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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

5. Sonntag nach Trinitatis / 17. Sonntag im Jahreskreis (24. Jul. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Joh 1, 35-42

1 Kön 3, 5.7-12

Röm 8, 28-30

Mt 13, 44-52

 

Der Autor betrachtet alle Predigttexte des Sonntags. Stichworte zur Nachhaltigkeit: in der Gemeinde und in der Gemeinschaft richtig zusammen leben lernen (Joh 1); suchen und finden von gerechten Kriterien, nach denen Entscheidungen gefällt werden, Beispiel Ölkatastrophe im Golf von Mexiko (1 Kön 3); Artensterben, gleichgültige Zerstörung von Lebensräumen (Röm 8); materielle Sicherheit vs. Glück, Verzicht auf wahres Leben durch falsche Prioritätensetzung (Mt 13)

 

Überlegungen zu Johannes 1, 35 – 42 (Evang. Perikopenreihe)

Stellung im Kirchenjahr:

Der Text ist für den 5. Sonntag nach Trinitatis vorgeschlagen. Gepredigt wird der Text mitten im Sommer in der Ferienzeit. Vermutlich ist eine überschaubare Anzahl an Gemeindegliedern zu Gottesdienst zu erwarten, die das Thema „Entstehung der christlichen Gemeinde“ sicher aufmerksam verfolgen werden. Unter Umständen sind auch einige wenige Urlauber im Gottesdienst. Eine spannende Konstellation anhand deren man das Verhältnis von innerem Zusammenhalt und Offenheit nach außer einer Gemeinde thematisieren kann. Das Leitbild des Sonntags ist die „Nachfolge“.

 

Exegese:

Zunächst ist festzustellen, dass unser Predigttext im Zusammenhang des Johannesevangeliums keine unmittelbare Einheit bildet. Vielmehr sind die Verse 35 – 39 von den Versen 40 – 42 inhaltlich zu unterscheiden.

Joh 1, 35 – 39 ist im größeren Zusammenhang der Berichte über Johannes den Täufer in Joh 1, 19 – 28 und 1, 29 – 34 zu sehen. Insgesamt bilden diese drei Abschnitte eine kunstvolle literarische Komposition (Haenchen, S. 176 ff.). Findet sich in Joh 1, 19 – 28 das Zeugnis des Täufers über sich selbst, in Joh 1, 29 – 34 sein Zeugnis über Jesus („Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt“ Vers 29; „Dieser ist Gottes Sohn“ Vers 34), so wird in den Versen unseres Predigttextes das Verhältnis Johannes und seiner Jünger zu Jesus und die Entstehung der christlichen Gemeinde geschildert (Haenchen, a.a.O.).

Die Perikope schildert nicht protokollarisch genau ein bestimmtes Geschehen (z.B. bleiben die beiden Johannesjünger anonym), vielmehr kommt es dem Evangelisten darauf an, dass die Leser / Hörer des Textes das Angedeutete verstehen: Es hat seine Richtigkeit mit dem Übergang von Johannes dem Täufer hin zu Jesus. Noch einmal gibt Johannes Zeugnis von der Einzigartigkeit Jesu (Vers 36), woraufhin seine beiden Jünger Jesus folgen und bei ihm bleiben. Interessant ist, dass sie sich offenbar ohne ein Wort des Abschieds von Johannes trennen und dass von Jesu Taufe hier nicht die Rede ist, ja dass Johannes überhaupt nicht mehr als der Täufer, sondern als Zeuge für Jesus im Blick ist. Dies ist im Rahmen der johannäischen Konzeption des Verhältnisses Johannes – Jesus zu verstehen. Beginnt Jesus in den synoptischen Evangelien (vgl. Mk 6, 14 – 29 par.) seine öffentliche Predigt erst, als Johannes bereits im Gefängnis sitzt, so wirken im Johannesevangelium beide nebeneinander. Dies aber macht eine Neubestimmung der Rolle des Täufers notwendig, die dann in den Dienst der Schilderung der Entstehung christlicher Gemeinde genommen wird. „Johannes Bild vom Beginn der Wirksamkeit Jesu stammt aus einer Zeit, in der die Anfänge der „historia Jesu“ ihre Konturen einzubüßen begann und so, frei geworden, gerade als Ausdrucksmittel der Christusbotschaft zu dienen fähig wurde.“ (Haenchen). Insofern könnte man Joh 3, 30 („Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“) geradezu als unausgesprochenes Motto über unseren Text stellen.

