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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

12. Sonntag nach Trinitatis / 24. Sonntag im Jahreskreis (11. Sep. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Jes 29, 17-24

Sir 27, 30 - 28, 7 (27, 33 - 28, 9)

Röm 14, 7-9

Mt 18, 21-35

 

Der Verfasser betrachtet den ev. Predigttext und den kath. Evangeliumstext. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Ermutigung in einer Krise, den positiven Grundtenor aufnehmen und in Verbesserungen überführen (Jes 29); die globale und private Lösung des Schulden- und Verschuldungsproblems und –denkens als Grundlage für globale Nachhaltige Entwicklung und Frieden (Mt 18)

 

Jesaja 29, 17 – 24

Die Worte des Propheten sind für Menschen bestimmt, die tief in der Krise stecken. Es sind Worte der Ermutigung und Worte der Hoffnung. Er verkündet eine Botschaft, die der Erfahrung der Hörer widerspricht. Sie erleben die Tyrannei und erfahren den Spott, die Ungerechtigkeit und die Beugung des Rechtes. Die Worte Jesajas klingen wie Schönschwätzerei, unrealistisch und weltfremd. Es ist eine Utopie, die der Prophet hier verkündet. Eine Vision einer positiven, gerechten Zukunft, in der das Unrecht überwunden sein wird und das Elend der Menschen ein Ende hat. Utopien treffen den Nerv der Zeit, indem sie das positive Gegenteil einer negativen Gegenwart beschreiben. Thomas Morus beispielsweise kritisiert in seinem Roman „Utopia“ auf diese Weise die Zustände im England des 16. Jh.

Solche Zukunftsentwürfe – mögen sie auch unrealistisch sein – sind in erster Linie einmal Kritik am Bestehenden, sie hinterfragen die Welt und stellen diejenigen in Frage, die Verantwortung tragen: „Warum ist die Welt nicht so, wie sie sein könnte?“ Zudem vermittelt Jesaja mit seiner Botschaft auch eine Vision, ein Ziel und schafft somit Motivation mitzuwirken an der Veränderung der Welt. Wenn wir diesen Text für die Predigt fruchtbar machen wollen, dann vielleicht dahingehend, den hoffnungsfrohen Grundtenor dieses Textes zu übernehmen und nicht stecken zu bleiben im Kritisieren und im Anprangern von Fehlentwicklungen und Missständen, sondern das „Reich Gottes“ als positiven Gegenentwurf stark zu machen.

 

Mt 18, 21 – 35

Das Gleichnis Jesu spricht natürlich in erster Linie von der Bereitschaft Gottes, dem Menschen seine Sünden und seine Schuld zu vergeben, so groß sie auch sein mögen. Und er kritisiert die Kleinherzigkeit und Engstirnigkeit des Menschen, der im Gegenzug nicht bereit ist, dem Mitmenschen die gleiche Gnade zuteil werden zu lassen. Damit illustriert dieses Gleichnis die Bitte aus dem Vaterunser „und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“

Dabei kann es aber nicht ausreichen, nur die Bereitschaft Gottes zu betonen, uns unsere Schuld zu erlassen, und bei uns im Gegenzug die Bereitschaft zur Vergebung einzufordern. Denn damit blendet man die sozialethischen Aussagen dieses Gleichnisses weitgehend aus. Fruchtbar für das Thema Nachhaltigkeit wird das Gleichnis erst dann, wenn man das Gleichnis auf seiner Erzählebene ernst nimmt als eine Geschichte von finanzieller Verschuldung und gegenseitiger Abhängigkeit. Erst damit wird das Gleichnis auch für unsere heutige Zeit aktuell.

Es ist so verlockend: Null-Prozent-Finanzierungen, Ratenzahlung, Sofortkredite. Es wird uns leicht gemacht, alles mögliche auf Pump zu kaufen. Und nicht nur Privatpersonen machen davon reichlich Gebrauch, auch Firmen und sogar Staaten investieren auf Pump. Wie zerstörerisch Schulden sein können, wissen wir nicht erst seit der Griechenlandkrise oder TV-Shows wie „raus aus den Schulden“. Die Zahl der privaten Insolvenzen steigt von Jahr zu Jahr. Schon junge Menschen geraten mit Handyverträgen oder auch gut gemeinten Unterstützungen wie dem BAFöG in die Schuldenfalle. Termine bei Schuldnerberatungen sind kaum zu bekommen. Die Staatsschulden sind heute schon so hoch, dass die Zinszahlungen kaum noch zu schultern sind.

Global gesehen wird die Lösung des Schuldenproblems entscheidend sein für die künftige Entwicklung der weltweiten Wirtschaft. Dabei gibt es schon lange die Forderung, den ärmsten Ländern dieser Erde ihre Schulden zumindest teilweise zu erlassen. Diese Forderungen werden umso unrealistischer werden, umso mehr auch die finanzkräftigen Staaten unter Druck geraten, ihre Haushalte konsolidieren zu müssen.

Hier kollidiert das Recht des Einen auf Rückzahlung eines Darlehen mit dem Recht des Anderen auf eine lebenswerte Zukunft. Dieses Dilemma wird nur zu lösen sein, indem der Stärkere von beiden um des Schwächeren Willen auf sein Recht verzichtet. Genau das lebt Gott uns in Jesus vor.

Dirk Reschke, St. Ingbert

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