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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

6. Sonntag nach Trinitatis / 18. Sonntag im Jahreskreis (31. Jul. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

5 Mose 7, 6-12

Jes 55, 1-3

Röm 8, 35.37-39

Mt 14, 13-21

 

Die Verfasserin der Predigtanregungen geht nur auf die Texte der kath. Leseordnung ein. Stichworte zur Nachhaltigkeit: reflektieren auf das, was nährt und satt macht, nicht blind konsumieren um des Konsums als bloße Gewohnheit willens (Jes 55); zu wenig gibt es nicht – das Wenige dankbar anzunehmen ist der erste Schritt zum (Über-)Leben (Mt 14); „Ressource Gott“ – Kraft zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben im Kleinen und im internationalen Kontext (Röm 8)

 

Die Zeit im Jahreskreis

Die Sonne lässt die Tage jetzt hell und lang sein, wenn es gut geht, ist es angenehm warm, oder auch schwül und gewittrig. Gerne sind wir im Freien, genießen Wärme auf der Haut, das Grün und Blühen für die Augen, Wege unter unseren Füßen oder auch einen angenehmen Platz unterm Sonnenschirm mit einem gut gekühlten Getränk. Kurz gesagt: es riecht und schmeckt nach Sommer, Seele baumeln lassen und das Gut-sein der Schöpfung mit allen Sinnen aufnehmen.

Dieselbe Sonne verbrennt andernorts den Boden, lässt Regenwolken schon in großer Höhe verdunsten, so dass ein ausgemergelter Boden keine Früchte mehr trägt. Die ständige Sonne wird zu einer lebensbedrohlichen Plage. Die Menschen verhungern, verdursten, der tägliche Kampf mit den kargen Lebensbedingungen zehrt die Lebenskräfte auf.

Die Sonnenuhren der Finanzmärkte zeigen schattenlos ständig auf Arbeitszeit, der Wettbewerb läuft und per PC laufen Geschäfte round about the clock. Sonnenkollektoren sammeln in den Wüsten dieses ständige Brennen, um der Wirtschaft der westlichen Welt die benötigte Energiezufuhr zu liefern. Auf den Meeren drehen sich die modernen Windkraft-Mühlen. Wer nicht als ein Zu-spät-gekommener vom Leben bestraft werden will, muss sich mitdrehen. www.Sommerloch-entfällt.com. Dabei hungert und dürstet die Seele, der Mensch ist burnt out und auf lange Sicht keine Besserung in Sicht. Es ist Sommer und wir befinden uns mitten im Kirchenjahr.

 

Predigtimpulse aus den Texten der katholischen Leseordnung

Jes 55, 1-3

Berechtigt die Frage aus dem ersten Lesungstext des Deuterojesaja: „Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt und mit dem Lohn eurer Mühen, was Euch nicht satt macht?“ Was bezahlen wir nicht alles mit Geld…: die hübschen kleinen Dinge, die uns mit Farben und Formen verlocken – made in China oder Taiwan – die unsere Wohnungen zurümpeln und nur abgestaubt werden müssen; den dritten oder vierten Mantel – made in… – weil er schick ist; das neue Auto – made in… – weil wir das Alte ja abwrackprämieren können; die Deko für das nahe Weihnachtsfest – made in ... – weil dieses Jahr eine andere Farbe angesagt ist.

Wir kurbeln damit die Weltwirtschaft an, das ist das gute Gefühl dabei, und wer von uns macht sich dann schon Gedanken über die Arbeitsbedingungen, die Löhne, den Verschleiß wertvoller Rohstoffe… Es ist doch da, und ob ich es nun kaufe oder nicht – davon wird die Welt auch nicht besser. Um das klar zu stellen: ich selber stehe auch in dieser Erwerbskette und auch mir gelingt es nicht immer, die Aspekte der Nachhaltigkeit über ein hübsches Kleidungsstück zu stellen. Und ich bin auch nicht grundsätzlich dagegen. Doch ist es wohl für uns – die wir unter dem Zuspruch und Anspruch des Glaubens an den lebendigen Gott leben – hin und wieder notwendig, über die Auswirkungen unseres „normalen Lebens“ nachzudenken und uns am Maßstab der Schrift ausrichten und aufrichten zu lassen. Denn das mit Geld erworbene Vielerlei lässt uns nicht freier werden, erhebt nicht den Geist, sättigt die Seele nicht und macht uns nicht zu besseren Menschen. Immer wieder neu ist die Balance zwischen „haben“ und „sein“ neu aus zu tarieren.