In Vers 40 setzt eine neue Szene ein. Nun geht es darum, dass auch Jesus selbst neue Jünger gewinnt. Um den Übergang zu Vorherigen zu gestalten treten die beiden ehemaligen Johannesjünger wieder auf. Einer wird nun sogar mit Namen genannt: Andreas. Der zweite bleibt nach wie vor in der Anonymität (handelt es sich um den „Lieblingsjünger“?). Auch hier spielt das Bekenntnis zu Jesus als dem Messias (Vers 41) wieder eine zentrale Rolle. Es dient als Argument, den nächsten Jünger – Petrus – zu gewinnen (der bei dieser Gelegenheit gleich seinen neuen Namen erhält). Interessant ist hier, dass Petrus – bei konsequenter Zählung – erst an dritter Stelle in der Jüngerschaft Jesu auftaucht (vgl. z.B. Mt 4, 18 ff.). Weitet man den Blick noch auf die folgenden Verse aus (bis Joh 1, 51), so folgt als nächster Jünger Philippus und das Bekenntnis des Juden Nahanael (Joh 1, 49), dass Jesus Gottes Sohn und König von Israel ist. Man kann also eine zweifache Zielsetzung des Evangelisten Johannes konstatieren. Zum Einen die Vergewisserung der Legitimität christlicher Gemeinde nach „innen“ und zum Anderen die Verteidigung dieser Legitimität nach außen, also gegenüber dem Judentum.

 

Zur Predigt:

Auf den ersten Blick ist der Predigttext eher unkonkret (s.o.) bzw. man vermisst einen „steilen“ Satz, ein Bild, das einen konkreten Ansatzpunkt bietet. Dennoch gibt es Anknüpfungspunkte bezüglich der Situation christlicher Gemeinde heute. In Zeiten zunehmender Säkularisierung, zunehmender Anfragen über die Notwendigkeit von Kirche und Gemeinde überhaupt und schwindender Bedeutung von Kirche und Gemeinde in der Öffentlichkeit, ist (immer wieder) neu nach der Rolle und Aufgabe von Kirche als Ganzer und der Gemeinde vor Ort zu fragen.

Meine Predigtidee knüpft an Johannes an: Aufgabe von Kirche in jeder Form ist es, die Christusbotschaft wach und lebendig zu halten. Nun ist dies zugegebenermaßen zunächst auch nicht sehr konkret. Man könnte aber bei einer zentralen Aussage Jesu (vor allem auch im Johannesevangelium) über das Handeln eines Christenmenschen anknüpfen: Dem Liebesgebot. Gott lieben, den Nächsten wie sich selbst und sich untereinander (also in der Gemeinde!) lieben. Hier wäre auszuführen, was das heißt, sich in einer Gemeinschaft zu lieben – also auch deutlich zu machen, wo die Grenzen zur Liebe z.B. zum Partner / zur Partnerin liegen (das Beispiel des barmherzigen Samariters ist hier hilfreich, der schließlich auch nicht seinen Weg aufgibt, sondern – quasi im Vorübergehen – das Notwendige tut. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger!).

