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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Rogate / 6. Sonntag der Osterzeit (29. Mai 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Lk 11, 5-13

Apg 8, 5-8.14-17

1 Petr 3, 15-18

Joh 14, 15-21

 

Der Autor betrachtet 2. Lesungs- und Evangeliumstext der kath. Leseordnung sowie den ev. Predigttext. Stichworte zur Nachhaltigkeit: sich auf einen neuen Weg einlassen – umdenken ... – und Umgang mit den dann auftretenden Problemen (1 Petr 3); die Taten folgen der richtige Grundhaltung automatisch (Joh 14); Handel wegen des Dankes und Lohns – oder von innen heraus aus Stärke, um die wir Gott bitten (Lk 11)

 

Zweite Lesung: 1 Petr 3, 15-18

Unsere Welt, so scheint es, steht am Rande des Abgrunds. Klimaerwärmung, Wetterextreme, Umweltverschmutzung, die immer noch offene Frage der Entsorgung des Atommülls zeichnen zusammen ein Szenario, aus dem nur noch ein radikales Umdenken herausführt. Mahner und Unheilpropheten gibt es zahlreich, aber offensichtlich gelingt es den wenigsten, so zu überzeugen, dass eine Mehrheit der Weltbevölkerung umdenkt und bereit ist, neue Wege zu denken.

Ich sehe Parallelen zu den ersten Christen, an die sich Petrus in dieser Lesung wendet:

Die ersten Christen ließen sich auf einen neuen Weg ein, der in eine bessere Zukunft führen soll und der etwas radikal anderes ist als alles, was es bisher an Religionen gab.

Und dann stehen sie vor zwei Fragen:

  1. Wie trete ich gegenüber den Heiden auf? Wie kann ich überzeugend meinen Glauben leben?

  2. Wie gehe ich mit Scheitern, mit Verspottung, mit Verachtung um?

Übertragen auf die Entscheidung zu einem „nachhaltigen Leben“ (das meines Erachtens ein Aspekt der viel grundlegenderen Entscheidung zu einem Leben in Christus ist), lauten die Fragen:

  1. Wie können wir unsere Mitmenschen davon überzeugen, ebenfalls Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen? Wie trete ich den Menschen gegenüber auf, die aus Gedankenlosigkeit oder bewusstem Desinteresse unserer Welt Schaden zufügen? Wie reagiere ich, wenn andere nicht wenigstens kleine Möglichkeiten nutzen, um unsere Welt nicht weiter gegen die Wand zu fahren?

  2. Wie gehe ich damit um, wenn andere mich auslachen, nur weil ich ökologischen Strom statt Billigstrom kaufe; weil mein Kaffee fair gehandelt ist statt Sonderangebot; weil mein Obst und Gemüse vom Biobauer kommen statt vom Discounter um die Ecke?

Ich denke, auf beide Fragenkataloge gibt die Lesung die gleichen Antworten:

  1. „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt, aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig“ (V 15-16)
    Wir sind um so überzeugender, je weniger wir als Bessermenschen rüberkommen, als Besserwisser und Moralapostel. Nicht der erhobene Zeigefinger überzeugt, sondern das gelebte Beispiel. Hier passt gut ein Satz, den ich zuletzt in einer Predigt hörte: „Antworte nur dann, wenn du gefragt wirst, aber lebe so, dass du gefragt wirst!“

  2. „Es ist besser, für gute Taten zu leiden (…) als für böse“ (V 17)
    Vielleicht muss die Frage anders formuliert werden: Worunter würde ich mehr leiden: Unter dem Spott der anderen – oder unter dem schlechten Gewissen, nicht alles getan zu haben, was in meinen Kräften steht?

 

Evangelium: Joh 14, 15-21

Zu diesen Überlegungen bietet das Evangelium (mindestens) zwei Anknüpfungspunkte:

V 15: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“

Um ein guter Christ und ein (umwelt-)verantwortlicher Mitbürger zu sein, muss ich weder die Bibel auswendig lernen noch ein „Gesetzbuch nachhaltigen Handelns“ – wenn es denn so etwas gäbe. Es geht vielmehr um eine Grundhaltung, eine Entscheidung: Meine Liebe zu Christus. In diese Liebe ist sozusagen als Konsequenz die Liebe zur Schöpfung und zu meinen Mitmenschen eingeschlossen.

Es ist anstrengend, aus reiner Verstandesleistung immer das Richtige tun zu wollen. Wenn es ein Bedürfnis von Herzen ist, eine Grundhaltung, dann tue ich das Gute oft genug fast „automatisch“.

V 17 „Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn“

Dieser Gedanke knüpft an den ersten Punkt zur Lesung an: Wie gehe ich mit denen um, die ihre Verantwortung nicht wahrnehmen (im doppelten Wortsinn)? Hier sagt uns das Evangelium: Sie können nichts dafür, sie sehen es nicht. Kein Grund für mich, auf sie herab zu sehen. Ich bin nichts Besseres – und ich diene nicht der Botschaft, sondern schade ihr, wenn ich mich (oder die Botschaft, der ich folge) als das Bessere, als das einzig Wahre präsentiere.

Überzeugung kommt nur durch Dienen und Demut. Und dies wird mir letztlich nur gelingen, wenn ich liebe, statt „nur“ Gesetze, Gebote oder Vernunftgründen folge.

 

Ev. Predigttext: Lk 11, 5-13

„Was Gott tut, das ist wohlgetan …“ beginnt ein ökumenisches Kirchenlied. Gott meint es gut mit uns – auch wenn wir es nicht immer gut mit unseren Mitmenschen meinen. Und natürlich meinen es unsere Mitmenschen nicht immer gut mit uns, auch wenn wir versuchen, gemäß dem christlichen Liebesgebot zu leben.

Hieran knüpft mein zweiter Gedanke zum Petrusbrief an: Wollen wir unseren Mitmenschen, der Umwelt, der Gesellschaft nur dann Gutes tun, wenn wir Dank und Lohn dafür empfangen? Oder ist die gute Tat an sich nicht schon Lohn genug?

Gott, der das Gute in unserem Herzen sieht, wird uns das Gute vergelten – und uns unsere Schwachheit nachsehen.

„Bittet, so wird euch gegeben ….“ Wir erleben immer wieder unsere eigene Schwäche, unsere Unfähigkeit, konsequent zu handeln. Manchmal überkommt uns dann die Angst, wie wir in unserer Schwachheit vor Gott bestehen können. Vielleicht muss sich hier unser Blick wandeln. Vielleicht sind wir auch nur deshalb so schwach, weil wir Gott noch nicht genug um Stärke gebeten haben?

Ohne seinen Beistand werden wir die Welt nicht retten, nicht mal unser eigenes Leben. Was wir tun, tun wir aus der Kraft und Zuversicht heraus, die er uns gibt.

Manfred Heitz, Altrip

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