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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

9. Sonntag nach Trinitatis / 21. Sonntag im Jahreskreis (21. Aug. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Mt 7, 24-27

Jes 22, 19-23

Röm 11, 33-36

Mt 16, 13-20

 

Der Autor betrachtet zusammen den 2. Lesungs- und den Evangeliumstext der kath. Leseordnung. Zur 1. Lesung verweist er auf Band III „nachhaltig predigen“. Stichworte zur Nachhaltigkeit: menschliche und kirchliche Verantwortung für Verteilungsgerechtigkeit auf der Erde, die Schlüsselkompetenzen dazu sind uns mitgegeben, Pflicht der Kirchenleitungen (inter- und intergenerationelle, globale) Gerechtigkeit einzufordern

 

Exegetische Hinweise

Für diese Betrachtung sind der Römerbrief und das Matthäusevangelium heran gezogen. Die Jesajastelle mit ihren nachhaltigen Aussagen ist beispielsweise im Band III (2007/2008), Seite 136 f. ausführlich dargestellt.

Beide ausgeführten Stellen heben auf die Trias „Frieden – Gerechtigkeit – Bewahrung der Schöpfung“ ab und geben Hinweise auf ihre innere Verbundenheit. Im Römerbrief kommt in dieser kurzen Leseauswahl die Dankbarkeit des Menschen gegenüber Gott zur Sprache. Denn aus Gott und durch Gott und auf Gott hin ist die gesamte Schöpfung (Vers 36). Paulus geht davon aus, dass Gottes unerforschliche Wege in der Heilsgeschichte offenbar werden und der gläubige Mensch die Erkenntnis der inneren Zusammenhänge erlangen kann.

Nach dem Targum, der antiken Übersetzung von hebräischen oder altgriechischen Bibel-Handschriften in das Aramäische, werden die drei in der Schrift Israels gestellten Fragen mit Hiob 15, 7-9 in Verbindung gesetzt und Paulus greift sie – in umgekehrter Reihenfolge – auf: Reichtum – Weisheit – Erkenntnis, sie sind bei Gott allein ganz und werden von ihm geschenkt. Doch bis in die letzte Tiefe durchdringen kann keiner der Geschaffenen diese göttlichen Eigenschaften. So bleibt dem Menschen im Letzten der große Lobpreis in Dankbarkeit für das Erhaltene. Paulus schließt folgerichtig mit einer Doxologie, die Gott als den alleinigen Schöpfer und Vollender der Geschichte preist. Die Zustimmung im „Amen“ lässt uns den Blick bereits auf eine reagierende, antwortende Gemeinde richten und hat damit fast auffordernden Charakter.

Zu Mt 16, 13-20 sind viele exegetische Hinweise erschienen, oft in verschiedenen Deutungsrichtungen. Hier wird ein einziger Punkt betrachtet: die Frage, wie Petrus seine Vollmacht auf Erden ausüben soll. Im Hintergrund steht an dieser Stelle, dass Jesus selbst der Herr seiner Kirche bleibt und dass Petrus seine Vollmacht auf Erden bereits ausüben soll.

Es geht also nicht um einen „Torwächter an der Himmelspforte“, sondern einen klaren Gegenspieler der Schriftgelehrten und Pharisäer. Jesus wirft ihnen vor, dass sie das Himmelreich vor den Menschen verschließen (vgl. 23, 13). Petrus hat die Aufgabe, den Menschen das Himmelreich aufzuschließen, den Neuanfang in Jesus Christus zu erschließen. Dies gelingt durch das Festhalten an der Lehre Jesu (vgl. 28, 20) und durch die Erfüllung der von Jesus deutlich geforderten Gerechtigkeit (vgl. 5, 19 f.).

Diese Schlüsselgewalt wird im Vers 19 von Matthäus präzisiert: die Vollmacht gilt nicht nur im Himmel, sondern Petrus hat auf Erden sakrale Lehr- und Rechtsvollmacht. Matthäus knüpft damit bewusst an die damals bekannte Vollmacht der Rabbinen, festzulegen, was erlaubt und was verboten sei.

Mit dieser klaren Gegenüberstellung und dem angefügten Redeverbot setzt der Evangelist eine deutliche Zäsur: er beendet den ersten Hauptteil seines Evangeliums und beginnt dann die zweite Hälfte mit der ersten Leidensankündigung in den Versen 21 – 23. Diese exegetische Sicht betont nochmals die besondere Bedeutung dieser Lesestelle.

 

Bezüge zur Nachhaltigkeit

Die Verbindung der Schöpfergewalt im Römerbrief mit der matthäischen Übergabe der Schlüsselgewalt an Petrus betont die menschliche Verantwortung für die geschenkten Gaben und deren Gebrauch. „Gerechtigkeit“ als Schlüssel für das Himmelreich beinhaltet in heutiger Zeit nicht nur eine globale Verteilungsgerechtigkeit, sondern lässt auch in einem „gerechten“  Blick auf nachfolgende Generationen die Überwindung des ausbeuterischen Umgangs mit der Umwelt in ein friedvolles Miteinander sehen.

 

In der Gemeinde

  • „Ich werde Dir die Schlüssel des Himmelreiches geben“ Mt 16, 19 – Petrus übernimmt stellvertretend Aufgaben Jesu. Ein Mensch tut das, was Jesus tat, solange er auf Erden war. Der Mensch tut das, was Jesus tat: den Weg ins Himmelreich aufschließen.

  • Der Weg ins Himmelreich ist jedem Menschen gezeigt, geebnet, bestimmt.

  • Doch wer hat den Schlüssel, das Tor ins Himmelreich auf zu schließen? Wer hat die Schlüsselkompetenz, das Reich Gottes im Himmel und auf Erden zu erkennen? Wer hat die Schlüsselgewalt, uns das Reich Gottes zu erschließen?