Von hier aus sind dann sicher Beispiele aus dem Leben der konkreten Gemeinde zu finden, wie vor Ort Notwendiges getan wird oder getan werden könnte, um dem Liebesgebot Jesu Gestalt in unserem Alltag zu geben. Ansonsten könnten natürlich auch konkrete gesellschaftliche Ereignisse in den Blick genommen und überlegt werden, wie unsere Gesellschaft und wir als Kirche dem Liebesgebot entsprechen oder eben nicht. Als ein Beispiel stehen mir hier die Sparbeschlüsse der Bundesregierung vor Augen, die die Spitzenverdiener schonen möchte und dafür die Schwachen der Gesellschaft belastet. Doch wer weiß heute schon auf welchem Stand der Diskussion wir im Jahr 2011 sein werden bei der rasanten Halbwertszeit politischer Vorhaben und Beschlüsse in unseren Tagen?

 

Zur Liturgie:

Als Wochenpsalm schlage ich Psalm 73 vor (EG Pfalz/ Baden 742). Lieder zu Gottesdienst und Predigt: Du hast uns ,Herr ,gerufen EG 168, 1 – 3; Laudate omnes gentes EG 181.6, Such, wer da will, ein ander Ziel EG 346, Vertraut den neuen Wegen EG 395.

 

Zu den weiteren Texten:

1 Könige 3, 5. 7 – 12

König Salomo bringt Gott auf den Höhen von Gibeon ein Opfer dar. Daran hat Gott offensichtlich solchen Gefallen gefunden, dass er Salomo im Traum erscheint und ihm verspricht einen (!) Wunsch zu erfüllen. Nun haben wir ja alle Wünsche: Gesundheit, materielles Wohlergehen und was nicht alles. Auch Salomo hätte als König bestimmt einige nachvollziehbare Wünsche äußern können: mehr Macht, den Sieg über Feinde, mehr Reichtum, ein langes Leben (vgl. z.B. die sog. Königspsalmen, Noth). Um all das bittet er jedoch nicht. Vielmehr wünscht er sich ein gehorsames und weises Herz, das Gut und Böse zu unterscheiden versteht, um seiner Aufgabe und Verantwortung als Herrscher und damit oberster Richter seines Volkes gerecht werden zu können. Salomo wünscht sich ein achtsames Herz, „das hinzuhorchen versteht und gleich heraushört, worauf es ankommt in der Entscheidung des Herrschers, damit sie allzeit weise und gerecht seien. An diese Regentenweisheit ist hier gedacht.“ (Ketter, S. 35).

Das Herz galt damals geradezu als Zentrum des menschlichen Empfindens (Noth, S. 51) und so ist die Bitte Salomos eine wahrhaft grundsätzliche, die weit über die Oberflächlichkeit sonstiger Wünsche hinaus geht. Salomo wird uns hier als besonders verantwortungsbewusster Herrscher vor Augen gestellt. Als einer, der die Bürde seiner Verantwortung spürt und an ihr leidet und der darum weit von Willkür und bloßem Eigeninteresse bei seinen Entscheidungen entfernt zu sein scheint.

Natürlich kann man einen Herrscher aus biblischen Zeiten nicht so ohne weiteres mit den Regierenden heutiger Tage gleichsetzen. Doch ist es nach wie vor die Frage, nach welchen Kriterien Entscheidungen, die andere Menschen ganz konkret betreffen, gefällt werden. Schaut man auf den nächsten Wahltermin, das Partei- oder Klientelinteresse oder hat man das ganze Gemeinwohl in Gegenwart und Zukunft im Blick, wenn man Teile staatlichen Handelns an der Gesellschaft ändert (oder ändern muss)? Ob dies nun im Bereich der Gesundheits-, Sozial-, Arbeitsmarktpolitik ist oder in anderen Bereichen. Was ist gut oder böse (das war noch die Frage Salomos), was ist gerecht, was ungerecht (das ist die Frage heute).

Eine Frage, die sicher nicht immer leicht und schon gar nicht für alle Zeiten gültig beantwortet werden kann. Umso wichtiger ist die persönliche Haltung, mit der man an solche Fragen und Entscheidungen heran geht. Salomo war demütig, das heißt für mich: er konnte von seinen persönlichen Interessen absehen, ihm war das Allgemeinwohl, das Gefühl seines Volkes, dass es gerecht unter ihm zuging, wichtiger als kurzfristige und kurzlebige Erfolge.

