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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Pfingstsonntag (12. Jun. 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Joh 16, 5-15

Gen 11, 1-9 od. Ez 37, 1-14 od.
Ex 19, 3-8a.16-20b
od. Joel 3, 1-5

Röm 8, 22-27

Joh 7, 37-39

 

Der Verfasser betrachtet alle Predigtperikopen des Pfingstsonntags (1. Lesung Gen 11). Stichworte zur Nachhaltigkeit: nachhaltiges Wirken Jesu: sein Geist bleibt, seine Ideen bleiben, die Welt beginnt umzudenken (Joh 16); bei der Gestaltung der Lebenswelt die Bodenhaftung nicht verlieren (Gen 11); seufzen als Erdung des Gestaltungswillen / als Artikulation der sich nicht mehr wehrenden Schöpfung (Röm 8); „einen frischen Wind in der Welt wehen lassen“ (Joh 7)

(zur Bibelstelle Joh 7, 37-39 s. a. vorheriger, zur Bibelstelle Gen 11, 1-9 s. a. folgender Sonntag)

 

Stellung im Kirchenjahr

Der Begriff „Pfingsten“ stammt von dem griechischen Wort „Pentecoste“, fünfzig. Fünfzig Tage nach Ostern feiert die Kirche ihren Geburtstag. An diesem Tag empfingen die in Jerusalem versammelten Jüngerinnen und Jünger den Heiligen Geist. Von diesem bestärkt begannen sie, die Frohbotschaft von Jesu Auferstehung zu verkünden.

 

Joh 16, 12 – 15

Exegetische Hinweise

Der Evangelist Johannes beschreibt Jesus Christus vom Geheimnis der Menschwerdung her. Jesus Christus ist das menschgewordene Wort Gottes, das von allem Anfang an war und zu Gott zurückkehrt, wenn seine Sendung erfüllt ist. In besonderen Zeichen offenbart er seine von Gott geschenkte Macht. Die Art der Darstellung Jesu, geprägt von feierlicher Hoheit und echter Menschlichkeit, verleiht seiner Person die volle Dimension des Erlösers der Welt. Das Johannes-Evangelium ist Ergebnis eines längeren Überlieferungsprozesses. Als ursprünglichen Autor vermutet man einen Schüler des Lieblingsjüngers Jesu, der den Text nach dessen Tod herausgegeben hat.

Die Verse im 16. Kapitel des Johannes-Evangeliums zählen zu den sogenannten Abschiedsreden Jesu. Diese sind in zwei Abschiedsreden (1. Rede 13, 31 – 14, 31 und 2. Rede Kapitel 14 – 16) unterteilt. Hinzu kommt das Gebet Jesu im 17. Kapitel. Aufgrund der sprachlichen Übereinstimmung ist vom gleichen Autor auszugehen. Wegen der gemeinsamen Theologie kann man wohl von einer ersten und zweiten Fassung der Abschiedsrede Jesu sprechen. Besonders fallen dabei die sogenannten Parakleten–Worte auf. Insgesamt gibt es fünf dieser Aussagen (Joh 14, 15-17; 14, 25-26; 15, 26-27; 16, 4b-11 und 16, 12-15).

Das 16. Kapitel des Johannesevangeliums gehört zur 2. Fassung der Abschiedsreden. Hier tritt die Gemeinde wesentlich stärker in den Vordergrund. Der Evangelist schildert, was für ihn Gemeinde bedeutet, worauf sie gründet und ihre Hoffnung setzt. Der verheißene Geist wirkt dabei in zwei Richtungen: nach außen als „Gericht der Welt“ und nach innen als „Einführung in die Wahrheit“. Beide Wirkweisen sind aufeinander bezogen. Sie gehören zusammen. Dabei wirkt der Geist in und durch die Gemeinde der Glaubenden. Sie bezeugt den Glauben an Christus. Der Predigttext mit dem vierten und fünften Parakleten-Spruch lässt sich in drei Abschnitte gliedern:

Das Fortgehen Jesu (16, 4b-7). Jesus nimmt Abschied von seinen Freunden. Dabei geht es dem Evangelisten um den Unterschied zwischen der Zeit mit dem irdischen Jesus und der Zeit der Kirche. Da ist zum einen die Trauer der Zurückbleibenden. Zugleich aber ist dieser Abschied notwendig, damit der Paraklet kommen kann. Er erst wird das ganze Geschehen der Gemeinde erschließen können.

