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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

2. Sonntag nach Trinitatis / 14. Sonntag im Jahreskreis (3. Jul. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mt 22, 1-14

Sach 9, 9-10

Röm 8, 9.11-13

Mt 11, 25-30

 

Der Verfasser geht auf den ev. Predigttext und die kath. 1. Lesung ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: die Unterscheidung von echtem und falschem Hunger, „Hungrigsein im Überfluss“, Sonntagsruhe (Mt 22); Umgang mit Macht und Machtlosigkeit, Mächtigkeit der Machtlosigkeit – Umsetzung in der Friedenspolitik, aktive christliche Friedensforschung betreiben / weiterentwickeln, menschliche Urängste (Sach 9)

 

Mt 22, 1-14

Exegetischer Hinweis:

Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl eines Königs stammt aus der Spruchtradition und ist auch im Lukasevangelium (Lk 14, 15-24) und dem Thomasevangelium (EVThom 64) überliefert. Die Fassung des Gleichnisses im Lukasevangelium wird als die ursprünglichere angesehen. Matthäus hat das Gleichnis „allegorisiert“, um zwei Aussageabsichten an seine Gemeinde zu richten. Zum einen polemisiert er gegen die Blindheit der jüdischen Zeitgenossen Jesu, zum anderen mahnt er die Gemeinde, nicht durch falsche Prioritätensetzungen und mangelnde Vorbereitung selbst im entscheidenden Augenblick zu versagen. Für die Realisierung dieser Absichten hat der Erzähler viel von der ursprünglichen Erzähllogik des Gleichnisses geopfert. (Das Essen steht bereit, während der König Kriege führt, die von den Zäunen Gerufenen sollen Hochzeitskleider tragen etc.) Umso bedeutender müssen für ihn die Themen gewesen sein, die er mit dieser Perikope „transportieren“ wollte: Aufmerksamkeit und schnelle Reaktionsfähigkeit, wenn ein „höherer Anruf“ zur Entscheidung auffordert.

 

Nachhaltigkeitsaspekte

Mit der Vision des Weltendes als Tischgemeinschaft stellt das Evangelium ein Grundthema des menschlichen Lebens in den Mittelpunkt: Das Essen. Sattwerden, oder in psychoanalytischer Terminologie die orale Bedürftnisbefriedigung ist ein Urbedürfnis des Menschen, das exemplarisch für viele andere „Sättigungen“ steht. Die moderne Marktgesellschaft lebt davon, dass die Menschen „den Hals nicht voll kriegen können“. Immer neue Konsumanreize führen zu dem Phänomen des Hungrigseins im Überfluß, der Suche nach immer neuen „Gaumenkitzeln“. Dadurch entsteht eine Überproduktion von Gütern und Dienstleistungen, die den Menschen Glück verspricht, aber dieses Versprechen – wenn überhaupt – oft nur kurzfristig einlösen kann. Die ökologischen Folgen dieser Ressourcenverschwendung belasten jedoch dauerhaft den Planeten.

Eine Begrenzung der Ressourcenverschwendung ist deshalb nachhaltig nur möglich, wenn Menschen den „echten“ Hunger vom „falschen“ unterscheiden lernen. Sättigung des Leibes ist auch ohne den Fleischkonsum der Industrieländer möglich, die Sehnsucht nach Gemeinschaft, Freiheit und Freude ist auch ohne Fernreisen stillbar. Die Ökologie spricht deshalb neben den Strategien der Öko-Effizienz als Erhöhung der Ressourcen-Produktivität und der Konsistenz als Übergang zu naturverträglichen Technologien, von der Strategie der Öko-Suffizienz als einer Lebens- und Wirtschaftsweise, die dem Überverbrauch von Gütern und damit von Stoffen und Energie ein Ende setzt.

Gottes Einladung zum Festmahl, die nicht erst am Weltende, sondern im Hier und Jetzt erfolgt, denn „das Reich Gottes ist mitten unter Euch“ (Lk 17, 20 f.), entlastet von der stetigen Jagd nach Sättigung. Der Glaube, dass Gott uns richtig „satt machen“ will, schafft die Fähigkeit zur Askese und Selbstbeschränkung auf das, was wirklich notwendig ist.

Vor diesem Hintergrund findet die Arbeit, die in der modernen Gesellschaft zu einer Quasi-Religion geworden ist, einen anderen Stellenwert. Bereits Matthäus zeigt Gespür für den Suchtcharakter der Arbeit, wenn er als Ausreden gegenüber dem Einladenden keine sozialen Verpflichtungen, sondern allein das Gefangensein in den handwerklichen und verwalterischen Tätigkeiten aufführt. Wo der Ruf in die Fülle, die Gemeinschaft und die geschenkte Sättigung verpasst wird, weil der Mensch meint, nur durch seine eigene Arbeit dem Mangel abhelfen zu können und sich selbst satt machen zu können, verpasst er das Wichtigste vom Leben.

Die jüdische Sabbatkultur und die christliche Pflege des Sonntags hält diese Botschaft bis in den Alltag wach. Die ausufernde Sonntags- und Feiertagsarbeit ist in dieser Perspektive nicht allein familienschädlich, sondern auch ökologisch bedenklich. Sie nimmt dem Menschen die Zeit, sich zu besinnen, wie er auch mit weniger glücklich werden kann.

