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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

3. Sonntag nach Trinitatis / 15. Sonntag im Jahreskreis (10. Jul. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 15, 1-7 (8-10)

Jes 55, 10-11

Röm 8, 18-23

Mt 13, 1-23

 

Der Autor betrachtet den evangelischen Predigttext und die 1. und 2. katholische Lesung. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Lukas 15, 1-10: Armut und Reichtum, Faire Preise für Lebensmittel, Gottes Wertschätzung gegenüber jeder / jedem einzelnen und der gesamten Schöpfung; Jesaja 55, 10+11: Die Zuverlässigkeit der Natur entspricht der Zuverlässigkeit des Wortes Gottes – Können wir Menschen das in Gefahr bringen? Römer 8,18-23: Unser Schicksal, unsere Vergänglichkeit sind eng mit der Schöpfung verknüpft. Aber auch unsere Hoffnung ist eine Hoffnung für die ganze Schöpfung.

 

Lukas 15, 1-7

„Dran bleiben! – Nicht locker lassen“ – so könnte man das auf den Punkt bringen, was dieser Mann macht, der dem einen Schaf nachgeht und so lange sucht, bis er es gefunden hat, bzw. was diese Frau macht, die so lange das ganze Haus auf den Kopf stellt, bis sie das Geldstück gefunden hat. Heute fällt vielen Menschen wohl gar nicht auf, ob sie einen Euro mehr oder weniger in der Tasche haben. Wer bückt sich denn heute noch auf der Straße, um ein 10 Cent – Stück aufzuheben? Aber Vorsicht! Hier lohnt es sich, etwas genauer hinzusehen: Was verstehe ich eigentlich unter Armut und Reichtum? Welche Menschen hören meine Predigt? Wie stufe ich mich selbst ein? Wie stufen sich die Predigthörer ein? Eher arm oder eher reich? Gibt es in meinem Gottesdienst unter den Predigthörern vielleicht doch einige, die jeden Euro zweimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben?

Auf der anderen Seite gelten Pfennigfuchserei, Schnäppchenjagd und „billiger, billiger“ als Volkssport – und nicht nur bei denen, die auf jeden Euro achten müssen. „Geiz ist geil!“ – ein Werbeslogan, der sich ganz tief in das Bewusstsein vieler Menschen eingeprägt hat. Billige Waren – besonders billige Lebensmittel – werden unter ihrem Wert verkauft. Das ist noch längst nicht allen Konsumenten klar. Nicht nur die Produktionsbedingungen werden durch dieses Preisdumping menschenunwürdig (auf diesen Missstand machen seit vielen Jahren die „Eine-Welt-Läden“ mit dem Fairen Handel aufmerksam), sondern auch mit den pflanzlichen und tierischen Ressourcen wird Raubbau betrieben. Solange solche „Billigwaren“ und „Billiglebensmittel“ gekauft werden, werden sie auch vertrieben.

Ich plädiere bei diesem Bibeltext dafür, den besonderen Wert zu betonen, den das Schaf für den Mann, die Silbermünze für die Frau besitzt. Das ist auch der eigentliche Vergleichspunkt dieses Gleichnisses: So wertvoll wie das Schaf für den Mann, die Münze für die Frau ist, so wertvoll ist jede(r) einzelne in Gottes Augen. Die Hochachtung gegenüber unseren Mitmenschen, unseren Mitgeschöpfen und unserem Lebensraum entspringt der Wertschätzung Gottes, die wir glauben und erfahren.

 

Jesaja 55, 10+11

Ein kurzer Text, der die Wirksamkeit (und die Nachhaltigkeit) von Gottes Wort mit der Zuverlässigkeit von Regen und Schnee vergleicht, die die Erde tränken und so den Kreislauf von Säen und Ernten stabilisieren. Dieser Kreislauf ist ja kein Automatismus, sondern erfordert menschliche Arbeit „im Schweiße deines Angesichtes“ (Genesis 3, 17-19). Der Regen wird fallen und die Erde tränken. Aber nur, wenn der Mensch sät und erntet, gibt es Nahrung.

Der Frage könnte nachgegangen werden, in wie weit der Mensch heute in der Lage ist, diese Zuverlässigkeit von Regen und Schnee in Gefahr zu bringen. Durch Erderwärmung, Luftverschmutzung etc. verändert sich das Klima der Erde. Regionen, in denen bis vor kurzem noch Ackerbau möglich war, vertrocknen und werden zu Wüstenregionen. Ganze Lebensbereiche werden durch die Erderwärmung zerstört, ganze Tierarten dadurch ausgelöscht.

Der Mensch ist also in der Lage, durch sein Handeln die Zuverlässigkeit von Regen und Schnee in Gefahr zu bringen. Kann der Mensch durch sein Handeln auch die Wirkkraft von Gottes Wort in Gefahr bringen?

Diese Verse sollen eine Verheißung sein! Das ist in den nachfolgenden Versen 12+13 gut zu erkennen: „Ihr sollt mit Freude ausziehen und mit Frieden geleitet werden…“ Entlassen wir die Predigthörer nicht mit moralisierenden Aufrufen oder mit dem Klagen über den verhängnisvollen Zustand unserer Umwelt. Erinnern wir sie an die Verheißung! Motivieren wir sie, unseren Teil dazu beizutragen, dass Regen und Schnee auch zukünftig vom Himmel fallen, und dass Gottes Wort gelingen wird, wozu es gesandt ist! Denn wenn wir zu Gott umkehren, „so wird Gott sich liebevoll zeigen“ (Vers 7b).

 

Römer 8, 18-23

Ganz deutlich wird in diesem Text die Verwobenheit unserer „Knechtschaft der Vergänglichkeit“ mit der Schöpfung, die auch der „Vergänglichkeit unterworfen ist“; ebenso wird die Schöpfung mit uns zusammen erlöst werden. Das ist unsere Hoffnung!

Mit der Betonung dieser Hoffnung lässt sich der Text gut an die Auslegung von Jesaja 55, 10+11 anbinden. Je genauer wir hinsehen, desto stärker erleben wir unsere Welt – die Schöpfung – in Seufzen. Vielleicht kann hier die Luther-Übersetzung des Verses 22 einen wichtigen Aspekt hinzu geben: „Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet.“ (Einheitsübersetzung: „und in Geburtswehen liegt.“) Eine diffuse Angst vor den möglichen Konsequenzen des Klimawandels ist bei vielen Menschen zu finden. Es wird immer erkennbarer, wie sehr das Schicksal der Menschen mit dem Schicksal der ganzen Schöpfung verknüpft ist. Im Roman „Der Schwarm“ von Frank Schätzing wird dieser Zusammenhang beklemmend ausgemalt.

So sehr wir als Christen auch die Verantwortung haben, auf die Missstände in der Welt hinzuweisen, so müssen wir uns dennoch nicht Horrorszenarien und Weltuntergangsfantasien hingeben und diese verbreiten. Denn wir haben zugleich Hoffnung: für uns und für die ganze Schöpfung!

Rainer Gertzen, Essen

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