Die Verse 16, 8-11 handeln vom „Gericht über die Welt“. Der Geist vergegenwärtigt die gesamte Christus-Offenbarung in Verbindung mit dem Heilswirken Jesu in seinem Tod und seiner Auferstehung. Durch Jesus ist bereits jetzt Wahrheit und Leben gegenwärtig. Im Kreuz Jesu Christi hat sich nach Johannes das „Gericht über die Welt“ bereits vollzogen. Der Geist und damit die Verkündigung in der Gemeinde hat die Aufgabe, das Gericht und sein Ergebnis bekannt zu machen. Die angesprochene Sünde ist der Unglaube gegenüber Gott, die Verneinung der angebotenen Liebe Gottes. Was bleibt, ist die Selbstüberlassenheit des Menschen, das schlimmste Gericht. Die konkrete Gemeinde hat die Aufgabe, der Welt aus der Verbindung zu Christus heraus gegenüber zu treten.

Die Verse 13-15 im 16. Kapitel des Johannes-Evangeliums beinhalten den fünften Parakletenspruch. Die Überschrift lautet „Die Geistbelehrung der Gemeinde“. Der Paraklet wird von Christus nach seinem Weggang gesandt. Eigentlich heißt Paraklet „Der Herbeigerufene“. Und gemeint war der Beistand bei Gericht, der Anwalt, der Fürsprecher. Die johanneische Gemeinde ist getragen von der Überzeugung, dass sie der Heilige Geist erfüllt und leitet. Seine Gegenwart bestimmt ihr Leben und Denken. Er tritt an die Stelle Jesu und setzt dessen Wirken fort. Es ist der Geist der Wahrheit. Dabei geht es um die ganze Wahrheit. Er führt die Jünger in die offenbarte Wahrheit Jesu ein. Er begleitet die Jünger auf ihrem Weg. Der Paraklet „erinnert“ an die Worte Jesu. Dabei ist an die Zukunft gedacht. „Jetzt“ können die Jünger noch nicht alles erfassen, aber dank seines Wirkens wird es möglich. Dabei redet er, was er hört. D.h., der Paraklet selbst steht in engster Verbindung zu Christus. Er sagt, was er von diesem empfängt. Dabei ist noch nicht alles festgeschrieben in Dogmen oder Lehrsätzen. Der Geist wird das Zukünftige verkünden. Dieses „Einführen in die ganze Wahrheit“ in der Gemeinde geschieht mit Hilfe des Geistes auf unterschiedlichste Weise in der Rückbesinnung auf Jesus und sein Wirken, in der Lehre seiner Botschaft, durch kritische Worte der Propheten. Dabei ist die gesamte Gemeinde gefordert mit allen ihren Gläubigen. Sie alle haben die Aufgabe, die Wahrheit des christlichen Glaubens zu suchen und finden.

 

Assoziationen

„Nachhaltig predigen“ heißt die Buchreihe, für die diese Anregungen bestimmt sind. Jesu Abschiedsreden sind ein Beweis für das nachhaltige Wirken seiner Person und seines Werkes. Er verlässt die Gemeinde. Sein Gehen ist notwendig. Jedes irdische Leben ist von Endlichkeit bestimmt, ob in der Pflanzen-, Tier- oder Menschenwelt. Von der Erde, der adama, ist der Erdling, der adam, genommen und kehrt nach seinem Tod dorthin zurück. Bei Jesus ist es anders. Er vergeht nicht einfach. Er selber sorgt dafür, dass er bleibt. Nicht mehr der Jesus von Nazareth, der mit seinen Anhängern durch Israel gezogen ist, das Wort Gottes lehrte und in zeichenhaften Handlungen vom Reich Gottes kündete. Dieser wird durch Tod und Auferstehung von der Erde weggehen. Und Jesus bereitet seine Freunde darauf vor. Sein Geist bleibt. Seine Ideen bleiben. Und diese überdauern die Zeiten im Glauben der Gemeinde. Die „Welt“ wird überführt werden. Die Welt, d.h. die Welt der Sünde. Sünde kommt von absondern. Alles und alle, die sich absondern von ihrem Nächsten, von der Schöpfung, von ihren Mitgeschöpfen, ihren Mitmenschen, der Natur, erfahren bereits hier und jetzt das Gericht. Der Evangelist Johannes arbeitet gern mit Gegensätzen – hier die Welt, die in Absonderung und Unrecht lebt, und da das Leben, die Fülle in Gott. Es geht um ein gelingendes Leben hier auf der Erde. Die Gemeinde hat die Aufgabe, dafür Zeugnis zu geben. Wenn die „Welt“ die Schöpfung missachtet, sie ausbeutet, nur auf Gewinnmaximierung schielt und Globalisierung zur Falle für weniger entwickelte Teile der Weltbevölkerung wird, hat die Christengemeinschaft Einspruch zu erheben. Die Kraft dazu hat sie durch den Beistand, den Heiligen Geist.

