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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

11. Sonntag nach Trinitatis / 23. Sonntag im Jahreskreis (4. Sep. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mt 21, 28-32

Ez 33, 7-9

Röm 13, 8-10

Mt 18, 15-20

 

Die Autorin geht auf die Predigtperikope der ev. Reihe und den 2. Lesungs- und Evangeliumstext der kath. Leseordnung ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: wissen, was getan werden müsste, aber es dann nicht tun (Mt 21); als Christin und Christ der Schöpfung, der Gerechtigkeit und dem Frieden mehr verpflichtet sein als dem Staat (Röm 13); christl. Umgang mit Konflikten, Vorwürfen und Kritik als Grundlage für Frieden (Mt 18)

 

Stellung im Kirchenjahr

Ein unauffälliger Sonntag in der Trinitatiszeit, nach der neuen pfälzischen Agende hat er das Leitbild: Aus Gnade zu neuem Leben – Pharisäer und Zöllner. Der Wochenspruch (1. Petrus 5, 5c: "Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade" und das Wochenlied: „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ unterstreichen das Thema.

 

Mt 21, 28-32

Exegetische Überlegungen

Die Perikope verbindet den Text über die Vollmacht Jesu (Mt 21, 23-27) und die folgenden Gleichnisse. Es geht um den Ernst der Entscheidung und die Chance zur Umkehr. In der vormatthäischen Überlieferung geht es vermutlich um die Gegenüberstellung der gesellschaftlichen Gruppen der Zöllner und Sünder, die ihre zweite Chance ergreifen, und die der Pharisäer und Schriftgelehrten, die Jesus ablehnen. Matthäus erweitert die vorliegende Interpretation und gibt der Parabel einen christologischen Akzent. In den beiden Söhnen stehen sich Glaube und Unglaube gegenüber, der erste Sohn tut Buße und denkt um, während der zweite die Chance verpasst.

 

Predigtimpulse

Die Geschichte ist sehr lebensnah, Jugendliche und alle, die mit Jugendlichen zu tun haben, können sich die Situation gut vorstellen. Deshalb würde ich auch ein konkretes Beispiel aus unserer Zeit als Predigteinstieg erzählen. Immer wieder neu muss die Frage bedacht und diskutiert werden, was wohl der Wille Gottes für uns heute ist, den wir aufgerufen sind zu tun.

 

Bezug zur Nachhaltigkeit

Selbstkritisch müssten wir zugeben, dass wir uns in Sachen Nachhaltigkeit oft ähnlich wie der zweite Sohn in der Geschichte verhalten. Wir haben oft genug ganz klare Vorstellungen davon, welches Verhalten vom Ökologischen her und weltpolitisch gesehen sinnvoll wäre und sind dann doch zu bequem oder zu schwach, es durchzuführen, und haben eine Menge Entschuldigungen vor uns selbst. Dennoch hoffen wir, dass wir auch immer wieder eine zweite Chance bekommen, so wie der erste Sohn.

 

Röm 13, 8-10

Exegetische Überlegungen

Der Text stammt aus dem problematischen Kontext von Römer 13, der Aufforderung, der Obrigkeit untertan zu sein und allen zu geben, was wir ihnen schuldig sind. Dabei geht es zunächst um die Erfüllung der Pflichten im Staat und in der Gesellschaft. Denn Christinnen und Christen sollen in allem verlässlich sein und sich in guter Art und Weise in die Gemeinschaft einbringen. Paulus führt den Gedanken dann in unserem Abschnitt weiter, indem er von der Liebe spricht. Im Bereich des menschlichen Zusammenlebens ist es die Liebe, die nie abgegolten wird, sondern immer wieder Aufgabe und Auftrag bleibt. In diesem Zusammenhang erinnert Paulus an das eine Gebot, das alle Gebote zusammenfasst – nämlich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.«

 

Predigtimpulse

Wir bleiben uns gegenseitig vieles schuldig. Oft unbewusst und ohne es zu wollen. Manchmal aber auch wider besseres Wissen. Immer wieder aufs Neue ist es nötig, die Liebe in die Tat umzusetzen. Denn es gibt noch so viel zu tun in unserer Welt, um Gottes Liebe eine Wirklichkeit zu machen, die für alle spürbar und erfahrbar wird. Was wir für uns selbst als Recht in Anspruch nehmen, das sollen wir auch anderen zugestehen. Was wir nicht erleben möchten, das sollen wir auch anderen nicht zumuten. So, wie wir für uns selbst alles Mögliche tun und alle Mittel einsetzen, damit unser Leben gelingt und wir geachtet werden, so sollen wir alle Kraft daran setzen, mit der gleichen Intensität unsere Mitmenschen zu lieben.