Auf ihr Durstigen kommt alle zum Wasser!“ Jeder, der schon einmal richtigen Durst hatte, ahnt, wie wunderbar es ist, so einen Ruf zu hören! Kann der mich wecken, meinen eigenen Lebensdurst wieder wahr zunehmen? Lässt er mich wieder etwas verspüren von meinem tieferen Durst, meinem tieferen Hunger nach Erfahrungen, die mich nähren und mich darüber hinaus mit allen Menschen verbinden?

Wasser.. Getreide.. Wein.. Milch.. fette Speisen..“Bilder, die die deuterojesajanische Prophetenschule benutzt, um beim Volk in der Verbannung, im Exil in Babylon, neu den Geschmack an seinem Gott zu wecken, die Sinne für Jahwe zu schärfen. Nur der Bundesgott vermag zu nähren. Nur wer sich Ihm zuwendet, kann die Fülle Seiner Zuwendung verkosten, kann das Leben in Seiner VerBUNDenheit neu schmecken, sich als Verbündeter auch seinem Bruder, seiner Schwester zuwenden. Leben im Raum des Bundesgottes ist immer mit-menschliches Leben. Dann „habe“ ich nicht für mich – sondern ich „bin“ für und mit den Anderen; Und das, was wir gemeinsam „haben“ an den Gütern dieser Erde, ist nur geteilt für alle genug.

Hört, dann werdet ihr leben.“ Ihm glauben, auf Ihn hören, sich in Ihm festmachen – immer wieder ist das die Botschaft der prophetischen Mahner und Rufer – nur so kann Leben gelingen, kann der Einzelne und das Ganze genährt werden und in gerechtem Ausgleich leben. Möglicherweise hat doch die postmoderne Gottvergessenheit der sog. zivilisierten Welt etwas zu tun mit der zunehmend rücksichtslosen Ausbeutung der Menschen und Erdgüter?

 

Mt 14, 13-21

Das Handeln Jesu ist Fortführung und Zuspitzung dieser Glaubenshaltung des ersten Testamentes. Das willkürliche und ungerechte Handeln des Despoten Herodes an Johannes dem Täufer treibt Jesus in die Einsamkeit. Da er sich dem prophetischen Vorläufer sicher tief verbunden fühlte, ist dessen brutale Ermordung Schock und Hinweis in Einem: weh dem, der sich den Mächtigen dieser Erde, gleich wo sie zu finden sind, in den Weg stellt. Ein Freund ist tot. Zugleich ahnt Jesus, dass sein eigener Weg auf ähnliche Weise die Pläne der Mächtigen durchkreuzt und sein eigenes Leben bedroht. Da braucht es Stille, allein sein, um mit sich selber und dem Wirrwarr an Gedanken vor Gott ins Reine zu kommen.

Zunehmend sensibel reagieren die Menschen heutzutage auf das oft willkürliche und ungerechte Handeln der Mächtigen unserer Zeit in Politik und Wirtschaft, für deren Misswirtschaft immer die Ärmsten bezahlen. Wenn wir diesem System, das allzu oft nur noch um sich selbst kreist, nicht mehr durch Wahlen entgehen können - wohin werden wir uns wenden? Ist der biblische Gott mit seiner umfassenden Hinwendung gerade zu den Ärmsten eine konkrete Option – selbst bei den sog. Frommen? Glauben wir Ihm, dass auch heute noch in der Hinwendung zu Ihm Klärung, Reinigung des Geistes, kreative Lösungen zu erreichen sind?

Damals jedoch ist die heilmächtige und sinnstiftende Gegenwart Jesu den Menschen schon viel zu wichtig, als dass sie ihn einfach gehen ließen. Sie ahnen, wohin er will und sind ihm voraus. Als er mit dem Boot ankommt, sind sie bereits da und wollen „haben“: das nährende Wort, die heilsame Geste, einfach seine Nähe. Und Er gibt. Er lässt sich von ihrem Durst und ihrem Hunger berühren, Er sieht sie und „hatte Mitleid mit ihnen.“ Sie gehen Ihm zu Herzen und Er heilt. Dabei gibt Er immer sich, Er teilt aus von dem, was ihm selber vom Vater gegeben ist.

Doch die Kräfte des Tages und der Menschen neigen sich – es wird Abend. „Schick doch die Menschen weg, ..“ – sicher, in der Begründung wird die Sorge für ihr leibliches Wohl genannt - aber gibt es nicht auch diesen gewiss berechtigten Wunsch: nun ist es aber mal gut. Es wird ja wohl mal Zeit, für sich zu sein. Die Jünger wollen auch „haben“ - nämlich ihre Ruhe. Die Zeit, in der wir heute leben, lässt uns im Grunde keine Ruhe mehr. Ständig will irgendjemand irgendetwas haben per Mail oder SMS – und wenn es nur die Antwort ist. Und um so mehr sprießen Wellness Angebote aus allen Ritzen: die kleine Erholung da oder dort. Wellness beim Joghurt, bei der Mühlenwurst, beim neuen Grillbesteck. Schon sind wir wieder drin in der Spirale, die die Weltwirtschaft diktiert und verlieren aus dem Blick, dass uns ein ganz Anderer im Blick hat. Der sieht, was wir in der Tiefe brauchen. „Frieden lasse ich euch zurück, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, ich gebe euch…“ (Joh 14, 27 ) Lassen wir uns von Ihm geben?