 

Gen 11, 1 – 9

Exegetische Hinweise

Im 11. Kapitel des Buches Genesis wird die Geschichte des Turmbaus zu Babel geschildert. Sie besteht aus vier Teilen. Einer Exposition, der Selbstaufforderung der Bewohner von Babylon ans Werk zu gehen, um eine Stadt mit einem bis zum Himmel reichenden Turm zu errichten, um sich auf diese Weise einen Namen zu machen und der Einheit zu dienen, der Reaktion Gottes auf dieses Vorhaben und der Erklärung des Namens Babylon.

Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass die Menschen ursprünglich nur eine Sprache hatten. Vers 2 erzählt von einem Aufbruch der Menschen von Osten her in die Ebene von Schinar, womit Babylonien gemeint ist. Die scheinbar geschlossene Gesamterzählung zeigt bei näherem Hinsehen einige Auffälligkeiten, u.a. steigt Gott zweimal vom Himmel herab: um sich den Turm anzusehen, das andere Mal um die Sprache der Menschen zu verwirren. Aber das geschieht nicht, vielmehr zerstreut er die Menschen. Der Redakteur hat wohl mehrere literarische Einheiten zusammengefügt: eine Turmbauerzählung mit der beschriebenen Sprachverwirrung, die Erzählung der Stadtgründung und Volkszerstreuung und die Namensbegründung für Babylon. In vorliterarische Zeit hat es vielleicht eine Geschichte von der Zerstreuung aller Menschen über die ganze Welt gegeben im Zusammenhang mit der Sintfluterzählung. Eine andere Tradition könnte an die Erbauung eines zum Himmel ragenden Gebäudes anknüpfen. In Babylon findet man noch heute Überreste von entsprechenden Kultgebäuden. In Babylonien galten diese Bauleitungen als Ausweis der menschlichen Kunst und wurden hochgeschätzt. Der Genesis–Autor verwirft solches Tun. Historische belegt sind die Baumaterialien, die Erwähnung finden. In Babylonien wurde mit gebrannten Ziegeln gearbeitet, in Ermangelung von Steinen. Das Erdpech wurde als Dichtungsmittel und Bindematerial genutzt. Hier wird eine Großstadt geplant, eine althistorische Megalopolis. Hierfür sind Menschenmassen notwendig in Ermangelung moderner Maschinen. Ferner bedarf es erfahrener Planer und Architekten. Solch ein Bauwerk kann einem aber auch über den Kopf wachsen. Schwierigkeiten treten auf. Der Text spottet zugleich über die „menschliche Leistung“. Der so hohe Turm ist im Himmel nicht zu sehen, Gott muss herabsteigen, um ihn wahrzunehmen. Die architektonische Neugier des Menschen und sein Scheitern erinnern an die Paradiesgeschichte. Der Mensch möchte an die göttliche Allwissenheit heran und scheitert. Sein Plan, an den Himmel anzuknüpfen, scheitert auch. Der Name „Babylon“ stammt nach dem Autor der Genesis vom hebräischen Wort für „Wirrsal“ ab. Es ist damit zur Chiffre für Hochmut, Sittenverfall und Gottesfeindschaft geworden. Vor allem steht es für die Sprachverwirrung, die erst aufhören wird, wenn die Völker nach dem Propheten Zefania sich mit Israel am Ende der Zeiten vereinen und bei aller Unterschiedlichkeit der Sprachen im Bekenntnis und der Anerkenntnis des einen Gottes vereinen. Die Apostelgeschichte schildert dies in der Erzählung vom Pfingstereignis.

