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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

8. Sonntag nach Trinitatis / 20. Sonntag im Jahreskreis (14. Aug. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Jes 2, 1-5

Jes 56, 1.6-7

Röm 11, 13-15.29-32

Mt 15, 21-28

 

Der Verfasser betrachtet den ev. Predigtext und den kath. Evangeliumstext und dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit. Gemeinsames Thema ist der Umgang mit verschiedenen Kulturen. Stichworte: Mittel und Wege finden, den Frieden zwischen Völkern zu erreichen, Sehnsucht nach dem Frieden erwecken (Jes 2); in der Auseinandersetzung mit Fremden dazu lernen, Vorurteile überwinden (Mt 15)

 

Zeit im Kirchenjahr

Der Sonntag liegt im Spätsommer. In manchen Bundesländern sind die Ferien zu Ende, in anderen dauern sie noch an. Viele sind schon aus den Ferien zurückgekehrt und haben Eindrücke aus anderen Ländern und Kulturen gewonnen. Das lässt auf eine Offenheit gegenüber Fremdem hoffen. Vielleicht ist in der Ferienzeit die Bereitschaft gewachsen, Andersdenkenden unvoreingenommener und freier zu begegnen.

 

Themen der Schrifttexte

In Jes 2, 1-5 wird die Vision des Ende des Krieges zwischen den Nationen beschrieben. Das bekannte Wort der Schwerter zu Pflugscharen und Speere zu Winzermessern steht hier geschrieben. Es stellt sich die Frage nach der Aktualität und Übertragbarkeit in unsere Situation.

In Jes 56, 1.6-7 geht es um die Bedingungen für das Heil, das von Gott kommt. Auch die Offenheit für Fremde, über das eigene Volk hinaus, wird angesprochen. Sie sind bei gottgefälligem Leben nicht vom Heil ausgeschlossen. Dies ist nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil eine wichtige Nachricht.

In Röm 11, 13-15.29-32 behandelt Paulus die Frage, wem Jesus das Heil bringt. Nur dem Volk Israel oder auch allen anderen. Der Gott Israels erbarmt sich aller Menschen, gleich welcher Nation oder Herkunft.

In Mt 15, 21-28 geht es um die Bitte der kanaanäischen Frau, ihre Tochter vom Dämon zu befreien. Jesus begegnet dieser Fremden zunächst ablehnend. Das verwundert. Aber auch hier werden Grenzen überwunden. Der Grund liegt im großen Glauben der Frau.

Der rote Faden zwischen den Texten scheint mir in der Spannung und den Gegensätzen zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen und deren Überwindung zu liegen. Im folgenden sollen die Texte Jes 2, 1-5 und Mt 15, 21-28 näher betrachtet werden.

 

Jes 2,1-5

Exegetische Bemerkungen

Das Buch Jesaja weist vielfach darauf hin, dass Israel zu Gunsten der Wege JHWHS’s seine eigenen Pfade verlassen soll. Von Zion aus soll eine Bewegung in Gang kommen. Dabei bewegen sich die Völker horizontal und vertikal. Sie sammeln sich und ziehen gemeinsam hinauf. Es stellt sich die Frage, ob ein eschatologischer Endzustand angesprochen wird, oder eine ferne, aber zu erreichende Zukunft beschrieben wird.

Das Umschmieden der Waffen zu Werkzeugen setzt ein Unbrauchbarmachen voraus. Schwerter zu Pflugscharen und Speere zu Winzermessern bedeutet ein Umnutzen für Ackerbau und Weinlese. Die Metapher Pflug und Winzermesser beschreiben den gesamten Prozeß von der Aussaat bis zur Ernte. Die Abkehr von Gewalt kontrastiert die weltweite Neigung, bei Meinungsverschiedenheiten sofort zum Schwert zu greifen. In Jes 1, 8-10 wird drastisch beschrieben, wie es der gottlosen Stadt geht. Das Wandeln im Lichte Gottes ist eine Metapher für das Heil, das von Gott bewirkt wird.

 

Predigtgedanken

Beim Thema „Schwerter zu Pflugscharen“ denkt mancher an die Plastik, die die UdSSR der Uno im Jahre 1957 übergeben hat. In der DDR war das Symbol als Aufnäher der Friedensbewegung im Umlauf. Auf dem Kirchentag in Wittenberg 1983 setzt ein Schmied den Bibelspruch in die Tat um.

All diese Aktionen wurden stark beachtet und riefen zum Teil heftigen Widerspruch hervor. Die Kommentare sind unterschiedlich: Wer zur Entwaffnung aufruft, gilt als suspekt oder bestenfalls als Träumer. Frieden und Einheit wird es erst am Ende der Tage geben. Hier wird ein Bild der kommenden Welt gezeichnet. Andere meinen, Frieden muß jetzt beginnen. Der Einsatz muß total und radikal erfolgen. Nachfolge und Hören auf das Wort des Herrn duldet keine Halbheiten.