Dies wäre ein Hinweis für heutige Entscheidungsträger in unserer Gesellschaft. Doch auch für jede und jeden von uns. Denn nicht nur Politikerinnen und Politiker sind oft genug stärker von anderen Interessen als dem Gemeinwohl geleitet, sondern auch wir als Bürgerinnen und Bürger dieser Gesellschaft mit ihren vielen Interessengemeinschaften. Umdenken im Sinne Salomos täte uns wohl allen gut!

Als konkretes Beispiel fällt mir dazu auch die derzeitige Ölkatastrophe vor den Küsten der USA ein. Hier haben Regierungsapparat und Industrie im Vorfeld der Bohrung alle Bedenken und Einwände über Bord geworfen, um wohl vornehmlich Profitinteressen befriedigen zu können. Kurzfristiger Profit war wichtiger, als die Zukunft von Mensch und Natur. Natürlich kann man in unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsform auch hier eine gewisse Orientierung am Allgemeinwohl (shareholder value, Unwilligkeit Vieler sich energie-, verkehrsmäßig usw. umzustellen) behaupten. Doch die Frage, die nicht erst angesichts dieser Katastrophe gestellt werden muss ist: Sind das wirklich die leitenden Werte bei Entscheidungen solchen Ausmaßes oder müssten hier nicht eher Sicherheit für Mensch und Natur für eine Umwelt, die auch noch als Lebens- und Arbeitsraum zu nutzen ist, im Vordergrund stehen? Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon – so formuliert es Jesus. Gerade für Christen eine weitere Entscheidungshilfe in den Fragen unserer Zeit.

 

Römer 8, 28 – 30

Die ausgewählten Verse sind ohne den größeren Zusammenhang (Römer 8, 18 – 30) nur schwer zu verstehen und werden m.E. auch eines inhaltlichen Schwerpunktes beraubt.

Vers 28 greift zurück auf Vers 18, in dem Paulus andeutet, dass die christliche Gemeinde leidet, d.h. unter Verfolgung und Bedrückung zu leiden hat. Paulus redet das nicht klein, aber er sieht das ganze menschliche Leben, ja das Leben überhaupt in einen viel größeren Horizont: Dem Horizont der Hoffnung auf Gottes Heilshandeln an den Menschen und der ganzen Schöpfung. So kann er sagen, dass für diejenigen, die Gott lieben – die also voller Vertrauen, aus ganzem Herzen und ganzer Seele, ohne irgendwelche Hintergedanken Gott lieben – gelten wird, dass auch leidvolle und schwierige Erfahrungen in einem Leben zum Guten zusammenwirken (Klaiber, S. 155) Dabei denket Paulus nicht an schnelle Lösungen und sagt nicht, dass für Christen immer alles sofort gut wird. Aber er ist überzeugt, dass in der Hand Gottes alles, was geschieht, in den Weg zum guten Ziel unseres Lebens integriert wird (Klaiber, ebd.)

Dabei ist ihm wichtig, dass Gottes Berufung, Gottes Zuspruch und Liebe zu uns unsere Zugehörigkeit und Liebe zu ihm begründet und nicht umgekehrt! Gottes Aktion geht unserer Reaktion voraus und darin liegt die Gewissheit, dass wir zu ihm gehören (vgl. auch Röm 5, 8 f., Klaiber, ebd.) Vor diesem Hintergrund sind die Verse 29 und 30 als konsequentes Heilshandeln Gottes zu verstehen, das ein Ziel für diejenigen beinhaltet, die zu Gott gehören, das auf die vorausgegangenen Verse zurückverweist: „..dem Bild seines Sohnes gleich gestaltet zu werden…“ (Vers 29). Hier ist von der wahren Bestimmung des Menschen die Rede, die schon ganz am Anfang der Bibel genannt wird: Gottes Ebenbild zu sein, bzw. zu werden. Dies wäre dann der Fall, wenn Menschen tatsächlich in seinem Sinn und Geist die Erde bebauten und bewahrten.