 

Assoziationen

Schon Kinder lieben es, Türme zu bauen. Einem Kind beim Bau eines Sandturmes am Strand zu zusehen lässt einen an die eigenen Kindertage zurückerinnern. Wie stolz war man oder ist das Kind, wenn es immer höher hinausgeht. Später werden es dann Karten, die aufeinandergestapelt werden, oder Bauklötze oder aber eine riesige Dominokette. Diese verläuft zwar überwiegend horizontal, hat aber den gleichen Sinn. Ich möchte etwas schaffen. Ich möchte mich beweisen. Ich teste meine Geschicklichkeit aus. Ich möchte der größte sein, der beste. Solange damit ein gesunder Wettbewerb gepaart mit Abenteuerlust und Verstand am Werk ist, ist es in Ordnung. Wenn aber die Bodenhaftung verloren geht, wird es gefährlich. Vielleicht benötige ich, wenn es zu hoch hinaus geht, eine Leiter, ein Gerüst, immer mehr Stützkonstruktionen und verliere schließlich den Überblick und den Boden unter den Füßen.

Sicher sind Bauwerke wie die Pyramiden in Ägypten, die Chinesische Mauer oder der Petersdom Ausweis hervorragender Architektur. Sie sind bedeutende Zeugnisse der menschlichen Fähigkeiten. Aber wie sind sie zustande gekommen! Wie viele Opfer haben sie gekostet, wie viele Menschen mussten Zwangsgelder abgeben und ihre Lebenskraft einsetzen.

Andere Entwicklungen des Menschen wiederum bedrohen seine Existenz, ob riesige Staudämme, Kernkraftwerke mit ihren Folgelasten oder die gesamte Arbeit im Bereich der Gentechnologie. Der Mensch wagt sich weit vor. Die Sprache dabei ist einheitlich – scheinbar. Englisch ist die internationale Fachsprache geworden. Aber wer versteht eigentlich noch das, was die Experten sagen, auch wenn man Englisch gelernt hat. Dabei verkümmern die eigenen Sprachen. Ein Mischmach entsteht, der vergisst, wo die eigenen Wurzeln liegen. Dabei sind nicht nur die eigenen Sprachwurzeln gemeint. Der Mensch hat die Gabe des Verstandes von Gott erhalten. Zu Beginn der Genesis wird es geschildert. Er hat die Gabe und Aufgabe, die Erde zu bebauen und zu behüten. Die Kraft dazu schenkt ihm Gott. Er ist der Schöpfer, der Mensch das Geschöpf. Das darf er nicht vergessen, sonst wird er sehr leicht verwirrt und endet im Wirrsal wie Babylon.

 

Röm 8, 22 – 27

Der Römerbrief ist vermutlich im Winter 56 / 57 entstanden. Paulus schreibt ihn von Korinth aus. Er möchte Jerusalem besuchen und von dort nach Rom aufbrechen. Die christliche Gemeinde von Rom ist nicht seine Gründung. Er kennt sie kaum. Aus dem Inhalt seines Briefes kann man schließen, dass es zu Spannungen zwischen Judenchristen und Heidenchristen gekommen ist. Sein Brief eröffnet eine Lösung des Problems. Dabei zeichnet sich sein Schreiben durch eine sehr abgewogene Sprache und Systematik aus. Der Römerbrief bietet eine der besten Darstellungen der paulinischen Lehre überhaupt.

 