 

Bezug zur Nachhaltigkeit

Solange es so viel Ungerechtigkeit und Not in der Welt gibt, solange bleiben wir anderen etwas schuldig. Solange viele Menschen in der Welt nicht einmal Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, solange auch in Deutschland Kinder von Sozialhilfe abhängig sind, weil ihre Eltern zu wenig verdienen, um sie ernähren zu können, solange bleiben wir anderen Menschen etwas schuldig, was ihnen genauso zusteht wie uns selbst, nämlich ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden und Anteilhabe an den Gütern dieser Erde. Und wir schulden der Schöpfung, die Gott uns anvertraut hat, Respekt und verantwortlichen Umgang. Das hat dann auch Vorrang gegenüber jeglicher Loyalität gegenüber dem Staat. Wenn der Staat zum Beispiel umweltschädliche Politik macht, dann sind wir Gottes Schöpfung gegenüber mehr verpflichtet als dem Staat.

 

Mt 18, 15-20

Exegetische Überlegungen

Beim Vergleich verschiedener Übersetzungen fällt auf, dass es bei diesem Text ein textkritisches Problem gibt. Abhängig davon, ob in Vers 15 "eis se" zum Textbestand gerechnet wird (wie z.B. Lutherbibel u.a.) oder nicht (Einheitsübersetzung), bekommt der Abschnitt unterschiedliche Bedeutungen. (entweder: "wenn dein Bruder sündigt, dann ... " oder: "Sündigt aber dein Bruder an dir ...") Es geht also entweder um die Frage, wie die Gemeinde mit allgemeinen Verfehlungen Einzelner umgeht oder darum, wie Konflikte zwischen Gemeindegliedern behandelt werden.

Vor der Predigt muss eine Entscheidung getroffen werden, in welche Richtung wir den Text auslegen wollen. Ersteres macht die Sache m.E. noch problematischer, denn dann wird von uns ja gefordert, andere sozusagen von außen (von oben herab?) zurechtzuweisen. Im zweiten Falle ginge es jedoch eher darum, als Betroffene in einem Konflikt eine Lösung zu finden. Die Vorstellung, in einer Gemeindeversammlung einen solchen Konflikt zwischen Einzelnen zu besprechen oder gar eine einzelne Person zu tadeln, ist in unseren volkskirchlichen Gemeindezusammenhängen ganz und gar undenkbar.

 

Predigtimpulse

Ich finde es spannend über den Umgang mit Konflikten – nicht nur in der Gemeinde – zu predigen. Oft wird das Thema eher vermieden, weil es lange Zeit überhaupt als völlig unchristlich galt, zu streiten. Auf Gottes Liebe und das Vorbild Jesu zu vertrauen kann uns helfen, Streit zu schlichten.

"Die Wahrheit beginnt zu zweien" (Karl Jaspers).

"O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens" (Normandie um 1913)

Die andere Variante hat aber auch ihren Reiz, denn das heißt ja, sich damit auseinanderzusetzen, wie wir in der Gemeinde mit geschwisterlicher Kritik umgehen. Da gibt es ganz sicher viel zu lernen.

 

Bezug zur Nachhaltigkeit

Nachdem in den letzten Jahren auch in Deutschland Krieg wieder als politisches Mittel salonfähig gemacht worden ist, ist es mehr als notwendig, Menschen zum Frieden zu erziehen. Wir müssen im Kleinen beginnen und unseren Kindern und Jugendlichen beibringen, wie Streit geschlichtet werden kann und wie Konflikte gewaltfrei gelöst werden können. Dazu könnten wir als Kirchen einen wichtigen Beitrag leisten.

Es gibt immer wieder Situationen, wo wir selbst das Handeln eines Mitgliedes der Gemeinde für unchristlich oder umweltschädlich halten und nicht wissen, wie wir das der entsprechenden Person liebevoll, aber deutlich sagen könnten. Da spritzt zum Beispiel ein Landwirt, der ein wichtiger ehrenamtlicher Mitarbeiter ist, auf seinem Acker „Roundup“ und wir trauen uns nicht, etwas dagegen zu sagen, obwohl wir wissen, dass wir die Pflicht dazu hätten.

Martina Horak-Werz, Gommersheim

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