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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Trinitatis / Dreifaltigkeitssonntag (19. Jun. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Jes 6, 1-13

Ex 34, 4b.5.-6.8-9

2 Kor 13, 11-13

Joh 3, 16-18

 

Die Autorin betrachtet die ev. Predigtperikope und die kath. 1. Lesung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Schuld ist bereits im falschen Handeln angelegt, nicht erst im Ergebnis – Gerechtigkeit, Umgang mit Ressoucen, Ruf nach billigem Sprit ... (Jes 6); Bewusstwerdung, welche Lasten der vorangegangenen Generationen tragen wir mit – und welcher verursachen wir für die nächsten Generationen? (Ex 34)

 

Jes 6,1-13

Exegetische Hinweise:

In der vorliegenden Endgestalt ist dieser harte Gerichtstext eine literarische Rückerinnerung. Im Nachhinein deutet er die Katastrophe und beschreibt sie als Verstockung des Volkes. Sobald man das Wort Verstockung in den Mund nimmt, öffnen sich theologische Gräben, aus denen man nicht mehr so leicht herauskommt.

Schon die Septuaginta hat deshalb aus dem Verstockungsauftrag in V 10 eine Anklage gemacht: „Denn das Herz dieses Volkes ist fett geworden, … ihre Augen haben sie geschlossen ….“ Wichtig scheint mir vor allem, genau zu differenzieren: Nicht Gott hat entschieden, dass das Volk sich nicht bekehrt. Vielmehr „gilt es zu bedenken, dass im biblischen Verständnis Schuld aus sich bereits zum Gericht wird. Gott legt Israel nicht etwa von außen eine Strafe auf, sondern seine Weigerung, die Botschaft der Propheten anzunehmen, wird ihm zum Verhängnis. Somit trägt Jesajas Beauftragung ihre fatalen Folgen von Anfang an in sich.“ (Beuken, 165) Vielleicht macht es sich aber auch eine einfache Rückprojizierungsthese zu einfach. Wie erschreckend muss eine Schau der Heiligkeit Gottes sein, die diese inneren Zusammenhänge von Unheil und Heil erkennt und in Sprache bringt? Und gar nicht anders kann als danach zu fragen: „Wie lange, Herr?“ Und dann endlich gibt es eine Perspektive. Ja, Zerstörung – aber auch ein heiliger Stumpf aus dem wieder frische Zweige wachsen können (vgl. V 13). Wer hat nicht schon die Erfahrungen gemacht, die einen schreien lassen – wie lange noch? Und hier tröstet das Bild vom Baum – er wird wieder ausschlagen.

 

Assoziationen:

Für alle, die heute schon mehr davon sehen, was kommen wird, als sie manchmal ertragen können. Zu eben denen spricht dieser Text. Sie dürfen sich identifizieren mit Jesaja, der schon gereinigt ist, der ausspricht, was unerträglich ist, der den Finger in die Wunde legt, der sich in Dienst nehmen lässt von Gott. Egal ob es nun um eine gerechte Verteilung der globalen Ressourcen oder regional um die Frage, in welchem Markt kaufe ich ein? Das Gericht ist schon im Handeln enthalten. Eine fast moderne Botschaft. Wer billigen Sprit will, darf sich nicht wundern, wenn Bohrinseln zum heillosen Debakel werden und Millionen Tiere und vielleicht ein ganzes Ökosystem sterben.

Die alttestamentlichen Propheten hatten hier nie den leichteren Part. Trifft ein, was sie gesagt haben ist es schrecklich. Trifft es nicht ein, haben Sie sich getäuscht und werden als falsche Propheten verlacht (vgl. Jona). Wie aber bringen sie ihre Botschaft zu den Menschen?

Wer ist vor der Gesamtkatastrophe bereit, sein Verhalten zu ändern?

Die Formel für die „Change-Medizin“: (U+V+W) > K = C

Bereitschaft zur Veränderung / Change C entsteht dann,

wenn für Menschen die Summe aus

+ der Unzufriedenheit U mit der momentanen Situation

+ der Vorstellung V, wie es besser sein könnte

+ dem Wissen W über erste Schritte der Veränderung

> größer ist als die Summe der Kosten K der Veränderung
(in Realität oder Phantasie der Betroffenen)

Diese Modellrechnung will Mut machen. Veränderung kann gelingen! Aber die Summe, die zusammen kommen muss, bevor das Ergebnis Veränderung heißt, ist sehr groß und hat mindestens drei Posten.