Exegetische Hinweise

Paulus spricht in Röm 22-27 von einem dreifachen Seufzen, das der ganzen Schöpfung, der Christen und des Geistes. Hierin zeigt sich eine Stufenfolge mit einer Steigerung von unten nach oben. In Vers 22 betont Paulus, dass die gesamte Schöpfung bis heute seufzt und in Geburtswehen liegt. Der Grund liegt in der Tatsache, dass durch den Sündenfall des Adam die Schöpfung der Vergänglichkeit unterworfen ist. Diese Schöpfung wartet sehnsuchtsvoll auf den Tag der Erlösung. Die Christen seufzen ebenfalls. Obwohl sie sich in einer anderen Lage als die übrige Schöpfung befinden, denn sie sind ja bereits neue Schöpfung in Christus und sie haben den Geist als Erstlingsgabe erhalten, seufzen sie. Denn ihr Leib ist der Vergänglichkeit unterworfen. Die Christen warten auf die Verwandlung ihres irdischen Leibes in den Leib der Herrlichkeit, der nicht vergeht. Hinzu tritt das Seufzen des Geistes. Es handelt sich nicht um einen Vorgang im Menschen. Der Geist kommt dem Menschen zu Hilfe. Er nimmt sich unserer Schwachheit an, da der Mensch nicht weiß, um was er beten soll. Er ist unfähig zum Gebet. Der Geist tritt als Paraklet auf, als Fürsprecher für uns bei Gott. Sein Seufzen ist eine Art, die der Mensch nicht in Worte fassen kann. Gott aber kann es. Er weiß, was die Absicht des Geistes ist und er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein.

Das Seufzen ist hier also nicht das verzweifelte Stöhnen eines Menschen, der nicht mehr weiter weiß. Im Gegenteil, das Seufzen des Geistes befreit den Menschen aus seiner Sprachlosigkeit vor Gott.

 

Assoziationen

Vor Jahren stand in einer großen Tageszeitung im Leitartikel der Satz, das Seufzen sei etwas zutiefst Befreiendes. Es bringt den Menschen in die Tiefe. Ein tiefes Einatmen und Ausatmen. Es verweist auf die vom Äußeren her gesehen wichtigste Wahrnehmung, dass der Mensch noch lebt. Er atmet. Er atmet tief durch. Manchmal, weil er nicht mehr weiter weiß. Ich habe mich angestrengt, alles versucht, jeden gangbaren Weg im Geiste oder auch in der Wirklichkeit erkundet. Und ich komme nicht weiter. Ein Seufzer der Resignation kann sich auftun. Aber der Seufzer birgt auch die Erkenntnis, ich atme noch. Ich bedarf der Ruhe, der Orientierung, der Erdung. Ich bin mir meines Atems bewusst, d.h. ich lebe noch und noch ist es nicht zu spät. Auch wenn ich mir scheinbar nicht mehr helfen kann, mein Seufzen kann gehört werden. Und wie oft ist die Reaktion bei einem „öffentlichen“ tiefen Seufzer: „Was ist denn los?“ Ich mache unbewusst auf mich aufmerksam und werde angesprochen. So tut es auch der Geist Gottes. Er tritt für mich ein bei Gott, wenn ich aufgrund meiner Lebenssituation nicht mehr mit ihm sprechen kann und verstummt bin. Mir fehlt die Kraft zum Gebet. Es bleibt mir nur noch mein Atem zur Artikulation und ich werde wahrgenommen von Menschen, die mich ansprechen, die nach mir und meiner Lage fragen und mir Hilfe anbieten. Sie sind in diesem Moment der Geist Gottes, die für mich reden und für mich eintreten. Darin besteht die christliche Hoffnung. Wir sind gerettet, auch wenn es im Alltag nicht immer so scheint. Der Geist ist unser Fürsprecher, in welcher Form er auch immer erscheinen mag. Zugleich sind wir als Geschöpfe Gottes, die die Gabe und Aufgabe haben, für die Schöpfung einzutreten, auch gefordert quasi als Fürsprecher für die geschundene Kreatur, die leidende Schöpfung einzutreten. Wir haben die Aufgabe, aufmerksam die Natur, unsere Mitschöpfung zu beobachten und Protest zu erheben, wo diese nicht mehr wahrgenommen wird, wo sie sich nicht mehr äußern kann und ihre Zerstörung droht. Hier ist die Verantwortung der Christen gefordert, sich entsprechend zu artikulieren und für die Schöpfung einzutreten, z.B. im Bereich der Energieversorgung oder der Eingriffe der Gentechnologie.

 

Joh 7, 37 – 39

Exegetische Hinweise

Der Evangelist Johannes beschreibt Jesus Christus vom Geheimnis der Menschwerdung her ... (s. o. erster Absatz zu Joh 16).

