ich bin verantwortlich für die Haltung innerer Bereitschaft, die mich sehen und hören und aufstehen lässt zum Aufbruch („Geht im entgegen!“ – V 6), zur Veränderung des eigenen Seins, zum Wandel des Selbst hin zu dem, der ich von Gott her schon immer bin. Gott „wirkt danach, wie er Bereitschaft und Empfänglichkeit findet“, sagt Meister Eckhart3.

Hier passt der Gedanke der alttestamentlichen Lesung: Weisheit 6, 12-16, insbesondere V 15 f: „Über sie (d.i. die Weisheit) nachzusinnen ist vollkommene Klugheit; wer ihretwegen wacht, wird schnell von Sorge frei. Sie geht selbst umher, um die zu suchen, die ihrer würdig sind; freundlich erscheint sie ihnen auf allen Wegen und kommt jenen entgegen, die an sie denken.“ Die Weisheit erscheint hier als Person. Klug ist, wachsam zu sein für die „Frau Weisheit“, die sucht, die ihrer würdig, d.h. für sie bereit sind. Die klugen Jungfrauen sind die, die die Weisheit lieben, sie sind die, die die Weisheit selbst sucht – und findet.

Für Augustinus ist das Öl des Gleichnisses ein Bild für die Liebe, für eine Gesinnung, die ganz aus der Liebe lebt. Diese Gesinnung kann ich nicht mit anderen teilen (d.h. das Öl teilen), aber leben („anzünden“) und entfalten („Licht“ / „licht“ werden). Es ist eine Mahnung, in uns die Liebe zu wecken, die schon in uns ist, von der wir aber oft genug abgeschnitten („töricht“) sind. Es ist Mahnung, mich selbst zu lieben, mir selbst gegenüber gut zu sein. Ich kann auch letztlich nicht kaufen, was in mir schon da ist, angelegt ist und sich in mir entwickeln muss. So scheitert der Ölkauf der törichten Jungfrauen: „Ich kenne euch nicht“ (V 12).

 

Nachhaltigkeit: Dass die Lichter nicht ausgehen

Das Bild vom Öl ruft in mir Assoziationen wach angesichts der gewaltigen ökologischen Katastrophe im Golf von Mexiko, hervorgerufen durch den Untergang der Bohrplattform „Deepwater Horizon“: Ursache sind nicht einfachhin Fehler des Konzerns, Ursache ist der gewaltige Ölhunger, vor allem der westlichen, hochindustrialisierten, von einer kapitalistischen Wirtschafts- und Denkordnung beherrschten Welt, deren Prinzip die rücksichtslose Ausbeutung ist.

Das gr. Wort für töricht ist moros, d.h. stumpfsinnig, dumm, nicht der Sache angemessen, ein Mangel an vernünftiger Überlegung. Torheit kann eine Macht sein, die den Menschen verwirrt und ihn zu wahnwitzigem, blindem Verhalten verleitet. Wir sehen das im Golf von Mexiko: Der Konzern hatte keinen Notfallplan, keine technischen Mittel, keine auch nur im Grundsatz vorhandene Idee zur Begegnung der Katastrophe, d.i. „moros“ – töricht. Hemmungslose Gewinnmaximierung – allein 17 Milliarden Dollar Konzerngewinn im Jahr 2009 – nimmt Katastrophen in Kauf, rechnet die Kosten in die Gewinnbilanzen vorab ein – und geht auch über Leichen (11 Menschen starben bei der Explosion auf der „Deepwater Horizon“).

Was können wir tun, damit die Lichter, die Lichter des Lebens nicht ausgehen?

Bewusst leben, achtsam leben – mit „offenen Augen“, nicht gedankenlos in den Tag, nicht schlampig, unsorgfältig leben. Letzteres ist die Haltung, die das Öl für die Lampen vergessen lässt. Sorgfältig leben heißt, nachhaltig mit den Lebensressourcen dieser Welt umgehen. Was brauche ich wirklich zum Leben? Wie viel ist genug?

Das Bild der verschlossenen Tür sagt uns: Es kann zu spät sein für alle Rettungsaktionen zum Schutz des Klimas, der Natur, der Tier- und Pflanzenwelt, unseres Lebensraums Erde. Derzeit befürchten Wissenschaftler der Universität Texas, dass der Methanausstoß im Golf von Mexiko (eine Folge des Unfalls der „Deepwater Horizon“) einen Sauerstoffmangel verursachen wird, der das maritime Leben dort absterben lässt. Die Folgen sind sicher noch nicht abzusehen. Möglich ist es aber, dass es hier „zu spät“ ist.