Die eigentliche Zumutung für die Jünger kommt jetzt erst: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Dabei ist wenig genug da, kaum reicht es für den Eigenbedarf: fünf Brot und zwei Fische. Doch Jesus nimmt das Wenige an. Er dankt dafür. Er bricht das Brot, gibt es den Freunden mit dem Auftrag es weiter zu geben. Es sind ganz klar „eucharistische Gesten“: das Annehmen - zum Himmel aufblicken - den Lobpreis sprechen - das Brechen - das Geben - das Weiter-geben. Die manchmal fast selbstverständlichen Gesten der religiösen Feier sind gedeckt vom Leben, in ihnen ist Leben verdichtet. Eine wesentliche Grundhaltung Jesu leuchtet darin auf: zu wenig gibt es nicht. Was ich als das mir Gegebene dankbar annehme, daraus kann ich, daraus können die Anderen leben.

Das hat Gültigkeit für alle Lebenssituationen! Annehmen. Und sei es noch so wenig, sei es noch so unscheinbar, sei es noch so schwierig, unzureichend, ungenügend. Annehmen. Der dankbare Aufblick zum Himmel: wissen, dass alles, was gegeben wird, von Ihm kommt und wenn ich es von Ihm annehme, kann sich die darin verborgene Fülle entfalten. Das hat rein gar nichts mit Zauberei oder Mystizismus zu tun. Es geht lediglich von der realen Wirkmächtigkeit des lebendigen Gottes aus, der da ist. Und nichts ist da, das nicht aus Seiner Fülle käme und von daher lebt.

Im Grunde brauchen wir nicht mehr, immer mehr. Wir brauchen Glauben. Den Jesusglauben. Das, was gegeben ist, kommt vom Vater und ist genug, wenn wir es uns selber geben lassen und weiter geben. Die Habe der Welt ist nicht gedacht zum „haben“, „behalten“, „konservieren“, sondern zum „weiter geben“, „austeilen“ und um zu werden, die wir sind: Gottes Kinder.

Es ist realpolitisch die totale Utopie: aber die Welt der Kinder Gottes hätte von allem genug. Und doch ist es schon genug, an irgendeiner Ecke dieser Welt, so wie damals im politisch und wirtschaftlich unfreien Israel, am See Gennesareth, einen Schritt zu tun, einmal aus einer solchen Haltung zu handeln, einmal so zu vertrauen, und die Welt im Ganzen wird davon ein wenig mehr leben können.

 

Röm 8, 35.37-39

Was in Jesus Handeln durch klare Worte und schlichte Gesten zum Ausdruck kommt, ist nichts anderes als jene tiefe, alles umfassende Liebe des Vaters, von der Paulus bekundet, dass nichts, rein gar nichts uns von ihr trennen kann.

Mitten in all den Schreckenszenarien, die uns die Nachrichten aus aller Welt liefern, die selbst und fremd Verschuldeten; die Folgen, die unser Handeln ökologisch weltweit hervorruft, mitten darin tut es not, den Menschen immer wieder zuzurufen:  „All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.“  

Denn so sehr wir dringend ein neues Bewusstsein für die weltweiten Probleme und ihre kreative Bewältigung brauchen, ebenso brauchen wir dringend eine echte Ressource, aus der heraus bestanden werden kann, was uns zu bestehen aufgegeben ist. Aus welcher Kraft sonst lässt sich aushalten, was wir aus Machtstreben, Profitsucht und oft genug gedankenlos Menschen, Tieren und der Schöpfung angetan haben und antun?  „Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe…“  nichts von alle- dem, was ist, hat Macht uns zu trennen von dieser unerklärbar einmaligen „Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“

Mehr denn je scheint mir wichtig zu werden: auf welchem Weg kann der / die Einzelne diese Liebe Gottes in Christus Jesus erfahren? Wie kann sie in ihm zur Realität werden, die sein ganzes Wesen durchdringt wie klares Wasser? Wie kann das Zeugnis der erfahrenen Liebe Jesu, das im schlichten Alltag verwurzelt ist, so geteilt werden, dass am Ende 12 Körbe voll übrig bleiben, um sie an die hungernden Menschen auszuteilen?

Gabriele Panning, Heusenstamm

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