Es gibt das Phänomen, dass sich sowohl Kriegsgegner als auch Soldaten auf die Bibel berufen. Diese Spannung ist nicht zu nehmen und da gibt es auch kein Schwarz-Weiß. Bei dem Wort geht es nicht um Aktionismus. Es geht um die Beschreibung der großen Hoffnungsperspektive und den Weg dorthin. Dazu braucht es das Hinhören und Umsetzen. Ohne Vision wird sich nichts bewegen, das Ziel vor Augen, werden Mittel und Wege deutlich. Es gilt das Wort von Saint-Exupery: „Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, unendlichen Meer.“

 

Mt 15, 21-28

Exegetische Bemerkungen

Im Schrifttext liegt das Glaubensverständnis von Israel als dem auserwählten Volk zu Grunde. Die Kinder Israels sind die Kinder Gottes. Die nicht zum Volk gehörenden stehen außerhalb, sind keine Kinder, werden sogar als Hunde bezeichnet. Jesus macht in der geschilderten Perikope eine Entwicklung durch. Er entdeckt, dass auch außerhalb des Volkes Israel ein großer Glaube vorhanden ist. Von diesem Glauben ist das Heil abhängig, nicht von der Zugehörigkeit zum Volk Israel. Der Glaube der Frau ist groß und hält stand. Sie glaubt, auch als Kanaaniterin ein geliebtes Kind Gottes zu sein. Das beeindruckt Jesus. Es kommt zur Begegnung und die Bitte der Frau wird erfüllt.

 

Predigtgedanken

Die Zahl der Menschen aus anderen Ländern und Kulturen in unseren Städten wächst ständig. Immer mehr Menschen haben einen sogenannten Migrationshintergrund. Die Unkenntnis über Kultur und Religion führen zu Irritationen. Vorurteile und falsche Schlüsse sind die Regel. Angst und Unsicherheit führen oft zu Überreaktion und Feindseligkeit.

Jesus lehnt die Frau im Evangelium zunächst ab. Er tut das in einer ungewöhnlich harten und schroffen Weise. Es ist seine Überzeugung, kein Missverständnis. Im Evangelium erkennen wir Jesus als Lernenden. Am Ende denkt er anders als zu Beginn. Die Frau lässt nicht locker. Es kommt zur Begegnung. Es ist tröstlich, dass Jesus im Verlauf dieser Begegnung seine Erfahrung und Entwicklung macht. Das bringt ihn uns näher und macht ihn uns vertrauter.

Das Verhalten unter den Mitmenschen ist stark von Vorurteilen und Zuneigung bestimmt. Wer nicht in ein Muster oder Schema passt, stört und wird ausgegrenzt. Die Einen fühlen sich den Anderen überlegen.

Zum besseren Verständnis kann ein Perspektivwechsel helfen. Es hilft, sich die Situation der Frau zu eigen zu machen. Sich ausgegrenzt und unwillkommen zu fühlen, sich nicht Gehör verschaffen zu können, ist die Situation vieler Menschen. Die Frau hat ein existentielles Problem. Es geht um alles für ihre Tochter. Sie steht mit dem Rücken zur Wand und setzt nun auf ihre vielleicht letzte Karte. Es geht nicht in erster Linie um sie. Die Kanaaniterin gibt nicht auf. Sie bleibt beim Bitten. Ihr „Herr, hilf mir!“ wird beharrlich vorgetragen. Diese Beharrlichkeit und Konsequenz sind beispielhaft. Ihr Vertrauen ist grenzenlos.

Auch die Situation der Jünger ist bedenkenswert. Störungen und Unvorhergesehenes führen zu Unruhe. Sie erfordern neue Planungen. Das ist mühsam. Aber neue Überlegungen führen zu neuen Handlungsweisen, die situations- und adressatenorientiert sind. Das gilt für das Zusammenleben im Großen und im Kleinen. Es gilt auch für Denk- und Planungswege in der Kirche. Bei Jesus und der kanaanäischen Frau treffen zwei Welten aufeinander. Unterschiede werden nicht einfach beiseite geschoben. Standpunkte werden begründet. Das Anliegen wird mit Bestimmtheit vertreten und in der Begegnung wird die Lösung gesucht.

Dies kann ein Muster für ein gutes Miteinander, für friedenserhaltende Maßnahmen und für die Konfliktlösung sein.

Hubert Münchmeyer, Ludwigshafen am Rhein

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