 

Literatur:

Das Evangelium nach Matthäus / übers. u. Erklärt von Alexander Sand – 1. Aufl. - Leipzig: St.-Benno-Verlag 1989

Gerhard Scherhorn: Über Effizienz hinaus, Beitrag zu: Hartard, Schaffer & Giegrich (Hg.), Ressourceneffizienz im Kontext der Nachhaltigkeitsdebatte. Baden-Baden 2008: Nomos Verlag. (http://www.wupperinst.org/uploads/tx_wibeitrag/Ueber_Effizienz.pdf)

 

Sach 9, 9-10 – Die Ankunft des Königs

Exegetische Hinweise:

Der Prophet Sacharja wird zu den nachexilischen Propheten gerechnet. In der Regel gliedert man das Buch in die Kapitel 1-8, die nach dem Exil, aber vor dem Jahr 500 entstanden sein sollen, und die Kapitel 9-14. Letztere werden einem „Deuterosacharja“ zugeschrieben und nach dem Jahr 500 datiert. Manche Forscher ordnen die Kapitel 12-14 einer noch späteren Verfasserschaft in der hellenistischen Epoche (4.-3. Jhd v.C.) zu.

Sacharja 9, 9-10 ist in poetischer Sprache als „Heroldsruf“, möglicherweise auch als Lied, komponiert und verkündet eine universale Friedensbotschaft. Die Hoffnung auf den endzeitlichen Frieden ist in der griechischen Bibel in Mk 11, 1-11 par. aufgegriffen. Beim Einzug in Jerusalem zeigt Jesus durch die Wahl seines Reittieres, dass das messianische Zeitalter nicht mit „Pauken und Trompeten“, sondern in der Tradition des Sacharja in Demut und Entäußerung herbeigeführt wird.

 

Die Wirkungsgeschichte des messianischen Zionsliedes des Sacharja bis zum heutigen Kirchenlied bietet interessantes Predigtmaterial. Die Melodie des heute noch viel gesungenen Liedes „Tochter Zion“ wurde von Georg Friedrich Händel komponiert. Er hat sie sowohl für sein Oratorium Joschua – Josua als auch im Oratorium Judas Maccabäus verwendet. In beiden Werken dient sie als Triumphmarsch für siegreiche Kriegshelden. „Judas Maccabäus“ wurde bei seiner Erstaufführung dem Herzog von Cumberland nach seinem Sieg über die aufständischen Schotten im Jahr 1746 gewidmet.

 

Nachhaltigkeitsaspekte:

Auch dieser Text handelt von einer menschlichen Urangst und -sehnsucht: von der Machtlosigkeit und der Macht. Sich „hoch zu Ross“ über andere zu erheben und ihnen den eigenen Willen zu diktieren kann als Verdrängung der kindlichen Ohnmachtserfahrung und Schwäche gelesen werden. Einerseits gehört das „Erstarken“ zum menschlichen Wachstums- und Reifungsprozess dazu, andererseits kann es in ein Vergessen und Verdrängen der bleibenden menschlichen Schwäche und Hilfebedürftigkeit umschlagen. Dann müssen immer neue Machtmittel erfunden werden, um die eigene Schwäche zu überspielen und den anderen durch Machtandrohung in Schach zu halten.

Im kollektiven Bereich führen diese Machtdemonstrationen zu einem immer weiteren Drehen an der „Rüstungsspirale“ und zum immer neuen „In Schach halten“ von immer neuen Feinden.

Der Prophet Sacharja hat nach dem katastrophalen Ende solcher eskalierender Machtentfaltung zu einem neuen Denken eingeladen. Der Weg in die Zukunft führt nicht durch die ständige Wiederholung der Aufrüstungen und Zerstörungen, sondern durch das Paradoxon der Entäußerung und der Machtlosigkeit. Die Mächtigkeit des Messias zeigt sich in der Machtlosigkeit. Die Geschichte erreicht ihr Ziel nicht durch die Mächtigen, sondern durch die Ohnmächtigen.

Das Vertrauen auf diese Botschaft kann, wenn es in praktische Friedenspolitik umgesetzt wird, Menschen und Natur immens entlasten.

Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat ausgerechnet, dass allein der Irakkrieg bis zum Jahr 2008 drei Billionen US-Dollar für die Vereinigten Staaten gekostet hat. Die Kosten für den Irak sind dabei nicht mit eingerechnet. Das bedeutet auch, dass jeder Kriegsmonat des Irakkrieges 12 Milliarden US-Dollar verschlingt, mehr als das Doppelte der jährlichen US-Hilfe für Afrika. Der Irakkrieg ist damit der zweitteuerste Krieg der Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg. Für die Gesamtwirtschaft bringen Kriege keinen Erfolg. Stiglitz stellt fest: „Kriege verbrauchen Ressourcen, und spätestens seit Keynes kennen wir konstruktivere Mittel, die Wirtschaft anzukurbeln.“ Darin zeigt sich, dass Kriege hochgradig irrational gesteuert sind und vielleicht nur auf einer tieferen, religiösen Ebene die Bekämpfung der Urangst des Macht- und Kontrollverlustes gelingen kann. Dafür Zeugnis zu geben durch aktive Friedensforschung, -arbeit und -politik, ist die große Herausforderung für alle Christen.

Hanno Heil, Limburg

 

Literatur

Otto Kaiser, Einleitung in das Alte Testament, Gütersloh, 3. Auflage 1975, S. 262f.

„Der drei Billionen Dollar Krieg“, DIE ZEIT – Online, vom 26.2.2008

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