 

Literatur:

W. Beuken, Jesaja 1-12, Herder Theologischer Kommentar zum AT, 2003.

 

1. Lesung: Ex 34, 4b.5-6.8-9

Exegetische Hinweise:

Die so genannte Gnadenformel findet sich auch in Joel 2, 13; Jona 4, 2; PS 86, 15; 103, 8; 145, 8; Neh 9, 17). Hier ist sie eng an Ex 33, 19 gebunden und wird durch die folgenden Verse ausgelegt: V 7 vergleicht als erstes die unermessliche Gnade (tausend Generationen!) Gottes mit seiner auf menschliches Maß reduzierten Strafgerechtigkeit. Nicht so sehr vom Strafgedanken, eher von einer Art „Selbstbeherrschung“ Gottes spricht deshalb Christoph Dohmen (355). Der „Zorn“ erstreckt sich eben nicht auf die tausend Generationen.

Die Reaktion des Moses auf diese Offenbarung besteht darin, dass er sich niederwirft. Sicher ist das auch eine Proskynese. Aber weder in Ex 3 noch in Ex 19 wird diese Körperhaltung von Mose erzählt. Vielmehr aber ist sie wohl ein „stellvertretendes“ Korrigieren oder „auch“ ein Vorwegnehmen der Haltung des Volkes, das sich gerade vor dem Goldenen Kalb niedergeworfen hatte (Ex 34, 8). Zu Beginn des Auszugs aber richtigerweise vor Gott (Ex 12, 27)!

Wenn Mose sich körperlich nun wie einer aus dem Volk präsentiert und zudem um Vergebung „unserer“ (Mose und des Volkes!) Schuld bittet, unterstreicht das wohl den Neuanfang, der jetzt mit diesem Gespräch zwischen Gott und Mose beginnt.

 

Assoziationen:

Es sei jedem empfohlen, Vers 7 ebenfalls auch liturgisch zu verkünden. Ein Gott, der Sünde nur durch Huld zudeckt, wer möchte das wirklich?

Haben wir nicht mittlerweile ausführlich erfahren, was es bedeutet, wenn die Erfahrungen der Eltern, Großeltern und Urgroßeltern ohne (nicht nur psychoanalytischen) Durchblick von den Kindern wiederholt werden? Wenn die familiären, finanziellen, gesundheitlichen, ökologischen … Hypotheken der Vorfahren schwer und drückend auf dem Leben der nächsten Generationen liegen? JHWH ist ein Gott, der diese Verfehlungen heim-sucht im wahrsten Sinne des Wortes. Er sucht sie, er prüft alles darauf hin. Aber er schenkt auch die Kraft, sie ans Licht zu bringen und er motiviert mit / trotz / gegen diese Erfahrungen das eigene Leben zu leben. D.h. er holt die Erfahrungen der Vorgenerationen heim – dahin, wo sie hingehören.

Erich Zenger schreibt dazu: „Gott sucht also, ob die Schuld der einen Generation in der nächsten wieder auftaucht. Es geht darum, ob die nächste Generation aus den Fehlern der vorausgehenden lernt oder nicht. Bei diesem Prüfen beschränkt sich Gott aber ganz und gar auf ein menschliches Maß: Die drei bis vier Generationen stehen für die höchstmögliche Anzahl von Generationen, die unter einem Dach gleichzeitig zusammen leben können, so dass es ein Einzelner durch eigenen Erleben kennen kann.“ (Stuttgarter Altes Testament, 151)

Sind wir die Kinder oder die Eltern? Was tragen wir mit, worum wir Gottes Heimsuchung erbitten? Noch viel stärker drängt angesichts der globalen Herausforderungen aber die Frage, welche ökologischen, sozialen und psychischen Lasten verursachen wir?

Herr, ich prüfe mich vor dir.
Ich prüfe, was klein ist und was groß.
Was ist wichtig an dem, was ich denke?
An meinen Sorgen, meiner Angst und meinen Hoffnungen?
Was ist nötig? Was entbehrlich?
Was ist fruchtbar? Was unfruchtbar?
Was ist wahr? Was ist Maske?
Manches erweist sich als so klein,
dass ich es vergessen kann, obwohl es mir wichtig war.
Manches erweist sich als so groß,
dass ich bereit sein muss, vieles zu ändern,
damit ich es erringe.  

Wichtiger als meine Leistung ist mein Zutrauen.
Wichtig ist, dass ich tue,
was du in mir tun willst,
damit ich werde,
der ich nach deinen Gedanken und deinem Willen bin.

(nach Jörg Zink, Wie wir beten können)

 

Literatur

Christoph Dohmen, Exodus 19-40, Herders Theologischer Kommentar zum AT, 2004.

Dr. Katrin Brockmöller, Mainz

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