Jesu Wort, „Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt“, gehört ans Ende des Laubhüttenfestes. Am siebten Tag dieses Festes, das an die Zeit der Wüstenwanderung nach dem Auszug aus Ägypten erinnert, zogen die Priester mit dem aus der Quelle Siloh geschöpften Wasser siebenmal um den Altar des Tempels. Jesus ist wohl dabei und ruft in diese rituelle Handlung sein Wort hinein. Er lädt ein, zu ihm zu kommen und zu trinken. Christus selber ist die Quelle lebendigen Wassers. Das Wasser aus dem Siloah-Teich erinnert an das Wunder, das Jesus hier an einem Blinden gewirkt hat. Nicht das Wasser heilt ihn, sondern der Wille Jesu Christi. Das Wort Jesu erinnert auch an den Fels in der Wüste, den Moses mit seinem Stab berührte und aus dem das rettende Wasser für das Volk in der Wüste floss. Es ist auch eine Vorwegnahme der Kreuzesszene. Der Soldat sticht mit seiner Lanze in Jesu Seite und es heißt, dass sogleich Blut und Wasser daraus flossen. Das Heil fließt aus Christus hervor. Dabei erschließen sich die Worte des irdischen Jesus in ihrem vollen Sinn erst nach seiner Verherrlichung. Die Gabe des Lebens, der Heilige Geist, ist allen zugesagt, die an ihn glauben. Er wird seine Wirkung aber erst nach Jesu Verherrlichung entfalten.

 

Assoziationen

„Wer Durst hat, komme zu mir“, ruft Jesus aus. Existentiellen Wassermangel erleben wir in Deutschland überhaupt nicht. Allenfalls wird bei drückender Hitze im Sommer und ausbleibendem Regen der Hinweis gegeben, man solle auf das Autowaschen verzichten. Ganz anders ist es bei Völkern, die unter ständigem Wassermangel leiden. Selbst im südlichen Europa ist in den letzten Jahren im Sommer die Wassersituation angespannt gewesen. Der Mensch braucht das Wasser. Drei Tage ohne Wasserzufuhr, und der Mensch ist tot. Ganz anders verhält es sich beim Hunger. Dort lässt es sich bis zu vier Wochen ohne feste Nahrung durchhalten. Das Leben entstammt dem Wasser. Die Evolutionsbiologen haben es bewiesen. Der Mensch besteht zu 80 % aus Wasser, die Erde, der Blaue Planet, aus 90% Wasser. Wenn Jesus das Bild vom „lebendigem Wasser“ aufgreift, hat er ein Gespür für die Notwendigkeit des Wassers für den Menschen. Was von ihm ausgeht, aus diesem lebendigen Wasser, ist der Geist. Damit verdeutlicht er, dass der Geist stets etwas Lebendiges, Frisches ist. Wo es keine Lebendigkeit gibt, da vertrocknet alles. Wo kein frischer Wind weht, wird es muffig.

Der Heilige Geist kommt an Pfingsten auf die Jüngerinnen und Jünger herab. Er entfaltet seine Dynamik, seine Kraft. Die Apostel und alle, die ausgeharrt haben, fangen an, die Frohbotschaft Jesu zu verkünden. Denn Christus ist von den Toten auferstanden und sitzt im Himmel zur Rechten des Vaters, d.h. er ist verherrlicht. Und damit entfaltet der Geist seine Wirkung bis auf den heutigen Tag.

Mit dieser Geistsendung ist den Gläubigen auch die Aufgabe übertragen, Christi Botschaft vom Leben weiterzutragen. Dazu gehört auch die Botschaft vom Leben mit und im Einklang mit der Natur. Auch das ist Frucht des Heiligen Geistes, sich der Schöpfung bewusst zu sein und sich für sie einzusetzen. Die Bildworte Jesu, die er oft benutzt hat in seinen Reden, sind vielen heute nicht mehr verständlich. Darin könnte eine Aufgabe liegen, sie den Nachkommenden vertraut zu machen bzw. dafür zu sorgen, dass z.B. die Lilien auf dem Felde auch noch in der Realität zu sehen sind oder die Kinder auch noch Füchse in der Natur erleben können.

Reimund Franz, Riegelsberg

 

Quellen

J. Blank, Geistliche Schriftlesung, Das Evangelium nach Johannes

Gerhard Kittel (Hg.), Theologisches Wörterbuch zum NT, Bd. II und VIII

J. Schabert, Die Neue Echter Bibel, Genesis 1 – 11

Rudolf Schnackenburg, Das Johannesevangelium in HTKNT

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