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Umdenken - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz

Miserikordias Domini / 3. Sonntag der Osterzeit (8. Mai 2011)

 

ev. Reihe III kath. 1. L. kath. 2. L. kath. Evang.

Hes 34, 1-2 (3-9) 10-16.31

pg 2, 14.22-33

1 Petr 1, 17-21

Lk 24, 13-35 (s. 24.3.)
od. Joh 21, 1-14

 

Der Verfasser bezieht sich nur auf den Text der ev. Predigtreihe. Stichworte zur Nachhaltigkeit: Gier und Schielen auf den eigenen Vorteil führt ins Elend und in die Zerstreuung, Besonders in den Zeiten der Krise an globale Zusammenhänge und die anderen mit denken, Reflexion des Lebensstils

 

Vorbemerkung

Der 8. Mai ist der Tag des Kriegsendes 1945 und damit Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Das sollte an diesem Sonntag „Misericordias domini – Erbarmen des Herrn“ nicht übergangen werden, auch wenn dieses Datum dann schon 66 Jahre zurückliegt und die Zeitzeugen weniger werden. „Erbarmen des Herrn“ – das könnte angesichts dieses Datums in mehrfacher Hinsicht bedacht werden: Viele Menschen – in allen beteiligten Ländern – haben damals das Ende dieses mörderischen Krieges als ein Zeichen der Barmherzigkeit Gottes gesehen. Angesichts der unermesslichen Zahl der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, der dahinter stehenden menschlichen Schuld und der Aufgabe eines grundlegenden Neuanfangs stand das Angewiesensein auf Gottes Gnade und Erbarmen deutlich vor Augen (Siehe z.B. das Stuttgarter Schuldbekenntnis der neu formierten Evangelischen Kirche).

Das gottesdienstliche Nachdenken an diesem Tag sollte aber nicht in der Vergangenheit hängen bleiben. Krieg, Gewalt und Unterdrückung sind noch immer an der Tagesordnung. Und immer wieder gibt es auch Versuche, politische, wirtschaftliche oder soziale Konflikte mit militärischer Gewalt zu lösen (Beispiel Afghanistan). „Auf der Gewalt ruht kein Segen“ – so formulierten Kirchenvertreter 1948 in Eisenach. Wie weit gilt das heute noch angesichts von militärischen „Friedensmissionen“? Was sind Alternativen?

 

Zum evangelischen Predigttext: Hesekiel 43, 1-2 (3-9) 10-16.31

In diesem Text werden die menschlichen „Hirten“ des Volkes Israel, die sich in Wahrheit als unmenschlich erwiesen haben, Gott als dem wahren und wahrhaft menschlichen Hirten gegenübergestellt. Während die Machthaber über ihrer Gier und dem Schielen auf den eigenen Vorteil ihre eigentliche Aufgabe, Hirten – Be-Hüter – des Volkes zu sein, vergessen haben und deswegen das Volk ins Elend und in die Zerstreuung gerät, sagt Gott zu, dass er sich seiner Herde nun selbst annehmen will. Die schlechten Hirten und der eine gute Hirte, das sind die beiden Pole, um die der Text sich bewegt.

Es ist sicher nicht schwierig, auf dem Hintergrund der obigen Anmerkungen zum historischen Datum 8. Mai, diese Polarität des Textes zu illustrieren. Allerdings würde ich etwa die Gründung des Staates Israel nicht schon als Erfüllung der göttlichen Zusage ansehen, sein Volk wieder in seinem Land zu sammeln.

Ebenso vorsichtig wäre ich, von den Gerichtsworten des Textes über die sich selbst weidenden Hirten zu einer pauschalen Schelte über Politiker und Wirtschafts- oder Finanzbosse zu kommen.

Wichtig wäre eher, die positiven Aspekte des Hirtenbildes, das hier von Gott gezeichnet wird, aufzunehmen und umzusetzen in unsere Gegenwart: Ist es in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise nicht gerade besonders wichtig, darauf zu achten, dass die Schwachen in der Gesellschaft nicht noch mehr an den Rand gedrängt werden? Gegenwärtig (Mai 2010) wird aber über eine Kürzung bei Hartz IV nachgedacht! Gerät angesichts der Schwierigkeiten im eigenen Land die Verantwortung für weltweite soziale Gerechtigkeit aus dem Blick? Könnte nicht die gegenwärtige Krise auch ein Anstoß sein, über unseren Lebensstil nachzudenken, der noch immer meilenweit über dem der „Zweidrittelwelt“ liegt? Oder sind wir jetzt wieder mehr uns selbst der Nächste statt unseres „fernen Bruders“ Hüter zu sein? Das Beispiel Gottes – des wirklichen guten Hirten – könnte uns anderes lehren.

Rüdiger Schellhaas-Eberle, Grünstadt

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