Doch alles andere als das ist ja bekanntlich bis heute der Fall. Wir haben sie ins Gegenteil verkehrt. Für Paulus beschränkt sich Leiden bei Weitem nicht auf die menschliche Existenz. Die macht er in den Versen Röm 8, 19 ff. überaus deutlich. Die ganze belebte Schöpfung ist dem Leiden unterworfen, ist aus einem Ort der Lebensfülle zum Kampfplatz ums Überleben geworden (vgl. Gen. 3, 17 ff.) Dies hat Gott gemacht! Als Konsequenz aus der Tatsache, dass Menschen ihren gottgegebenen Auftrag nicht erfüllen. Und so wartet die ganze Schöpfung darauf, dass wir als Töchter und Söhne Gottes endlich zu unserer Bestimmung finden. „Da kann sie lange warten“ werden Skeptiker nun vielleicht einwenden. Doch die Perspektive wird auch hier von Gott gesetzt: Hoffnung. Hoffnung darauf, dass Gott uns auf diesem Weg icht alleine lässt und uns zu unserer Bestimmung führt, so dass sein Heil am Ende nicht nur für uns, sondern eben für die ganze Schöpfung zum Tragen kommt.

Nun hatten die Menschen früherer Jahrhunderte ein anderes Verhältnis zur Natur, zur Kreatur und ihrem Leiden, ihrer Bedrohung. Noch Adolf Schlatter konnte fragen: „Haben Sie schon einmal einen Kohlkopf seufzen hören?“ Um so interessanter ist es, woher Paulus die Gewissheit nimmt, dass die Christen in Rom diese für die Antike ungewöhnliche Einsicht teilen könnten. Wie dem auch sei: In unserer Zeit können wir diese Verse nicht hören und verstehen, ohne an das vielfältige Leid gequälter Tiere, die Zerstörung von Lebensräumen, das nach wie vor ungebremste Artensterben zu denken und unsere Verantwortung dafür wahr- und anzunehmen. Gerade die Gewissheit, dass Gott auch durch Schwierigkeiten und Leiden hindurch ans Ziel führt, sollte uns Christen wach dafür machen, auch das Leiden anderer Geschöpfe Gottes wahrzunehmen. Auch sie will und wird Gott ans Ziel führen. Nun spricht Paulus natürlich nicht von Aktionen zugunsten der bedrohten Schöpfung. Das war nicht der Horizont seiner Überlegungen. Aber was er hier an dieser Stelle zur Solidarität mit der leidenden Schöpfung sagt, kann aus heutiger Sicht nicht ohne Auswirkungen auf ein verantwortliches Handeln zu deren Gunsten bleiben. (Klaiber, S. 157)

Eine Predigt (vielleicht bei einem Gottesdienst im Grünen) wird bestimmt konkrete Beispiele bedrohter Schöpfung aufnehmen und möglicherweise auch Handlungsoptionen für den einzelnen aufzeigen. Unter Umständen könnten Gottesdienst und Predigt mit einer konkreten Aktion verknüpft werden, die anschaulich macht, wie einfach es sein kann, im eigenen Umfeld der Schöpfung zu helfen (Stichworte Nisthöhlen, Insektenhotel etc, die im Vorfeld hergestellt werden und dann aufgehängt / aufgestellt werden könnten. Eine schöne Möglichkeit auch Kinder aktiv in den Gottesdienst mit einzubeziehen.).

 

Matthäus 13, 44 – 52

Eine dichte Zusammenstellung von drei Gleichnissen (Verse 44 – 50) bestimmt den Text. Jedes Für sich allein wäre eine Predigt wert. Doch in der Zusammenschau lässt sich eine inhaltliche Linie über den ganzen Text hinweg feststellen. Geht es in den Gleichnissen vom verborgenen Schatz und der Perle um das menschliche Handeln angesichts der Chance am Himmelreich teilhaben zu können, so steht im Gleichnis vom Schleppnetz das Endgericht im Mittelpunkt (vgl. Luz, S. 349 ff.) Die beiden ersten Gleichnisse sollen illustrieren, dass es darauf ankommt, was jemand tut, der erkennt, dass er am Himmelreich teilhaben kann. Die beiden Handelnden in den Gleichnissen verkaufen jeweils alles, was sie haben, um an den Schatz bzw. die Perle zu kommen. Hier wird durchaus das Thema Besitzverzicht (wenn auch nicht ausschließlich) angesprochen, der für Matthäus auch ein Teil des Wegs zur Vollkommenheit ist, der durch die Liebe gestaltet wird (Luz, S. 354).