  • Der Kirchenvater Chrysostomus schreibt in seinem Matthäuskommentar: „Und schau, wie Christus den Petrus zu einer erhabenen Erkenntnis seiner selbst führt. Er verspricht ihm nämlich etwas zu geben, was Gott allein sein eigen nennt, nämlich die Sünden zu vergeben, und [er verspricht], die Kirche in den Stürmen so vieler Verfolgungen und Versuchungen unerschütterlich zu machen.“

  • Gott gibt von dem, was allein sein eigen ist. Christus schenkt dem Menschen / den Menschen die Erkenntnis seiner selbst. Gott allein ist der Geber des Guten – er allein schenkt und vollendet die Schöpfung. Paulus schreibt es ganz deutlich im Römerbrief 11, 35: „Denn aus ihm und durch ihn auf ihn hin ist die ganze Schöpfung!“

  • Gott schenkt dem (gläubigen) Menschen Reichtum, Weisheit und Erkenntnis (vgl. Röm 11, 33). Aus sich heraus kann der Mensch nicht Anteil daran haben, aber im Glauben schenkt ihm Gott diese Schlüsselkompetenzen zum Mitwirken an seiner guten Schöpfung.

  • „Durch dich (Jesus) steht das Himmelstor allen, welche glauben, offen; du stellst uns dem Vater vor, wenn wir kindlich auf dich hoffen; du wirst kommen zum Gericht, wenn der letzte Tag anbricht“; Das Gotteslob Lied Nr. 257, 7.

  • Die ekklesia – die Kirche:
    Die Gemeinschaft der Herausgerufenen;
    die aus den selbst gestrickten Fesseln Befreiten;
    die aus den selbst gebauten Kerkern Herausgeholten;
    die der göttlichen Erkenntnis Aufgeschlossenen -
    die werden auf ewig nicht überrannt von den Mächten der Unterwelt.

  • Welcher Mensch schließt uns das Herz auf?
    Wer hat den Schlüssel zum Herzen der Gefangenen?
    Wer öffnet sich selbst für die einengenden Lebenserfahrungen anderer?
    Wer macht sich auf und lässt andere bei sich eintreten?
    Wer macht weit die Tür zum Reich Gottes in uns selbst?

  • Jesus Christus gibt seinen Anhängern den Auftrag, den Menschen die Tore des Himmelreiches weit zu öffnen. Doch welchen Schlüssel gibt er ihnen mit, welche Schlüsselkompetenzen schenkt er uns?

  • Mt 5, 20: „Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“

  • Gerechtigkeit ist der Schlüssel zum Glück!

  • Gerechtigkeit ist der Schlüssel ins Himmelreich, sie sperrt das Reich Gottes hier in dieser Welt und in der zukünftigen auf. Gerechtigkeit ist dem Menschen in die Hand gegeben.

  • Gerechtigkeit ist Jesu Nachfolgern in die Hand gegeben. In unserer Hand liegt es, ob wir die Türen zum Reich Gottes öffnen oder schließen. In unserer Hand liegt der Schlüssel, der die Menschen ins Reich Gottes führt.

  • Gerechtigkeit ist Aufgabe auch und gerade der Nachfolger des Petrus, ist Auftrag der Apostel und ihrer Nachfolger. Das Leitungsamt der Kirche, ob evangelisch oder katholisch, hat gemäß der Lehrvollmacht nach Mt 16 den Schlüssel zum Himmelreich – es ist Leitungsfunktion zu schließen, auf zu schließen, zu erschließen. Das Leitungsamt hat die Vollmacht der Rechtsauslegung, es hat damit aber auch die Pflicht Recht zu sprechen und zu verkünden, Gerechtigkeit ein zu üben und ein zu fordern.

  • Gerechtigkeit im Sinne Jesu ist eine Gerechtigkeit in dieser Welt, bedeutet Verteilungsgerechtigkeit zwischen armen und reichen Ländern. Bedeutet Verteilungsgerechtigkeit zwischen Armen und Reichen in unserem Land. Bedeutet Verteilungsgerechtigkeit zwischen weniger und mehr Begabten, zwischen Verdienenden und Nicht-Verdienenden in unseren Gemeinden und Familien. Gerechtigkeit ist der Schlüssel zum Himmelreich.

  • Gerechtigkeit im Sinne Jesu ist eine Gerechtigkeit zwischen den Generationen und allem Geschaffenen. Menschen, Tiere und Pflanzen haben das Recht der Vollendung in Gottes guter Schöpfung. Unsere Kinder haben das Recht, Gottes gute Schöpfung noch mindestens genauso zu erhalten, wie wir sie vorgefunden haben. Gerechtigkeit ist der Schlüssel zum Himmelreich.

  • Die „Schlüsselgewalt“ (Erschließung) der Leitungsverantwortung verpflichtet alle Amtsträger klar und deutlich, diese Nachhaltigkeit einzufordern: in dieser Welt und für die nächste. Schlüsselgewalt bedeutet hier auch, dass gerade den Armen in Wort und Tat zur Seite gestanden wird und öffentlichkeitswirksam friedenspolitische Forderungen formuliert werden. Und dies ganz selbstverständlich in den drei Schlüsselfunktionen der Nachfolge Jesu: Diakonie, Matyrie und Liturgie.

  • Wir sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Gottes, seine Stellvertreterinnen und Stellvertreter auf Erden – er schenkt uns alles, was wir zum Leben brauchen. Er schenkt uns den Schlüssel zum Leben, zu einem Leben in Fülle. Für alle.

Peter Hofacker, Frankfurt am Main

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