Wir müssen uns fragen: Was ist Leben? Was bedeutet es uns? Was ist es uns wert? Was müssen wir tun, um es zu schützen und zu fördern? Damit auch für kommende Generationen diese Welt lebensfähig und lebenswert ist. Wir müssen in unserem Lebensstil Prioritäten zugunsten des Lebens setzen, d.h. unseren Verbrauch kritisch hinterfragen: Weniger ist mehr! Muss ich täglich Auto fahren?

Ganz wichtig erscheint mir, gegen eine Grundhaltung unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu opponieren: Gegen die Ideologie des – unbegrenzten – Wachstums (unsere Erde und ihre Ressourcen sind doch begrenzt!) und das damit verbundene Hauptgebot: Liebe den Konsum wie dich Selbst. Konsum ist Ausdruck der Nächstenliebe: Er lässt die Wirtschaft florieren, schafft Arbeitsplätze. Wer nicht konsumiert bedroht den Aufschwung, das Wachstum, die Arbeitsplätze. Überhaupt: Ich konsumiere, also bin ich!

Was brauche ich wirklich zu einem erfüllten Leben? Und: Wie viel ist genug? Wenn wir nicht die Wende zu einem neuen Verständnis von Wirtschaft – und damit verbunden Gesellschaft! – schaffen, zu einem sich gegenseitig befruchtenden Miteinander von Ökonomie und Ökologie kommen, haben vielleicht auch die klugen Jungfrauen einmal kein Öl mehr und wir und unsere Enkel mit ihnen – und die Lichter, die Lebenslichter auf dieser Erde gehen – für alle! – aus …

 

Lk 11, 14-23: „Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich.“

Ich greife Anregung und Gedanken von Michael Rentz auf, der den Vers 23 in die Mitte der Betrachtung stellt:

Jesus treibt einen Dämon aus, der stumm macht. Er befreit den Besessenen und gibt ihm seine Sprache zurück. Die wiederlangte Sprache ist Zeichen der Freiheit, der Würde und des Selbstbesitzes: Der in Freiheit gesetzte Mensch ist ganz bei sich, er ist er selbst.

Welcher Dämon lässt uns so oft verstummen, wenn eigentlich Reden, das kraftvolle, widerständige Wort angesagt ist? Wenn wir konfrontiert sind mit Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung, unverantwortlichem Handeln? Lassen wir im Alltag zu, dass der Geist Jesu uns erfüllt und zum Reden (wieder) befähigt, wie damals die Jünger an Pfingsten? Gerade im Bereich Ökologie, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit ist Nichtstun schwerwiegend wie aktives Tun. Nichtstun, Unterlassen ist „Arbeit dagegen“, gegen Jesus: Wer nicht eintritt für die Botschaft des Lebens, für alles, was das Leben fördert und mehrt, ist nicht mit Jesus, sondern gegen ihn.

Wer ist der Dämon, der stumm macht? Er kann verschiedene Gestalten annehmen: Der Dämon der Gier, dann trägt er die Farbe des Geldes, der Dämon des ungezügelten Machttriebes, von dem nicht nur Politiker und Wirtschaftsmanager gepackt sind, die Legionen von Dämonen der Angst. Welche Angst fesselt uns? Die Angst vor dem Versagen, vor dem Leben? Eine Angst, die die Gestalt der Feigheit und Mutlosigkeit annimmt? Die Angst, im Leben zu kurz zu kommen? Dann sind wir wieder bei der Gier, die immer Lebensgier ist, die im Kern eine unendliche Sehnsucht nach erfüllender und befriedigender Lebensfülle birgt.

Es drängen sich mir weitere Assoziationen auf: Ich bin stumm aus Schwäche und Lauheit, aus Bequemlichkeit – und Sattheit: Es geht mir doch gut. Das macht blind für die Wirklichkeit. Wir sehen auch nicht die Folgen unseres Tuns, die sich oft an anderen Orten in der Welt auswirken.

Das Evangelium kann man nicht passiv bejahen, gutheißen; Glauben verlangt die Tat, das Reden und Handeln zur rechten Zeit am rechten Ort, auch und gerade, wenn´s unbequem wird: „Was hilft's, liebe Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann denn der Glaube ihn selig machen?“ (Jak 2, 1 4).

Stumm macht uns – die Geistvergessenheit. Wir haben den Geist der Frohbotschaft, des Evangeliums nicht lebendig in uns. Ein Geist, der uns antreibt, auch dahin, wohin wir nicht wollen (Joh 21, 18). Ein Geist, der uns Mut macht, Kraft gibt und Enthusiasmus, der uns hinausgehen lässt aus den Gefängnismauern unserer Kirchenghettos hinein in die Welt. Kurz: Den Geist Jesu.