Hier ist natürlich bereits eine große Anfrage an uns als Bürgerinnen und Bürger eines der reichsten Länder der Welt (bei allen materiellen Problemen, die auch Menschen in Deutschland haben): Wo legen wir unseren Schwerpunkt: Auf die Teilhabe am Himmelreich oder auf die Sicherung des mehr oder weniger großen Wohlstands, den wir besitzen? Wo liegen unsere Prioritäten? Eine quälende Anfrage an uns alle, die sicher nicht einfach und oberflächlich zu beantworten ist. Auch nicht mit dem Hinweis auf die völlig anderen Umstände, unter denen wir leben und die vielen Sachzwänge, die es uns unmöglich machten, aus unserem System so ohne weiteres auszusteigen.

Im Gleichnis vom Schleppnetz geht es wie gesagt um das Endgericht. Dabei ist nicht von Sammlung und Scheidung, sondern von der Scheidung des zuvor Gesammelten die Rede. Die Bösen werden von der Erde entfernt, das Schicksal der Gerechten bleibt hier offen. Das Schleppnetz kann nicht einfach mit der Kirche (so die Auslegung der alten Kirche) identifiziert werden. Sie gehört vielmehr mit zum Fang dazu und es wird sich zeigen wo sie wahre Kirche gewesen ist oder eben nicht. Wichtig ist auch hier der Akzent, dass jeder es in der Hand hat, wo er einst sein wird. Allerdings soll der Hinweis auf das Vernichtungsgericht, das auch der Gemeinde bevorstehen kann, sie in Bewegung bringen und gerade nicht ängstlich machen und lähmen (Luz, S. 361)

Die Verse 51 f. lassen sich vor dem Hintergrund verstehen, dass Matthäus in der Situation nach dem Bruch mit Israel die Zusammengehörigkeit von Altem Testament und der Geschichte Jesu besonders wichtig war. Diese Kontinuität aufzuzeigen ist die Aufgabe der Schriftgelehrten (über die allgemeine Aufgabe der Verkündigung vgl. Mt 28, 19 f. hinaus). Im Alten das Neue entdecken und das Neue an Vertrautes anknüpfen, das ist die Aufgabe des Prediger (Luz, S. 361) – damals und auch heute.

Unsere drei Gleichnisse bieten sicher reichlich Gelegenheit zur Kritik an bestehenden Verhältnissen (z.B. Armut – Reichtum in den beiden ersten, Missbrauch von Kindern und Jugendlichen das dritte). Dabei besteht immer die Gefahr, sich selbst zu überschätzen und sich zum Richter zu machen oder zum Pharisäer zu werden, der Gott sei Dank ja nicht so schlecht ist wie der Zöllner. Dieser Versuchung muss widerstanden werden (Richtet nicht!) – dabei gutes Gelingen!

Andreas Gutting, Albersweiler

Literatur

Haenchen, Ernst, Das Johannesevangelium, Tübingen 1980

Ketter, Peter, Die Königsbücher, Herders Bibelkommentar, Freibug 1953

Noth, Martin, Bibl. Kommentar AT, Könige, Bd. IX/ 1

Klaiber, Walter, Der Römerbrief, Neukirchen-Vlyn, 2009

Wilckens, Ulrich, Der Brief an die Römer, EKK, 4. Auflage 2003

Luz, Ulrich, Das Evangelium nach Matthäus, Bd. 2, EKK, 1990

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