Wo ist dieser Geist? In der Kirche, in unseren Gruppen, Verbänden? In uns? Sind wir überhaupt für ihn offen? Oder haben wir uns, wie die Apostel nach dem Karfreitag, in die Betkammern eingeschlossen? Wo kann man ihn finden?

Im Hören und Vertrauen, im Hören auf das Wort Gottes und im radikalen Anvertrauen meines Lebens an den Gott des Lebens. Im Aufeinander hören und einander ermutigen. Im gemeinsamen unterwegs Sein zu einem Ziel, im Teilen des Lebens miteinander und im gemeinsamen Engagement. Es hilft, sich mit anderen zusammenzuschließen, wie Jesus die Menschen zu versammeln (das ist Kirche! ekklesia - Versammlung), gemeinsam geht es besser, Gemeinschaft hilft gegen Angst, Gemeinschaft macht auch Mut – und öffnet den Mund. Und es gibt unzählige Gruppen, Organisationen, Verbände, NGOs, die sich weltweit ökologisch, politisch, kämpferisch für die Zukunft unserer Welt engagieren. Ich kann auch meine finden, in der ich mich einbringen und entfalten – und reden kann.

Faktum ist, wenn wir verstummen, nicht reden und sagen, was dran ist und Not tut, dann sammeln wir nicht, aber die bereits Versammelten verlieren Mut und Motivation und zerstreuen sich. Nichts tun hat gravierende politische wie menschliche wie ökologische Folgen – „und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut“ (V 23).

Allerdings, wir dürfen uns nicht selbst überfordern: Wir können nur das tun, was möglich ist, nur die Kräfte und Ideen einsetzen, die wir haben. Mehr wäre unmenschlich, mehr ist von uns nicht verlangt. Wenn wir unsere Ansprüche an uns selbst unrealistisch hoch setzen, brechen wir unter der Verantwortung und der Last der herkulischen Aufgabe der Rettung unseres Planeten zusammen. Dann verstummen wir wieder und zerstreuen die bereits gesammelte und bereite Gemeinde. Wichtig: „Es kommt auf mich an, hängt aber nicht von mir ab“ (Pierre Stutz). Auch wenn ich versage oder meine Kräfte nicht reichen, ist das Projekt nicht zum Scheitern verurteilt, weil andere da sind und es weiterführen.

Noch ein Gedanke: Wir müssen uns begeistern, erfüllen lassen von der Kraft, die Hildegard von Bingen die „Grünkraft“ nennt, jene Schöpfer- und Schöpfungskraft, die das gesamte Universum durchwirkt. „Eine unbändige Kraft, die nach dem langen Winter alles wieder wachsen und gedeihen lässt. In der Natur sehen wir sie in diesen Wochen, aber wir spüren sie auch in unseren Herzen. Grünkraft wirkt in dem, was wir tun und lassen. Sie führt uns aus der Brachzeit – aus der Starre und der Stille. Wenn ihre Zeit da ist, kündigt sie sich an, ganz leise und in feinen Schüben. Sie ist es, die Pflanzen und Menschen aufblühen und aufbrechen lässt. Sie ist es, die mit großer Kraft nach außen drängt: aus der Erde in die Herzen. Sie ist es, die etwas bewegt, ans Licht bringt, Früchte tragen lässt. Im Leben einzelner Menschen, in Familien und Gruppen und auch in und zwischen verschiedenen Völkern, zugunsten von Frieden und Gerechtigkeit. Die Grünkraft will Pläne und Sehnsüchte aus Herz und Hirn in die Hände und Füße bringen, also bewegen, verändern, wachsen und neu werden lassen. Daher kommt meine Unruhe, das auf und ab meiner Stimmungen. Nur noch ein wenig Geduld, dann wird es möglich, voller Energie weiterzugehen“ (Angelika Dikhoff).

Thomas Bettinger, Landstuhl

 

Literatur

(1) Anselm Grün: Jesus – Wege zum Leben. Die Evangelien des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, Kreuz Verlag, Stuttgart 2005, S. 114 ff.

(2) Fulbert Steffensky: Schwarzbrot-Spiritualität, RADIUS-Verlag, Stuttgart 2005, S. 28

(3) Dietmar Mieth: Meister Eckhart – Einheit mit Gott. Die bedeutendsten Schriften zur Mystik, Patmos Verlag, Düsseldorf 2008, S. 93

© 2006-2016 Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz